3.5.5 Schaukeln
3.6Hindernis- und Aufgabenkombinationen
4. Der Health-Horse-Agility-Parcours
4.1Variationen in Ausführung und Schwierigkeitsgrad
4.1.1 Gangarten
4.1.2 Führen an der Hand
4.1.3 Leitseilarbeit
4.1.4 Freiarbeit
4.1.5 Reiten
4.2Trainingsplan und zielgerichteter Parcours
4.2.1 Beispielparcours für Freizeitpferde
4.2.2 Trainingsplan für Seniorpferde
4.2.3 Übungsparcours für Anspruchsvolle
In heutiger Zeit werden Gesundheit und Fitness großgeschrieben – nicht nur beim Menschen, sondern auch beim Pferd. Wellness und therapeutische Maßnahmen stehen hoch im Kurs, dennoch ist es nicht ausreichend, dem Pferd eine wohltuende Massage oder eine Solariumsitzung zu gönnen, um das Tier langfristig gesund zu erhalten. Neben Haltungs- und Fütterungsaspekten gehört auch ein adäquates Training zu einem ausgeklügelten Gesundheitskonzept.
Obwohl bekannt ist, dass Pferde von Natur aus nicht dazu geschaffen sind, Lasten zu tragen, will der Mensch das Pferd als Reittier nutzen. Dies bedingt, dass das Pferd diese unnatürliche Mehrbelastung kompensieren muss. Um dies zu bewerkstelligen, ist ein gezieltes Training notwendig, das den Körper über den Muskelaufbau und die Stärkung von Sehnen, Bändern, Gelenkstrukturen und Kreislaufsystem in die Lage versetzt, diese abnorme Mehrbelastung schadlos auszugleichen. Die Umsetzung dieses Trainings ist jedoch nicht so einfach. Es verlangt vom Ausbilder die Fähigkeit, das Pferd entsprechend zu motivieren, damit dieses gegen das Reitergewicht arbeitet. Auf diese Weise kann eine körperliche Überlastung durch das Gerittenwerden langfristig verhindert werden. Voraussetzung hierfür ist der vertrauensvolle und erzieherische Umgang mit dem Pferd und eine technisch anspruchsvolle Hilfengebung des Reiters, um den Pferdekörper so zu formen, dass diese Anforderungen erfüllt werden können. Genau an diesem Punkt scheitern jedoch viele Pferdeliebhaber. Der Weg zu einem einfühlsamen, verständigen Reiter ist lang und dauert mehrere Jahre. In den Lehrjahren des Reiters erleiden viele Pferde diverse Schäden durch falsches Gerittenwerden. Um diese ungünstigen Einflüsse zu mildern und den Weg in die gesundheitlich orientierte Trainingsrichtung zu ebnen, hilft das Health-Horse-Agility-Konzept sowohl Reitern als auch den Pferden auf dem Weg zu einem harmonischen und gesunden Miteinander. Dabei ist es irrelevant, in welcher Disziplin oder Reitweise ein Pferd eingesetzt wird, weil sich das Trainingsprogramm des Health Horse Agility stets individuell nach den Bedürfnissen des jeweiligen Pferdes richtet und nicht nach bestimmten Zielen einer Reitweise.
Gschaid, im September 2017
Das Gesundheitstraining erhöht die Fitness des Pferdes und schafft Reserven für Extremsituationen, die das Verletzungsrisiko minimieren .
1. AUSGANGSLAGE
1.1 Gesundheit statt Leistung
Das Konzept des Health-Horse-Agility-Trainings ist nach dem Gesundheitsprinzip und nicht nach den Grundsätzen der Leistungssteigerung aufgebaut. Das heißt, dass das Pferd in diesem Training nicht unbedingt schneller, höher oder weiter springen und laufen soll, sondern besser. Das Ziel ist, seine Bewegungen zu optimieren, um bestimmte Körperstrukturen planmäßig zu trainieren, damit diese eine Mehrbelastung (durch das Reiten) aushalten und somit langfristig gesund bleiben. Das eine schließt das andere aber nicht aus, denn ein gesundes Pferd ist logischerweise auch leistungsfähiger. Somit können auch gewisse Höchstleistungen erlangt werden, die sonst nicht möglich wären. Dies ist zwar nicht das primäre Ziel des Trainings, aber ein durchaus sinnvoller Nebeneffekt, der nicht nur dem Turnierreiter zugutekommt. Das gezielte Training schafft zudem wichtige Reserven für Extremsituationen und setzt auf diese Weise das Verletzungsrisiko deutlich herab.
