Bewegungsmangel: Dem Trend davonlaufen BEWEGUNGSMANGEL: DEM TREND DAVONLAUFEN Als Laufprofi bestand mein Leben fast ausschließlich aus Bewegung. Laufen war mein Job und damit über fast 20 Jahre Grundbaustein meines Alltags. So habe ich als Langstreckenläufer in den 90er-Jahren circa 7.000 bis 8.000 Kilometer pro Saison zu Trainingszwecken zurückgelegt, später als Marathonprofi waren es sogar knapp 10.000 Laufkilometer pro Jahr. Somit waren wichtige Faktoren meines Alltags, neben den eigentlichen Trainingseinheiten, vor allem die Regeneration und das Sparen meiner Kräfte, Zusatzbelastungen waren eher kontraproduktiv. Den Begriff des Bewegungsmangels kannte ich so nicht, führte ich doch ein Leben, das aus viel Bewegung an der frischen Luft bestand und durch Trainingslager und Wettkampfreisen in den verschiedensten Regionen weltweit geprägt war. Doch mein Leben hat sich in den vergangenen 15 Jahren deutlich verändert, daher bin ich froh und dankbar, auch weiterhin beruflich in der Laufszene unterwegs sein zu können. Allerdings werde ich mittlerweile nicht mehr für Zeiten oder Rekorde bezahlt. Heute bringe ich mein Wissen als Laufexperte und bei der Organisation verschiedenster Laufveranstaltungen ein. Und damit geht es mir wie vielen anderen auch: Ich sitze zu viel am Schreibtisch, bin oft im Auto unterwegs und komme deutlich seltener zum Laufen.
Wo willst du hin? Erreichbare Ziele setzen!
Profigeschichte: Ein Olympiasieger als Vorbild
Profigeschichte von Waldemar Cierpinski: Junge Menschen brauchen Vorbilder
2. EINSTIEG
Laufen lernen ist ganz einfach
Wie Ausdauertraining funktioniert
Macht langsam laufen wirklich schnell?
Alternatives Ausdauertraining sorgt für Abwechslung
Profigeschichte: Lerne das gesamte Trainings-Know-how im Laufcamp kennen
3. TRAININGSMETHODIK
Warum Lauftraining mehr Spaß macht, wenn du einen Plan verfolgst
Trainingsreize als neue Herausforderung
Grundlagentraining als Schlüssel zum Erfolg
Die Mitte nicht vergessen: Die Brücke zwischen schnell und langsam
Tempotraining als Spitze der Ausdauerpyramide
Zu viel ist zu viel: Übertraining vermeiden
Profigeschichte: Ein Trainingslager in rekordverdächtiger Höhe
4. TRAININGSSTEUERUNG
Dein Körpergefühl ist ein guter Ratgeber
Leistungsdiagnostik als Standortbestimmung
Höre auf dein Herz: Trainingssteuerung nach Herzfrequenz
Geschwindigkeitsorientiertes Lauftraining
Profigeschichte von Wolfgang Heinig: Der beste deutsche Straßenläufer der vergangenen 30 Jahre
5. 10-KILOMETER-TRAINING
Mehr Spaß beim Stadtlaufklassiker
Die Schwerpunkte des 10-Kilometer-Trainings
Trainingspläne 10-Kilometer-Training
Profigeschichte: Ein Rekord für die Ewigkeit
6. DER HALBMARATHON RUFT
Ein berechtigter Boom: So schaffst auch du den »Halben «
Schwerpunkte des Halbmarathontrainings
Trainingspläne Halbmarathontraining
Profigeschichte: Der Fast-Weltrekord
7. DER OPTIMALE WETTKAMPF
Tapering: Der entscheidende Kick auf dem Weg zur Topform
Ein Testwettkampf fürs Selbstvertrauen
Erholung in der Wettkampfwoche
Gewohnte Abläufe am Wettkampftag
Kein Fehler nach dem Startschuss: Die optimale Renneinteilung
Genieße deinen Zieleinlauf
Profigeschichte von Dieter Baumann: Straße oder Bahn
8. GANZKÖRPERTRAINING
Auf eine stabile Körpermitte kommt es an
Gute Übungen für dein Ganzkörpertraining
Kräftigungsübungen
Dehnübungen
Koordinationsübungen/Lauf-ABC
9. SPORTERNÄHRUNG
Wer richtig isst, läuft schneller
Ernährung im Alltag
Dein Stoffwechsel: Der Turbo für die Fettverbrennung
Trainings- und Wettkampfversorgung
Profigeschichte: Vom eigenen Tempomacher abgehängt
10. AUSRÜSTUNG
Mehr Laufspaß mit hochwertigem Equipment
Laufschuh: So findest du das richtige Modell
Laufbekleidung: Warum moderne Funktionsfasern sinnvoll sind
Sportuhren: Motivierende Hilfe für Einsteiger und Fortgeschrittene
Sportbrille: Der Schlüssel zur Performance
Profigeschichte: Laufschuhe für mehr als 150.000 Kilometer
GENDERVERMERK:
In diesem Buch wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet. Weibliche und andere Geschlechteridentitäten werden dabei ausdrücklich mitgemeint, soweit es für die Aussage erforderlich ist.
