Dieses Buch rüttelt auf. Berührt. Es entzaubert ein Land und imaginiert eine Zukunft, voller Hoffnung und frei von Rassismen. Welche Strukturen erhalten hierzulande ein System, das immer noch ausgrenzt und verletzt? Was ist Colorism? Warum ist Dating als Schwarze Person so verdammt schwer?
In enthüllenden Essays und Geschichten erzählen 20 FLINTA* (Frauen, Lesben, Inter, Nicht-Binäre, Trans, Agender) von ihren Lebensrealitäten in Deutschland, ihren Wünschen und Visionen. Sie brechen mit Stereotypen, fordern zum Umdenken auf und erschaffen einen Raum für eigene Identitäten.
Mal humorvoll, mal schmerzhaft ehrlich: Dieser Essayband ist ein vielstimmiger und beflügelnder Aufruf an die Schwarze Community.
Diese Publikation wurde durch eine Verlagsprämie des Freistaats Bayern 2021 ausgezeichnet.
1. Auflage 2021
Copyright © 2021 &Töchter UG (haftungsbeschränkt), München
Alle Rechte vorbehalten, auch auszugsweise.
Lektorat: Laura Nerbel, &Töchter
Design, Satz: Sigl Affairs, München
eISBN 978-3-948819-52-1
www.und-toechter.de
Schwarz wird großgeschrieben
HERAUSGEGEBEN VON EVEIN OBULOR | ROSAMAG
Evein Rosa Obulor (sie/ihr), geboren 1994, kommt aus einem idyllischen Dörfchen am bayerischen Bodensee. Von dort hat sie ihre Vorliebe für frische Erdbeeren. Sie studierte u. a. Peace and Conflict Studies und verließ den Bodensee für ihren Job als Antidiskriminierungsbeauftragte der Stadt Heidelberg und Koordinatorin der Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus. Dort gründete Evein das antirassistische Netzwerk Migration Hub Heidelberg. An manchen Tagen moderiert sie zwei Veranstaltungen gleichzeitig, gestaltet Projekte und Workshops an den Schnittstellen von Kultur, Politik und Bildung und schafft mit dem RosaMag-Team Raum für Schwarze Träume — an anderen Tagen sind Blumen und Serienmarathons ihr Weg, Widerstand gegen rassistische Strukturen zu leisten.
@eveinobulor
Das RosaMag ist ein Online-Lifestylemagazin, das Schwarze FLINTA* und Freund*innen informiert, inspiriert und empowert. RosaMag porträtiert ihre facettenreichen Lebenswelten, mit natürlichen Pflegetipps für Afrolocken, inspirierenden Interviews, mitreißenden Kommentaren und beflügelnden Reportagen — hier werden Schwarze FLINTA* zelebriert! Das Magazin möchte Vorbilder schaffen und Schwarze Diversität zeigen.
Für uns und unsere Geschwister
Vorwort
HINTERFRAGEN
Alice Hasters
Who’s Black?
Celia Parbey
Die Sache mit den Privilegien
Meret Weber
Ein Gespräch mit Katharina Oguntoye
ENTSCHLÜSSELN
SchwarzRund
Mein zweites Schwarz
Unverschämt afrolateinamerikanisch
Shaheen Wacker
Wer zählt hier eigentlich?
Anti-Schwarzer Rassismus in Deutschland
OFFENLEGEN
Winnie Akeri
Über Befreiungsschläge, Bleaching Crème und den afrikanischen Weihnachtsmann
Ein Essay über Colorism
Daddypuss Rex
Misogynoire & Me
HEILEN
Emilene Wopana Mudimu
Wie heilend ist Community wirklich?
Ein Brief an mein jüngeres Ich
Jena Samura
Schwarze Erschöpfung
Stefanie-Lahya Aukongo
Licht, Matsch und Hagelperlen
LIEBEN
Christelle Nkwendja-Ngnoubamdjum
Nwa’ni kô’nî
Biografische Liebesbriefe
Anna Dushime
Wir verstehen uns ohne Worte … oder?
