Gleichzeitig sind diese Vokabeln aber auch feststehende Begriffe, die auf „Mischwesen“ hindeuten, wobei der Ursprung eher einen rassistischen Grundgedanken hat, da man so Menschen bezeichnet hat, die aus einer Verbindung aus Europäern und indigenen Bevölkerungsteilen entstanden sind. Gut, in Europa hat man diese Menschen einfach „Bastarde“ genannt, „Mischlinge“ oder andere Schimpfwörter verwendet. In Südamerika waren es eben die Caboclas, wobei hiermit auch eine ganz klare Negativierung vollzogen wurde, da Menschen, die als Caboclas betitelt wurden, meistens kein hohes Vertrauen genießen durften. Sie wurden als Verräter, falsche Charaktere und Verleumder tituliert, sodass hier natürlich ein sehr negativer Touch entsteht, bzw. entstanden ist. Eine weitere Vokabel, die in der Religion Umbanda vorkommt, lautet Erês. Wenn man so will, sind es auf der einen Seite die Nachfahren, die Kinder von Geistern, auf der anderen Seite ist es aber auch eine Sichtweise, eine Maxime, die man so deklarieren kann, dass man unvoreingenommen die Welt betrachtet, aus den Augen von Kindern. Daher ist es ein wichtiger Umstand, dass man sich selbst mit den Erês verbindet, bzw. sich die Grundschwingungen der Erês aneignet, da man hierdurch die Emotionen und auch die Mentalität eines Kindes erfahren kann, wodurch eben die erwünschte Unvoreingenommenheit, die Neutralität, die Neugier, der Wissensdurst eines Kindes eingenommen bzw. verkörpert werden kann. Die grundsätzliche Vokabel „Erê“ stammt natürlich wieder aus dem Yoruba, und wenn man hier eine mögliche Übersetzung sucht, dann könnte man sagen, dass diese Vokabel für „Belohnung“ steht, wobei auch sehr gerne davon gesprochen wird, dass hier der Grundgedanke von Spiel und Spaß existiert, sodass hier eben nicht zu viel deduktiv gedacht wird, sondern einfach seiner (kindlichen) Natur die Freiheit gegeben wird, die sie benötigt. So muss man also hier unterscheiden, dass es auf der einen Seite um autarke Entitäten geht, die eben als Erês deklariert werden, gleichzeitig aber auch eine Maxime beschrieben wird, eine Grundstellung, die eben eine Offenheit, eine Fröhlichkeit, eine Unvoreingenommenheit deklariert. Wenn man hier jedoch wirklich davon ausgeht, dass diese Entitäten einen kindlichen Charakter haben, dann sollte man auf jeden Fall aufpassen. Man sollte aufpassen? Warum? Nun, es ist korrekt, dass Kinder neugierig, fröhlich, offen und auch unvoreingenommen agieren können – sie können, müssen aber nicht. Genauso gut ist es möglich, dass Kinder eine Brutalität und eine Kaltschnäuzigkeit an den Tag legen, wo man ganz klar sagen muss, dass sie ein Produkt von verkorksten Beziehungen sind, von Umständen, die das eigentliche Kindsein zerstört haben, dennoch immer noch als Kinder zu sehen sind.
