SYPHAX, NICOMEDES und PHARNACES: … köstlich.
CANDAULES ( immer zu Philebos, der sich noch zu Phedros und Simmias hält ): Ihr geniert Phedros und Simmias.
SIMMIAS ( lächelnd ): Oh … nicht …
CANDAULES: Die Beiden – ja, von denen verlange ich nicht, daß sie mit mir kommen. Ihre Freundschaft sucht die Einsamkeit und füllt sie aus. Ich bin eifersüchtig auf Deine Freundschaft, schöner Simmias. Sie ist kostbarer als all mein Gut, und ich will, daß all mein Gut sie schütze. Sebas, für Dich ließ ich von weit her weiße Feigen pflücken, ich mag es gern, daß Dein guter Geschmack sie den andern vorzieht – Du findest sie wie ich süßer und duftender. Pharnaces, Dein Witz hat mich unterhalten, morgen mußt Du mir die Geschichte weitererzählen. Die Verse, die Du mir lasest, lieber Syphax, sind hübsch, ich werde sie in Musik setzen lassen. – Armer Archelaos, diesen Abend gibt es keine Flötenspielerinnen … die Königin wird da sein … Siehst Du sie wieder an wie gestern, wird ihre Scham es ungern merken. Werte Herren, – verzeiht, ich schäme mich des Verlangens: daß Ihr bedacht in Euren Reden seid: die Königin wird hier sein. Gleich komme ich mit ihr. ( Er entfernt sich, kommt indes ein Weniges zurück. ) Was für ein köstlicher Abend!… Wir hatten, süßer Philebos, auf der Terrasse, die süßesten Sorbetts, die Du träumen kannst … – O Fülle meines Glückes! Wie hätte ich an meinen Sinnen allein genug, es zu erschöpfen! So sei Euch, Ihr Herren, Dank dafür, daß Ihr mir helft, das Ende dieses Tages auszupressen, wie den Saft der Traube, alles, was der Tag an Trunkenheit und Glück enthält. Eine Freude, mit Euch geteilt, ist zwiefach. – Und morgen wiederholen wir diesen schönen Tag … ( Er geht. )
SYPHAX: Candaules ist doch wundervoll!
ARCHELAOS: Er ist schön.
SEBAS: Er ist groß.
NICOMEDES: Seine Art, uns zu empfangen, ist einfach glänzend.
PHARNACES: Ja, wahrhaftig, das ist sie.
SYPHAX: Wie müssen dann gleich auf das Glück des Candaules trinken.
PHARNACES: Das ist gefährlich, Syphax.
SYPHAX: Für wen? – Für mich?
PHARNACES: Für ihn.
SYPHAX: Ah! Woher könnte ihm das Unglück kommen?
NICOMEDES: Vielleicht von seiner Frau.
PHEDROS: Es gibt keine, die treuer wäre.
PHILEBOS: Oder … von ihm selbst …
SIMMIAS: Still! Schweig – da sind sie.
Inhaltsverzeichnis
CANDAULES ( zur Königin ): Schlage den Schleier zurück: Alle sind meine Freunde.
DIE KÖNIGIN: So viele Freunde, hoher Herr! Ich wußt Euch reich, doch dacht' ich Euch es nicht so sehr. Und seien Alle mir willkommen, da Ihr mich neben ihnen an diesem Tische wollt.
(Alle setzen sich. Eine gewisse Verlegenheit folgt den Worten der Königin.)
ARCHELAOS ( zu Pharnaces ): So sprich doch was!
PHARNACES ( halblaut ): Ich weiß nicht, was sagen, als daß die Königin sehr schön ist.
ARCHELAOS ( zu Philebos ): Sprich Du …
PHILEBOS ( macht eine stumme Geste ).
DIE KÖNIGIN: Wie das? Ihr schweigt – ist's meinetwegen? Wie groß auch mein Vergnügen sei, dem, was Candaules will, zu dienen und ich mich, wie ich's tat, an diese Tafel setzte – könnt' ich denken, daß ich die Festfreude nur in Etwas störte, so stünde ich wohl gleich auf und ginge wieder, denn die laute Freude ist besser hier am Platze als die Königin.
NICOMEDES: Nichts wag' ich sonst der Königin zu sagen, als dieses, daß es die ungewohnte Schönheit ihres Angesichts, die jeden von uns so sehr in Staunen setzt, daß unser Schweigen nichts anderes ist als stumm schauende Bewunderung.
CANDAULES: Laß, Nicomedes! Das ists gerade, was die Königin nicht wollte und fürchtete: daß man sie preist. – Nyssia, ich bitt' Euch, antwortet ihnen. Wacht Ihr mir darüber nicht, passiert's den Herren, daß sie dem Feste nichts sonst bieten als ein langweiliges Hin und Her von wohlgesetzten Komplimenten und Worten ohne Witz und Laune. Wohl macht das Ungewohnte Eurer Gegenwart so sie leicht gezwungen, ängstlich. Doch glaubt mir, sonst wissen sie wohl bessere Worte, leichtere Rede. Mög' Euer Witz ihnen gnädig zuhülfe kommen, das Übel heilen, das Eure Schönheit ihnen antat … wir wollen ein Fest begehen.
