Coaches sind die Hebammen der neuen Service–Ökonomie. Sie bringen die neuen Typen von Unternehmen und Unternehmern hervor. Sie helfen ihnen durch den Prozess, neue, auf Service basierende Systeme zu entwickeln. Ein moderner Typ eines attraktiven Unternehmens und eines modernen Unternehmen ist Apple mit Steve Jobs. Apple produziert nicht nur genau das, was seine „Fans“ wollen – sondern, ach beinahe hätte ich es vergessen, jedes Jahr einen neuen Computer mit einem sexy Design, präsentiert von dem Popstar Steve Jobs. Hier stimmt der Anspruch. Der Claim von Siemens etwa – „a world of innovation“ – ist nur ein Claim. Der Anspruch wird nicht erfüllt. Sie brauchen Coaching und Innovation. Was nicht bedeutet, dass Siemens eine schlechte Firma ist.
Denn Coaching hilft, Visionen zu erhellen. Coache sagen Dinge, die man sich selbst nicht zutraut. Sie werfen ihre Leute ins Feuer, schicken sie in den Nebel, lassen sie (verbal) über glühende Kohlen laufen – so lange, bis sie selbst erkennen, was in ihnen steckt.
Coaching ist Kuriosität. Sie bringt die Neugier der Mitarbeiter und den Spirit des Unternehmens hervor. Dort liegen Energien brach. Was Coaching von anderen Maßnahmen unterscheidet, ist die Tatsache, dass niemand mehr mühsam bewegt werden soll, einer Idee oder einem Ideal hinterher zu rennen, mit dem er sich nicht hundertprozentig identifiziert. Ein Mitarbeiter ist oft genug gezwungen, merkwürdigen und ziemlich aussagefreien „Leitbildern“ entsprechend zu arbeiten und zu agieren. Aber erst nach fünf geht er aus dem Büro, zieht sich seine Fußballklamotten an, trifft seine alten Kumpels, hat eine Unmenge Spaß – und ein kohärentes Team.
Coaching ist Zukunft. Vision, Mission, Motivation, Unternehmensleitbilder, das sind die alten Zöpfe, die man abschneiden muss, um erfolgreich zu bleiben. Ganz so sexy wie bei Apple wird es bei der Arbeit vielleicht nicht zugehen – aber in Zukunft braucht man echte Teams statt jener künstlich motivierter „freundlicher Teams“, Teamplayer statt „Mitarbeiter“, Team-Spirit statt „Missionen“ und „Leitbilder“ – und vor allem, einen Team-Coach statt eines Chefs, der seine Truppe so richtig auf Vordermann bringt – und so, dass es am Ende allen Spaß macht, die Resultate zu genießen. In der Service Economy sind die Leute wichtiger als Geld. Coaching bildet eine Kettenreaktion von Information und Energie. Denn Menschen sind keine Mitarbeiter, sondern Innovatoren. Sobald sie zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sind, werden sie ihr Unternehmen nach oben bringen, und auch für ihre Chefs nicht länger träge Kostenfaktoren darstellen. Ein enthusiastisches Team trainiert sogar den Coach und sich selbst dazu. Dadurch bringt Coaching ungeahnte Power in ein Unternehmen.
Das Coaching-System wird sich in der ganzen Welt durchsetzen. Dies geschieht 1:1, person-to-person, durch Menschen, die anderen Menschen wiederum zu ihren Zielen verhelfen. Man wird zusammen seine Werte entwickeln, und nach diesen Regeln spielen. Je besser diese „core values“ gestaltet sind, desto langfristiger wird der Erfolg des Unternehmens sein – wie man es zum Beispiel bei der Marriott-Kette verfolgen kann, deren Regeln so fundamental sind, dass sie sich über Generationen hinweg nicht verändert haben.
In den nächsten zwanzig Jahren werden immer mehr Leute Coache werden – sogar, wenn sie älter werden. Zum einen können sich die Unternehmen nicht mehr die Pension leisten, zum anderen wird ihre Erfahrung immer wichtiger. Sie können anderen direkt die Spielregeln vermitteln, bevor diese sich eine Beule am Kopf holen. Viele Unternehmen in Amerika holen inzwischen die „Alten“ für 12 Stunden die Woche als Coach zurück, um von ihrer Erfahrung zu profitieren und zu verstehen, mit welchen Regeln und „core values“ das Unternehmen so viel Erfolg hat. So wie Clive Davis, den vermeintlich ausgedienten „Mann mit dem goldenen Ohr“, Entdecker von Janis Joplin, Jimi Hendrix, Santana und Alicia Keys. Er wurde von seinem Arbeitgeber BMG Group gefeuert, machte allein weiter, entdeckte Alicia Keys, und hatte dann mehr Erfolg als bei Bertelsmann. Der Konzern kaufte ihn zurück. Sein Wert: Es gibt so viel schlechte Musik, da muss man einfach nur gute Musik produzieren. Klingt einfach, aber es steckt mehr dahinter.
