Man nennt es „Fischerhaus“, das ist das Hauptquartier von Nina, dem Superchic. Als Model angefangen, hat sie sich durch die Drogenplätze New Yorks geschlagen, so hat sie es geschafft, mittlerweile über 200 Mitarbeiter zu beschäftigen, nur mit Lisas Hilfe. Die beiden sind Partnerinnen und Nina hat mehrere Geschäfte, aus denen sie ihr Geld schöpft.
Von außen sieht das „Fischerhaus“ aus wie eine billige Baracke, bewacht von einer Wachkuh, aber innen ist es gesichert wie ein Puff in einem
Hochsicherheitsgefängnis.
Ihre Brust erinnerte mich an zwei perfekt gebaute Kartoffelbreihügel, zwischen die man dann gerne seine Bratwurst legt. Ihre schlechte Laune machte sich gleich bemerkbar, als mir ein „Was willst du Drecksack denn hier?“ entgegenschallte. Es ließ vermuten, dass Lisa ihr schon über mich Bescheid gegeben hatte.
„Ich wollte endlich einmal eine echte
New Yorker Schönheit bewundern!“
„Da hat mir Lisa etwas anderes erzählt!“
„Also hat sie dir schon von meinem Besuch erzählt. Ich suche im Auftrag meiner Klientin Kerstin einen rosa FIAT Punto. Er wurde in Queens gestohlen, weißt du zufällig etwas darüber?“
„Ach von Kerstin! Du hast dieses Miststück also schon kennengelernt.“
„Ich bemerke einen Unmut über
Kerstin.“
„Die dreckige Schlampe hatte mir damals meinen besten Mitarbeiter und Sexualpartner ausgespannt.“
„Klingt doch nach einem guten Grund, ein Auto zu stehlen.“
„Selbst wenn ich den Wagen hätte, was nicht der Fall ist, würde ich ihn lieber anzünden, als ihn ihr zurückzugeben.“
„Bei so viel Temperament würde ich gerne mehr davon hören.“
„Würde mich nicht wundern, wenn sie selbst den Wagen noch hat. Und nun
verpiss dich!“
Natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen, noch das letzte Wort beziehungsweise den letzten Satz zu haben: „Wir werden uns wiedersehen,
Bitch!“
Hat sie recht oder will sie mich nur verwirren?, kreisten, nach diesem denkwürdigen Aufeinandertreffen, meine Gedanken um mich. Dabei war es schon 6 Uhr Abends, ich hatte also noch 2 Stunden Zeit, mir die Birne wegzusaufen, ehe ich mich mit Lisa traf. Ich wollte gerade in meinen Mercedes einsteigen, da stieg ein Dieb ein, machte den Motor an und – boom! Es gab eine riesige Explosion, Auto- und Menschenteile flogen durch die Luft und an mir vorbei.
Super, ein Anschlag! So etwas hatte mir gerade noch gefehlt. Jetzt durfte ich mir noch ein neues Auto klauen, dabei hatte ich mich doch so an den SLK gewöhnt. Und dann die Zeit, jetzt etwas Neues zu suchen, vor allem die Anstrengung … So, genug getrauert, ich klaue mir den Porsche dort drüben!
So fuhr ich mit meiner neuen, erfolgreichen Beute in mein Büro, um dort von meiner neuen Sekretärin endlich einen Scotch auf Eis, einen Blowjob und einen
Dübel zur Entspannung zu bekommen. Das sind doch nach einer harten Arbeit die schönsten Momente.
Konnte Kerstin wirklich selbst den Wagen haben? Warum sollte sie mich aber dann engagieren? Ich war gespannt, was Lisa wusste.
Kapitel 5 – Antoni‘s Pizzeria
Ausgeruht und noch eine Viertelstunde Zeit bis zum Treffen, raffte ich mich auf, um zu Antoni‘s Pizzeria zu fahren. Als ich ankam, entdeckte ich Lisa sofort. Neben ihr saß noch ein Typ am Tisch. Ein Italiener, schwarze Haare, nur 1,40 Meter groß und braune Augen. Bei näherem Hinschauen erkannte ich ihn: Giuseppe heißt er, aber alle nennen ihn Giusi. Ein Halbitaliano, Mafioso, der statt Spaghetti am liebsten Döner isst. Er nennt sich selbst Gott, ein Internetgott. Seine Religion? Der Giuismus. Mittlerweile viele Tausende Anhänger, die durch das Netz beigetreten sind. Viele behaupten, es sei nur eine kurzweilige Sekte, doch ich glaube daran, dass es die neue Religion werden könnte.
