Ernst Weiß - Boëtius von Orlamünde

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Boëtius von Orlamünde Ernst Weiß – Boëtius von Orlamünde ist ein Internats- und Entwicklungsroman von Ernst Weiß, der, Mitte der zwanziger Jahre geschrieben, bei S. Fischer 1928 in Berlin erschien. Ab 1930 erschien der Roman meist unter dem Titel Der Aristokrat. Nach dem Kriege geht der junge Fürstensohn Boëtius von Orlamünde seinen Weg vom Aristokraten zum Proletarier.

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Noch habe ich kein Wort von ihm, meinem Herrn, meinem alten Herrn, erzählt, an den doch mein Herz gerade jetzt denkt. Ich will bloß den erdigen, schokoladefarbenen, rein nach Tannen und Ginster duftenden Waldboden vor mir sehen, wie er sich unter den blank geputzten, spiegelnd schwarzen Hufen des Pferdchens aufrollt. Es geht bergauf, dem kleinen See entgegen. Hier stehen Buchen, Eichen. Mitten unter dem hellen, weich umflaumten Laube keimt das ernste erzähnliche Grün der Nadelbäume, unter dem wie Früchte die weißgrünen neuen Sprossen der Zweige hervorleuchten in fast stechendem Glanz. Ein Himmel voll edler Bläue steigt über den zart ineinanderwehenden Kronen der im Sommerabendwind erbebendenBäume empor. Dann öffnet sich der Weg, der Abfluß des tiefblauen Sees rauscht in gedämpftem Wirbelschlag über ein ganz glatt gescheuertes Wehr aus den weißen Stämmen, an denen sich flatternde, haardünne Algen und schwarzbraunes, fleischiges Moos streifenweise angesetzt haben. So strömt das völlig klare Wasser in doppelter Färbung, in wechselnden Streifen herab. Es gibt noch einen Gegenstand auf Erden, der ähnlich, wenn auch nicht in so schönen Farben, gestreift oder gescheckt ist – ich sage es endlich, es ist mein Haupthaar, das durch ein sonderbares Spiel der Natur zwei Farben zugleich bekommen hat, die eine mehr gelblich (an den Schläfen), die andere mehr rötlich (auf dem Scheitel). Jeder merkt es nicht, vielleicht nur der, der es weiß. Vielleicht sehe nur ich selbst mich so. Solange ich es verbergen kann, wie jetzt unter der hechtfarbenen Uniformmütze, die ich aufgesetzt habe, als friere es mich in dem kühleren Wasserhauche, solange ist mir wohl. Aber wie soll es werden, wenn ich einmal die hellgraue Mütze abgeben, die ebenfalls hechtfarbene Uniform an den russischen Leibeigenen, den Meister des Hauses, zurückstellen muß und ich dann in meiner ganzen rothaarigen Häßlichkeit, ohne Kenntnisse und verwertbare Fähigkeiten in das Leben hinaustreten soll, von dessen Grausamkeit mein armer Vater mir viel erzählt hat, wenn er mich hier besucht?

