Es sind solche Erlebnisse, die uns zeigen, wie bereichernd Gastfreundschaft und die Offenheit gegenüber anderen Kulturen sind. Wer ausländische Freunde hat, wird dies sicherlich häufig feststellen. Und wie schön ist es doch, bei einem Urlaub im Ausland nicht nur die Kulturstätten oder Strände besucht zu haben, sondern vielleicht auch einmal von Einheimischen nach Hause eingeladen zu werden. Das sind doch Höhepunkte einer Reise, von denen jeder gerne erzählt.
Gastfreundschaft, der Austausch mit anderen Menschen, die einem guttun, regt nicht nur den Geist an, sondern beflügelt auch die Seele. Ebenso wie alle anderen geschilderten Dinge, die Sie sich in Ihren Wohlfühlstunden gönnen.
Nach Tagen der An-spannung, in denen Sie gefordert werden, braucht jeder eben auch Stunden der Ent-spannung. Ein guter Weg dorthin ist beispielsweise die Meditation. Sie kostet nicht viel Zeit und kann im Tagesablauf fest installiert werden. Mittels der Meditation kann man sich auch im tiefsten Winter Sonnenstrahlen ins Herz lenken. Indem man sich in der Phantasie an den Ort seiner Träume begibt.
Für mich ist dies ein menschenleerer breiter Strand, an dem ich sitze und aufs Meer hinausblicke: Mit geschlossenen Augen atme ich ganz tief ein und doppelt so lange wieder aus, bis ich merke, dass ich zur Ruhe komme. Ich befinde mich jetzt gedanklich bei Sonnenaufgang an „meinem“ Strand und spüre, wie die Sonne langsam höher steigt und mich wärmt. Diese Wärme durchströmt meinen ganzen Körper. Ich lausche dem imaginären Geräusch der Wellen und spüre einen leichten Lufthauch. Der Wellenschlag bestimmt den Rhythmus meines Atems. Ich höre, wie das Wasser am Strand aufschlägt und über mir Möwen fliegen. Je mehr ich mich dem Atemrhythmus überlasse, desto mehr kann ich entspannen. Die Sonnenstrahlen wärmen Körper und Seele. Wenn ich merke, dass ich ruhig bin und erfüllt von Wärme, beende ich allmählich meinen „Strandausflug“.
Da ich diese Meditation regelmäßig mache, kann ich mir immer wieder einmal „Strandminuten“ gönnen und mich innerlich sehr rasch an diesen Platz zurückziehen. Dies ist gerade in angespannten Situationen sehr hilfreich. Man kann diese Meditation übrigens auch ohne Weiteres in Bus, Zug oder U-Bahn ausüben, ohne dass die anderen Fahrgäste dies bemerken.
Diese Meditation ist ein Beispiel dafür, wie heilsam die Bilder der Natur sind. Der heilige Antonius wurde einmal von einem Philosophen gefragt: „Wie schaffst du es nur, Vater, ein solches Leben zu führen, wo du doch nicht einmal Trost in den Büchern schöpfen kannst?“ Seine Antwort: „Mein Buch, verehrter Philosoph, ist die Natur der geschaffenen Dinge, und dieses Buch liegt immer vor mir, wenn ich mich in Gottes Wort vertiefen möchte.“4
In die Natur zu gehen, die Umgebung zu wechseln, damit der Blick weit schweifen kann, ist etwas Heilsames. Wir können beobachten, wie alles wächst und gedeiht. Wie die Pflanzen nebeneinander wachsen, ohne sich zu verdrängen, und den Tieren Lebensraum geben. Jedes Gewächs hat seinen Platz, seine Wachstumsphase, seine Funktion. Bestechend ist zu beobachten, wie die Farben der Natur miteinander harmonieren. Wie jedes auch noch so kleine Pflänzchen sich seinen Ort sucht.
Auch die Vögel zu beobachten, gerade im Frühjahr, ist eine Freude. Zu sehen, wie die Jungen von ihren Eltern gefüttert und versorgt werden, wie sie dann allmählich flügge werden und ihre eigenen Ausflüge unternehmen, erinnert uns an unsere eigenen, manchmal unsicheren Schritte.
