Er glaubte wohl, Jason hätte nicht mitbekommen, dass er nächtlich neben ihm gelegen hatte. Jason musste grinsen.
Tecumseh war schon ein eigenartiges Pferd. Aber es war auf seine Art auch sehr intelligent. Das konnte man ihm nicht abstreiten.
Es benahm sich manchmal schon wie ein Mensch. Und das war das Einzige, was Jason an ihm manchmal störte.
Jason hatte sich die Decke um seine Beine gelegt und löffelte die warmen Bohnen aus der Blechpfanne.
Der Tag neigte sich dem Ende zu. Man konnte das Heulen eines Präriehundes hören. Tecumseh sah nur kurz auf und fraß dann ruhig weiter. Er zeigte keine Angst. Diesbezüglich konnte Jason sich voll und ganz auf ihn verlassen. Sollten sich Raubtiere oder Feinde in der Näher aufhalten, würde er sofort mit einem leisen Schnauben oder Wiehern und mit dem Scharren der Vorderhufe sich bemerkbar machen.
Das hatte ihm schon öfters geholfen.
Jason stellte das Geschirr zur Seite, zog die Decke hoch und legte sich bequem mit dem Kopf am Sattel zum Schlafen.
Seine Gedanken schweiften ab und beschäftigten sich mit dem saftigen Braten, den er sich morgen schießen wollte.
Als er in dieser Nacht nur kurz einmal aufwachte, spürte er die Nähe und die Wärme von Tecumseh, der wie jede Nacht neben ihm lag.
Am nächsten Morgen, als Jason zu sich kam, war die Sonne bereits aufgegangen. Tecumseh stand wie jeden Morgen etwas abseits und schien zu fressen.
Jason nahm wie immer, wenn er aufgestanden war, die Wasserflasche und goss davon etwas in eine runde Blechschüssel und gab es seinem Pferd zu trinken.
Nach einer schnellen Morgentoilette prüfte er sein Gewehr und schulterte es. Frühstück gab es erst, wenn der Braten geschossen war.
„Du bleibst ruhig hier. Ich komme wieder, sobald ich meinen Braten gefunden habe“, er streichelte Tecumseh und das Pferd schnaubte ihm zustimmend zu.
Dann ging es in die tiefer gelegenen Regionen. An Junibeeren- und Antilopenbitterbüschen entlang in Richtung des kleinen Flusses, dessen Rauschen er jetzt bereits hören konnte.
Um diese frühe Zeit waren viele Tiere unterwegs, um sich am Fluss ihren Durst zu stillen. Vorsichtig und geduckt ging Jason weiter. Je näher er dem Fluss kam, umso grüner wurde die Umgebung.
Zischen den Blaufichten und Douglas Tannen konnte er sich gut anschleichen. Dann gewahrte er eine ganze Reihe von Tiere. Zuerst beobachtete er nur.
Er scheute sich, hier und jetzt ihr friedliches Beisammensein zu stören.
Neben einem Maultierhirsch, einem riesigen Vertreter seiner Art standen Gabelböcke und Wapitis. Zwischen ihren Beinen huschten Goldmantel-Ziesel, Felsenhörnchen und Uinta-Streifenhörnchen.
Er musste sich richtig zwingen sein Gewehr anzulegen. Ein noch junger, etwas abseitsstehender Gabelbock wurde anvisiert.
Es war absolut kein Kunststück ihn zu treffen. Jason legte viel Wert auf einen Blattschuss.
So musste das Tier nicht unnötig leiden.
Der Knall des Schusses verjagte im Nu alle Tiere von der Wasserstelle. Als Jason nun den kleinen Bock über die Schulter legte, hörte er in der Nähe ein lautes Brüllen.
Hinter einem Felsen wurde ein braun- schwarzes Fell sichtbar. Ein ausgewachsener Schwarzbär kam in seinem typischen schaukelnden Gang direkt auf ihn zu.
Jetzt musste er selbst sehen, dass er schnellstens von hier verschwand. Mit ihm wollte er sich an diesem Morgen wirklich nicht anlegen.
Jason nahm den Bock aus, schnitt das gute Fleisch in Streifen und ließ es anbraten. Die besten Stücke wurden direkt verzehrt. Er hatte schon lange nicht mehr so gut gefrühstückt. Es waren bestimmt an die drei Kilogramm Fleisch, die er aß.
Hätte er nur nicht so viel gegessen. Er war nochmals am Fluss gewesen und hatte die Trinkflasche nachgefüllt. Jetzt, während die Sonnenstrahlen ihre ganze Kraft entfalteten und es angenehm warm wurde, überfiel ihm ein Müdigkeitsgefühl, das ihn überlegen ließ, sich nicht doch noch einiger Stunden aufs Ohr zu hauen.
