Gerne hätte ich ihm all das persönlich gesagt, am liebsten in Gegenwart seiner Therapeutin. Doch die Bahngesellschaft lehnte meinen Vorschlag ab, was mich zunächst sehr enttäuschte. Es war nicht leicht für mich zu akzeptieren, dass das, was ich für gut hielt, nicht unbedingt und jederzeit für alle das Beste sein musste. Mit dem Brief, den ich geschrieben habe, ist es nun von meiner Seite aus getan.
Ich machte noch weitere Erfahrungen mit dem Verzeihen. Es gibt Menschen, die sind wirklich böse auf mich, weil sie nicht verstehen, wie ich um Heli trauere. Ich wollte lange eine Versöhnung herbeiführen, stieß jedoch nur auf Ablehnung. Eines Tages erkannte ich, dass Versöhnung nicht in jedem Fall wechselseitig sein muss. Es braucht nicht einmal unbedingt die persönliche Begegnung. Ich konnte den Frieden in mir finden, völlig unabhängig davon, ob mein Gegenüber auch mit mir Frieden schließen wollte.
Wir sind so ins Gespräch vertieft, dass wir die Zeit vergessen. Ihren Zug nach Hause, nach Wien, muss sie noch bekommen und eilt von dannen.
Als ich später Freunden von der Begegnung mit Barbara erzähle, geht ihnen ihre Geschichte unter die Haut. Denn innerhalb von Sekunden wird jedem bewusst, wie fragil unser Leben ist, wie wir von einer Minute auf die andere alles, was uns wichtig ist, verlieren können und wie wenig selbstverständlich das ist, was wir für selbstverständlich halten. Wir fragen uns, was wäre, wenn wir selbst unsere Familie aus heiterem Himmel verlieren würden.
Einer Freundin geht es zu nahe, und es ist, als hätte sie Angst, dass allein die Beschäftigung mit dem Tod ansteckend wirken und ihr den Boden unter den Füßen wegziehen könnte. Die anderen sind dankbar, daran erinnert zu werden, jeden Moment mit denen, die sie lieben, zu genießen, anstatt sich in Unwesentlichkeiten und Streitereien zu verstricken.
Ich spüre einmal mehr, wie kostbar jeder Atemzug, jeder Moment unseres Lebens ist. Ich mache mir seit meiner Kindheit Gedanken über den Tod und war mir schon früh der Vergänglichkeit bewusst. Das half mir immer, mein Leben und das Gefühl des Glücklichseins nicht auf morgen zu verschieben, sondern das zu tun, was mir wirklich am Herzen liegt. Vieles, was wir unnötigerweise für bedeutend halten, wird bedeutungslos, wenn sich der Blick fürs Wesentliche schärft.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.