Mandy ist weiterhin ohnmächtig. Es ist etwas, das einigen Menschen bei der Wandlung passieren kann. Ich musste mir nicht mehr Sorgen um sie machen als üblich.
Sie war schon häufiger in schlimme Situationen hineingeraten, ohne sich der Lebensgefahr bewusst zu sein. Mandy war schon immer leichtfüßig und leichtsinnig ins Leben gegangen. Ich hatte mich deswegen auch in leichtsinnige Situationen gebracht, die nicht nur mir sondern auch meiner Familie das Leben gekostet hätte haben können. Jetzt konnte ich anfangen mir weniger Sorgen um Mandy zu machen. Wenn dies nur so einfach wäre…
***
Ich kontrolliere mit meinem ausgeprägten Gehörsinn ihren Puls. Alles läuft normal, auch wenn ihr Puls kurzzeitig nur sehr schwach ist. Es bedeutet, dass alles richtig läuft und gut gehen wird.
Das Vampirblut vermischte sich mit dem verbliebenen menschlichen Blut. Die Organe würden weitermachen wie bisher als Mensch, aber Mandy wäre nicht mehr nur menschlich. Sie wäre schneller, stärker und alle ihre Sinne würden schärfer ausgeprägt sein, sobald sie wieder aufwachte. Was nur ein bisschen Vampirblut alles ausrichten kann. Wenn die Menschen das wüssten, dann hätten sie wohl mehr Angst vor dem Übernatürlichen als jetzt schon und wie sie ihre Jäger auf uns losließen, das ist etwas, was ich nicht noch einmal erleben will.
Ich halte Mandy die ganze Zeit in meinen Armen. Sie sieht so schön aus mit ihren langen blonden Locken. Ich streiche ihr eine Strähne aus dem Gesicht. Ein weiches Gesicht, dass nach Wildblumen riecht. Das ist der Geruch ihrer weichen Haut und genauso riecht ihr Haar. Wenn ihre Augen erst offen wären, würde das natürliche blau ihrer Augen durchscheinen. Augen die tief in die Seele eines Mannes blicken können. Sie schienen auch noch etwas anderes erkennen können, wenn ich das Prickeln richtig deute, dass ich immer hatte, wann immer sie mir eine Frage stellte. Ich küsse sie auf die Stirn. Was wäre mein Leben nur ohne sie? Ich bette sie auf meinen Armen, damit wir hier heil aus der Schattenheide herauskommen. Denn obwohl dieses Gebiet relativ klein ist, ist er tückisch und auch viel zu weit von zuhause. Als der Nebel sich weiter lichtet renne ich mit höchster Geschwindigkeit zu meinem Haus. Glücklicherweise erreiche ich unser Haus ohne Zwischenfälle. Rase in mein Zimmer. Ziehe ihr die Schuhe aus und lege sie in mein Bett. Mein Bett! Dort gehörte sie jeden Tag und jede Nacht hin. Sie sollte sich genügend erholen.
Der nächste Tag würde schon genügend Überraschungen mit sich bringen.
Denn nun ist sie die Meine.
Kapitel 4
Schattenwelt
Mandy hat einen Traum…
Ein äußert komischen Traum, der vielleicht gar kein Traum ist, denn als sie „erwacht“, ist sie in einem nebeldurchzogenen Raum, der gespenstig aussieht, sich aber sich nicht so anfühlt. Ein Raum, der ihr sowohl vertraut als auch neu vorkommt, denn sie war noch nie dort und doch hatte sie das tiefempfundene Gefühl sich dort auszukennen und an einer Stelle mittendrinn steht einfach so eine rote Tür mit einem Türrahmen drumherum. Sollte sie die Tür aufmachen, fragt sie sich und nähert sich ihr.
Sie fühlte gleichzeitig Kälte als auch Wärme. Alles um sie herum fühlt sich zu real an. Sie öffnet die Tür und sieht einen Wald aus dem ebenso Nebel aufsteigt. Als sie durch die Tür gegangen ist schließt sich diese mit einem leisen Knall. Nun steht Mandy mitten auf einer Lichtung, die Sonne beginnt sich erst zu zeigen, um sie herum sind alle möglichen Baumarten und als sie sich umdreht, gibt es nichts anderes als Bäume, ungefähr dort, wo die Tür hätte stehen müssen, ist nur ein knochiger alter Baum mit einer riesigen Kuhle. War das vielleicht die Tür, die sie vorher aufgemacht hatte? Doch als sie die Kuhle berührt, passiert nichts. Das ist nichts Außergewöhnliches. Nur die Stille ist es.
