Anna Joss - Anhäufen, forschen, erhalten

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Das Schweizerische Nationalmuseum verfolgte seit seiner Eröffnung 1898 sehr unterschiedliche Sammlungstätigkeiten. Während sich die Geschichtsschreibung bisher vor allem für Fragen der Konstruktion von Nation und für die Prozesse der Identitätsbildung interessierte, untersucht Anna Joss erstmals die Sammlungspraxis und zeigt, dass für die Museumsangestellten in ihren alltäglichen Tätigkeiten auch ganz andere als repräsentative Aspekte leitend waren: nämlich Objekte anzuhäufen, zu erforschen und zu erhalten. Die vorliegende Sammlungsgeschichte rückt Protagonisten der Museumswelt in den Blick, die bisher wenig beachtet wurden: Kunsthändler, Donatorinnen, Schreiner, Vergolder, Restauratorinnen, Chemiker und andere mehr. Erzählt wird, welche Wege bekannte Sammlungsstücke wie die «Gotthardpost» und rätselhafte Dinge im Museumsbetrieb gingen und wie sich die Objekte selbst dabei nach und nach veränderten.

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Abb 4 Schweizerisches Landesmuseum in Zürich in Hans Lehmann Offizieller - фото 6

Abb. 4: Schweizerisches Landesmuseum in Zürich, in: Hans Lehmann: Offizieller Führer durch das Schweiz. Landesmuseum, Zürich um 1898, SNM Scan.

Im Anschluss an bestehende Theoreme stellt sich dabei die Frage, mit welchen praktischen Fähigkeiten, stillen Fertigkeiten (tacit skills) 29und fachlichen Kompetenzen die am Sammeln Beteiligten ausgestattet waren, wie auch die Frage, über welches Handlungswissen (Wissen-wie) und über welchen Habitus (Bourdieu) diese Personen verfügten. 30

Die Praxis besteht aus Handlungsgepflogenheiten, Ritualen, Erfahrungen, Erkenntnissen und Wissen. 31Aber im Handeln vollzieht sich nicht einfach nur das, was die Sammlerinnen und Sammler vorab gedacht und entschieden haben, wie es etwa die Soziologen Karl Hörning und Julia Reuter beschreiben. 32Vielmehr ist hervorzuheben, dass der Gebrauch von Dingen sowie von Wörtern, Bedeutungen, Sinn, Ordnungen, Ideen, Wissen und Strukturen auch Praktiken legitimieren, verändern oder neu schaffen kann. Diese sind in die Tätigkeiten eingebunden und befinden sich nicht ausserhalb von ihnen. Das ist die Erkenntnis der Vertreterinnen und Vertreter der wissenschaftshistorischen Forschungen sowie ein Ergebnis aus den Bereichen der jüngeren mikrogeschichtlichen Forschung und der historischen Anthropologie. 33

Jakob Tanner schlägt ein praxeologisches Geschichtsverständnis vor, das Wiederholung und Wandel zusammen denkt unter dem Gesichtspunkt der beiden Konzepte «Ereignis» und «Aneignung». Die Wiederholung bildet erstens die Möglichkeitsbedingung für das singuläre Erlebnis. Zweitens entsteht aus ihr die Veränderung, weil alltägliche Routinen immer wieder angeeignet und gefestigt werden müssen, die Aneignung aber keine identische Wiederholung oder exakte Kopie sein kann, sondern immer auch Neues mit sich bringt. 34Eine praxeologisch orientierte geschichtswissenschaftliche Arbeit muss folglich Kontinuität und Wandel berücksichtigen: die Veränderungen und ungewöhnlichen Handhabungen der Protagonisten wie auch die Wiederholungen, die routinierten Aktivitäten im Sammlungsalltag. Denn Praxis ist zugleich wiederholend und erneuernd, zugleich regelmässig und regelwidrig, zugleich strategisch und zufällig. 35

Zuletzt ist zu den Sammlerinnen und Sammlern als Protagonisten noch zu bemerken, dass die wenigsten Forschungsarbeiten sich eingehender mit der Gruppe der Museumskonservatoren und -restauratoren befassten, die im musealen Sammlungsalltag eigentlich am meisten mit der Sammlung zu tun haben. In der umfangreichen Forschung zu Sammlerpersönlichkeiten geht es häufig um Privatsammlerinnen und -sammler oder um die Donatoren und Donatorinnen und deren individuellen Einsatz für die öffentlichen Museen. Wenn einmal von den Museumsangestellten die Rede ist, dann wird entweder eine Direktorenbiografie erzählt oder das Kollektiv betont und beschrieben, wie mehrere Personen zusammen eine Sammlung aufgebaut haben, für eine Gemeinschaft und in ihrem Namen. 36Die Museumsangestellten des 20. und 21. Jahrhunderts passen aber weder zum Bild der Privatsammler als Besitz ergreifende und Objekte hortende Spezies, 37noch entsprechen sie dem Typus des Donators oder der Donatorin, die sich für die öffentlichen Museen mit Objekt- und Geldschenkungen und Freiwilligenarbeit engagieren und deren in der Logik des Hortens rätselhafter Einsatz gemeinhin damit erklärt wird, dass sie sich davon als Gegenwert «symbolisches Kapital» (Bourdieu) erhoffen. 38Mit meiner Arbeit will ich ein differenziertes Bild der Museumsangestellten und ihrer Tätigkeiten aufzeigen.

