Die Fackel auf einen ebenen Untergrund stellen und mit dem Stemmeisen die oberen Schnitte etwas ausnehmen, so dass die Fackel auch noch gut zieht, wenn ein kleiner Topf darauf steht. Je nachdem wie breit die Durchstiche ausgefallen sind, können wir auch einen davon mit dem Stemmeisen etwas ausarbeiten. Diese Seite drehen wir anschließend in Windrichtung, um den Kamineffekt zu unterstützen.
Zum Entzünden der Fackel stecken wir unsere selbstgefertigten Grillanzünder in die Durchstiche. Zusätzlich können wir von oben noch etwas flüssiges Wachs in die Schnitte laufen lassen. Fertig!
VORSICHT !Wir möchten an dieser Stelle nochmal darauf hinweisen, dass die oben beschriebenen Arbeiten nur von Personen durchgeführt werden dürfen, die entsprechende Erfahrungen/Ausbildungen im Umgang mit einer Motorsäge besitzen und die entsprechende Schutzbekleidung tragen. Großes Verletzungsrisiko!
Vorteile:
schöne Lagerfeuerromantik im Hochformat
es wird wenig Bodenfläche verbrannt
gute Wärmequelle, da die Glut nicht nur am Boden ist, sondern im kompletten Stamm verläuft
„ertrinkt“ nicht leicht im nassen Boden (Schnee)
Nachteile:
viel Vorbereitungsarbeit
Herstellung bedarf handwerkliches Können (Verletzungsrisiko!)
ist nur bedingt zum Bau mit TeilnehmerInnen geeignet
bietet wenig Möglichkeit zum Kochen
Eine schöne Möglichkeit ist jedoch das Zubereiten von heissen Maroni auf der fertigen Baumfackel.
3.6 Rund um’s Feuer
„In der Ruhe liegt die Kraft!“
Selten lässt sich dieses Sprichwort so eindrucksvoll unter Beweis stellen wie beim Entfachen eines Feuers. Selbst wenn es uns noch so drängt, mit dem Kochen zu beginnen oder die nasse Kleidung zu trocknen, jede Minute, die wir in der Vorbereitung zu wenig investieren, verbraucht später um ein Vielfaches mehr Zeit oder bringt die kleine Flamme zum Ersterben.
Wir sollten uns also alles Notwendige bereitgelegt haben, bevor wir das Feuer entzünden, um uns eine spätere, lästige Rennerei zu ersparen. Zusätzlich kann man bereits im Vorfeld einige Vorbereitungen treffen, die man zur Arbeitserleichterung aus dem Rucksack zaubert, wenn’s drauf ankommt.
3.6.1 Vorbereitung
Feuerzeug und Streichhölzer gegen Nässe immer in Plastiktüte einwickeln (ist uns mit der Zeit zur Gewohnheit geworden).
Im Vorfeld Birkenrinde sammeln und in kleinem Tütchen mitnehmen.Hat kaum Gewicht, erleichtert aber das Entfachen eines Feuernests bei Nässe ungemein.
Ein paar Tampons haben wir auch immer im Gepäck.
Wenn man die wasserdicht eingepackte Zellulose auseinanderzupft, ergibt das ein wunderbares Brennmaterial zum Anfachen eines Feuers.
Herstellen selbstgemachter Grillanzünder aus Wachs und Sägemehl:
Benötigtes Material:
Kerzenreste
einen alten Topf
möglichst feines Sägemehl (Schreinerei, Pferdehof, zur Not selbst raspeln)
zwei Holzbrettchen
einen Löffel
ein Messer
Herstellung:
Wir erhitzen die Kerzenreste im Topf bis diese schmelzen und rühren anschließend so lange Sägemehl unter, bis dieses alles Wachs aufgesogen hat und eine teigige Masse entsteht. Mit einem Löffel geben wir die „Wachs-Holzmehl-Masse“ auf eines der Brettchen, lassen das Ganze ein wenig auskühlen und pressen anschließend das andere Brettchen so oben drauf, dass wir eine ca. 1 cm dicke Platte erhalten. Die ausgehärtete Platte schneiden wir mit dem Messer in die gewünschte Größe und lagern die fertigen Grillanzünder in einer Plastiktüte. Wir haben unsere letzten Grillanzünder mal probeweise in die direkte Sonne gelegt und waren erstaunt, wie wenig sie geschmolzen sind, trotzdem würden wir eine möglichst schattige Verwahrung im Gepäck empfehlen.
