Nun kann ein Planetenbild nicht nur von drei Faktoren gebildet werden, sondern entsteht ebenso, wenn zwei oder mehr Halbsummen eine gemeinsame Achse besetzen.
Abbildung 3: SO/MO = MA/JU
Im oben abgebildeten Horoskop (Abbildung 3) teilen sich Sonne/Mond und Mars/Jupiter eine gemeinsame Achse. Man schreibt: Sonne/Mond = Mars/Jupiter oder abgekürzt: SO/MO = MA/JU.
Berechnung, Teiler und Orben
Für die exakte Berechnung von Halbsummen ist es notwendig, die absoluten Längen der betreffenden Faktoren zu ermitteln. Die absolute Länge ist die Entfernung in Grad und Minuten von 0° Widder. Der nachfolgenden Tabelle können Sie entnehmen, wie viel Grad zu jedem Zeichen hinzuaddiert werden müssen:
Widder |
+ 0° |
Stier |
+ 30° |
Zwillinge |
+ 60° |
Krebs |
+ 90° |
Löwe |
+ 120° |
Jungfrau |
+ 150° |
Waage |
+ 180° |
Skorpion |
+ 210° |
Schütze |
+ 240° |
Steinbock |
+ 270° |
Wassermann |
+ 300° |
Fische |
+ 330° |
Hier ein Beispiel: Die Sonne befindet sich auf 15° 14' Stier, ihre absolute Länge beträgt 45° 14' (15° 14' + 30°). Mars steht auf 7° 25' Schütze, seine absolute Länge beträgt 247° 25' (7° 25' + 240°). Addiert man die beiden Längen, so ergibt sich 294° 39'. Die exakte Halbsumme erhalten wir, indem wir diese Summe durch 2 teilen: 294° 39' : 2 = 147° 20' (gerundet), entspricht 27° 20' Löwe.
Wie bereits dargelegt, sind bei Planetenbildern in erster Linie die dynamischen Aspekte relevant, also jene Winkel, die sich aus der fortgesetzten Teilung des Kreises ergeben. Die meisten Astrologen betrachten Halbsummen ausschließlich im achten Harmonic, verwenden also diejenigen Aspekte, die durch die 8-Teilung des Tierkreises entstehen (Konjunktionen, Halbquadrate, Quadrate, Anderthalbquadrate und Oppositionen). Einige gehen einen Schritt weiter und teilen den Tierkreis durch 16 oder sogar 32, wodurch sich Resonanzen mit immer höherer Schwingungszahl ergeben. Ich beschränke mich in diesem Buch auf die Winkel des Teiler 8.
Bei der Arbeit mit Planetenbildern ist Genauigkeit gefragt. Als Richtlinie empfehle ich einen Orbis von 1,5 Grad. Enthalten Bilder persönliche Punkte (MC, AC, Sonne oder Mond), kann der Orbis auf 2 Grad ausgedehnt werden. In Einzelfällen, beispielsweise wenn zwei oder mehr persönliche Faktoren in einem Winkel des achten Harmonic zusammenfallen, kann ein Orbis von etwas mehr als 2 Grad unter Umständen noch wirksam sein. Mit zunehmender Erfahrung werden Sie Ihre eigenen Vorstellungen entwickeln und selbst entscheiden, in welchen Fällen es sinnvoll sein kann, den Orbis gegebenenfalls auszudehnen. Prinzipiell gilt natürlich, dass ein Halbsummenbild umso stärker wirkt, je exakter es ist.
Der 90°-Kreis wurde von Alfred Witte entwickelt und hat die Funktion eines Hilfs- oder Rechenkreises. Vor der Verbreitung des Computers war er das wichtigste Werkzeug zum Auffinden von Halbsummenstrukturen. (Diese sind in der herkömmlichen Tierkreis-Darstellung kaum zu erkennen.) Der 90°-Kreis wirkt wie ein „Vergrößerungsglas“, da hier ein Grad viermal so groß ist wie im normalen Tierkreis.