Man nennt ihn den Fürsten, und fürstlich ist er auch geboren, seine Haltung ist ohne Makel, sein Wesen edel, seine Worte sind gewählt, seine Kleidung von der ruhigsten Eleganz, er gibt beim Abschied den Dienern die größten Trinkgelder, verehrt der Ordonnanz, die sein Zimmer aufgeräumt und seine glänzenden Lackschuhe abgestaubt hat, eine goldene Nadel mit einem Hufeisen. Er gibt mit vollen Händen, er schenkt fast gedankenlos, gedankenlos vor Freude, mit seinem Sohn hier zu wohnen. So tritt er mit seinem kavaliermäßigen Gang, eine ruhige Herrschergewalt in seinen schieferfarbenen Augen, im alten Glanze auf, wie ein reicher Mann, wie der Besitzer eines großen Feudalgutes, oder wie ein Prinz, der als inspizierender Kavalleriegeneral nur im Extrazuge und nie ohne seine Adjutanten und zwei Kammerdiener reist. Aber wenn mein Vater einen Augenblick gefunden hat, mit mir allein zu sein, wie viele traurige Dinge muß ich hören, wie ängstlich wird mir zumute, wie demütig lausche ich seinen exklusiven Lehren, die doch, wie er auch selbst im Grunde weiß, nicht befolgt werden dürfen. Wir gehen an der Anstaltskapelle vorbei und sehen dem Geflügel zu, das sich auf der Treppe umhertreibt. Die Worte »Entbehrungen« und »standesgemäß« kommen am häufigsten vor. Unaufhörlich wird, ohne daß wir den Umkreis des kleinen Gotteshauses verlassen, von der Zukunft gesprochen. Aber was »Zukunft« für mich bedeutet, wird nie ganz klar. Eine Lebensrente, die aber nicht zum Leben, sondern nur zum Entbehren reicht, steht meinen Eltern von seiten sehr reicher Verwandter in Irland, die niemand von Angesicht gesehen hat, zu. Eine Perlenkette, aus rötlichen und schwarzen Perlen gemischt, der letzte Rest eines unbezahlbaren Familienschmuckes, ist verpfändet oder soll es werden – doch ist dies nicht leicht insgeheim ins Werk zu setzen, und die Welt, die Öffentlichkeit darf nur wissen, daß wir leben, aber nicht, wie . Hier wird seine Miene sehr ernst, er faßt mit seinen langen behandschuhten Händen erst nach meinem Arm, dann nach meinem Kopf, nimmt mir die Mütze herunter und betrachtet sie. Auch er hat, vor zwanzig und mehr Jahren, eine ähnliche getragen, froh, feudal und sorgenfrei – und da er mir die frohe, sorgenfreie Jugend nicht verdüstern will, verstummt er plötzlich und gibt mir die Mütze zurück. Wüßte er, wie sehr mich in diesem Augenblick T. beschäftigt – er spräche anders. Aber er tut, als wäre ihm alles leicht, als könne er über alles lächeln. Er schlägt seine schieferfarbenen Augen auf, in denen sich die helle Treppe der kleinen Kapelle mit den noch kleineren Hühnern winzig spiegelt, und jetzt feuchtet er mit der Zunge seine breiten, etwas hängenden Lippen an. Weiß er nichts? Kennt er mich nicht? Nicht sich? Oder ist es Verlegenheit und Scham?

Kapitel

3

Jetzt sind es sechs Monate, daß mein alter Vater zum letzten Male hier war, ich weiß es noch genau, denn es war sein letzter Besuch. Aber nicht vom »Letzten«, nicht von T., so tief auch beide zusammenhängen, will ich jetzt sprechen, nicht von alt, auch wenn er, mein liebster Vater, damals so alt war, wie ich, dank einem schönen T., nie zu werden hoffe.

Die Brücke über den Abfluß des Sees, über die jetzt unser Wägelchen schaukelt, ist auch nicht die jüngste. Das Holz ist weich und verfault, es duftet nach Pilzen, die in nicht geringer Menge an der Unterseite der kleinen Brücke gedeihen und dort das morsche Holzwerk unterminieren. Ich fahre langsamer, nicht aus Angst, die Brücke könnte unter unserm Gewicht einbrechen, sondern damit mein junges Pferdchen seine schmalen Hufe nicht zwischen den Holzschwellen verhakt und stolpert.

Fremde Menschen kommen vorbei, die Frauen tragen große grünlichweiße Hauben bis über die Augen, deren Glanz trotzdem durch die Löcher der Stickerei flimmert. Die Männer marschieren in hohen Stiefeln, um den Mund haben sie große Bärte. Erinnert man sich jetzt der Schulstunden in der Mitte der geschwätzigen, meist gutmütigen, oft aber auch boshaften Kameraden in Onderkuhle und sieht man jetzt die Brücke, den See vor sich statt der vertrauten Institutswände, dann erblickt man in diesem Augenblick ein langes und vielfältiges, nie auszuschöpfendes Leben vor sich. Alles ist voller Hoffnung.

