„Wenn wir wieder daheim sind, dann gibt es bald von deiner Mutter schönen gebratenen Fisch, oder geräuchert, ach egal, ich verputze ich auch roh, wenn ich daran denke“, schwärmte Speckfried auf dem Rückweg, „denn ich habe einen riesigen Hunger!“ 
Plötzlich raschelte es in einem Busch vor ihnen und etwas knackte. Es hörte sich an, als wenn Zweige, die auf der Erde lagen entzwei brachen. Die beiden blieben erschrocken stehen. Dann lauschten sie.
Nichts.
„Was war das?“ fragte Schweinrich so leise er konnte.
„Ich weiß nicht, vielleicht nur ein Eichhörnchen“, flüsterte Speckfried, „oder eine Maus oder….“
„…oder ein Wolf“, ergänzte eine tiefe Stimme hinter ihnen.
Schweinrich und sein Vater drehten sich um und erstarrten vor Angst. Dort standen fünf große böse Wölfe. Einer und zwar der, der gesprochen hatte, stand etwas weiter vorne und die anderen dahinter.
„Was habt ihr beiden Strolche hier zu suchen“, brummte der Wolf ungeduldig.
„Äh…wi….wir“, stammelte Speckfried, „woll-…ten… nach Hau-…Hau-…se.“
Der Wolf kam näher und schnüffelte in der Luft.
„Oh, was riecht meine Nase dort bei euch?“ fragte er, „etwas Fisch?“
„Das ist unser Fisch“, fauchte Schweinrich.
„Lass‘ gut sein“, versuchte Speckfried ihn zu beruhigen, „und sei leise“, fügte er hinzu. Während er sich zu seinem Sohn drehte.
„Ein kleines mutiges Schweinchen, hä?“, sprach der Wolf, „wenn du nicht als Festtagsessen enden willst, dann halt deine Klappe!“
Schweinrich musste sich wirklich zusammenreißen. Ihm wurde aber bewusst, dass er keine Chance gegen fünf Wölfe hatte.
„Mir reicht es jetzt mit diesem Zwergenaufstand“, brüllte der Wolf auf einmal und riss sämtliche Beutel auf und nahm alle Holzeimer an sich. Die anderen Wölfe kamen ihm dabei zu Hilfe.
Speckfried hielt Schweinrich zurück. Der Junge kannte keine Furcht, schon gar nicht, wenn es um Ungerechtigkeiten geht. Trotzdem merkte er, dass sie keine Chance hatten.
„Du sollst erfahren wie das ist, wenn ein kleines Schweinchen wie du eines bist, gegen einen Wolf, einem Tier, dass in der Nahrungskette über dir steht, angeht und nicht gehorcht“, drohte der Wolf.
Er ging zu Speckfried und holte mit seiner Pfote weit aus und verpasste dem Schweinevater eine, sodass dieser zu Boden ging. Schweinrich sprang sofort auf und rannte zum Wolf.
„Ich mache dich fertig!“ brüllte er voller Wut.
Dabei versuchte er ihn zu rammen, was ihm aber nicht gelang. Der Wolf war größer und stärker als er und hielt dagegen. Dann packte er den Schweinejungen und schmiss ihn auf die Erde. Schweinrich verletzte dich leicht. Der Wolf schritt zum Vater. Speckfried lag immer noch dort. Seine Backe blutete vom Hieb des Wolfs. Schweinrich sprang erneut auf und warf sich schützend vor seinem Vater.
„Nein!“ schrie er, „das werde ich nicht zulassen!“
„Mutig“, zeigte sich der Wolf beeindruckt.
Er nahm ihn abermals und schleuderte ihn beiseite, dann packten die anderen Wölfe Speckfried, der benommen war und alles zuließ. Schweinrich jedoch stand wieder auf.
„Ich lasse mich nicht unterkriegen“, machte er deutlich und schaute dabei so böse, wie er nur konnte.
„Geh‘, mein Junge und bringe dich in Sicherheit“, keuchte sein Vater, „du weißt schon, wo.“
Schweinrich kullerten dicke Tränen über seine Wange. Er wollte nicht gehen, aber er wusste, dass ihm sonst große Gefahr drohte.
„Hör‘ auf deinen fetten Vater“, dröhnte der Wolf, „sonst mache ich Hackfleisch aus dir!“
Dann knurrte er laut und Schweinrich rannte, was das Zeug hielt. Keiner der Wölfe folgte ihm, denn sie dachten, dass er sich wohl vor Angst davonmachte. Dem war auch so, aber er machte kehrt und versteckte sich heimlich, sodass er weiter zusehen konnte. Was sollte er auch sonst machen?