Hildegard von Bingen sprach von der „veriditas“, der „Grünkraft“, die die Natur uns Menschen schenkt. Und in der Tat, in der Natur können wir auftanken, sie stärkt unsere Abwehrkräfte. Sie erweitert unseren Horizont und öffnet uns die Augen. So können wir Farben sehen und Düfte einatmen, die wir in geschlossenen Räumen nicht wahrnehmen.
Ein Spaziergang in der Natur kann wie eine Meditation sein und die Seele von Lasten befreien.
Ein kleines Stück Natur kann sich jeder von uns nach Hause holen. Kräuter in der Küche, Pflanzen auf dem Balkon und Gemüse im Garten. Manchmal genügt auch ein Strauß frischer Blumen. Ich kann mir ein Haus ohne Blumen nicht vorstellen.
Die Natur ist auch heilsam für unseren Körper. Die Bewegung an der frischen Luft macht den Kopf frei und bringt einen auf neue Gedanken.
Computerarbeitsplätze, Kommunikation und Bestellungen via Internet haben zur Folge, dass wir uns kaum noch von der Stelle bewegen müssen. Wir können uns alles ins Haus liefern lassen, mit unseren Freunden chatten, ohne sie zu treffen, und unsere Arbeit am Bildschirm erledigen. Das Schwätzchen mit dem Nachbarn über den Gartenzaun, die Einkäufe, die man zu Fuß erledigte, der körperliche Einsatz insgesamt ist in den Hintergrund getreten. Natürlich kann man dies nicht pauschalisieren. Es gibt nach wie vor Menschen, die Besorgungen bewusst zu Fuß erledigen und mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Aber vielfach ist die Bewegung so zurückgegangen, dass wir uns in Fitnesscenter begeben und in geschlossenen Räumen unserem Bewegungsdrang nachgehen. Eigentlich eine absurde Sache. Früher waren die Menschen am Abend müde von der körperlichen Arbeit.
Ich kann dem Körper Gutes tun, indem ich ihn fordere, aber nicht unter- oder überfordere. Viele Menschen leiden heute an Ver-spannung, die durch ständige An-spannung entsteht. Oft merkt man die Verspannung, kann aber nicht genau definieren, wo sie sitzt. Ein hilfreiches Mittel dagegen ist die Eutonie, die sogenannte „Leibarbeit“. Zu den Übungen gehört es, dass man sich Tennisbälle unter jede Schulter und rechts und links unter das Becken legt. Der Körper wird auf diesen punktuellen Druck zunächst mit Schmerzen reagieren, aber allmählich lösen sich diese Schmerzpunkte, und Entspannung macht sich breit. Bei einer anderen Übung liegt man ebenfalls auf dem Rücken, streckt Arme und Beine von sich und gähnt bewusst und kräftig. Am Anfang kommt man sich etwas merkwürdig vor, aber allmählich kommt das Gähnen wie von selbst, und mit diesen kräftigen Luftstößen befördert man quasi Blockaden im Bauchbereich aus dem Körper heraus.
Eutonieübungen sollte man unbedingt unter Anleitung lernen, dann kann man sie später auch alleine zu Hause anwenden.
Bewusste Bewegung sollte zum Tagesplan gehören. Wer den Tag mit Bewegung an der frischen Luft beendet, schläft besser.
Dem Körper Gutes zu tun bedeutet aber auch, sich ausgewogen zu ernähren und regelmäßige Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Und zwar dreimal täglich zu festgelegten Zeiten, wobei das Abendbrot nicht zu spät stattfinden sollte. Wenigstens einmal täglich sollte auch die ganze Familie sich zu einer gemeinsamen Mahlzeit zusammensetzen. Der Austausch bei Tisch tut auch Geist und Seele gut.
Körper, Geist und Seele sind eben nicht isoliert zu betrachten, sondern bilden eine Einheit.
Wer sich mit sich selbst beschäftigt und sich Gutes tut, wird Körperempfindungen wahrnehmen, die er sonst ignoriert hat. Er wird seine körperliche, geistige und seelische Befindlichkeit spüren, die sonst meist durch hektischen Aktivismus verdeckt ist. Er wird erkennen, dass diese Momente der Beschäftigung mit sich selbst ungeheuer wichtig sind, denn sie gehören nur ihm persönlich.
Achtsam sein
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