Panitzsch

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Das 750-jährige Jubiläum der urkundlichen Ersterwähnung von Panitzsch ist Anlass, mit dem nun vorliegenden Buch Geschichte und Gegenwart zu beleuchten. So konnte Kirchenhistoriker Dr. Jens Bulisch als fachkundiger Mitherausgeber für dieses Werk gewonnen werden. Mit zahlreichen Beiträgen von namhaften Wissenschaftlern wie Markus Cottin, Birgit Horn-Kolditz und Dr. Gerald Kolditz, sowie den Mitstreitern Eberhard Fischer, Gerd Graupner, Gerhard Otto, Henning Schmidt, federführend durch Pfarrer Reinhard Freier und durch die Hilfe vieler ungenannter »Zuarbeiter«, ist ein umfangreiches Buch mit zahlreichen farbigen Abbildungen entstanden, das die Zeiten überdauern und stets an die Menschen und die Geschichte des sächsischen Ortes Panitzsch erinnern soll.

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Vereinzelt finden sich in den Akten der Gemeindeverwaltung Zahlen zur Bodenreform sowie zur Landverteilung und Ansiedlung von Neubauern. Im Rahmen der Bodenreform wurden in Panitzsch insgesamt rund 118 Hektar Land enteignet, darunter Flächen der Familie Achilles (Lange Straße mit dem Gebäudekomplex des „Blauen Engels“) sowie des Jacobschen Besitzes (Sommerfelder Straße mit dem Gutshaus einschließlich des zum Gut gehörigen Parks). Davon wurden knapp 90 Hektar an 46 besitzlose oder landarme Bauern zugeteilt, unter ihnen 14 Neubauern. 23 Hektar dienten dem Landaustausch mit den Städten Leipzig und Taucha, fast fünf Hektar Fläche fiel an verschiedene Organisationen, darunter die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB). Die Gemeinde erhielt eine Fläche von rund drei Hektar mit dem Herrenhaus, fünf Wohnhäusern, zehn Ställen und acht Scheunen in eigene Verwaltung. Ein Teil dieser Gebäude wie das Gutshaus sollte auf Anweisung der Kreisverwaltung abgebrochen und das Baumaterial für die Errichtung von Neubauerngehöften verwendet werden. Das Gutshaus blieb jedoch aufgrund von Einsprüchen der Gemeinde erhalten und wurde schon 1948 zur Schule umgebaut. In freiwilligen Arbeitseinsätzen leisten die Panitzscher bis 1949 beim Schulbau über 4.000 Arbeitsstunden. Sie beräumten Schutt, bargen Steine, klopften diese ab und führten Planierungsarbeiten aus. Im Januar 1949 befürworteten die Gemeindeverordneten den Antrag, die neue Grundschule nach Margarete Blank zu benennen.

Im Januar 1946 wurden für Panitzsch 146 „Ansiedler“ gemeldet, deren Aufnahme in die Gemeinde zum Teil von einer Reihe von Hilfsmaßnahmen, wie dem Bereitstellen von Bettstellen oder der Zahlung von einmaligen Unterstützungen begleitet wurde. Die Zahl der Umsiedler wuchs bis zum Mai 1947 auf 348 Personen an, darunter 83 Männer, 154 Frauen sowie 111 Kinder. Im Oktober 1946 wies das Umsiedlerlager Taucha der Gemeinde erneut vier Männer, 14 Frauen und zwölf Kinder als Umsiedler zur Einbürgerung in Panitzsch zu. Die Eingliederung verlief allerdings nicht immer reibungslos, zumal für die Einrichtung der 14 Neubauernstellen in den geforderten Landgrößen mit Alteigentümern Grundstücksflächen getauscht werden mussten. Neubauernstellen befanden sich unter anderem an der Tauchaer sowie an der Plösitzer Straße (hinter der Bäckerei Hoffmann). Die Neubauern erhielten Steuervergünstigungen, staatliche Unterstützungen beim Viehankauf, Zuweisungen von Altmaterialien sowie die Gewährung günstiger Kredite im Rahmen des Bodenreform-Bauprogramms, alteingesessene Familien hingegen nicht. Größere Maschinen und Traktoren wurden im Zuge der Bodenreform zwar ebenfalls enteignet, aber nicht aufgeteilt, sondern in Maschinenausleihstationen (MAS) bzw. Maschinen-Traktoren-Stationen (MTS) zum Verleih an die Bauern verwaltet. Das Eigentum ging später erst leihweise, dann durch Ankauf in die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) über.

Im Mai 1947 übermittelte Bürgermeister Rudolph an den Landrat in Leipzig folgende Angaben: Einwohner insgesamt 1.652, davon 539 Männer, 725 Frauen sowie 388 Kinder (davon 186 Jungen, 202 Mädchen). Zu dieser Zeit befanden sich noch 125 Panitzscher in Kriegsgefangenschaft, davon 43 in englischer, 62 in amerikanischer, einer in französischer sowie 19 in „russischer“ (sowjetischer) Gefangenschaft. 70 Panitzscher hatten im Zweiten Weltkrieg bei der Infanterie (53), der Luftwaffe (12) und der Marine (5) gedient.

