Karin Szivatz - 1 Jahr und JanuS

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Die knapp vierzigjährige Protagonistin erhält die Diagnose Pankreaskarzinom und gibt sich selbst maximal ein Jahr zu leben. Sie beschließt auf Grund ihrer medizinischen Ausbildung keinerlei Therapien zu machen sondern die letzten paar Monate so intensiv als möglich zu leben. Doch nun steht sie vor der Frage, wie sie leben soll um am Ende nicht das Gefühl haben zu müssen, etwas versäumt zu haben. Sie stellt fest, dass sie eigentlich bislang gut gelebt hat und lernt ihren Ehemann so richtig zu schätzen. All ihre Lebensplanungen, Befürchtungen und Ziele waren letztendlich so gut wie sinnlos. Letztendlich zählen nur die Gegenwart sowie die eigene Bewertung der Dinge.

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Zum ersten Mal sehe ich mich wirklich um. Und bin von Dingen umgeben, die ich im Moment noch besitze. Aber schon bald werde ich gehen und alles zurücklassen. Besitze ich sie somit wirklich? Oder bediene ich mich nur ihrer, so lange ich hier bin? Die meisten Dinge werden mich überleben, denn sie haben keinen Krebs. Sie sind tote Materie. Ich werde auch bald tote Materie sein.

Ich nehme ein Glas in die Hand und halte es vor meine Augen. Die Welt scheint verzerrt und leicht bläulich. Hat sich die Welt soeben geändert? Ändert sie sich, wenn ich sie verzerrt und leicht bläulich sehe oder bleibt sie gleich? Wer kann mir sagen, ob sie sich nicht wirklich verändert hat. Für jene kurzen Augenblick, während ich durch das Glas sehe. Lebe ich in einer eigenen Dimension? Und jeder andere auch?

Mein Kopf fühlt sich wie Watte an und ich stelle das Glas zurück. Es hat gute Chancen, noch im Regal zu stehen, wenn ich nicht mehr durchsehen kann. Bei uns geht nur selten ein Glas zu Bruch.

Rastlos wandere ich umher. Im Moment bin ich mir selbst zu viel. Ich trete mir auf die Füße und habe keinen Platz im Haus; ich überfülle es und fühle mich dadurch eingeengt. Eine wirklich liebevolle Beziehung zu mir hatte ich nie. Auch jetzt fühle ich Unangenehmes auf mich wirken und doch bin es nur ich selbst. Vor mir davonlaufen möchte ich. Nicht erst jetzt, schon seit vielen Jahren. Stets war ich zu langsam. Immer konnte ich mich nur auf den Arm nehmen und niemals in den Arm.

Mit einem letzten Blick auf den Hund und die Katze, die beide zufrieden in den wärmenden Strahlen der Sonne, die durch das Fenster fallen, dahindösen verlasse ich das Haus. Gerade schien es mein enges Grab zu werden aber noch war ich körperlich nicht tot.

Im Garten wusste ich auch nicht, was ich tun oder wohin ich gehen sollte. Es schien keinen Platz auf dieser Welt zu geben, an den ich hätte flüchte können. Jedes Versteck schien mit Dornen gespickt und viel zu eng. Atemberaubend.

Martha! Martha war die Lösung. Martha ist ein einfacher Geist, der in einer schillernden Seifenblase lebt. Ihre Kurzsichtigkeit spiegelt sich nicht in ihren Augen wider und auch ihre Blusen sind nicht kleinkariert. Aber sie bringt mich stets in bessere Stimmung, wenn ich unrund laufe.

Rasch habe ich ihre Stimme via Handy im Ohr. Doch nun weiß ich nicht, was ich sagen soll. Ohne dies zu bemerken quatscht sie los. Belangloses und eben gerade deshalb in diesem Moment für mich doch so wichtig. Schilderungen über ihre dreizehnminütige U-Bahnfahrt, während der sie auf Grund ihrer sehr geringen Körpergröße mit der Nase in der Achsel eines Passagiers gesteckt ist, der sich an einem der Decken-haltegriffe festgehalten hat. Ein Rückzug war wegen des Gedränges während der Stoßzeit nicht möglich. Tragisch, wer’s erleben muss. Aufheiternd für jenen, der Krebs hat.

Noch dazu wurde ihre Geldbörse im Ge-dränge gestohlen. Ein türkischer Bauarbeiter hatte sie tagsdarauf gefunden und im Fundbüro abgegeben. Ohne Geld, denn das war weg. Aber die Ausweise und Kreditkarten waren noch da. Und das Liebesgedicht ihres Mannes, das sie in durchsichtige Folie einschweißen musste, damit die schmalzigen Worte nicht vom Papier tropften.

Ein braver Mann, dieser Türke. Es gibt gute Türken in unserem Land; vor allem jene, die wir kennen und die uns Gutes tun. Aber die anderen…..

Kurz denke ich über die Türken nach. Fremde in unserem Land. Ich weiß, wie sie sich fühlen. Ich bin gerade in diesem Mo-ment ebenfalls eine Fremde. Eine Fremde in meinem Körper. In gewisser Weise ist er auch ein Land. Man sollte sich in diesem Land wohl fühlen und es mögen. Ihm Gutes tun, damit wir die Staatsbürgerschaft nicht verlieren. Im Grunde genommen bin ich staatenlos.

