Auf der ersten Einwohnerversammlung am 13. September 1990 im Saal des Gasthofes standen die künftigen Bauvorhaben in Panitzsch, zu denen der Ausbau der Trabrennbahn zum Freizeitcenter sowie die Sicherung des Schulstandortes gehörten, im Mittelpunkt der Diskussionen. Die nach einer kurzen Bauplanung und Bauzeit am 20. August 1993 eingeweihte Grundschule „Dr. Margarete Blank“ bietet mit ihrer hellen und freundlich gestalteten Einrichtung, besonders dem überdachten Mittelbau (der Aula/des Atriums) vielfältige Nutzungsmöglichkeiten für Ausstellungen, Schulkonzerte und -feiern und wird oft für größere Veranstaltungen der Gemeinde wie Einwohnerversammlungen oder als Wahllokal genutzt.
Plan der Gemeinde Panitzsch, Stand Mai 1992.
In den folgenden Jahren beschäftigte sich der Gemeinderat in seinen meist öffentlichen Sitzungen, die in der Regel einmal im Monat stattfanden, mit folgende Themen: Schaffung von Arbeitsplätzen und Wohnraum, Erstellung von Bebauungsplänen, Untersuchungen zur Erhaltung und Gestaltung des Dorfkerns, Haushalts- und Finanzierungsfragen, Gebührenerhebung wie beispielsweise für die Betreuung in den Kindereinrichtungen, Grundstücksverkäufe für Eigenheime und Wohnbebauung, Ansiedlung von Gewerbe, Straßenbau mit einer Grunderneuerung der bis dahin meist noch einfach ausgebauten Straßen im Ort. Darüber hinaus wurden in den 1990er Jahren im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) Arbeiten am Friedhof bzw. dem Pfarrgelände (Wiedererrichtung der Mauern) ausgeführt. Über den Zweckverband Parthenaue erfolgte die Renaturierung der Parthe. Vor allem im Rahmen privater Initiativen nutzen mehr als 40 Panitzscher Fördergelder für Außensanierungen sowie grundlegende Innensanierungen an ihren Gebäuden. Langsam verbesserte sich das Erscheinungsbild der Gemeinde. Bereits im November 1992 belegte Panitzsch im Wettbewerb des Kreises „Unser Dorf soll schöner werden“ den 2. Preis und wurde durch den Rat des Kreises Leipzig mit 500 DM prämiert.
Sanierte Mauer des Kirchhofs.
Ein Höhepunkt für die Panitzscher und ihre Gäste war die 725-Jahrfeier, die zu Pfingsten 1992 vom 5. bis 8. Juni mit verschiedenen Veranstaltungen auf der Trabrennbahn begangen wurde. Gezeigt wurde die Ausstellung „725 Jahre Panitzsch“. Zum Festprogramm gehörte außerdem die feierliche Wiedereröffnung der renovierten Kirche.
Bei den Wahlen zum Gemeinderat 1994 erhielt Lothar Perschmann erneut das Vertrauen der Gemeinderäte und wurde als Bürgermeister des nunmehr 1.250 Einwohner zählenden Ortes wiedergewählt. Zur Lösung einzelner Verwaltungsaufgaben bildete der Gemeinderat einen Verwaltungs- sowie einen Technischen Ausschuss. In diesem Zeitraum entstand die Neubebauung an der Gerichshainer Straße mit Ein- und Mehrfamilienhäusern für ca. 1.000 Bewohner. Den hier als Straßennamen vergebenen Vogelnamen verdankt die Siedlung im Volksmund die Bezeichnung als „Vogelsiedlung“.
Blick in Richtung der Dreiecksiedlung.