Jedes menschliche Wesen ist oft genug in der Lage, zu coachen. Wer eine Familie hat, coacht seine Kinder. Wer Ahnung von irgendwas hat, coacht automatisch andere Leute. Jeder kann anderen Leuten Dinge zeigen, die in ihrem Gesicht stehen: Nur weil sie keinen Spiegel haben, entdecken sie sie nicht. Zum Beispiel, wo ihre Ziele liegen. Da werden sie neugierig. Um besser zu verstehen, worum es beim Coaching geht, hier noch ein kurzer Rückblick.
3. EINE KURZE, PAUSCHALE GESCHICHTE DES COACHING
3. EINE KURZE, PAUSCHALE GESCHICHTE DES COACHING
„Ihr seid alle Götter und Söhne des Höchsten.“
Gott
(im Interview mit Pico della Mirandola, 1494)
Die Theorie: Selbstorganisierende Systeme
DIE THEORIE: SELBSTORGANISIERENDE SYSTEME
Coaching bedeutet, einen Menschen oder ein soziales System zu organisieren, bis er oder es sich selbst organisiert. Leute, die mit Teams Ziele definieren und ein Spiel eröffnen, um diese Ziele zu erreichen, sind Coache. Die Triebfeder dafür ist Neugier. Der Beweis, dass diese Art Spiele kein Zeitvertreib, sondern sinn- und erfolgsgebundene Handlungen sind, zeigt die Weltgeschichte, die voll von Coaches ist. Hier nur ein paar davon, die uns gut in den Kram passen.
Am Anfang von allem steht natürlich der Coach aller Coache: Gott, oder wie man ihn nennen mag. Er schuf ein im Universum einzigartiges selbstorganisierendes System voller Energie: Den Planeten Erde. Eine Meisterleistung. Welches in den Galaxien schwebende Stück Geröll kann schon von sich behaupten, sich ständig um die eigene Achse zu drehen und durch eine Atmosphäre für jede Menge Abwechslung (Tag und Nacht, Wasser, Erde, Feuer, Wind und Wetter, Jahreszeiten) und vor allem für das selbstorganisierende System „Leben“ zu sorgen?
Gott war neugierig. Er wollte wissen, wie es mit diesem selbstorganisierenden System weitergeht. Eine ganz besondere Lebensart hat Gott dann kurz vor dem wohlverdienten Wochenende als Sahnehäubchen auf seine Schöpfung gesetzt. Damit es jemanden gibt, der das Ganze auch versteht und ihm auch mal dankbar ist für das, was er geschaffen hat, schuf Gott den Menschen. Präzise gesagt: Mann und Frau, und als selbstorganisierendes Energiesystem den Sex. Chapeau. Durch Reproduktion konnten sich Generationen um Generationen mit der Frage beschäftigen, warum sie auf dieser Erde wandeln und handeln, und wie das Ganze zusammenhängt. Anfangs hatten sie noch ein bisschen Angst, zum Beispiel vor höherer Gewalt. Aber dafür gab es rasch Götter und Mythen, denen Opfer dargebracht wurden, damit sich Gewitter, Sonnenfinsternisse und Lava schnell wieder verziehen. Inzwischen hat man diese Dinge relativ gut im Griff.
Dass die Natur, oder sagen wir die ganze Welt ein selbstorganisierendes System von selbst organisierenden Systemen darstellt, darauf kam man lange nicht, weil die Institutionen für solche Mythen, wie die Kirche, entschieden etwas gegen solche Vermutungen gehabt hätte. Mein Gott, kann man da nur sagen, der Allmächtige ist doch durchaus ein Mann, mit dem man reden kann. Aber die Kirche hatte mehr Interesse daran, dass die Menschlein Angst hatten – damit konnte man seine Macht behalten und durch Ablass und Absolution verdammt viel Geld verdienen. Durch Denker wie Descartes (Slogan: „Ich denke, also bin ich!“), aber auch Wissenschaftler wie Kepler, Galileo, Newton und andere kluge Köpfe kamen allerdings ganze Weltbilder ins Schwanken. Ab 1600 etwa drehte sich zum Beispiel nicht mehr die Sonne um die Erde, sondern die Erde um die Sonne. Als die Wissenschaften wie Astrologie und Mechanik sich immer häufiger mit ihren neuen Weltbildern aufdrängten, oder sich jemand wie Martin Luther mit seinen Thesen den Einzelmenschen in den Vordergrund rückte, wurden sie schnell Märtyrer oder Popstars, und der Klerus musste eine Bastion nach der anderen hergeben. Die Wahrheit setzt sich eben immer durch.
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