Er dankte allen, die sein Leben lebenswert gemacht hatten, besonders aber seiner Frau Doris, die seit 30 Jahren das Zusammenleben interessant und abwechslungsreich gestaltete und die ihm in schweren Jahren bedingungslos zur Seite stand. Er lobte Doris als wunderbare Hausfrau und für die Geduld bei der Pflege, die sie trotz eigener Schmerzen aufbrachte. Als Bitte äußerte er, dass wir ihr aufbauend und mit Fröhlichkeit begegnen und ihr beim Aufbau eines neuen Lebens helfen sollten. Man respektierte seinen letzten Wunsch und es fand keine Trauerfeier statt. Bei der Urnenbeisetzung auf dem eigenen Grundstück nahmen wir teil.
Doris besaß eine Wohnung in Berlin. Diese gab sie nun auf, zog sich aber nicht in das jetzt einsame Haus zurück, obwohl oder weil ihr Sohn mit Schwiegertochter und 5 Enkelkindern im Nachbarhaus wohnten. Sie fand eine sehr schöne große Wohnung im Zentrum unserer Stadt und so hatte sie als Witwe einen Neuanfang. Wir besuchten Doris einige Male und tauschten dann viele Erfahrungen über die Pflege ihrer Mutter in einem Heim, über unsere Kinder und Enkelkinder aus. Gern gingen wir auch gemeinsam ins Kino und werteten den Film oft anschließend bei einem Glas in einer Kneipe aus. Doris war sehr belesen und nahm bereits über mehrere Jahre an einem Literaturzirkel teil. Auch Bernds erste Frau war Teilnehmerin dieses Zirkels und so erfuhren wir interessante Neuigkeiten.
In Jahresabständen ertrugen wir Trauernachrichten. Dieses Mal ganz unverhofft. Der Sohn von Doris besaß in unserer Straße auch eine Vierzimmerwohnung, die aber sein leiblicher Vater Harald bewohnte. Er hatte auch Landwirtschaft betrieben. Mit dem ersten Ehemann von Doris verband uns eine enge Freundschaft. Wir gingen oft gemeinsam Mittagessen. Meist fuhr Harald mit seinem Wagen vor und sagte dann immer scherzhaft, der Wagen sei jetzt angespannt und die Herrschaften könnten einsteigen. Wir aßen oft in einem Italienischen Restaurant und wenn wir bestellt hatten, warteten wir auf seinen Spruch, na - dann können wir ja jetzt erst einmal etwas über unsere Krankheiten austauschen. Seine Gegenwart war sehr angenehm, auch wenn wir verreisten nahm er unsere Post entgegen und goss unsere Topf- und Grünpflanzen. Schmunzelnd hatte er uns einmal davon berichtet, dass er in unserer Wohnung schon einmal Kunstblumen mit Wasser versorgt hätte.
Am 17.3.2006 auf dem Weg zu unserer Wohnung traf ich den gemeinsamen Sohn von Doris und Harald. Er erzählte mir unter Tränen, dass sein Vater verstorben sei. Harald war bei einer Bekannten gewesen und wollte ihr beim Tisch decken helfen, setzte sich in einen Sessel und es trat ein plötzlicher Herzstillstand ein. Harald litt jahrelang unter Multiple Sklerose und erhielt deshalb häufig Cortison. Trotzdem traf uns die Kenntnis von seinem Tod sehr. Er war ein liebenswerter, heiterer Mensch, der seine Krankheit im Griff hatte. Acht Tage später fand für den Verstorbenen auf dem Gut seines Sohnes eine Trauerfeier statt. Viele Nahestehende waren gekommen, um den Leidtragenden ihr Beileid auszusprechen. Später erfolgte wieder die Bestattung auf dem eigenem Friedhof.
Der Tod hatte viele Gesichter. Eigentlich war Haralds Ausscheiden aus dem Leben beneidenswert. Die Angehörigen waren zwar erschrocken, aber ein Leidensweg blieb Harald erspart.
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