- Saturn an der Achse von Mond und Jupiter bringt etwas Ernstes in diese an sich optimistische Verbindung. Hier sind Glück und Erfüllung nicht so leicht zu finden. Das eigene Pflichtgefühl oder äußere Einschränkungen können die emotionale Erfüllung verzögern oder ganz verhindern. Im besten Fall ergibt sich eine Art „vorsichtiger Optimismus“.
Analysieren wir als letztes Beispiel die Halbsumme Saturn/Uranus: Bei dieser Verbindung existiert eine Grundspannung zwischen dem Alten und dem Neuen, zwischen Tradition und Fortschritt.
- Demnach wird ein Mensch, dessen Sonne in dieser Achse steht, immer wieder bestrebt sein, das Alte hinter sich zu lassen und sich dem Neuen zuzuwenden. Ein zentrales Anliegen seiner Persönlichkeit (SO) wird darin bestehen, sich gegen Einschränkungen (SA) zur Wehr zu setzen und für seine Individualität und Freiheit (UR) zu kämpfen.
- Bei VE = SA/UR werden sich diese Gegensätze im Bereich von Liebe und Partnerschaft bemerkbar machen.
- Befindet sich Pluto zwischen Saturn und Uranus, erfährt diese Grundspannung eine zusätzliche Verstärkung. Die Kombination lässt uns an einen Menschen denken, der außerordentliche, möglicherweise brutale Anstrengungen unternimmt, um sich aus einer schwierigen Lage zu befreien.
Verschiedene Permutationen
Wer sich intensiver mit Halbsummen beschäftigt, wird feststellen, dass es häufig keine Rolle spielt, wie die Bestandteile eines Planetenbildes angeordnet sind, d.h. welcher der drei Faktoren in der Mitte steht. Machen wir uns dies am Beispiel von Sonne, Merkur und Saturn deutlich. Ebertin interpretiert die drei Kombinationen in seiner KdG folgendermaßen:
- SA = SO/ME: Denkhemmungen, pessimistische Einstellung, Lebensernst, Lebenserfahrung, Philosoph. An Trennung denken, Abschied.
- ME = SO/SA Denkhemmungen, schwere Gedanken haben, sich mit ernsten Problemen beschäftigen. An Trennung denken, Sprachhemmung, Gehörleiden.
- SO = ME/SA: In der geistigen Entwicklung gehemmter Mensch, Liebe zu Reisen, Veränderung, Trennungen. Mehrfacher Wohnungswechsel.
Bei objektiver Betrachtung werden Sie erkennen, dass die Beschreibungen der verschiedenen Permutationen im Prinzip gleich sind und nur unterschiedliche Formulierungen gewählt wurden. Dies lässt sich noch besser verdeutlichen, wenn man die Aussagen so einfach und allgemeingültig wie möglich formuliert:
- SA = SO/ME: Ernsthaftigkeit, Nüchternheit oder Pessimismus (SA) beeinflussen das persönliche Denken (SO/ME).
- ME = SO/SA: Das Denken (ME) wird durch den persönlichen Ausdruck von Ernsthaftigkeit, Nüchternheit oder Pessimismus (SO/SA) geprägt.
- SO = ME/SA: Der persönliche Ausdruck (SO) wird von ernsthaftem, nüchternem oder pessimistischem Denken (ME/SA) bestimmt.
Ebertin selbst bestätigt diesen Ansatz, obwohl er, wie wir gesehen haben, eine Differenzierung vornimmt: „Die Erfahrung hat sogar gelehrt (…), dass es in der Hauptsache darauf ankommt, welche Faktoren in Verbindung treten und es oft gleichgültig zu sein scheint, wie die zusammengehörigen Faktoren gruppiert sind.“ (Ebertin, Kombination der Gestirneinflüsse, Tübingen 2003, S. 242 ff.)
Das eigenständige Deuten kann trotz Ebertins KdG und anderer Nachschlagewerke niemandem abgenommen werden. Vergessen wir nicht, dass Astrologie eine Kunst ist, die viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen voraussetzt. Ein gutes Regelwerk kann wertvolle Anregungen liefern. Letztendlich aber liegt es immer am Astrologen selbst, einen Bezug zwischen den Konstellationen und der Lebensrealität des Horoskopeigners herzustellen. Dieser individuelle Bezugsrahmen ist aber in keinem Regelwerk zu finden.