Nebel ist überall um sie herum. Sie konnte erkennen, wie es sich immer weiter lichtete. Ganz langsam wie ein scheues Tier, lichtet sich der Nebel und die Schwärze der Nacht weicht der langsamen Morgendämmerung. Die Tiere des Waldes, die sich mit ihrem Eintreten erschrocken hatten, fingen langsam an wieder ihren Tagesablauf fortzuführen. Es wurde heller, aber es gab aber keine Lichter, die ihr den Weg hinaus gezeigt hätten. Angst verspürte Mandy nicht. Es kam ihr alles so sonderbar vertraut vor. Selbst als sie an sich hinunterblickte und das altertümliche rote Kleid an erblickte. Ein Kleid, das er burgunderfarben ist und ihr bis zum Boden reicht. Ihre blonden Haare waren nun gewellt und gingen ihr bis zur Hüfte. Das war komisch, aber sie fand es nicht besorgniserregend.
Sie war in einem Wald. Ok, damit konnte sie leben und dreht sich nochmal im Kreis in der Hoffnung irgendetwas zu finden, dass sie beim ersten Mal übersehen hat. Sie braucht nur noch einen Weg und da sah sie einen Weg aus Laub, schillernd in allen bunten Farben, der genau vor ihr lag. An einigen Bäumen befanden sich bereits erloschene Fackeln. Das musste wohl einen Sinn haben, dachte sie sich, während sie dem Weg folgte. Sie wusste nicht, wie sie hierher gelangt war, aber sie war sicher, dass es wichtig war, darum lief sie den eingetretenen Weg. Irgendwann sieht sie wie hinter den Bäumen eine Burg herausragt, da scheint die Sonne bereits darauf und lässt sie fast rosafarben aufleuchten.
Sie sah, dass die Burg gut erhalten ist und mit mehreren Türmen ausgestattet ist. Auf den Türmen kann sie weiße Fahnen erkennen, auf denen irgendein Zeichen ist, denn sie jedoch nicht aus der Ferne her erkennen konnte und lief auf die Burg zu.
Nach einigen Minuten stand sie vor der Burg.
Es war ihre Burg, aber das wusste sie nicht, sie empfand sie nur als sehr vertraut und legt ihren Kopf schief, um alles genau zu erfassen und auf sich einwirken zu lassen. Sie wusste, dass dieser Moment hier immens wichtig für sie war. Ihr Gefühl sagte ihr, dass es ihre Burg ist und sie dort wichtiges gemacht hat und weiterhin machen würde.
Sie wusste nur nicht, dass sie tatsächlich die Burgherrin war. Es war nicht irgendeine Burg, sondern ein Treffpunkt für alle übernatürliche Wesen! Vor langer Zeit war diese Burg zu genau diesem Zweck erbaut worden.
Mandy erkannte diese Burg aus ihren Träumen plötzlich wieder und von den Erzählungen ihrer Großmutter, auch wenn sie sich noch nicht an alles erinnerte und auch wenn noch nicht alles wissen konnte. Diese Burg ist wichtig.
Alle übernatürlichen Wesen können hier Wissen sammeln und teilen, oder sich auch nur mit anderen Wesen unterhalten.
Wie bei den Menschen gibt es auch in der übernatürlichen Welt Meinungsverschiedenheiten zwischen den übernatürlichen Wesen, denn hier sind alle willkommen und dürfen offen über alles reden.
Dieser Ort befindet sich in einer Sphäre, die für alle erreichbar ist. Man könnte diese Burg ein Konsulat nennen, allerdings nicht nur für ein bestimmtes Wesen, sondern für alle im Allgemeinen.
Jeder ist hier wohlgesonnen und es darf auf diesem Terrain kein Krieg zwischen den Wesen geben.
Denn hier ist jeder frei und jeder kann alles sein. Jeder darf hier in seiner wahren Gestalt herumlaufen und sich seiner Natur nach verhalten. Kein Kodex oder Gesetz verbietet es ihnen sich hier vor den Menschen zu verheimlichen, denn selbst, wenn sich ein Mensch hierher verirrt, wird er nur glauben, einen äußerst lebhaften und fantasievollen Traum gehabt zu haben, wenn überhaupt.
Denn das ist das wahrhaft Magische an diesem Ort.
Mandy
Die Burg erscheint mir so vertraut. Aber woher kenne ich sie? Ich weiß, dass ich mich hier auskenne, obwohl ich nie hier gewesen bin. Aber woher? War ich doch schon irgendwann einmal hier gewesen, ohne mich jetzt erinnern zu können? Ich konnte mich nicht erinnern. Es ist eine leicht verschwommene Erinnerung in meinem Kopf. Aber was wusste ich wirklich davon?
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