DIE KÖNIGIN: Ist wirklich mein Gesicht die Schuld daran, mein hoher Herr, ist's leicht zu machen, daß es nicht mehr schade. Erlaubt, daß ich vor seiner Röte einen Schleier lege, den ich nur gezwungen hob, vor Andern als vor Euch.
CANDAULES ( erregt ): Nein, Nyssia, nein … noch solche Worte mehr und unser Fest ist ohne Freude. Schlag' den Schleier zurück, Nyssia. Und wir, Ihr Herren, wir trinken den ersten Becher auf die Freude! Die Freude dieses Festes schläft noch, auf! Der Lärm der Stimmen soll sie wecken! – ( Bewegung. ) Nyssia! – trink auch, Nyssia!
SYPHAX: Sprech ich im Namen Aller?
EINIGE: Sprich, Syphax, sprich zu!
CANDAULES: Füll' erst Deinen Becher wieder.
SYPHAX: Im Namen von Candaules' Freunden bringe ich dies der vollendeten Schönheit von Nyssia, Candaules Weib …
CANDAULES: Laß, Syphax!…
SYPHAX: Und dem Candaules, der ein so seltenes Gut sein Eigen nennt und, statt es zu verbergen und für sich allein zu halten, erlaubt, daß unsere ehrfurchtsvollen und entzückten Blicke sich dran berauschen.
EINIGE ( heben ihren Becher ): Gut! Gut gesagt, Syphax! Es lebe Candaules!
CANDAULES: Nicht doch, meine Werten! Ihr sollt mir es nicht danken, daß ich diesem Feste die Schönheit der Königin gewähre. Wahrhaftig: ich litt zu sehr daran, sie nur allein zu kennen. Je mehr mein Staunen vor ihr wuchs, so mehr fühlte ich auch, wie ich Euch Alle darum beraube. Wie ein habsüchtiger Wuch'rer kam ich mir vor, der ohne Recht das Licht zurückhält.
PHARNACES: Ohne Recht, Candaules? Ist es nicht Recht, daß jeder sein Gut verwendet, wie es ihm beliebt?
CANDAULES: Vielleicht, – doch war mir, als täte ich Diebstahl an dem Gut, mit dem ich ganz allein zur Freude war.
SEBAS: Man kann einen sublimen Gedanken nicht schöner ausdrücken.
DIE KÖNIGIN ( zu Candaules ): Ihr scheint, Gebieter, zu vergessen, daß ich das Gut bin, von dem man spricht.
CANDAULES: Verzeiht, Ihr gebt den Worten falschen Sinn! Ich dachte, Nyssia, an Euch nicht mehr und was ich sagte, sagte ich nur so im allgemeinen.
PHILEBOS: Und Ihr, Frau Königin was denkt Ihr von dem Mitbesitz und Teilen?
SIMMIAS ( zu Phedros ): Philebos ist sehr kühn.
DIE KÖNIGIN ( zu Philebos ): Ich denke, man tötet lieber manches Glück, als daß man's teilen könnte.
(Das Fest wird nach und nach belebter. – Die Stimmen drängen sich, und Sebas, Phedros und Candaules antworten fast gleichzeitig.)
CANDAULES ( gereizt, als ob er nur die Antwort der Königin gehört hätte ): Es kommt d'rauf an, mit wem …
PHEDROS ( zu Simmias ): Hast Du gehört, wie fein die Königin das gab?
SEBAS: Man kann nicht hübscher auf eine doch so heikle Frage antworten.
CANDAULES: Laß, Sebas! Gieb Dich lieber mit den Feigen ab. ( Er wirft ihm eine zu. ) Phedros! Du trinkst nicht? Reich' mir Deinen Becher, komm! Ich habe mir vorgenommen, Euch Alle auf die Probe zu stellen.
NICOMEDES: Uns auf die Probe, Candaules? – Und womit?
CANDAULES: Mit dem Rausch.
PHEDROS: Ich bin ein trauriger Trinker, und aller Rausch erschrickt mich. Erlaß es mir, Candaules.
CANDAULES: Was fürchtest Du, Phedros? Der Rausch zeigt nichts sonst, als was wir in uns tragen. Was fürchtest Du ihn, der Du nur Edles in Dir hast? Die Trunkenheit entstellt nicht, übertreibt nur, nein, sie zeigt von jedem, was er sonst aus falscher Scham verborgen hält: Dir Phedros Deine Klugheit; dem Pharnaces und Syphax ihren Witz, dem Archelaos – nichts, dem Sebas die Feigen, mit denen er sich vollstopft.
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