„So, altes Schwein, nun wird abgerechnet“, kündigte der Wolf an und war im Begriff, seine Pfote auszuholen.
„Nein, wir sollten ihn mitschleppen und als Sklaven halten“, funkte ein weiterer Wolf dazwischen. Der erste Wolf hielt inne.
„Sonst kriegen wir wieder Ärger, dass wir ohne den Meister gefressen haben“, Wolf.
Der erste Wolf nickte leicht. Mit dem Meister war nicht zu spaßen!
„Gut, fesselt ihn“, befahl er und die Wölfe setzten es um.
Speckfried schrie. Schweinrich wollte ihm zu Hilfe kommen, aber dies hätte nur bedeutet, dass er sich selbst in Gefahr begibt und seinen Vater womöglich noch nicht einmal retten würde.
Speckfried wurde an seinen Beinen zusammengebunden. Die Wölfe nahmen ihn hoch und trugen ihn fort. Schweinrich war geschockt!
Nach einer Zeit, nachdem der Schock vorüber war, rannte Schweinrich nach Hause. So sehr er sich auch abwetzte, es kam ihm vor, als renne er eine halbe Ewigkeit. Er ist sogar einmal in eine Pfütze gefallen, weil er vor lauter Aufregung keinen Halt fand während des Laufs ausrutschte- und Platsch! Dann lag inmitten des Matschs.
Eigentlich mögen Schweinchen wie er Suhlbäder, aber heute war nicht die Zeit für sowas, nein, heute würde er alles seiner Mama erzählen und dann werden sie Papa befreien!
„Mama, Mama, etwas Furchtbares ist geschehen!“ brüllte lauthals, als er das Dorf betrat. 
Er schrie es immer wieder, bis er schlussendlich bei seiner Mutter ankam.
„Liebster, was ist denn passiert?“ fragte sie besorgt und hielt ihn an den Schultern fest.
„Papapapa…äh, weg, viele….äh, Wöö-öl-lfe….überall“, stotterte er weinend.
Isaude kam hinzu.
„Was hat er denn?“ fragte sie neugierig, denn sie hatte ihren Bruder noch heulen gesehen. Vielleicht hatte er sich ja verletzt, dachte sie sich, aber eine Wunde konnte sie nicht erkennen.
„Es wird alles wieder gut“, versuchte Ringeltraud ihn zu beruhigen, es jetzt viel ihr auf, dass Speckfried nicht dabei gewesen ist.
„Schweinrich?“ fragte sie leicht aufgeregt.
Schweinrich zog immer wieder seine Schnodder in die Nase und seine Tränen kullerten weiter sein Gesicht hinab und landeten auf der Erde.
„Ja?“ sagte er benommen.
„Wo ist dein Vater?“ in Ringeltrauds Stimme hörte man eine wachsende Sorge. Die Sorge um ihren Sohn, aber ebenso die um ihren Ehemann.
„Das ha-habe i-i-ich d-dir ver-ssucht zu-zu erklären“, verriet Schweinrich flüsternd, denn mehr Kraft hatte er nicht mehr in seiner Stimme, „sie haben Papa entführt…“
Schweinrich ging es so schlecht, sodass er sich hinlegen musste. Ringeltraud und Isaude brachten ihn zu Bett und ließen ihn erst einmal ausschlafen. Er benötigte Energie, um aufgetankt seiner Mutter alles zu erzählen.
„Es muss irgendetwas mit Speckfried zu tun haben“, vermutete die Mutter naheliegend.
Noch am gleichen Tag bat sie zwei Freunde, Saureus und Balswin, nach Speckfried zu schauen. Sie wusste, wo sich die Angelstelle ihres Mannes befand und teilte es beiden mit. Sie machten sich sofortig auf den Weg.
Schweinrich schlief den Schlaf der Gerechten. Er verschlief sogar die Rückkehr der beiden Freunde, die eine Nacht und einen Tag fort waren. Ja, Schweinrich hatte dies ganz schön mitgenommen.
„Wir haben niemanden gefunden, liebe Ringeltraud“, berichtete Balswin, nachdem Ringeltraud die Tür öffnete, „wir haben Spuren gefunden, die nichts Gutes verheißen.“
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