3.6.2 Metaphern
„Alle […] Anzündhilfen, wie Brennglas, Luntero, Feuerstein und Stahl, MagnesiumFeuerstarter oder gar Feuerbohrer sind eine Spielerei. Wer nicht dazu imstande ist, seine Streichhölzer trocken zu halten oder auf sein Feuerzeug aufzupassen, der wird erst recht nicht geschickt genug sein, um nur mit zwei Holzstückchen ein Feuer zu entzünden!…“ (Höh, Rainer, 2000)
Auch wenn wir diesem Plädoyer von Rainer Höh grundsätzlich beipflichten, haben wir doch stets Magnesium-Starter im Gepäck.
Foto: Feuer mit Feuerstein
Eine, auf diese Weise „erarbeitete“, Flamme macht uns und unseren TeilnehmerInnen während erlebnispädagogischer Projekte die archaische Bedeutung des Feuers eindrucksvoll bewusst und erleichtert uns den Einstieg in die Arbeit mit Metaphern:
Wärme, Schutz, Geborgenheit
Reinigungsrituale, Mystik, Religion
Mutproben
Grundbedürfnisse (Bedürfnispyramide)
Anthropologischer Versammlungsplatz
Fortschritt, Entwicklung, etc.
Besonders bei der Outdoor-Küche mit Jungen und jungen Männern bewährt sich die Kombination mit Feuermachen durch entsprechende Arbeitshilfen. Appelliert das Feuermachen an die scheinbar männlichen Instinkte, sieht Stephen Bacon seinen Archetyp der „Mutter“ gerade beim Kochen besonders angesprochen. Er ruft dazu auf, „die Teilnehmer dazu anzutreiben, der Mutter in ihrer Fülle gegenüberzutreten“, was bei männlichen Jugendlichen besonders wichtig sei, deren Fähigkeiten, mütterliche Qualitäten auszudrücken, notorisch unterentwickelt seien. (Bacon in der Übersetzung von Schödlbauer, 1998).
Genauso gut lassen sich Anzündhilfen aber auch in gemischt-geschlechtlichen Projekten einsetzen. Bei einem erlebnispädagogischen Projekt vor einigen Jahren, in dem die TeilnehmerInnen den Anforderungen an Tom Hanks in dem Film „Cast away“ aktiv begegneten, bildeten das Anfachen eines Feuers und das Zubereiten von Speisen neben dem Bau eines Floßes die zentralen Aufgaben.
3.6.3 Für den Notfall
Neben der speziell abgestimmten Erste-Hilfe-Ausrüstung (vgl. Seite 48), sollte man bei der Outdoor-Küche auch stets auf das Löschen außer Kontrolle geratener Feuerstellen vorbereitet sein.
Hierzu gehört, dass stets ein geeignetes Löschmittel bereitgehalten wird! Meist reicht für den ersten Moment ein Eimer Wasser, der zugleich zum groben Reinigen der Hände benutzt werden kann. Dieses erste, gezielte Löschen sollte ausreichen, um Zeit für ein weiteres, planvolles Vorgehen zu gewinnen (Gluthaufen auseinanderziehen und löschen, Boden im Umkreis der Feuerstelle wässern, Inkrafttreten des eigenen Notfallplans).
ACHTUNG ! Brennendes Fett oder Wachs nicht mit Wasser löschen!!
Da Fett oder Wachs sich erst bei mehreren 100 °C entzünden, verdampft dazugegebenes Wasser blitzschnell. Da das Wasser jedoch einige Sekundenbruchteile benötigt, um im heißen Fett oder Wachs zu verdampfen, dringt es vorher unter die Oberfläche ein, bevor es explosionsartig sein Volumen um mehr als das tausendfache vergrößert und dabei brennendes Fett oder Wachs meterweit herausschleudert. Man spricht in diesem Fall von einer Fettexplosion!
In diesen Fällen darf lediglich durch den Entzug von Sauerstoff (Deckel drauf, mit Sand überdecken) oder mit einem speziell dafür geeigneten Feuerlöscher der Brandklasse F gelöscht werden. Die deutsche Berufsgenossenschaft Nahrung und Gaststätten rät auch von der Verwendung einer Löschdecke ab, da sich diese eventuell mit kondensiertem Fettdampf vollsaugen und wie ein Docht durchbrennen kann.
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