Die persönlichen Faktoren
Um Halbsummen richtig einschätzen und bewerten zu können, ist ein umfassendes Verständnis der astrologischen Symbole unerlässlich. Da Planetenbilder durch die Beteiligung von Sonne, Mond, Medium Coeli und Aszendent stets besondere Bedeutung erlangen, möchte ich kurz auf diese persönlichen Faktoren eingehen:
Die Sonne repräsentiert unsere grundlegende Lebensenergie. Ihre Funktion ist die Zentrierung und Integration der in uns wirkenden Planetenkräfte. Wenn Sie erfahren möchten, wie ein Mensch sein Leben gestaltet und welche Energien er bewusst einsetzt, um seiner Person Ausdruck zu verleihen, dann müssen Sie die Halbsummen der Sonne untersuchen.
Der Mond symbolisiert das Zentrum, durch das unser inneres Ich zum Ausdruck kommt. Er zeigt unsere emotionalen Reaktionen und die Art unserer Bedürfnisse. Auch weibliche Personen und der Archetyp des Mütterlichen werden ihm zugeordnet. Möchten Sie erfahren, welche Energien ein Mensch in seinem Leben auf natürliche und häufig unbewusste Art zum Ausdruck bringt, so müssen Sie die Halbsummen des Mondes untersuchen.
Neben Sonne und Mond – darin stimmen alle Astrologen überein – sind die beiden Hauptachsen MC und Aszendent für die Horoskopbetrachtung von größter Bedeutung. Allerdings existieren teilweise recht unterschiedliche Ansichten darüber, wie diese Punkte zu interpretieren sind.
Ich vertrete eine Auffassung, die von Alfred Witte und der Hamburger Schule geprägt wurde, und die sich während meiner langjährigen Tätigkeit als forschender und beratender Astrologe immer wieder bestätigt hat. Da dieser Ansatz ein wenig von den Vorstellungen der traditionellen Astrologie abweicht, möchte ich die Unterschiede (und Gemeinsamkeiten) der beiden Richtungen in aller Kürze herausarbeiten:
Dem Aszendenten oder aufsteigenden Zeichen wurde seit jeher eine besondere Bedeutung beigemessen. In der klassischen Astrologie wird der Herrscher des Aszendenten als „Geburtsgebieter“ bezeichnet. Der Aszendent selbst wird als Ich, Persönlichkeit oder auch Anlage aufgefasst, während das MC mit dem Beruf, der Karriere oder dem Lebensziel in Verbindung gebracht wird.
Für die Vertreter der Hamburger Schule und die Kosmobiologen bedeutet dies eine einseitige Überbewertung des Aszendenten gegenüber dem MC. Für sie ist das MC mehr als nur die Spitze des 10. Hauses. Es symbolisiert das eigentliche Ich, die Persönlichkeit, man könnte auch sagen: die Seele. Der Aszendent dagegen beschreibt die Umwelt, in die der Geborene vom Augenblick seiner Geburt an hineingestellt ist, von der er beeinflusst wird und in die er gestaltend eingreift.
Wer etwas genauer über das Gesagte nachdenkt, wird feststellen, dass die scheinbar gravierenden Unterschiede zwischen dem klassischen und dem Witte'schen Ansatz in Wirklichkeit gar nicht so unüberbrückbar sind: Wenn vom Aszendenten als Entsprechung für die Umwelt die Rede ist, so ist damit vor allem die Wechselwirkung zwischen dem Geborenen und seiner Umwelt gemeint. Dazu gehört auch das Bild, das der Native (zumeist unbewusst) nach außen projiziert bzw. die Art, wie der Betreffende von seinen Mitmenschen wahrgenommen wird. (Im Gegensatz zum klassischen Ansatz ist dies allerdings nur ein Teil der Symbolik.)
Wenn wir das MC als „Ich-Punkt“ auffassen, so schließt dies meiner Ansicht nach Entsprechungen wie Beruf, Berufung und Lebensziel mit ein, denn schließlich definieren wir Menschen uns in erster Linie durch unsere Motivationen, Bestrebungen und Ziele – kurz gesagt: wir sind, was wir im Leben tun.
Hilfreiche Deutungskonzepte
Da Planetenbilder aus wenigstens drei Faktoren bestehen, bereitet es vielen Anfängern erfahrungsgemäß Probleme, die verschiedenen (und teilweise recht widersprüchlichen) Prinzipien zu einem gemeinsamen Deutungsinhalt zu verbinden. Sollten Ihnen also nicht sofort die passenden Worte zufließen, wenn Sie ein Halbsummenbild betrachten, so ist dies völlig normal und kein Grund, sich entmutigen zu lassen. Zunächst gilt es, ein Gefühl für die verschiedenen Kombinationen zu entwickeln, konkrete Aussagen können Sie später formulieren.
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