Ihn hetzte niemand. Er war sein eigener Herr.
Das Einzige was dagegen sprach, war das ungeduldige Wiehern und mit den Hufen scharren von Tecumseh.
Er wollte anscheinend weiter. So sattelte er nun denn sein Pferd und ritt langsam am Canyon entlang weiter.
Das Plateau erstreckte sich auf eine Länge von über 30 Kilometer. Meist wuchsen die Bäume, Nevada-Zirkelkiefer neben Engelmann-Fichten und Espen, bis an den Rand.
Er musste vorsichtig reiten, da die Bäume einen jähen Abgrund schon einmal verdecken konnten.
Da er jedoch wusste, dass Tecumseh von sich aus sehr vorsichtig war, konnte er sich erlauben, die Augen nur kurz zu schlissen.
So saß Jason im Sattel, etwas nach vorne gebeugt und döste vor sich hin.
Nicht unweit von seinem Weg, ebenfalls nahe der Plateaukante nahm ein Drama seinen Lauf.
Zwei weiße Tagelöhner, die auf dem Weg zu einem reichen Viehbaron waren, für den sie sich als Scharfschützen hatten anheuern lassen, jagten einer Indianer Squaw hinterher.
Sie rannte zwischen den dicht gewachsenen Kiefern hindurch, direkt auf den Canyon Rand zu.
Sie schien es überhaupt nicht zu bemerken. Sie hörte nur hinter sich das Geschrei der Weißen.
„Bleib stehen, du rotes Miststück. Wir kriegen dich doch.“
Dann stand sie vor der steilen, etwa 60 Meter tief abfallenden Felsenformation. Das Plateau erstreckte sich über 19 Kilometer. Ob nach rechts oder links, es gab kein Ausweichen.
Als sie sich erschrocken umblickte, stürzte sich bereits einer der beiden von seinem Pferd herunter, direkt auf sie und riss sie zu Boden.
„Ich habe sie. John, komm schnell hierher.“
Er drückte sie mit seinem ganzen Körper auf den Boden nieder.
„A-i-i-i“, schrie sie immer wieder. Er schlug ihr mit der Hand mehrmals ins Gesicht.
„Halt endlich dein verdammtes Maul.“
Dann hatte er ihr bereits das Oberteil zerrissen und grapschte nach ihrer Brust.
„Das wird ein Spaß.“
Sein Kumpane löste die Chaps an seinen Beinen und kam nun ebenfalls auf sie zu. „Mach schon, zieh ihr die Leggings endlich aus. Ich will auch meinen Spaß.“
Als John sich an ihren Beinen zu schaffen machte, hielt der andere die Frau mit einer Hand am Hals, während er mit der anderen seine Hose öffnete.
Er hatte sie bereits so weit gewürgt, dass sie halb ohnmächtig und zu keiner wirklichen Gegenwehr mehr fähig war.
„Ich hab sie so weit!“
John faste ihr in den Schritt und spreizte ihre Beine. „Schau dir das Weib an. Rassiger geht’s kaum noch. Das wird ein Ritt.“
„Lass mich zuerst. Ich habe sie eingefangen.“
Der andere wollte sich auf sie legen.
„Du Mistkerl. Soll ich mir selbst einen runterholen, während du deinen Spaß hast?“
John gab ihm einen Stoß und drang dann selbst gewaltsam in sie ein.
Ein Schuss schallte durch den Canyon und der Widerhall ließ ihn doppelt so laut erscheinen.
Die Kugel flog sehr nahe an Johns Ohr vorbei und spritzte in den sandigen Boden neben ihm.
„Lasst sofort von der Frau ab. Greift ruhig zum Revolver, dann habe ich eine Grund euch abzuknallen.“
Jason stand keine zehn Meter hinter ihnen und zielte mit seiner Henry Rifle auf sie.
„Verdammt, verdammt“, hört er zwei Flüche.
„Steht ganz langsam auf und schnallt eure Gürtel ab.“
John und sein Kumpan gehorchten.
„Ganz langsam Freund. Was machst du hier für einen Aufstand. Ist doch nichts geschehen. Ist doch bloß eine dreckige Indianer Squaw.“
Die Indianerin hatte sich die ganze Zeit nicht bewegt. Jetzt schloss sie langsam ihre auseinander gedrückten Oberschenkel.
Jason ließ die beiden Typen nicht aus den Augen. „Dort hinüber, beide schnell“, er deutete mit dem Gewehr nach links zu den dort stehenden Bäumen.
Sie hielten noch immer die Hände nach oben und bewegten sich langsam zu der angegebenen Stelle.
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