Bis zum 1. Oktober 1947 wuchs die Panitzscher Einwohnerzahl auf 1.660 Personen (ein Zuwachs von über 22 Prozent im Vergleich zu 1941 mit 1.359 Einwohnern). Die Gemeindefläche umfasste 924 Hektar. Pro Quadratmeter lebten durchschnittlich 180 Einwohner des Ortes.

1947 existierte in Panitzsch eine eigene Polizeistation, die sich in der Hauptstraße 62 c befand. Ab 1. April 1949 wurde das Meldeamt durch die Volkspolizei übernommen. Angestellte des Volkspolizeipräsidiums Leipzig hielten in Panitzsch einmal wöchentlich Sprechzeiten ab.

Am 1. Juli 1949 eröffnete in Panitzsch ein Land-Ambulatorium, in dem eine Gemeindeschwester sowie eine Hilfsschwester die Patienten versorgten. Die medizinische Betreuung oblag nach vertraglicher Regelung mit der Gemeindeverwaltung dem Betriebsarzt des Reichsbahnausbesserungswerks (RAW) Engelsdorf, Herrn Dr. Lehmann.

Im Amtlichen Straßenverzeichnis für die Stadt Leipzig und Umgebung wurden für 1947 folgende 14 amtliche Straßennamen in Panitzsch aufgeführt: Althener Straße, Borsdorfer Straße, Ernst-Thälmann-Straße (früher und heute wieder Neue Straße), Gerichshainer Straße, Hauptstraße, Kirchgasse, Krickauer Straße (heute Kriekauer Straße), Langestraße (heute Lange Straße), Margarete-Blank-Platz, Margarete-Blank-Straße, Plösitzer Straße, Sehliser Straße, Sommerfelder Straße und Teichstraße. Als Anfahrtsmöglichkeit nach Panitzsch wurde zu dieser Zeit die Nutzung der Straßenbahnlinie 4 in Leipzig bis Engelsdorf und der sich anschließende Fußweg, meist über die Dreiecksiedlung, ausgewiesen.

Blick in Richtung der Dreiecksiedlung Bereits kurz nach dem Kriegsende - фото 29

Blick in Richtung der Dreiecksiedlung.

Bereits kurz nach dem Kriegsende bildete sich die Ortsgruppe der KPD neu und Anfang 1946 folgte die politische Aktivierung der Ortsgruppe der SPD. Im April 1946 entstand in der sowjetischen Besatzungszone aus beiden Arbeiterparteien die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED), so dass sich in Panitzsch ebenfalls eine SED-Ortsgruppe organisierte. Aktiv war auch eine Ortsgruppe des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB). Neben der Freiwilligen Feuerwehr und dem Sportverein (ab 1950 Betriebssportgemeinschaft „Traktor Panitzsch“) agierten zu DDR-Zeiten in Panitzsch verschiedene andere gesellschaftliche Organisationen und Parteien. Die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) nutzte die gesamte Trabrennbahn mit der alten Schießanlage als Ausbildungsgelände, das zwischen 1987 und 1990 zu einem Bezirksausbildungszentrum ausgebaut wurde. Später waren vor allem die SED- und FDGB-Betriebsorganisationen für die politische Arbeit im Interesse des SED-Staates maßgebend.

Am 1. September 1946 fanden die ersten Wahlen für einen neuen Gemeinderat nach dem Kriegsende statt. Auf dem Stimmzettel konnten die 964 stimmberechtigten Panitzscher über Kandidaten der SED, der Christlichdemokratischen Union (CDU) und des Kommunalen Frauenausschusses abstimmen. Gewählt wurden jeweils acht Gemeindevertreter aus den Reihen der SED sowie der CDU. Formell arbeiteten die Gemeindeverordneten, der Bürgermeister und die Gemeindeverwaltung selbstständig, unterstanden jedoch der Rechtsaufsicht des zuständigen Landrates. Bürgermeister Rudolph war nicht berufsmäßig angestellt und erhielt eine monatliche Vergütung, die sich nach der Einwohnerzahl des Ortes errechnete. Als Franz Rudolph im Jahr 1949 erkrankte, übernahm der 1947 gewählte 1. Stellvertreter Otto Hanke (CDU) die Amtsgeschäfte. Im Januar 1951 wählten die Gemeindeverordneten mit dem Arbeiter Rolf Beyer (Demokratische Bauernpartei Deutschlands) wieder einen besoldeten Bürgermeister.

Mit Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) am 7. Oktober 1949, der Auflösung der Länder 1952 sowie der immer stärkeren Etablierung der SED-Diktatur wurden die Möglichkeiten für eine kommunale Selbstverwaltung weiter beschnitten, bis sie schließlich mit dem Gesetz über die örtlichen Organe der Staatsmacht vom 18. Januar 1957 gänzlich abgeschafft wurden. Wenn die gewählten „Volksvertreter“ der Gemeinde (Gemeindeverordnete) weiter wichtige Fragen der örtlichen Entwicklung berieten, anregten und beschlossen, waren sie von der Genehmigung durch die Planungsstellen des Rates des Kreises Leipzig sowie den Entscheidungen der SED-Führung abhängig. Entscheidungen waren ohne Zustimmung der SED-Ortsgruppe, den Parteifunktionären in den Betrieben und Produktionsgenossenschaften sowie der SED-Kreisleitung nicht möglich.

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