Martha bemerkt das bedrückende Schweigen und fragt nach dem Grund. Noch bin ich nicht so weit, es ihr erklären zu können, denn dafür gibt es in meinem Gehirn noch kein Vokabular, dessen ich mich bedienen könnte. Die Erklärung, dass mir mein Haus zu eng ist, reicht aus. Sie versteht es, auch wenn sie dieses Gefühl nicht kennt. Und sie hat Taktgefühl genug um nicht weiter zu fragen. Gar so, als ob sie die Order bekom-men hätte, mich zu unterhalten, erzählt sie von einer Begegnung mit einem jüngeren Mann, die ihre Naivität widerspiegelt. Auf den Höhenflug folgte der Fall. Aber sie wird sich weiterhin mit jungen Männern einlassen. Ich frage mich, ob sie den Höhenflug oder doch eher den Fall braucht. Mein Gefühl sagt mir, dass Letzteres wohl der Wahrheit am nächsten sein wird.

Nach dieser Geschichte verabschiede ich mich ohne Vorwand und habe den Kopf ein wenig frei. Gerne würde ich realisieren, dass ich todkrank bin, aber irgendwie gelingt es mir nicht. Es ist, als ob ich meinen Körper nicht mehr besitze. Er ist taub und scheint nicht real zu sein. Ein Körper, den ich sehe, aber nicht bewohne. Ich frage mich inmitten meines Gartens, ob das schon immer so war. Um mich an mein ganzes Leben erinnern zu können, fehlt es mir an Konzentrationsfähigkeit. Eigentlich ist es auch egal. Dieser Körper hier ist krank. Todkrank. Und wenn er stirbt, sterbe ich mit ihm. Vielleicht. Oder auch nicht. Keine Ahnung. Jedenfalls hängen die meisten mehr an ihrem Körper als an ihren Seelen; denn diese verkaufen sie mitunter zu Schleuderpreisen. Der Körper aber, der Repräsentant der Persönlichkeit, wird gepflegt und operiert, damit er nach außen hin strahlt. Mir würde es im Moment schon reichen, den Krebs operiert zu bekommen. Er lässt krumme Nasen, Fettpolster und Hängebrüste in der unendlichen Dunkelheit der Oberflächlichkeit verschwinden. Herausschneiden und das war’s dann. Nach der Operation ist alles wieder in Ordnung; oder noch besser als vorher. Der ehemals schlaffe, unansehnliche Busen steht doch nach einer Schönheitsoperation auch wieder frech und trotzig wie in Jugendzeiten. Aber so einfach ist das nicht, ich weiß.

Während meiner Tätigkeit im Krankenhaus habe ich viele Krebspatienten gesehen. Die unterschiedlichsten Typen von Menschen und die unterschiedlichsten Typen von Krebs in den unterschiedlichsten Stadien. Es war nicht immer leicht, mit ihnen zu arbeiten, auch wenn so mancher noch viel mehr Humor bewies als so manch gesunder Dauernörgler. Dennoch war auch deren Polster am Morgen noch leicht tränenfeucht.

Im Operationssaal habe ich viele Tumore in der Hand gehabt, sie in Formalin gelegt und kalt gestellt. Oder sie in die Pathologie geschickt, um sie schockgefrieren und in dünne Scheibchen schneiden zu lassen. Chirurgen und Pathologen schenken dem Krebs nichts; er dem Patienten wiederum auch nichts.

Wahrscheinlich fällt es mir die Vorstellung, dass in mir auch so ein feindseliger Tumor wächst jetzt auch deshalb so schwer. Bis jetzt hat es immer nur andere betroffen. Jetzt soll ich dran sein? Kaum vorstellbar und doch medizinisch bestätigt.

Und eben weil es nicht vorstellbar ist, kann ich mich damit nicht auseinander setzen.

Ich hätte gerne Sushi. Einen ganzen Eimer voll. Besser noch eine Lastwagenladung. Gespickt mit Maki und gebratenen Nudeln. Indisch wäre auch gut. Linsensuppe und Naan, danach Tikka Marsala. Ein chinesisches All-you-can-eat-Buffet könnte ich im Moment auch leeren. Mein Verlan-gen, mir den Bauch vollzustopfen wird unbändigbar und ich rufe Maria an. Maria lässt sich meist nicht lange bitten; zumindest wenn es ums Essen geht.

Wir einigen uns darauf, einander in einer halben Stunde – so lange dauert das Umziehen sowie ihre Autofahrt zum Restaurant – bei Makato’s Running Sushi zu treffen. Vorab bereits ein wenig befriedigt und somit ruhiger, runder und gelassener steige ich sofort ins Auto und fahre im Schneckentempo in Richtung Makato’s. Hin und wieder halte ich in einer Parkbucht um Autos an mir vorbei fahren zu lassen. Sie müssen schließlich nicht zehn Minuten ihres Lebens tot schlagen. Die meisten haben es eilig, obwohl ihr Leben noch unendlich lange ist – glauben sie zumindest. Meines ist nun schon begrenzt und doch schlage ich Zeit im Auto tot. Und es ist im Moment gut so. Es birgt die Illusion in sich, ebenso noch über unendliche Lebenszeit zu verfügen.

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