Wetterkapriolen, „Indian Pacific“ und nette Gesellschaft
Broken Hill
Filmkulisse, Tea Time und Skulpturen
White Cliffs – Anarchie ist machbar
Kleinstadtcharme im Outback
Im „Indian Pacific“ gen Westen
Adelaide
Strandleben vom Feinsten
Innenansichten einer Stadt
„The Overland“– Zug um Zug
Melbourne
Graue Eminenz – fotogen mit sprödem Charme
Liebe auf den zweiten Blick, dafür umso heftiger
Great Ocean Road – Von der Küste das Beste
Sonntag in St Kilda – Lazing on a sunny afternoon
Abschied in technischen Nöten
Alice Springs und Rotes Zentrum
In the middle of nowhere
Kamele, viele Köpfe und ein Monolith
Auf Tuchfühlung
Kings Canyon, Albert und eine harte Rückfahrt
Shopaholic cool im Pool
Schöner Pfau und Bücherwahn
Abschied mit Hindernissen
Darwin und Nationalparks im Northern Territory
„The Ghan“
Die Wucht der Tropen, bekannte Gesichter und ein Kuchenkrokodil
Villen-Schick und Esoterik
Litchfield National Park
Nitmiluk National Park
Kakadu National Park – Campingfreuden und müde Wanderer
Kakadu National Park – bemalte Felsen und eine Reifenpanne
Süßes Nichtstun
Cairns
Zieleinlauf, Fauna satt und Ruhesitz
Portemonnaie & Laptop – in Strapazen vereint
Kuranda – Ausstieg auf Zeit in luftiger Höhe
Keine Pläne und viel Vorfreude
Great Barrier Reef – In aller Stille: Farbenrausch unter Wasser
Frühe Vögel und Fotoausbeute
Port Douglas – summer time and the living is easy
Feuerteufel beim Frühstück und eine warme Dauerdusche
Wasser und Gepäck im Überfluss
Mangosüßer Abschied und ein Bumerang in Lebensgefahr
Hong Kong – Boxenstopp II
Sinnliches Straßenleben, bei Freunden und Abenteuer Taxifahrt
Pralle Marktatmosphäre und eine Symphonie aus Licht
Ein Shopping-Rückfall, Alltagsleben und Cocktails mit Aussicht
Buddhas bis zum Abwinken und ein stilles Fußballspiel
Der Rückflug – Home Sweet Home
Epilog
Danke

Reisen ist schrecklich. Koffer packen, schwere Fracht. Ständig umziehen, sich immer wieder an fremde Betten gewöhnen. Sich an jedem Ort orientieren. Gewohnheiten, gerade lieb gewonnen, wieder aufgeben. Neu justieren. Klimawechsel, von feuchter Hitze zu trockener Kälte und zurück. Andere Zeitzone, Überblick verlieren. Ein Overkill an Eindrücken, die Erlebnisdichte erdrückt. Begegnungen mit zu vielen unterschiedlichen Menschen, Sprachen, Eigenarten. Sagen die einen.
Reisen ist großartig. Nur das Nötigste im Gepäck, lässt sich die neue Leichtigkeit genießen. Wechselnde Quartiere verhindern, dass man träge wird, sich breit macht in den vier Wänden. Neue Orte halten den Geist wach, schärfen Sinne und Aufmerksamkeit. Keine eingetretenen Pfade langweilen. Ah, endlich ein kühler Wind nach der tropischen Hitze! Abwechslung tut gut. Begegnungen mit anderen Kulturen bereichern, erweitern den Horizont, lehren Toleranz. In der Fremde begreifen wir, wie anders man das Leben anpacken kann. Sagen die anderen. Ihnen möchte ich mich anschließen.
Zeit für einen Szenenwechsel. Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich ignoriere die besorgten Stimmen aus meinem Umfeld und in meinem Kopf und kündige meinen Job. Acht Wochen gönne ich mir am anderen Ende der Welt auf dem kleinsten Kontinent, Australien. Alleine, aber nicht einsam. Ohne Auto, aber dennoch mobil. Auch im Kopf. Der ist bekanntlich rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.
Mit neuem Reichtum gesegnet, kehre ich voller Dankbarkeit zurück. Die Schönheit dieses fernen Kontinents, der unerschütterliche Optimismus und Humor seiner Einwohner, die lebens- und liebenswerten Städte und all die kuriosen Erlebnisse und Erfahrungen, die ich gierig in mich aufsog, haben mich reich gemacht. Meine Währungen sind kompatibel und stabil im Wert: eine beglückte Seele und heitere Gelassenheit.
Auf die Plätze, fertig, los!
Was unbedingt mit muss.
Auf die Plätze, fertig, los!
