Beate Ego - Tobit

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Tobit: краткое содержание, описание и аннотация

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Diese Kommentierung stellt die antikjüdische Tobiterzählung in einen breiten traditionsgeschichtlichen Kontext, indem sie sowohl die darin enthaltenen Vorstellungen zu Engeln und Dämonen sowie zur antiken Medizin als auch ihre Torakonzeption analysiert. Außerdem wird eine synchron ausgerichtete Gesamtinterpretation vorgelegt, die zeigt, dass die Erzählung letztlich geschichtstheologisch zu verstehen ist. Sie macht deutlich, wie sich das antike Judentum in der Zeit der hellenistischen Herrschaft mit der Bedrohung durch die aggressive Politik der Großreiche auseinandersetzen konnte. Der Lobgesang des alten Tobit am Ende der Erzählung in Tob 13 eröffnet in diesem Kontext eine Hoffnungsperspektive für ihre Adressaten.

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Anmerkungen zu Text und Übersetzung

1,1a Griech .: Τωβίθ; G Iliest Τωβίτ. Der Name ist die gräzisierte Form des hebr. Personennamens טובי (vgl. die hebr. bzw. aram. Überlieferung in 4Q196 18 12; 4Q197 4iii 5f.; 4Q200 4i 7; 6 4 und die ma. aram. Version). Um das Wort undeklinierbar zu machen, wurde im Griechischen an die vokalische Endung ein konsonantischer Auslaut angefügt. Für weitere Beispiele für dieses Phänomen siehe Fitzmyer, 93. Die Form טובי wiederum ist eine apokopierte Form des Namens „Tobija“ („Jhwh ist mein Gott“; z. B. Sach 6,10.14; Esr 2,60; Neh 2,10.19; 7,62; 13,4.7) bzw. von „Tobijahu“ (2 Chr 17,8) oder des Namens „Tobiël“ („Gott ist mein Gut“; so nur in 1,1 als Name von Tobits Vater); siehe Fitzmyer, 93. VL hat „Thobi“ und spiegelt so die hebr. bzw. aram. Namensform wider; Vg. liest „Tobias“ sowohl für den Vater als auch für den Sohn (mit der Ausnahme von 11,20 Vg., wo „Tobin“ im Akk. erscheint). Tob 13,1 spricht von „Tobias senior“ als Autor des Hymnus. Zu den Bezeugungen des Namens in den antiken Texten siehe Ilan, Lexicon I, 109f.

1,1b–b Im griech. Text fehlt hier und im Folgenden das Wort „Sohn“ und es findet sich nur – wie allgemein üblich – der Genitiv mit τοῦ, um die Abkunft zu bezeichnen; siehe Littman, 46.

1,1c Der Name Gabaël wird bestätigt durch 4Q197 5 10.

1,1d „Rafaël“ fehlt in VL. Da auch der Engel „Rafaël“ heißt, ist zu vermuten, dass der Name hier sekundär eingedrungen ist und G IIin dieser Stelle nicht die älteste Form des Textes repräsentiert.

1,1e Hebr .: רעואל; wie bei Gomorrha oder Gaza wird ע mit ג transkribiert; fehlt in VL. Da Raguël auch der Name des Schwiegervaters Tobias’ ist, ist anzunehmen, dass der Name hier sekundär eingedrungen ist und G IIan dieser Stelle nicht die älteste Form des Textes darstellt.

1,1f VL liest hier: „filii Asiel“.

1,1g Griech .: Νεφθαλείμ; ansonsten ist Νεφθαλίμ gebräuchlich; verschiedene Angaben zur Schreibweise bei Fitzmyer, 95.

1,2a Griech .: Ἐνέμεσσαρος. Nach Littman, 47, ist diese Namensform wohl aus Salmanassar ( assyr .: Šulmanu-ašarid) korrumpiert; so auch Fitzmyer, 95. Moore, 101, verweist auch auf die Babylonische Chronik, der zufolge Salmanassar V. (726–722 v. Chr.) Samaria erobert hat. VL und Vg. lesen Salmanassar. Zu den unterschiedlichen Namensformen siehe auch Millard, Judith, 201.

1,2b Wörtl .: „rechts“ – ein Hebraismus (vgl. ימן in Jos 17,7; 1 Sam 23,19; 2 Kön 23,13 u. ö.); zum Ganzen siehe auch Littman, 49: Der Übersetzer hat hebr . מן mit griech . ἐκ wiedergegeben „to give very awkward Greek“.

1,2c Griech .: ʼΑσσήρ; vgl. die andere Namensform ʼΑσήρ in G I.

1,2d Wörtl .: „hinter dem Weg des Untergangs der Sonne links“. Für „links“ als Bezeichnung des Nordens siehe Fitzmyer, 97.

Synchrone Analyse

Gliederung und Struktur

GliederungDie Buchüberschrift stellt die Hauptperson in ihren familiären, historischen und geographischen Bezügen vor und ist folgendermaßen gegliedert:

1a Überschrift mit Nennung der Hauptperson (als pater familias )

1b genealogische Abkunft: Stammbaum

1c Stammesangabe

2a Zeitangabe und Exilierung

2b lokale Herkunft

StrukturDie Geschichte beginnt mit zwei Sätzen, die eine Fülle von Details enthalten, um die wichtigsten Koordinaten der Erzählung – Person, Ort und Zeit – zu präsentieren. Zwar spielen hier neben Tobit auch andere Figuren eine wichtige Rolle – Tobits Frau Hanna, sein Sohn Tobias, dessen Braut Sara und selbstverständlich der Engel Rafaël –, aufgrund der Bedeutung, die dem familiären Denken in dieser Erzählung (wie in der Antike überhaupt) zukommt, liegt jedoch eine Fokussierung auf Tobit als pater familias nur allzu nahe.

