wie pflegt' ich dich zu nennen? Sag es mir!
Ottegebe steht in höchster Verlegenheit von ihm abgekehrt, windet sich, kaut an Schürze oder Tuch und bricht mehrmals in Lachen aus, das sie aber sogleich erschrocken und ängstlich unterdrückt. Dabei knickt sie ein und bringt erst nach erneuten Ermunterungen mühsam, stockend und leise, hervor
Mein – klein – Gemahl –!
HeinrichSo recht! Mein klein Gemahl!
Bald wird ein wackrer Landmann nun dich nennen
im Ernst, wie ich im Scherz dich damals nannte.
Ottegebe erschrickt, wird totenblaß und läuft davon.
Wo willst du hin?
Ottegebe steht still, zittert Mir schien's, der Vater rief.
HeinrichBleib nur und setze dich. Es wäre denn,
daß ich mir irgend deine Gunst verscherzte.
Wie? tat ich das vielleicht? Es wär' mir leid.
Ottegebe ab, Gottfried kommt wieder.
Gottfried seufzend
Es ist nicht klug zu werden aus dem Kinde!
Denkt, was sie eben wieder hat vollbracht:
die Mutter trifft sie, wie sie Waben schneidet
und selbst den Imker macht am Bienenstock.
Zerstochen sind ihr Arme, Brust und Hände. –
Und diesen tollen Streich hat sie verübt,
weil ich vergaß, für Euren Tisch zu räumen,
womit sie mir schon anlag heute nacht.
Heinrich zugleich erstaunt, verdutzt und belustigt
Wie? Um ein wenig Süßigkeit für mich
läßt sie den Leib von Immen sich zerstechen? –
Er lacht laut heraus.
So geh denn, Gottfried, ruf mir meinen Knecht!
Ottacker soll aus meiner Satteltasche
das Kettlein greifen mit dem güldnen Mond,
ich will es meinem klein Gemahl verehren.
Im Ernst! – Was stehst du noch?
Gottfried zögernd Der Knecht ist fort.
HeinrichWas? wer ist fort?
GottfriedOttacker, Euer Knappe.
HeinrichWas heißt das, fort? – Wer hat ihn fortgeschickt?
GottfriedIch meinte, Herr, daß Ihr das würdet wissen.
Heinrich nachdem er sich gesammelt, tief heraus
Ich sollt' es wissen, doch ich wußt' es nicht.
Er steht auf und geht langsam und bleich, eine starke Erregung beschwichtigend, auf und nieder.
Geduld! – und hab auch du Geduld mit mir!
Hör zu! – Warum ich wiederkehrte, Gottfried,
in euer grünes, tannenduftiges – Grab,
du mußt's erfahren einstmals, noch nicht heut.
Um Gottes willen nimm mich auf indes,
als wär' ich Heinrich von der Aue nicht –
vielmehr ein Pilgrim, der um Obdach fleht,
um Obdach und – um Frieden.
GottfriedGnädiger Herr . . .
HeinrichKäm' ich als Herr, so wär' ich nicht gekommen. –
Verläßt den Herrn ein stets getreuer Knecht?
Ich kann ihn nicht erwürgen drob noch schelten! –
Nein: was du mir gewährst, muß Gnade sein.
Nicht Gült und Zehnten komm' ich zu erpressen:
Almosen heisch' ich, Gottfried, freie Gaben,
Barmherzigkeit!
GottfriedMein Ohr betrügt mich, Herr!
Der reiche Heinrich von der Aue bittet
mich schlechten Bauersmann und armen Diener
um Gnaden, Gaben und Barmherzigkeit? –
HeinrichDer reiche Heinrich von der Aue ist
ein armer Heinrich von der Aue worden:
dies, Gottfried, sei fürs erste dir genug.
Es kommen Tage, Stunden – Stunden, Tage –
ach, lange Tage wohl und lange Stunden!
da werd' ich dir aus gleichem Tone harfen –
endlos! – ein Lied: – es wird dir zum Verdruß
und ach! zum Überdrusse Antwort geben
auf alles, was dein Blick und Wort mich fragt.
Ich bleibe bei euch – Wochen! Monde! Jahre!
Und geh' ich von euch einst . . . doch davon still.
Nichts ist so dunkel, einst wird's offenbar.
Bescheide dich. – Geduld! – Friedloses Herz
muß rastlos Frieden suchen. – Gib mir das,
was auf der Stirne, biederer Mann, dir liegt!
Beschenke mich aus deinem Friedensschatz:
denn danach dürstet meine Seele mehr
als nach den Schätzen weiland Saladins.
Er geht langsam ab. Gottfried hat tief betroffen dem Davongehenden nachgeschaut. Brigitte kommt.
BrigitteDer Herr ging eben fort?
GottfriedVerstehst du das?
BrigitteNein, Gottfried, ihn nicht und auch nicht das Kind!
Sie liegt, weint, schwört: sie müsse ihn erlösen.
GottfriedVon was?
BrigitteSie spricht: fragt Pater Benedikt!
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