„Bitte.“
Sie schwieg.
„Oder erzähl mir von Ghana.“
Mit finsterem Blick wollte sie mich zum Schweigen bringen. Das Lächeln auf meinem Gesicht schien sie dabei zu irritieren.
„Du hast keine Ahnung.“
Obwohl ich damit gerechnet hatte, traf es mich härter, als ich gedacht hätte.
Wieder zog sie davon. Als ich mich erholt hatte, folgte ich ihr und holte sie nach wenigen Schritten ein. Sie wusste sie würde mich nicht mehr loswerden. Schließlich kannte sie mich seit ich auf der Welt war.
„Warum?“, fragte sie und setzte sich auf eine niedrige Wand am Pool.
„Weil“, ich brauchte ein wenig bis ich die richtigen Worte fand. „Weil ich nichts von dir weiß.“
Sie setzte an, mir zu widersprechen. Sie rang mit sich selbst. Dann deutete sie neben sich. Sie gestand sich ein, dass ich wirklich nichts von ihr wusste.
„Was möchtest du denn wissen?“ Sie war es nicht gewohnt über sich zu sprechen.
Ich musste viele Fragen stellen um sie am Reden zu halten. Zunächst gab sie nur wortkarge Antworten, aber als sie merkte, dass ich mich interessierte, gab sie sich Mühe mir eine Vorstellung von ihrem bisherigen Leben zu geben.
Dabei ließ ich meinen Blick nicht von ihr. Sie sah größtenteils vor sich. Nach einer Weile glaubte ich, dass sie vergessen hatte, dass sie mit mir redete.
Dann plötzlich stand sie auf. Sie blieb kurz stehen, als wollte sie noch etwas sagen. Sie schwieg aber und ging fort. Ich war völlig verwirrt. Noch war ich in Gedanken von ihrer Erzählung gefangen. Hatte ich auf etwas falsch reagiert? Was hatte sie gesagt, dass sie nun ging? Oder was hatte sie nicht gesagt?
„Jane?“
Sie blieb stehen, drehte sich aber nicht um. Sie war der Meinung, dass sie mir schon zu viel erzählt hatte. Ihr Rücken war verkrampft.
„Ich möchte dahin!“
Eine Sekunde geschah nichts.
Dann brach sie in Gelächter aus und wandte sich mir zu.
„Junge“, lachte sie und ging weiter und wischte sich die Tränen weg.
„Ich meine das ernst.“
„Sicher.“ Ihr Lachen wurde leiser.
„Jane?“
„Unsinn Junge, du hast keine Ahnung!“
„Und ich geh doch!“
Sie blieb abrupt stehen. Dieser Satz gehörte zu meinem Standardrepertoire. Und sie kannte ihn nur allzu gut. Meistens war er zu hören, kurz bevor ich dabei war eine größere Dummheit zu begehen. Mein Gewissen verriet mir diese Erkenntnis, doch diesmal war ich mir sicher, dass es anders war.
„Du kennst mich“, sagte ich.
Sie nickte widerwillig. „Frag deinen Vater!“
„Ich bin erwachsen!“
„Ein Kindskopf bist du!“ Sie hoffte mich mit dieser Feststellung entwaffnet zu haben und drehte sich um. Glauben tat sie es aber nicht.
„Ich geh deine Familie besuchen.“
„Warum?“
Es gab darauf keine Antworten. Es gab nur diesen Entschluss. Ich musste den Beweis finden, dass mein Leben etwas bedeutete. Und wenn dies nur dadurch möglich war, dass ich ihm Bedeutung verleihen musste, dann war das so. Ich ging nun nach Afrika, dort gab es genug, um eine Bedeutung zu finden.
„Oder möchtest du, dass ich auf mich alleine gestellt ins Blaue reise?“
Sie schloss die Augen und fluchte tonlos. Sie hatte die Wahl zwischen Pest und Cholera.
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