»Das ist eine vortreffliche Auswahl«, stimmte derweil Luziveron zu. »Ich selbst werde mich ihnen anschließen. Hauptsächlich, weil wir endlich unseren zwölften Mitstreiter finden müssen. Du wirst inzwischen hier die Stellung halten und mich hoffentlich würdevoll vertreten. Solange, bis ich dich und die anderen rufen lasse.«
»Habe ich dich jemals enttäuscht, Vater?«, lächelte Lorendos mit unschuldigem Augenaufschlag.
»Sagen wir mal so … enttäuscht hast du mich lediglich bei deiner erfolglosen Suche nach dem Kind der Prophezeiung. Zu einer Zeit, wo wir es noch hätten gefahrlos beseitigen können. Aber was das Herrschen angeht, so wäre dies Wort unzutreffend gewählt. In dem Bereich muss ich dir eher mein Lob aussprechen. Allerdings muss ich auch immer häufiger feststellen, dass du dich zu leicht von unwichtigen … Dingen … ablenken lässt.« Luziverons Blick wies kurz in Richtung des Kettenendes, dessen Anfang Lorendos spielerisch in den Händen drehte.
Die bildhübsche Wasserelfe, die sich am Ende der Kette befand, senkte erschrocken die Augenlider, als sich der furchteinflößende Blick des Dämonenfürsten in ihren eigenen brannte.
Lorendos lachte auf: »Aber Vater, du musst zugeben, dass Königin Siris Geschenk geschmackvoll ist und mir daher schon seit längerem Freude bereitet.« Dabei zog er so kräftig an der Kette, dass die Elfe direkt vor seine Füße stolperte.
Der junge Dämon streichelte ihr augenscheinlich zärtlich über das hellblonde Haar, so als sei sie wahrhaftig ein Hund und keine Frau. Dann zwang er sie jedoch in die Knie und drückte ihren Kopf gegen seinen Schritt, wohlwissend, dass diese erneute Erniedrigung ihr deutlich ihre derzeitige Stellung zuwies.
Tränen sammelten sich derweil in den silberfarbenen Augen der Wasserelfe.
Ihr Name war Yulomea. Und sie befand sich lediglich in dieser bedrohlichen Lage, weil sie es vor Jahren wagte, ihrer despotischen Königin einen Mann zu bringen, der sich als Herrscher des Landes Altania entpuppte. Albian van DeBeladore Höchstselbst!
Wie aber hätte sie dies damals wissen sollen, als sie den fremden Elfenkrieger auf einer Lichtung entdeckte, auf der er gerade sein Reittier tränkte? Er war so unbeschreiblich attraktiv und sie hatte ausschließlich daran gedacht, wie sehr er ihrer Königin gefallen würde. Zumal Yulomea nichts mehr, als deren Gunst herbeisehnte. Ihr Plan war jedoch nach hinten losgegangen, als sich der Fremde ihrer Anführerin offenbarte und diese damit in eine unangenehme Situation brachte.
Siri hatte ihr dies dumme Vergehen anscheinend niemals verziehen. Egal, wie bemüht Yulomea danach auch war.
Als nämlich der Tag kam, an dem erneut ein Opfer für den Dämonenhort aus ihren Reihen erkoren wurde, hatte Siri ohne Zögern direkt auf Yulomea gewiesen. Obwohl es andere gab, die sich Yulomeas Meinung nach bedeutend unwürdiger erwiesen hatten, und daher vor ihr geopfert werden sollten. Nicht zuletzt, da jeder wusste, dass es einem Todesurteil gleichkam, wenn man in die Feste der Dämonen gebracht wurde. Aber Yulomea hatte die Hoffnung vorerst nicht aufgegeben. Erst recht nicht, als sie sah, wem sie als Gunstgeschenk übergeben wurde. Zunächst hatte sie sogar irrtümlich geglaubt, Siri wäre ihr nun doch wieder wohl gesonnen. Denn schon beim ersten Anblick von Lorendos hatte Yulomea sich Hals über Kopf in den dunkelhaarigen Dämon, mit den honiggelben Augen, verliebt, der sie charmant anlächelte. Dabei strahlte er so viel Wärme und Güte aus. Sie erhoffte sich, dass all die grausamen Geschichten, die man sich, hinter vorgehaltener Hand, über das Volk der Dämonen erzählte, nicht der Wahrheit entsprachen. Wesen, von solch einer Schönheit und Anziehungskraft, durften einfach nicht durch und durch böse sein. Oder?
Aber sie wurde schnell eines Besseren belehrt.
Lorendos´ Ausstrahlung trog so sehr wie sein freundliches Lächeln, oder der Klang der warmherzigen Stimme. Er war ein brutaler Sadist, der sich jede Nacht, derer er sich ihres ungeschützten Körpers bemächtigte, neue Quälereien einfallen ließ, die lediglich seiner Befriedigung dienten. Vor allem aber, hatte er ihr gleich am ersten Abend ihres Beisammenseins unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass er sie sofort töten würde, wenn sie sich seinem Willen widersetzte. Oder er ihrer überdrüssig wäre. Also tat sie alles, um ihm zu gefallen. Selbst, wenn es noch so schmerzhaft und erniedrigend war.
Luziveron seufzte derweil: »Nun gut sei’s drum. Es war vermutlich für einen Einzelnen eine viel zu schwere Aufgabe, unter all den Millarden von Sterblichen, auf der Erde ein bestimmtes Kind zu finden. Von dem wir ja nicht einmal wussten, wo genau es sich aufhielt. Geschweige denn, wie es heißt und welches Geschlecht es innehatte. Zumal dir die Zeit im Nacken saß und du zudem so agieren musstest, dass es die andere Seite nicht mitbekam.« Er straffte die Schultern und fuhr im gewohnt unerbittlichen Tonfall fort: »Daher sollten wir jetzt keine unnötige Zeit mehr verschwenden. Sag deinen ausgewählten Kriegern Bescheid, Lorendos. Hiernach tötet dieses Gewürm, damit wir unverzüglich aufbrechen können!« …
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