Ein flammender Auftrag
Mose am brennenden Dornbusch
Auch Mose steht an einem entscheidenden Punkt seines Lebens dem Engel Gottes gegenüber. Diesmal erscheint er in der Feuerflamme eines brennenden Dornbuschs. Wieder geht der Engel ganz in seiner Botschaft auf, sodass kaum mehr zu unterscheiden ist, ob nun der Engel zu Mose spricht oder Gott selbst. Tatsächlich gibt Gott in dem Gespräch mit Mose sein innerstes Wesen preis: Er ist der »Ich-bin-da«, der Gott, der ganz für sein Volk da ist, der es leitet und beschützt. Ein zugewandter Gott, der sich um die Menschen kümmert.
Der Auftrag, den Mose erhält, ist so brennend wie die Flamme, aus der Gott durch seinen Engel spricht: Mose soll das Volk Israel aus der Unterdrückung in Ägypten herausführen in ein Land, das »von Milch und Honig überfließt«. Auch wenn Mose sich dieser großen Aufgabe nicht gewachsen fühlt und sich zunächst dagegen sträubt, sie anzunehmen, so wird aus dieser Begegnung doch schließlich die für das ganze Volk Israel entscheidende Erfahrung mit seinem Gott erwachsen: die Rettung aus der Unterdrückung – ein Erlebnis, das Israel zu Gottes ureigenem Volk macht. Denn Gott brennt für sein Volk so wie der Dornbusch. (2Mose/Exodus 3,1-17)
Mose hütete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Als er die Herde tief in die Wüste hineintrieb, kam er eines Tages an den Gottesberg, den Horeb.
Dort erschien ihm der Engel des HERRN in einer lodernden Flamme, die aus einem Dornbusch schlug. Mose sah nur den brennenden Dornbusch, aber es fiel ihm auf, dass der Busch von der Flamme nicht verzehrt wurde.
»Das ist doch seltsam«, dachte er. »Warum verbrennt der Busch nicht? Das muss ich mir aus der Nähe ansehen!«
Als der HERR sah, dass Mose näher kam, rief er ihn aus dem Busch heraus an: »Mose! Mose!«
»Ja«, antwortete Mose, »ich höre!«
»Komm nicht näher!«, sagte der HERR. »Zieh deine Schuhe aus, denn du stehst auf heiligem Boden.«
Dann sagte er: »Ich bin der Gott, den dein Vater verehrt hat, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.«
Da verhüllte Mose sein Gesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzusehen.
Weiter sagte der HERR: »Ich habe genau gesehen, wie mein Volk in Ägypten unterdrückt wird. Ich habe gehört, wie es um Hilfe schreit gegen seine Antreiber. Ich weiß, wie sehr es leiden muss, und bin herabgekommen, um es von seinen Unterdrückern zu befreien. Ich will es aus Ägypten führen und in ein fruchtbares und großes Land bringen, ein Land, das von Milch und Honig überfließt. Ich bringe es in das Land der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. Ich habe den Hilfeschrei der Leute von Israel gehört, ich habe gesehen, wie grausam die Ägypter sie unterdrücken. Deshalb geh jetzt, ich schicke dich zum Pharao! Du sollst mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten herausführen.«
Aber Mose wandte ein: »Ich? Wer bin ich denn! Wie kann ich zum Pharao gehen und das Volk Israel aus Ägypten herausführen?«
Gott antwortete: »Ich werde dir beistehen. Und das ist das Zeichen, an dem du erkennst, dass ich dich beauftragt habe: Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr mir an diesem Berg Opfer darbringen und mich anbeten.«
Mose sagte zu Gott: »Wenn ich nun zu den Leuten von Israel komme und zu ihnen sage: ›Der Gott eurer Vorfahren hat mich zu euch geschickt‹, und sie mich dann fragen: ›Wie ist sein Name?‹ – was soll ich ihnen sagen?«
Gott antwortete: »Ich bin da«, und er fügte hinzu: »Sag zum Volk Israel: ›Der Ich-bin-da hat mich zu euch geschickt: der HERR! Er ist der Gott eurer Vorfahren, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.‹ Denn ›HERR‹ (Er-ist-da) ist mein Name für alle Zeiten. Mit diesem Namen sollen mich auch die kommenden Generationen ansprechen, wenn sie zu mir beten.
