Weitere – inhaltliche und statistische – Hypothesen wären folgendermaßen formulierbar:
HII: Wenn Personen gerne lesen, dann lesen sie jährlich mehr Bücher, als wenn sie nicht gerne lesen.
Fragen 1 und 16
Ho: Statistische Nullhypothese: Der Mittelwert der jährlichen Bücher-Lesemenge ist bei jenen, die gerne lesen, gleich groß (ähnlich) wie bei jenen, die nicht gerne lesen.
HA bzw. H1: Statistische (gerichtete) Alternativhypothese: Der Mittelwert der jährlichen Lesemenge an Büchern ist bei jenen, die gerne lesen, höher als bei jenen, die nicht gerne lesen.
H III: Je älter Personen sind, desto mehr Bücher pro Jahr lesen sie.
Fragen 14 und 16
Ho: Statistische Nullhypothese: Es gibt keinen zahlenmäßigen Zusammenhang (keine Korrelation) zwischen Alter und der Anzahl gelesener Bücher pro Jahr.
HA bzw. H1: Statistische (gerichtete) Alternativhypothese: Es gibt einen positiven zahlenmäßigen Zusammenhang (positive Korrelation) zwischen Alter und der Anzahl gelesener Bücher pro Jahr.
H IIund H IIIin sind beide gerichtet und könnten mit den Fragen 1, 14 und 16 des Fragebogens auf Seite 101f. operationalisiert werden. [19]
Wie Forschungsfragen können – und sollten ‒ auch thematisch „breitere“ Hypothesen in ihre Sub-Details „zerlegt‟ bzw. untergliedert werden. In Analogie zu den Forschungsfragen erhöht das bei der späteren Datenanalyse deutlich deren Passgenauigkeit.
Möglich wäre eine weitere inhaltliche, ungerichtete Haupt-Hypothese – die korrespondierenden Fragebogen-Fragen sind wieder mit
gekennzeichnet:
H IV: Wenn Personen Bücher [lieber in der Buchhandlung kaufen], dann haben sie generell [andere Anforderungen an Fachbücher, als wenn sie sie lieber im Versandhandel kaufen].
Frage 4 und Frage 6, alle Items
Setzen sich die durch die Hypothese angesprochenen „Anforderungen‟ aus vier Dimensionen zusammen – z.B. persönliche (subjektive) Wahrnehmung, formale Aspekte, inhaltliche, und anwendungsbezogene Aspekte, wären folgende Detaillierungen möglich:
H IV .1 : Wenn Personen [...], dann haben sie in Bezug auf ihre persönliche bzw. subjektive Wahrnehmung [...].
Frage 4 und Frage 6, Items 6.1, 6.4 und 6.9
H IV.2: Wenn Personen [...], dann haben sie in Bezug auf formale Aspekte [...].
Frage 4 und Frage 6, Items 6.2 und 6.8
H IV.3: Wenn Personen [...], dann haben sie in Bezug auf inhaltliche Aspekte [...].
Frage 4 und Frage 6, Items 6.3 und 6.5
H IV.4: Wenn Personen [...], dann haben sie in Bezug auf anwendungsbezogene Aspekte [...].
Frage 4 und Frage 6, Items 6.6 und 6.7
Generell müssen bzw. sollten Hypothesen – wie bereits weiter oben erwähnt – als „Wenn- Dann‟- oder „Je-Desto‟-Regeln formuliert werden. 12Der Vorteil dieser Wordings liegt vor allem auch in der größeren Klarheit für die spätere Datenanalyse zur Hypothesenprüfung (vgl. überblicksmäßig die Kapitel „6.2 | Messniveaus (Skalenniveaus) und Datenanalyse‟ ab Seite 97 sowie „8.1.3 | Datenanalyse forschungsfragen-/hypothesenkonsistent planen‟ ab Seite 142 und im Detail bei Braunecker 2021: 191ff.).
Hypothesen formulieren allgemein und können deshalb niemals vollkommen verifiziert werden: Die vorhandenen Daten erlauben es höchstens, sie „momentan zu stützen‟, vorläufig zu verifizieren (vgl. Herczeg/Wippersberg 2019: 94): Denn niemals könnten alle dazu notwendigen denkbaren Möglichkeiten der überprüfung weltweit, in allen Zielgruppen und JEDEM Zusammenhang – also sämtlichen je existierenden Fällen – durchgeführt werden.
Häufig werden zu Beginn der Auseinandersetzung mit einem wissenschaftlichen Thema einfach Annahmen als Hypothesen formuliert – z.B.:
österreichische Jugendliche kaufen Fachbücher lieber im Versandhandel.