Mein Freund Titurel, der von seiner letzten Krankheit sich noch nicht ganz erholt hat (stets wird er so schwer mit allem fertig, auch mit seinen Aufgaben), verdankt eben seiner Schwäche und Erholungsbedürftigkeit den Urlaub von heute nachmittag und die Erlaubnis zur Wagenfahrt. Sein Rücken preßt sich, als wir nun den See hinter uns lassen und in schnellerer Fahrt auf der Hauptstraße nach der Stadt zwischen Kartoffeläckern und wohlbewässerten Wiesen und Rübenplantagen dahineilen, fester an mich. Der Wagen wirft sich. Irgend etwas hat verdächtig in dem Federwerk geknackt. Ich bremse, bringe das Pferd, und zwar nicht durch Reißen an den Zügeln, sondern eher durch Nachlassen, zum Halten. Außerdem beginne ich ganz fein zu pfeifen, ein Appell, welchen mein Pferdchen sofort versteht und befolgt. Ich habe es seinerzeit erzogen, habe ihm mit weicher, bittender Hand die ersten kunstgerechten Gänge an der Longe beigebracht und habe es an das ganz fremde, ihm anfangs unbegreifliche Gebiß gewöhnt.

Der Freund gleitet nun mit großer Schnelligkeit von seinem Sitz herab, ohne zu bedenken, daß er die Deichselspitze dadurch in die Höhe reißt und dem im Maule noch sehr weichen Tiere nicht eben wohltut, nun steht er vor mir und will mir von meinem Sitz herunterhelfen. Ich blicke mich um, ob auf der Chaussee nicht ein anderer Wagen oder ein Automobil kommt. Plötzlich fühle ich den Knöchel meines linken Fußes von Titurels Hand umklammert. Er breitet mir etwas Weiches unter meinen Fuß, mit dem ich eben, möglichst sanft, abspringen will, um das gebrechliche Gig nicht zu sehr zu erschüttern. Jetzt stehe ich auf dem Erdboden, vor mir den Freund, der seine linke Hand mit meinen Handschuhen mir als Fußstütze dargeboten hat. Wollte er mir damit einen besonders ritterlichen Dienst erweisen, worauf ein krankhaftes Lächeln seiner geschlossenen Lippen hindeutet? Seine Zähne sind schlecht, aus Scham öffnet er seinen Mund so wenig wie möglich. Deshalb wirkt er oft schüchtern, ist es aber nicht, eher ironisch. Aber ich habe die Handschuhe ihm zur Aufbewahrung gegeben, nicht zu Ritterdiensten. Ich sehe jetzt vor mir meinen alten Vater, an den ich das Gedenken bis jetzt gewaltsam unterdrückt habe. Ich weiß, wie schwer er das Geld für ein neues Paar erschwingen wird. Trägt er doch die seinen nur zur »Parade«, das heißt bei Besuchen in Onderkuhle oder bei wichtigen Ausgängen und Staatsvisiten, bei denen man auf ihn, das heißt auf seinen Namen, rechnet. Der Freund schweigt. Er erwartet wohl ein gutes Wort von mir. Ich kann aber meinen Zorn nicht beherrschen. Ohne zu reden, nehme ich die feuchten, beschmutzten Handschuhe ihm aus der Hand und werfe sie, als wären sie nun ganz wertlos geworden, über meine Schultern nach rückwärts in die Rübenfelder. Sodann bücke ich mich unter den Wagen und finde eine Stellschraube der rechten Federlasche gelockert, die ich mit der Handhabe eines meiner Schlüssel fassen und anziehen kann.

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