Katya Lwanga
Die Bürde unserer Flügel
Dekonstruktion der starken Schwarzen Frau
AnouchK ibacka Valiente
Afrozentrierte Liebe
Ein möglicher Weg, mit uns selbst wohlwollender zu sein
AUSSPRECHEN
Melanelle B. C. Hémêfa
Aya
Meret Weber
Alle wollen die »Guten« sein
Gedanken zum Handeln in weißen Strukturen
Fatuma Musa Afrah und Celia Parbey
United in Action We Can Do Better
Ciani-Sophia Hoeder
Von uns, für uns
WAHRNEHMEN
Jenner Hendrixx
Black & Queer? Das gibt es bei uns nicht!
Sarah Fartuun Heinze
Vom Vergessen & Erinnern
ERTRÄUMEN
Tessa Hart
Die letzte Siedlung
Über die Autor*innen
Glossar
Literatur zum Weiterlesen
Weiterführende Adressen für Schwarze Menschen (und Allies)
Endnoten
»It is not our differences that divide us. It is our inability to recognize, accept, and celebrate those differences.«
»Es sind nicht unsere Unterschiede, die uns trennen. Es ist unsere Unfähigkeit, diese Unterschiede zu erkennen, zu akzeptieren und zu feiern.«
Audre Lorde
Es gibt nicht den einen Moment, in dem die Idee zu diesem Buch entstanden ist. Es waren die vielen kleinen Momente.
Die Momente in der Schule, im Buchladen oder in der Bibliothek, in denen es selten ein Buch gab, das mich als junge Schwarze Frau adressierte, das meine Lebensrealität in der Mitte und nicht am Rand positionierte. Meine Erfahrungswelt fand lange keinen Platz in den Büchern, die mich umgaben und meine Identität prägten.
Es sind aber auch Erinnerungen an die Momente, in denen ich zum ersten Mal Bücher las, die Schwarze Lebensrealitäten in Deutschland ins Zentrum stellten. An das Kribbeln in meinem Bauch als ich Farbe bekennen in meinen Händen halten konnte. Die Dankbarkeit, die ich spürte und immer noch spüre, dass Generationen vor mir widerständig schrieben, Worte fanden und sich ihren Platz erkämpften. Wir stehen auf ihren Schultern und können heute noch weiter blicken.
Der Moment, in dem ich das RosaMag entdeckte und endlich ein Online-Magazin fand, das die Themen Schwarzer FLINTA* (Frauen, Lesben, Inter, Nicht-binär, Trans und Agender*) im deutschsprachigen Raum bespricht und Tipps für meine Haare parat hat. Mit einem Team, das mutig genug war, mit mir zusammen an diesem Buch zu arbeiten.
Auf einer der Black-Lives-Matter-Demos im letzten Jahr habe ich eine junge Schwarze Frau kennengelernt, die sich gerade politisiert und nun die erste Demo ihres Lebens organisiert hatte. Auch Begegnungen wie diese gehörten zu den Momenten, in denen die Idee zu diesem Buch entstand. Ihr hätte ich gerne ein Buch gegeben, das verschiedene Perspektiven auf Schwarzsein eröffnet. Ein Buch, das für sie geschrieben wurde, um sie auf ihrem Weg zu begleiten.
Wenn Schwarze Menschen in Deutschland gehört werden, dann oft als Expert*innen für Rassismus. Wir erklären weißen Menschen, warum es Rassismus gibt, wie er sich zeigt, warum er wehtut und was man dagegen tun kann. Wir müssen unsere Rassismuserfahrungen rechtfertigen. Immer wieder, auch nach den größten Protesten gegen Rassismus, die dieses Land je erlebte. Antirassismusarbeit ist wichtig, wir brauchen sie, aber trotzdem: Sie ist zermürbend. Nur weil wir Schwarz sind, müssen wir nicht alle Antirassismustrainer*innen werden.
Der white gaze macht müde. Er verzerrt den Blick, den wir auf uns selbst haben. Es gibt zu wenige Räume, in denen unser Schwarzsein in seiner Unterschiedlichkeit sichtbar wird und sich entwickeln kann. Schwarze Menschen werden von der Dominanzgesellschaft zu einer homogenen Gruppe gemacht. Der Blick auf unsere Unterschiedlichkeiten ist getrübt. Klischees rund ums Schwarzsein nehmen uns den Platz zum Entfalten.
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