Eine packende Angelegenheit
Reisepass, Visum, Flugticket, Bargeld, Kreditkarte, Reiseliteratur, Laptop und Kamera. Mehr brauche ich nicht. Aber etwas hatte ich übersehen. Dann fiel es mir ein. Kleidung! Doch die wird total überschätzt. Deshalb habe ich sie auf ein Minimum reduziert. Wie soll ich sonst in den Genuss kommen, meine Sozialstudien in den wunderbaren Waschsalons dieser Welt zu betreiben?
Puh, geschafft. Ich habe (es) gepackt. Der große Rucksack bringt – trotz zweier üppiger Reiseführer – bescheidene zwölf Kilo auf die Waage. Es fehlt nur noch der Kulturbeutel. Aber der wird sicher nicht zum Schwergewicht mutieren. Mein kleiner Rucksack dient als Handgepäck. Er wiegt mit Laptop schlappe sechs Kilo. Beide Gepäckstücke sind also Lichtjahre vom Maximum entfernt. Ich muss schon sagen: ich bin verdammt stolz! Und überlege bereits, nach meiner Rückkehr eine Beratungsstelle für Reisegepäckoptimierung zu eröffnen. Einen Namen für mein Business habe ich schon. „Elkes Handtäschchen“.
Montagmorgen. Außer mir macht sich heute noch eine weitere Elke auf den Weg in die Ferne. Gerne hätte ich mit ihr noch einen Kaffee am Flughafen Berlin-Tegel getrunken. Doch das fiel aus humanitären Gründen aus. Denn die Elke, die es nach Buenos Aires zieht, hebt schon kurz nach 6 Uhr ab. Und das ist für mich, die ich Australien im Sinn habe, dann doch entschieden zu früh. Beim nächsten Mal. Versprochen! So behält mein Lebensgefährte Stefan sein verdientes Exklusivrecht an mir und kann sich ungestört und ohne Publikum von mir verabschieden.
Berlin – Frankfurt. Ungefragt gönnt mir die Lufthansa einen Platz am Notausgang. So viel Bein kann ich gar nicht haben, wie ich hier ausstrecken könnte. Nun, es gibt härtere Schicksalsschläge. Überpünktlich landen wir in Frankfurt. Ich vertrödele die Zeit bis zu meinem Anschlussflug mit Auf- und Abwanderungen. Bei Zootieren nennt man so etwas Hospitalismus. Für mich muss erst noch ein passender Begriff gefunden werden.
Frankfurt – Hong Kong. Sicherheitscheck und Handgepäckkontrolle. Vor mir ist eine Gruppe von fünf aparten Asiatinnen dran. Sie sind spärlich, aber aufs Modischste gekleidet, dennoch artet die Chose in ein Desaster aus. Das Handgepäck jeder Einzelnen erreicht fast die Ausmaße meines eingecheckten Gepäcks. Es wird allerdings deutlich erleichtert: gleich literweise wandern flüssige Kosmetika in die Tonne. Die Mädels lachen und bedanken sich – gänzlich frei von Ironie – beim besorgten Servicemitarbeiter für Sicherheit. Eines der Mädels wird dann noch in eine separate Kabine beordert. Ihr Bügeleisen, das für einen Flug nach Hong Kong unerlässlich ist und deshalb auf gar keinen Fall im Handgepäck fehlen darf, muss sich ein paar gesonderten Checks unterziehen. Was auch immer darunter zu verstehen ist. Schnell flüstere ich dem gestressten Herrn vom Service zu, was Bügeleisen auf Englisch heißt und mache mich vom Acker. Mein Handgepäck bleibt unbeanstandet, was mich nach der Steilvorlage meiner asiatischen Mitreisenden nicht weiter verwundert.
It‘s boarding time. Eine freundliche Dame schnappt sich ihren Teil meiner Bordkarte. „Guten Flug! Ach nee, doch nicht.“ Sie bittet mich mit ernstem Blick zur Seite und teilt mir bekümmert mit, dass die Entertainment-Technik an meinem Sitzplatz ausgefallen ist. Sie möchte mir einen anderen Platz anbieten. Ich zögere. Hatte ich 66 K doch eigens schon beim Buchen des Fluges reserviert, da dieser sich in einer Zweierreihe am Fenster befindet, die zur Seite etwas „Auslauf“ gewährt. „Aber Sie werden sich zwölf Stunden langweilen!“, entgegnet sie entsetzt auf mein Nein. Und rückt erst dann mit der viel interessanteren Info raus: Der Sitz daneben ist frei und bietet somit ebenfalls unverhoffte Freiheit. Ich gebe nach. Wehe, die Filmauswahl ist schlecht.
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