Merke!
Das Konzept des Health Horse Agility ist nicht nach dem Leistungsprinzip, sondern nach dem Gesundheitsprinzip ausgerichtet.
Das Health-Horse-Agility-Konzept soll jedem Reiter ein Programm an die Hand geben, das er zielsicher umsetzen kann. Die Aufgaben und Übungen müssen dabei individuell an die Ausgangsposition von Reiter und Pferd angepasst werden. Zudem soll neben dem gesundheitsfördernden Aspekt auch der Spaß nicht zu kurz kommen, der letztendlich auch auf die Psyche einen positiven Einfluss hat. Denn nur ein gesunder Geist kann auch den Körper in seiner Genesung oder Gesunderhaltung unterstützen.
Durch den Einsatz von Hindernissen wie die Kufenwippe werden Muskelkraft, Balance und Koordination trainiert .
1.1.1 Die Aufgaben und Übungen im Health Horse Agility
Zwar steht das Leistungsprinzip im herkömmlichen Sinne nicht auf den Fahnen des Health-Horse-Agility-Konzepts, dennoch ist das Trainingsprogramm auf mehreren Leveln aufgebaut, um den Pferdebesitzer zu motivieren und den Fortschritt der Arbeit erkennen zu lassen. Zudem sollen die Übungen in den weiteren Stufen dazu dienen, die Kommunikation von Mensch und Pferd weiter zu verfeinern, die Aufmerksamkeit zu steigern, das Selbstbewusstsein zu stärken und die Bewegungen nachhaltig zu optimieren. Die Hindernisse und Übungen können zudem geführt, geritten, am Leitseil (Training auf Abstand) oder in Freiarbeit erarbeitet werden.
Die Hindernisse und Aufgaben sollte das Pferd möglichst selbst absolvieren und vom Menschen nur so viel Unterstützung erfahren, wie nötig ist, um die Aufgabe zu verstehen und sie sicher zu bewältigen. Selbstverständlich muss der Mensch eingreifen, wenn das Pferd einen Weg falsch einschlägt oder durch Fehltritte Unfälle und somit Verletzungen drohen. Der Eingriff erfolgt jedoch stets korrigierend, niemals strafend. Erfolgreiches Arbeiten wird zudem immer lobend begleitet.
Das weitgehend selbstständige Arbeiten des Pferdes motiviert das Pferd zur aktiven Mitarbeit und gibt ihm das Gefühl eigener Entscheidungsfreiheit. Der Ausbilder lenkt das Pferd jedoch über lobende und korrigierende Einflüsse sowie mithilfe der verwendeten Medien (Hindernismaterial) in die gewünschte Richtung. So kommen Hindernisse zum Einsatz, die das Pferd sowohl zu aktiven als auch passiven Reaktionen bestimmter Muskelgruppen verleiten. Das Muskeltraining geschieht nicht bewusst, sondern automatisch beim Lösen der Aufgabe. Hindernisse wie Stangen, Wippen, Pylonen, Brücken, Podeste oder unterschiedliche Trittmaterialien dienen nur als Mittel zum Zweck.
Das Hindernis – wie in diesem Fall der Drehteller – unterstützt die Hilfen des Reiters und aktiviert die Muskulatur, die auf diese Weise gezielt angesteuert werden kann .
Das Rad muss nicht neu erfunden werden, denn viele Reitsportdisziplinen bieten einen großen Fundus an Möglichkeiten, die für das Gesundheitstraining genutzt werden können. Aufgaben und Hindernisse aus den Sparten der klassischen Dressur können ebenso in das Health-Horse-Agility-Programm aufgenommen werden wie Übungen aus der Zirzensik, dem Extreme Trail, dem Trailparcours der Westernreiter oder dem Agility-Sport. Immer muss jedoch der Gesundheitsaspekt einer Übung im Vordergrund stehen. Dies erfordert das Verständnis des Ausbilders, welche Effekte bei welcher Übung entstehen und welche Aufgaben für das jeweilige Pferd passend sind.
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