Selbstbewusst stolzierte ich durch die Türe des sehr rustikal möblierten Restaurants. Im Laufen fielen mir die Bilder von Neapel an den Wänden und den Spaghettimotiven an der Decke auf.
Innenarchitekt hätte ich eigentlich auch werden können, doch meine kriminellen Neigungen sind stärker als das Verlangen, auf ehrliche Weise Geld zu verdienen, wurde mir bewusst, ehe ich mich auf den Stuhl direkt neben Lisa setzte und mir eine Pizza bestellte.
Sie schaute mir so tief in die Augen. Ich wollte sie am liebsten bespringen und begatten.
Ihre zarten Lippen formten die Worte: „Was du suchst, wirst du bei mir nicht finden, vor allem würde ich das Auto eher in Brand stecken, als es dieser Kerstin zu geben!“
Was hat Giusi mit Lisa zu tun? Warum sagen Lisa und Nina fast dasselbe? Bin ich sicher? Arbeite ich für die richtige Seite? Könnte Kerstin selbst ihr Auto geklaut haben? Habe ich noch genug Gras daheim? Und das Wichtigste, lege ich heute noch eine flach?
Lisa störte die Gedanken meines fabelhaften Gehirns: „Ich hoffe du kennst Giusi? Er ist mein neuer Geschäftspartner, deshalb lerne ich ihn gerade in meine Geschäfte ein. Er kann Leute bewegen und mitreißen, genau so etwas kann ich
gebrauchen.“
„Geschäftspartner, klar. Eher wohl einen Killer! Damit du wieder versuchen kannst mich umzubringen!“
„Warum sollte ich dich denn
umbringen?“
„Weil du das Auto geklaut hast und ich dir auf die Schliche komme?“
„Glaube mir, du würdest mich niemals überführen.“
„Dann wegen der sexuellen Spannung zwischen uns! Du erträgst es nicht, mich nicht zu bekommen!“
„Warum sollte ich dich nicht bekommen?“
„Aha, du leugnest die sexuelle Spannung nicht!“
„Ich weiß nicht was du hast, doch irgendwie wirkst du magisch auf mich.“
„Bombe.“ „Was?“
„Bombe!“
„Du bist nicht Bombe!“
„Nein, jemand hat mit einer Autobombe versucht mich umzubringen!“
„Warst du schon einmal bei Tina?“
„Wer ist Tina und was hat sie mit diesem Fall zu tun?“
„Tina, oder besser bekannt als ‚Tina Wild‘ ist meine Konkurrentin.“
„Aber ich kenne sie nicht, warum sollte sie mit dir um mich konkurrieren?“
„Bombe!“
„Was?“
„Bombe!“
„Aber ich bin doch nicht so Bombe, sagtest du.“
„Ja, bist du auch nicht. Nein, sie legt momentan öfter Bomben, um ihr Revier hier in New York zu vergrößern. Und sie hatte eine Affäre mit Kerstin, sagt zumindest mein polnischer Informant
Robsten.“
„Was ist in dem Auto?“
„Weiß ich nicht!“
„Zahlst du?“
„Nein, ein Gentleman bezahlt immer die Rechnung einer Lady.“
Ich bezahlte für uns und verabschiedete mich mit einem Kuss auf Lisas Mund und den Worten: „Ich rufe dich an!“
Giusi hatte kein einziges Wort geredet, was mich wunderte.
Dann stieg ich in meinen Porsche Carrera GT ein und fuhr in mein Büro, wo ich mir alles noch einmal auf einem Zettel notierte. Mit so viel Arbeit hatte ich am Anfang nicht gerechnet. Eine Frage konnte ich mir nicht beantworten: Was wollen alle von diesem beschissenen Auto? Was ist dort drinnen? Ist es ein Diamant? Ein Ring? Eine Banane? Ein Carazza? 100 Kilo feinstes Marihuana oder gar ein Sexsklave? Was kann so wichtig sein, dass es alle haben wollen?
Mir reichte es! So rief ich meinen alten Bekannten Professor Dr. Dr. und noch einmal Dr. ehrenhalber Dirk Hajevtsey an, weil er ab und zu auch gute, verständliche Einfälle hat, wenn ich nicht mehr weiterkomme.
„Ich kann darüber am Telefon nicht reden, treffen wir uns jetzt gleich bei Tawans Asia Imbiss“, schlug er mir nach kurzer Fallerklärung vor. Ich stimmte zu.
Kapitel 6 – Leichen überall
Tawans Asia-Imbiss ist der angesagte Szene-Imbiss. Tawan Chai, der Besitzer, hat sich in jungen Jahren mit seinem Bruder hier in New York ein
Читать дальше