Um aus seinen Kühlschränken Einkaufszentren in der Küche zu machen, sucht Samsung den Austausch mit etablierten Firmen, aber auch mit Startups. 2016 verkündete der Konzern eine Partnerschaft mit Nestlé. 2019 kaufte man das Startup Whisk des 32-jährigen Gründers Nick Holzherr aus Birmingham. Seine App Whisk kann aus Rezepten praktisch jeder beliebigen Webseite automatisch Einkaufslisten generieren und diese inklusive der passenden Kochanleitungen speichern. Der Algorithmus von Whisk kennt Zutaten, ihre Verfalls daten und auch die Verbindung zum passenden Händler, der die Zutaten liefern könnte. Mit Kooperationspartnern wie Mondelez, Kellog’s, Uni lever, AmazonFresh, Tesco und Walmart sieht sich Whisk inzwischen als Knotenpunkt der größten Player im Lebensmittelökosystem. »Wir arbeiten mit den weltweit führenden Marken, Lebensmitteleinzelhändlern, Verlagen, Gesundheitsunternehmen und Geräteherstellern zusammen, um alle Berührungspunkte der Reise entlang der Leben smittelkette zu verbinden und so Erlebnisse zu schaffen, die für alle ansprechender, einfacher und besser sind«, verkündet man inter essierten Businesskunden. Partner der App profitieren von angeblich 500 Millionen »Food-Interactions« pro Monat, 16 Millionen am Tag.
Das kann die digitale Küche in Zukunft:
Smarte Küchengeräte verfügen über immer mehr Rechenpower, Speicher und Sensoren. Sie können so präziser, individueller und mit größerem Rezeptwissen als digitalisierte Helfer in der Küche agieren.
Produktionsmethoden, die vorher großen Industrieanlagen, dem Lebensmittelhandwerk oder professionellen Gärtnereien vorbehalten waren, ziehen durch digitale Präzisionssteuerung in die Haushaltsküche ein.
Küchengeräte werden zu neuen Datenzentren im Haushalt, die jede Zutat, jedes Rezept, jeden Zubereitungs- oder Kochvorgang registrieren, verarbeiten und abspeichern.
Zur Steuerung, Vernetzung und Kontrolle von Geräten und Speisekammer entstehen neue Betriebssysteme.
Küchengeräte werden durch die umfassende Vernetzung zu neuen Einflugschneisen des Lebensmittelhandels direkt in die Küche.
Wenn man den Referenten und Teilnehmern der Podiumsdiskussionen auf Konferenzen wie der Seed & Chips in Mailand lauscht, gehört die Zukunft der Küche eindeutig den digitalen Geräten, die sich mit einem Lieferdienst verbinden. Wer es schafft, die Unterstützung bei der Arbeit in der Küche mit der Unterstützung beim Einkaufen und der Lieferung zu verbinden, wird der Gewinner in diesem neuen digitalen Markt sein. Dies mag für Lebensmitteleinzelhändler und Marken verlockend klingen, da sie über Millionen neuer, vernetzter Geräte einen direkten Zugang in die Küchen ihrer Kunden bekommen.
Die Frage ist allerdings, ob die neuen Betriebssysteme für die Küche den Supermarkt von nebenan, den regionalen Joghurt-Hersteller oder bäuerlichen Direktvermarkter noch mitspielen lassen. Die Marktmacht, die bereits existierende Betriebssysteme wie Windows oder Apple mit seinem App-Store ausüben, wird von den Kartellbehörden immer wieder beklagt und auf eine Klage hin geprüft. Händlern wie Amazon wird inzwischen vorgeworfen, neben Produkten, die auf ihrer Plattform angeboten werden, in dem Moment, in dem eine erhöhte Nachfrage besteht, ein vergleichbares Produkt der Eigenmarke AmazonBasics anzubieten und so den ursprünglichen Anbieter zu verdrängen.
Die Küche der Zukunft könnte der nächste Ort sein, in der ungeahnte Oligopole oder gar Monopole entstehen. »Küchen werden in Zukunft mehr über uns wissen als unser Partner oder wir selbst«, ließ Zalmi Duchman, der Gründer des Sous-vide-Garers CookMellow, die Zuhörer auf der Seed & Chips wissen. Die Frage ist, ob wir das wollen und was diese Entwicklung für unsere Freiheit in der Küche bedeutet.
Wer meint, dass diese Zukunft noch in weiter Ferne liegt, sollte einen Blick auf die Gefriertüten von Toppits werfen. Seit 2018 finden sich dort kleine Smartphone-Piktogramme und daneben ein indivi dueller Code für jede Tüte. Noch werden diese nicht automatisch in die zugehörige Foodsaver -App des Folienherstellers eingepflegt, das muss jeder Kunde noch händisch tun. Mit dem Smartphone kann man so sein Gefrierfach verwalten und kontrollieren. Auf Wunsch erinnert einen die App daran, Eingefrorenes zu genießen, bevor es schlecht wird. Die Informationen über eingefrorene und registrierte Erbsen, Kuchenstücke oder Würste lagern höchstwahrscheinlich in Datenzentren in Frankfurt oder London. So genau weiß das keiner. Der verantwortliche Anbieter gilt als nicht besonders gesprächig, was diese Details angeht. Wer es dennoch genau wissen will, müsste in Mountain View in Kalifornien vorstellig werden. Die App der zur Melitta-Gruppe gehörenden Firma Toppits aus Minden basiert auf der Google-Technologieplattform Firebase .
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