Die Sammlungspraxis wurde aber nicht nur von Menschen geprägt, sondern auch von den gesammelten Dingen. In den soziologischen, philosophischen und kulturwissenschaftlichen Studien zur Museums- und Sammlungsgeschichte wurde den gesammelten Dingen lange bloss eine passive Rolle zugebilligt als Zeichenträger, welchen von den Sammlerinnen und Sammlern oder den Museumsbesuchenden Bedeutungen zugeschrieben oder abgesprochen wurden. 39Die wissenschaftsgeschichtlichen Ansätze, auf die ich mich beziehe, machen im Gegensatz dazu auch auf den unabdingbaren Anteil der Dinge, Materialien, Techniken und Medien beim Generieren von Erkenntnissen, Bedeutungen und Wissen aufmerksam. Diese müssen verkörpert und vervielfältigt werden, um einer Gesellschaft verfügbar zu sein. Sie formieren sich, indem sie zwischen verschiedenen Bedeutungsund Wissensgebieten und gesellschaftlichen Sphären zirkulieren, an verschiedenen Orten aufgegriffen sowie um- und neugestaltet werden. Die Dinge, Materialien, Techniken und Medien sind dabei nicht nur Träger von Bedeutungen, die ihnen zugedacht oder aberkannt werden. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Bedeutungen, Wissen und Erkenntnisse sich formieren und zirkulieren können. 40Für die Sammlungspraxis heisst dies, dass die Gegenständlichkeit der Dinge, also ihr Volumen, ihre Form, ihre Grösse und ihre Materialität, die Möglichkeiten der Sammelpraxis mitbestimmen. Ihr entsprechend werden etwa Aufbewahrungs- und Ausstellungsräume konzipiert, Transporte organisiert und Klassifikationen vorgenommen. Weiter haben die Dinge ihre eigene Zeitlichkeit und Vergänglichkeit, welche die Praxis prägen. Die Materialität der Sammlungsstücke verändert sich, sie kann zerfallen und vergehen.

Zur Untersuchung des Anteils der Dinge an Praktiken eignet sich als Denkfigur nach wie vor besonders Bruno Latours Konzept der «anthropologie symétrique», 41auf dem seine Studien beruhten, die er in den 1980er- und 1990er-Jahren verfasste. Der Wissenschaftsforscher zeigte auf, wie Dinge, Instrumente, Werkzeuge und Apparate innerhalb der wissenschaftlichen Praxis wichtige «Akteure» 42werden bei Erkenntnisprozessen. Ja, Bruno Latour ging damals so weit, zu sagen, dass die Dinge den Menschen gleichwertige Handlungspartner seien. Mit dem Konzept der «symmetrischen Anthropologie» versuchte er eine Alternative zum von ihm kritisierten modernistischen Fortschrittsparadigma zu entwickeln. 43Latour fragte nach der Möglichkeit einer Anthropologie, die nicht nur das Wissen über die Dinge (das ist das Moderne), sondern auch die in den Objekten verborgenen Informationen über den Menschen berücksichtigen kann. Eine solche Anthropologie wäre nach ihm symmetrisch, und nur die Betrachtung beider Informationsrichtungen würde eine Objektivität ermöglichen, die dem Selbstanspruch der Moderne gerecht wird. 44Latour wollte damit die herkömmliche Trennung von forschendem Subjekt und erforschtem Objekt aufheben zugunsten einer Sichtweise, die das Forschungsgeschehen als «ganzheitlichen» Prozess versteht. 45Entscheidend seien seiner Meinung nach die Relationen, Austauschprozesse und Vermischungen, die stattfinden zwischen den Menschen und den «nicht-menschlichen Wesen», wie er die Dinge nennt. 46

Sein Konzept der «symmetrischen Anthropologie» ist aus den folgenden Gründen immer noch interessant für die geschichtswissenschaftliche Untersuchung einer Sammlungspraxis: Erstens ist es offener als andere Ding-Konzepte. Das Konzept von Latour beschränkt sich nicht auf bestimmte Praxisfelder oder Arten von Dingen, wie es museums- und sammlungstheoretische Ansätze vorschlagen. Diese qualifizieren Sammlungsstücke in der Regel als statische Objekte innerhalb eines Sammlungsverbandes, ohne zu berücksichtigen, dass die Sammlungsstücke verschiedene Stationen im Sammlungsalltag durchlaufen und sich dabei in Interaktion mit den Sammlerinnen und Sammlern auch verändern. Vertreterinnen eines solchen Ansatzes sind beispielsweise Anke te Heesen und Petra Lutz. Sie definieren «museale Dinge» als Objekte, die in das Museum kommen, «wenn sie abgeschlossen und ‹fertig› sind, mögen sie noch so bruchstückhaft oder zerstört aussehen». 47Dinge würden im Museum nicht generiert, sondern zueinander (und zum Betrachter) in Position gebracht. Im Museum habe man es mit einem materiellen Gegenüber zu tun, «das man in seiner Substanz nicht verändert (lediglich weiter konserviert), aber in seiner Wirkung und Bedeutung in eine bestimmte Richtung lesen und lenken kann». 48In ihrer Definition geht es te Heesen und Lutz vor allem darum, die «musealen Dinge» vom Konzept der «epistemischen Dinge», 49das der Wissenschaftshistoriker Hans-Jörg Rheinberger vorgeschlagen hat, abzugrenzen. 50Im Museum seien «Anschaulichkeit, Zugänglichkeit und Haltbarkeit» 51die bevorzugten Kriterien, schreiben sie, nicht aber bei den epistemischen Dingen. Die epistemischen Dinge sind nicht unbedingt eine abgrenzbare, dreidimensionale, materiell und visuell zu identifizierende Entität wie die musealen Dinge, sondern können ein Konglomerat von Entwicklungen und Konjunkturen, von Institutionen und Instrumenten sein, bei denen das Objekt das Zusammenspiel von Erkenntnis suchenden Menschen und den materialen Bedingungen einer wissenschaftlichen Praxis bezeichnet. Diese Dinge seien in erster Linie im Forschungsprozess epistemisch, im Nachhinein nicht mehr. 52

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