75% der österreichischen Jugendlichen kaufen Fachbücher lieber im Versandhandel. [20]
Österreichische Jugendliche im Alter von 18 bis 25 Jahren kaufen Bücher mehrheitlich lieber im Versandhandel.
Um derartige Behauptungen „wissenschaftstauglich‟ zu machen, sollten sie unbedingt einer methodischen „übersetzung‟ zugeführt werden. Eine bessere Formulierung, mit Einbeziehung zumindest zwei dazu benötigter Merkmale (vgl. Herczeg/Wippersberg 2019: 92; Karmasin/Ribing 2019: 90), könnte lauten:
Wenn in österreich lebende Jugendliche im Alter von 18 bis 25 Fachbücher kaufen, dann kaufen sie diese eher lieber im Versandhandel als im stationären Handel.
Wie soeben erläutert, weisen Thema, Erkenntnisinteresse(n), Forschungsfrage(n) und/oder Hypothesen der (den) am effizientesten einzusetzenden qualitativen oder quantitativen Forschungsmethode(n) (vgl. Kapitel „2 | Qualitative und quantitative Forschungsmethoden‟ ab Seite 22) den Weg.
Zusatzinformationen und weiterführende Literatur zu diesem Kapitel:
Herczeg, Petra/ Wippersberg, Julia (2019): Kommunikationswissenschaftliches Arbeiten. Eine Einführung. Wien: facultas. Thema, Erkenntnisinteresse: Seite 71-83; Forschungsfragen: Seite 8590; Hypothesen: Seite 91-109.
Karmasin, Matthias/ Ribing, Rainer (2019): Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. Ein Leitfaden für Facharbeit/VWA, Seminararbeiten, Bachelor-, Master-, Magister- und Diplomarbeiten sowie Dissertationen. 10., überarbeitete und aktualisierte Auflage 2019. Wien: facultas. Thema: Seite 21-25; Forschungsfrage, Unterfragen: Seite 25-29.
[21]
2Die Ausführungen in diesem Kapitel basieren auf Anleitungen zum wissenschaftlichen Arbeiten. Dabei liegt der Fokus auf „Wissenschaftlichkeit‟ in Verbindung mit empirischer Sozialforschung.
3Karmasin/Ribing 2019: 25f. bezeichnen bereits das Erkenntnisinteresse als „Forschungsfrage‟.
4In der Literatur werden Programmfragen auch als Vertiefung (Konkretisierung) von Forschungsfragen beschrieben (vgl. Brosius/Haas/Koschel 2016: 96): Sie verfolgen den Zweck, Erkenntnisinteressen zu präzisieren – wie die Detaillierung einer zentralen Forschungsfrage in mehrere Sub-Forschungsfragen. Nützliche Tipps zu den Möglichkeiten, Forschungsfragen zu formulieren, finden sich bei Karmasin/Ribing 2019: 25ff. Detaillierter gehen Herczeg und Wippersberg auf Forschungsfragen (vgl. Herczeg/Wippersberg 2019: 85ff.) und Hypothesen (ebd.: 91ff.) ein.
5vgl. dazu die Kapitel „6.2 | Messniveaus (Skalenniveaus) und Datenanalyse‟ ab Seite 97, „ 7 | Leitfaden, Fragebogen‟ ab Seite 110sowie „8.1.3 | Datenanalyse forschungsfragen-/hypothesenkonsistent planen‟ ab Seite 142.
6Der Beispielfragebogen dieses Buchs stellt keinen Anspruch auf „echte‟ Wissenschaftlichkeit: Die Formulierung der Fragen ergab sich NICHT aus zuvor erfolgter Literaturrecherche. Ihre Erstellung erfolgte „frei‟ durch den Autor – wenn auch unter Einbeziehung willkürlicher schriftlicher Basisbefragungen von Studierenden verschiedener Studienrichtungen und Fortschritts-Phasen im Studienplan. Der Fragebogen ist aus unterschiedlichen empirischen Blickwinkeln zu betrachten: Er dient der möglichst praxisnahen Veranschaulichung von (technischer) Operationalisierung von Forschungsfragen bzw. Hypothesen, Skalenniveaus, Arten der Frageformulierung sowie möglichst vielen Formen der Datenanalyse. Als Grundlage der BUCHdaten bildet er auch die Basis aller datenanalytischen Ausführungen bei Braunecker 2021. Fragebogen und BUCHdaten sind unter „Downloads‟ auf howtodo.atbzw. bei utb-shop/deverfügbar.
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