Bemerkenswert ist die Anordnung der einzelnen Elemente: Da die Angaben zur Exilierung des Protagonisten jene zur genealogischen und lokalen Herkunft unterbrechen, schafft der Erzähler gleich zu Beginn seines Werkes eine Spannung, die auf zentrale Motive hinweist. Der Blick richtet sich sowohl auf die Frage nach einer Identitätsbewahrung bzw. Identitätskonstitution des Protagonisten in der Fremde als auch auf die Auseinandersetzung mit den Assyrern als einer Weltmacht, die einen universalen Herrschaftsanspruch erhebt.

Einzelanalyse

1,1Das Buch beginnt mit der überschriftartigen Wendung βίβλος λόγων („Buch der Geschichte“), die mit der Figur Tobits verbunden wird. Dann folgt eine komplexe Genealogie, die insgesamt aus sieben Namen besteht und die Tobit dem Stamm Naftali zuordnet. Auf diese Art und Weise wird die Identität Tobits genauer bestimmt. 1

1,2Während bislang exakte genealogische Aussagen im Vordergrund standen, verweist der Erzähler nun auf Tobits Exilierung aus seiner obergaliläischen Heimat. Tobit gehört zu jener Schar von Verschleppten, die zur Zeit des Assyrerkönigs Salmanassar V. (726–722 v. Chr.) in die Gefangenschaft geführt wurde (zum biblischen Hintergrund siehe unten). Später erscheint Salmanassar dann als der König, für den Tobit als Einkäufer tätig ist (siehe zu 1,13). Auffallend ist der Detailreichtum im Hinblick auf die geographischen Angaben zu Tobits Herkunft.

Buchinterne Bezüge

ÜberblickBereits die Buchüberschrift führt zu zentralen Themen der Erzählung hin und enthält die Motive „Familie“ (durch den Stammbaum) sowie „Exil und Land“. Außerdem klingen geschichtstheologische Bezüge an. 2

Geschichtstheologische AspekteDurch die Gesamtstruktur des Buches, die in den Schlusskapiteln im Jerusalemhymnus (13,10.13f.) sowie in Tobits Testament (14,6–7) auf die Rückkehr aus dem Exil verweist, steht das Schicksal der einzelnen Protagonisten in einem kollektiven und eschatologischen Kontext.

Diachrone Analyse

1,1: βίβλος λόγωνDer Ausdruck βίβλος λόγων („Buch der Geschichte“) weckt Assoziationen an die biblische Wendung N. N. ספר דברי הימים (z. B. 2 Kön 14,28; 15,6.21.31; 16,19 [griech. in der Regel mit βιβλίον λόγων τῶν ἡμερῶν N. N., z. B. 2 Kön 14,28; 15,6.21.31; 16,19 oder βιβλίον ῥημάτων τῶν ἡμερῶν N. N., so 1 Kön 14,29 wiedergegeben]) 3bzw. an den biblischen Ausdruck N. N. ספר דברי (so 1 Kön 11,41, griech.: βιβλίον ῥημάτων N. N.). Eine solche Chronik erscheint in der biblischen Geschichtsschreibung (bzw. im Esterbuch, das den Anschein von Geschichtsschreibung erwecken möchte), um auf ein Werk zu verweisen, in dem bedeutende geschichtliche Ereignisse verzeichnet sind. Der Begriff λόγος ist hier daher im Sinne von „Begebenheiten, Geschichte“ zu verstehen (vgl. auch Apg 1,1). 4Der Anschluss im Hebräischen wird in der Regel mit Lamed in der Rolle einer Nebenprädikation 5bzw. im Griechischen mit Dativ konstruiert. Nur 1 Kön 11,41 verwendet eine Constructus-Verbindung bzw. im Griechischen dann den Genitivus possessivus. Die Bezugsgrößen sind dabei die Könige Judas oder Israels; in den Belegen aus dem Esterbuch geht es um die Chronik des Perserkönigs (Est 2,23; vgl. 6,1) bzw. die Chronik der Könige von Medien und Persien, in die – als Auszeichnung und große Ehre – auch die Taten Mordechais Eingang finden (Est 10,2). Die Formulierung in 1 Kön 11,41 kommt Tob 1,1 insofern am nächsten, als das „Buch der Begebenheiten“ dort ebenfalls mit einer einzelnen Person, nämlich mit Salomo, verbunden wird.

Außerbiblische ReferenzenEin ähnlicher Buchanfang wie hier findet sich im Genesisapokryphon ­1QGenApocr 5,29, wo von einer Kopie des Buches der Worte Noachs (כתב מלי נוח פרשגן) die Rede ist. 6Des Weiteren liegt auch eine enge Korrespondenz zu den Testamenten der Zwölf Patriarchen 7sowie zum Anfang der aramäischen Achikarerzählung vor. 8Hier allerdings ist die Übersetzung „Buch/Schrift der Worte N. N.“ passender. Für Tobit insgesamt ist die erste Möglichkeit, wonach es um die „Geschichte Tobits“ geht, vorzuziehen, da nur am Buchanfang Tobit in der 1. Pers. spricht (so 1,3 bis 3,6) und dann – ab Tob 3,7 – ein auktorialer Erzähler agiert.

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