Um das Prinzip dieses Kreises zu verstehen, können Sie sich folgendes vorstellen: Beginnend bei 0° Widder wird der Tierkreis in vier gleiche Segmente von jeweils 90° Länge zerschnitten. Es entstehen vier Tierkreis-Viertel, bestehend aus jeweils drei Tierkreiszeichen:
1. Viertel: Widder, Stier, Zwillinge
2. Viertel: Krebs, Löwe, Jungfrau
3. Viertel: Waage, Skorpion, Schütze
4. Viertel: Steinbock, Wassermann, Fische
Die vier Viertel werden aufeinandergelegt, so dass sich alle kardinalen, alle fixen und alle beweglichen Zeichen decken. Stellen Sie sich die vier Viertel nun ziehharmonikaartig auseinandergezogen und zu einem neuen Kreis verbunden vor. In dem neu entstandenen Kreis fallen die kardinalen Zeichen auf die Grade 0 bis 30, die fixen Zeichen auf die Grade 30 bis 60 und die beweglichen Zeichen auf die Grade 60 bis 90. Die Umrechnung der Tierkreispositionen in den 90°-Kreis ist somit denkbar einfach:
Bei kardinalen Zeichen kann der Wert einfach übernommen werden.
Bei fixen Zeichen werden 30° hinzuaddiert.
Bei beweglichen Zeichen werden 60° hinzuaddiert.
Der 90°-Kreis bringt einige Besonderheiten mit sich: Faktoren, die im 360°-Kreis eine Konjunktion, eine Opposition oder ein Quadrat bilden, fallen im 90°-Kreis auf die gleichen Grade, sie bilden eine scheinbare Konjunktion. Faktoren, die im 360°-Kreis einen Winkel von 45 oder 135 Grad bilden, stehen sich im 90°-Kreis gegenüber, sie formen eine scheinbare Opposition.
Zur Verdeutlichung das Horoskop Albert Einsteins. Um den normalen Tierkreis wurde der 90°-Kreis gelegt (Abbildung 4).
Im außen liegenden 90°-Kreis erkennen Sie, dass Jupiter und Aszendent sich gegenüberstehen. Eine solche Verbindung ist im normalen Tierkreis schwer auszumachen, da es sich um einen Winkel von 135 Grad, also ein Anderthalbquadrat handelt. Auch Sonne und Neptun formen im 90°-Kreis eine scheinbare Opposition, im 360°-Kreis bilden sie ein Halbquadrat.
Der 90°-Kreis wurde und wird bis heute vor allem zusammen mit einer durchsichtigen Plastikscheibe verwendet, die auf der Horoskopunterlage befestigt ist. Durch Drehen der Scheibe lassen sich bequem alle Halbsummen und Planetenbilder feststellen.
Selbstverständlich dürfen 90°-Kreis und normaler Tierkreis niemals zueinander in Bezug gesetzt werden, sondern müssen immer getrennt voneinander betrachtet werden.
Abbildung 4: Albert Einstein, 14. 3. 1879, 11.30 LMT, Ulm mit 90°-Kreis außen
Halbsummenlisten und Baumdiagramme
Planetenbilder können auch tabellarisch erfasst werden: Da bei Halbsummen nicht nach der Art des (Spannungs-)Aspektes unterschieden wird, haben sich Halbsummenlisten in verschiedenen Teilern bewährt. Diese Listen sind durch die Verbreitung des Computers heutzutage zum Standart geworden und haben den 90°-Kreis mit Drehscheibe weitgehend ersetzt. Am häufigsten werden die 90°- und die 45°-Liste verwendet.
Bei der 90°-Liste fallen, genau wie beim 90°-Kreis, die kardinalen Zeichen auf die Grade 0 bis 30, die fixen Zeichen auf die Grade 30 bis 60 und die beweglichen Zeichen auf die Grade 60 bis 90. Planeten oder Achsen mit gleicher Gradzahl stehen in einem Aspektverhältnis des vierten Harmonic (Konjunktion, Quadrat, Opposition) zueinander. Nicht erfassen lassen sich mit dieser Liste die Winkelverhältnisse von 45 und 135 Grad.
Abbildung 5: 90°-Liste Albert Einstein
Abbildung 5zeigt die 90°-Liste von Albert Einsteins Horoskop. Greifen wir zum besseren Verständnis einige Faktoren und Achsen heraus:
In der ersten Spalte von links finden wir den Aszendenten auf 11° 38'. Direkt darüber auf 11° 06' befindet sich die Achse Jupiter/Pluto. Dies sagt uns, dass der Aszendent mit einer Abweichung von 32 Bogenminuten in der Halbsumme Jupiter/Pluto steht, kurz ausgedrückt: AC = JU/PL. Welchen Aspekt der Aszendent zu dieser Halbsumme bildet, ist aus der Liste nicht zu ersehen. Wir wissen aber, dass es sich um einen Winkel des vierten Harmonic (Konjunktion, Opposition oder Quadrat) handeln muss.
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