Carsten Eich auf dem Weg zum Sieg beim Köln-Marathon 1998 .
WARUM LÄUFST DU EIGENTLICH?
Über diese Frage habe ich mir eigentlich noch nie Gedanken gemacht. Ich laufe, solange ich mich erinnern kann. Geboren wurde ich 1970 in Leipzig, dort bin ich auch zur Schule gegangen. Ein großer Vorteil des DDR-Sportsystems war die Sichtung und Motivation der Kinder zum Sport in Vereinen. Die Trainer kamen in den Schulsport und sahen sich nach Talenten für verschiedenste Sportarten um. Mit sieben Jahren sollte ich Schwimmer werden. Fortan suchte ich mein sportliches Glück im Wasser. Gefunden habe ich es nicht. Eigentlich war mir beim Training im feuchten Nass immer nur kalt, und die größte Motivation bestand in der Aussicht auf eine warme Dusche danach. Nach nicht einmal zwei Jahren war Schluss mit dem Schwimmtraining. Mein damaliger Trainer sagte kurz und knapp zu mir, dass ich nach den Sommerferien nicht mehr zum Training kommen solle. Aus heutiger Sicht eine wirklich gute und wegweisende Entscheidung!
Das dritte Schuljahr hatte kaum begonnen, da wurde ich im Schulsport für die Leichtathletik gesichtet. Nun war diese Sportart aber mit ihrer Vielzahl an Disziplinen auch eine ziemlich große Herausforderung für mich. Jegliche Wurf- und Sprungdisziplinen würde ich bis heute nicht als meine Kernkompetenz beschreiben, und ein echter Sprintertyp war ich auch nicht. Aber ich war schnell genug und konnte meine Geschwindigkeit über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten. Laufen machte mir Spaß, nicht weil ich besonders gern im Wald unterwegs war oder die Natur genießen wollte, nein, der eigentliche Spaß kam durch erste Erfolge bei kleinen Wettkämpfen in der Schule und auf Stadtbezirksebene.
Erst gewann ich den Crosslauf an unserer Schule, wenig später die Crossmeisterschaften des Stadtbezirkes Leipzig Süd. Schon damals habe ich versucht, möglichst jedes Rennen zu gewinnen. Ein Reiz, der mich über meine gesamte Karriere begleitet hat. Die Strecken wurden länger, die Erfolge blieben, und das Laufen wurde zu einem wichtigen Lebensinhalt. Glücklicherweise hat sich bis heute daran nichts geändert.
Heute weiß ich, dass es beim Laufen nicht ausschließlich um erste Plätze oder Bestzeiten geht. Natürlich können solche Beweggründe Indikatoren für die Motivation zum regelmäßigen Laufen sein, doch die Bewegung an der frischen Luft ist viel mehr als Zeiten oder Siege. Laufen ist zu Recht Volkssport und die wohl effektivste Form des Ausdauertrainings – sowohl was das Zeitmanagement als auch die benötigte Ausrüstung angeht.
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