Dank der im April 1993 erfolgten Anerkennung als „Programmdorf“ durch das Sächsische Staatsministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten bzw. das Staatliche Amt für ländliche Neuordnung (mit Sitz in Markkleeberg) sowie die Zuweisung von Fördermitteln im Zeitraum bis 1998 konnten weitere kommunale und private Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen ausgeführt werden. Im Mittelpunkt der 3,78 Millionen DM umfassenden Planungsvorhaben standen die Erhaltung des historischen Erscheinungsbildes des Ortes, die Herausbildung eines Dorfmittelpunktes mit privaten und öffentlichen Einrichtungen sowie Dienstleistungsangeboten, eine maßvolle bauliche Verdichtung durch Neubau und Umnutzung von Bausubstanz im Dorfkern und in den Randbereichen sowie der grundlegende Ausbau bzw. die Verbesserung der kommunalen Verkehrsverhältnisse. Nicht zuletzt sollten historisch wertvolle Bauten erhalten werden, was allerdings wie beim Gebäudekomplex des ehemaligen „Blauen Engels“ nicht immer gelang. Die Planung für die Neubebauung dieses Geländes sah sogar bis zu 18 verschiedene Geschäfte vor. Anfang 1997 wurde die Wohnanlage „Blauer Engel“ fertiggestellt.
Wohnungen und Geschäfte prägen die neue Anlage auf dem Gelände des ehemaligen „Blauen Engels“. Re.: Das erhaltenes Hauszeichen vom „Blauen Engel“.
Viele Panitzscher Bürger erhielten damit die Möglichkeit zum Bezug einer modernen komfortablen Wohnung. Inzwischen war das Telefonnetz ausgebaut worden und jeder Hauseigentümer hatte die Möglichkeit, sich an das Erdgasnetz im Ort anzuschließen. Mit der Fertigstellung des neuen Gebäudes auf dem Gelände des alten Gutshofes gegenüber der neuen Grundschule 1993 entstanden neben der neuen Konsum-Verkaufsstelle mehrere 2- und 3-Raumwohnungen, deren Erbauung durch den Freistaat Sachsen gefördert wurde. 1998 beteiligte sich die Gemeinde Panitzsch am Kreiswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden – unser Dorf hat Zukunft“. Im Juli 1998 stellte die Bewertungskommission anerkennend fest: „Panitzsch hat sich in den letzten Jahren zum attraktiven großstadtnahen Wohnstandort entwickelt. Die enorme bauliche Entwicklung hatte einen starken Anstieg der Bevölkerung von 1.040 Einwohner 1990 auf derzeit ca. 3000 Einwohner zur Folge. Allerdings ist der dörflich-bäuerliche Charakter dabei weitestgehend verloren gegangen ...“ Hervorgehoben wurde die frühzeitige Aufstellung der Bebauungspläne, der Gestaltungssatzung, des Dorfentwicklungsprogramms und der Baumschutzsatzung. 96 Prozent der Grundstücke konnte an das neue Abwassertrennsystem im Ort angeschlossen werden. Weiter heißt es in der Begutachtung „Neben klein- und mittelständischen Unternehmen gibt es in Panitzsch eine breite Palette von Handwerksbetrieben, vor allem auf den Gewerbeflächen an der Borsdorfer Straße. Mit Kindergarten, Schule/Hort, verschiedenen Arztpraxen, Läden des täglichen Bedarfs, Friseur, Apotheke und Gaststätte gibt es ein verhältnismäßig breites Spektrum an sozialen und kulturellen Einrichtungen. Im Ort arbeiten 11 Vereine unter Mitwirkung der Dorfgemeinschaft. Jugendclub, Kunstgalerie, Bibliothek, Museum und ein mitgliederstarker Sportverein tragen dazu bei, dass die Integration der zahlreich zugezogenen „Neubürger“ unproblematisch erfolgte. Die neu entstandenen Wohngebiete am Ortsrand und der Dorfkern mit traditionellen Hofanlagen prägen das Ortsbild. Hier wurde auf entsprechende Begrünung geachtet, der Dorfteich wurde saniert und mit Schilfgürtel und Seerosen natürlich angelegt. Die Kirche einschließlich des Pfarrhofs wurden saniert. und stellen eine Dominante im Ort dar. Baumpflanzung an Wegen und Straßen, die Bepflanzung innerörtlicher Grünflächen, öffentlicher Plätze und privater Grundstücksflächen wurden umgesetzt.
Kritisch bewertet wurde allerdings, dass nicht immer die Bebauungsvorgaben eingehalten wurden: „Es sind allerdings Tendenzen der Abwendung von dorftypischen Strukturen, wie staudenreicher Vorgärten oder dorfuntypischer Laubgehölze zu verzeichnen.“
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