Geh nun und rufe die Ältesten des Volkes Israel zusammen! Sag zu ihnen: ›Der HERR, der Gott eurer Vorfahren, ist mir erschienen, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Er hat zu mir gesagt: Ich habe genau gesehen, was man euch in Ägypten antut. Darum bin ich entschlossen, euch aus diesem Land herauszuführen, in dem ihr so unterdrückt werdet. Ich bringe euch in das Land der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter, ein Land, das von Milch und Honig überfließt.‹«
Eine Botschaft und viele Einwände
Gideons Berufung
Kann man mit einem Engel über seine Botschaft diskutieren? In der Bibel kommt das immer wieder vor. Die Nachrichten und Aufträge, die Gott durch seine Engel übermittelt, sind in vielen Fällen so außergewöhnlich, dass die Angesprochenen zunächst ungläubig verblüfft bis ablehnend reagieren.
Und tatsächlich nimmt Gott die Einwände und Vorbehalte der Menschen ernst. Er lässt seine Engel mit der sprichwörtlichen Engelsgeduld Auskunft geben und lässt sich sogar dazu bewegen, sich selbst als »Absender« ihrer Botschaft auszuweisen.
So geschieht es auch bei Gideon. Er lebt in einer Zeit, in der es Israel nicht gut geht. Das Volk hat zwar das Land Kanaan in Besitz genommen, gerät aber immer wieder in Auseinandersetzungen mit Nachbarvölkern. In diesem Fall sind es Beduinen, die wiederholt in das Land einfallen, es ausrauben und verwüsten. Gideon ist gerade damit beschäftigt, Weizen zu dreschen – versteckt in der Weinkelter statt offen auf dem Dreschplatz, damit nicht auch dieser Weizen an die Plünderer verloren geht –, da kommt der Engel Gottes zu ihm und erklärt, dass Gideon zum Retter Israels werden soll. Lesen Sie selbst, was Gideon alles einzuwenden hat und wie beharrlich der Engel ihn Schritt für Schritt von seiner Berufung überzeugt. (Richter 6,11-24)
Der Engel des HERRN kam und setzte sich unter die Eiche bei Ofra. Der Platz gehörte zum Grundbesitz Joaschs, eines Mannes aus der Sippe Abiëser. Sein Sohn Gideon war gerade dabei, in der nahe gelegenen Weinkelter Weizen zu dreschen, um ihn vor den Midianitern in Sicherheit zu bringen.
Da zeigte sich ihm der Engel des HERRN und sagte: »Gott mit dir, du tapferer Krieger!«
Gideon erwiderte: »Verzeihung, mein Herr! Aber wenn wirklich Gott mit uns ist, wie konnte uns dann so viel Unglück treffen? Unsere Väter haben uns doch immer wieder erzählt: ›Der HERR hat uns aus Ägypten hierher geführt.‹ Wo sind denn nun alle seine Wundertaten geblieben? Nein, der HERR hat uns im Stich gelassen und uns den Midianitern ausgeliefert!«
Der HERR aber trat auf Gideon zu und sagte: »Du bist stark und mutig. Geh und rette Israel aus der Hand der Midianiter. Ich sende dich!«
»Aber mein Herr«, wandte Gideon ein, »wie soll ich Israel befreien? Meine Sippe ist die kleinste im ganzen Stamm Manasse und ich bin der Jüngste in meiner Familie.«
»Ich werde dir beistehen«, sagte der HERR, »und du wirst die Midianiter auf einen Schlag vernichten.«
Gideon erwiderte: »Wenn ich vor dir Gnade gefunden habe, dann gib mir ein Zeichen dafür, dass wirklich der HERR selbst mit mir spricht! Geh nicht von hier weg, bis ich dir eine Gabe gebracht habe.«
»Ich warte, bis du zurückkommst«, sagte der HERR.
Gideon ging nach Hause, kochte ein Ziegenböckchen und backte ungesäuertes Brot aus einem ganzen Backtrog voll Mehl. Dann legte er das Fleisch in einen Korb, goss die Brühe in einen Topf, brachte alles zu dem Platz unter der Eiche und bot es dem Engel des HERRN an.
Doch der Engel sagte zu ihm: »Leg das Fleisch und die Brote hier auf den Felsblock, aber die Brühe schütte weg!«
Gideon tat es und der Engel des HERRN berührte mit dem Stab in seiner Hand das Fleisch und die Brote. Da schlug Feuer aus dem Felsen und verzehrte alles. Im selben Augenblick war der Engel verschwunden.
Da wusste Gideon, wer mit ihm gesprochen hatte. »HERR, du mächtiger Gott!«, rief er. »Ich habe deinen Engel gesehen, ich habe ihm gegenübergestanden. Ich muss sterben!«
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