Dies ist jedoch im Falle der Religion Umbanda nicht so gemeint, denn hier geht es wirklich darum, dass eine Freundlichkeit, eine Offenheit, eine Unvoreingenommenheit und eine Fröhlichkeit an den Tag gelegt werden, sodass diese Entitäten sehr friedvoll, neugierig, schelmisch und auch irgendwie verrückt sind. Es wird davon ausgegangen, dass die Erês niemals inkarniert waren, da sie mit den menschlichen und materiellen Vorstellungen meistens nichts anzufangen wissen. Doch auch dies ist ein großes Problem, wenn man sich solche Energien in das eigene Energiesystem holt, ihnen seinen physischen Körper überlässt, denn dieser besitzt ganz deutliche Beschränkungen. So kann der Mensch seinen Kopf eben nicht um 360° drehen, so besitzt der Mensch eben keine Kugelgelenke in Armen und Beinen, sodass hier extreme Verrenkungen gemacht werden können. Wenn aber die Erês kein Konzept davon haben, was es bedeutet, körperlich zu sein, dann ist es möglich, dass hier der Mensch Bewegungen ausführt, die entgegengesetzt der eigenen Physis laufen. Und ja, dies ist möglich, und ja, hier können auch physische Verletzungen übrigbleiben. Doch da die Vokabel „Erê“ aus dem Yoruba kommt, dürfte es klar sein, dass die Erês auch irgendetwas mit den Òrìṣàs / Orishas / Orixás / Orichas zu tun haben, jene Entitäten, Geistwesen, Energien die in sehr vielen afro-brasilianisch-karibisch-amerikanischen Religionen vorkommen. So sind die Erês als Vermittler, als Boten, als Herolde zu verstehen, die den Òrìṣàs / Orishas / Orixás / Orichas die Botschaften und Wünsche der Menschen überbringen. Doch auch hierbei muss man reflektieren, was passieren kann, wenn man einem kindlichen Charakter eine Botschaft übermittelt. Sie kann zu 100 % korrekt übermittelt werden, sie kann aber auch verdreht und verfälscht werden, ohne böse Absicht. Die Òrìṣàs / Orishas / Orixás / Orichas sind die Entitäten, die das Weltgeschehen beeinflussen, und die Erês sind die Entitäten, die dort agieren, wo es keine Überlagerung zwischen Mensch und Òrìṣàs / Orishas / Orixás / Orichas gibt, was man so deuten oder sich vorstellen kann, dass die Erês als Brückenbildner fungieren, sodass hier die verschiedenen Energieebenen verknüpft werden. Doch da die Erês wie Kommunikationshilfsmittel agieren, wird auch davon ausgegangen, dass die Òrìṣàs / Orishas / Orixás / Orichas, wenn diese in den Körpern von Erwachsenen stecken, und mit den Kindern der jeweiligen Menschen sprechen wollen, die Erês hinzu geholt werden, sodass diese den Kindern nonverbal, also rein energetisch, die Essenzen der verschiedenen Aussagen der Òrìṣàs / Orishas / Orixás / Orichas übermitteln können. Doch bei diesen ganzen Thematiken der Erês merkt man sehr deutlich, dass eine verklärte, spirituelle Sicht, die aktuell in Europa sehr stark vorhanden ist, sich auch Stück für Stück auf andere Religionen, speziell hier das Umbanda, abfärbt.
Hier sind die Erês glückliche Wesen, die Licht, Liebe, Glück verteilen, sodass alle anderen glücklich sind. Statt Erês könnte man vielleicht auch einfach „Glücksbärchen“ sagen, die eben auch alles mit ihren Regenbogenstrahlen reparieren können. Aha! So sind in den letzten Jahren immer mehr „Erês-Partys“ bzw. „Erês-Zusammenkünfte“ entstanden, wo wahrlich propagiert wird, dass sich die Teilnehmer auf eine tolle Erfahrung einrichten können, da man hier den Geist eines Kleinkindes induziert bekommt, sodass man gerne Süßigkeiten ist, seinen Greifreflex noch einmal neu erlebt, dass man Spielzeuge liebt, dass man an Schnuller oder auch an Fingern saugt, und dass man grundsätzlich ein absolut kindliches Verhalten an den Tag legt. Und dies zeugt dann von spiritueller Evolution? Oder ist es eher eine Flucht, eine Flucht aus dem Alltag, sodass man sich einfach wieder frei gehen lassen kann? Nun, dies muss jeder selbst wissen, dies muss jeder selbst bewerten, gerade dann, wenn es darum geht, dass hier wirklich propagiert wird, dass man endlich wieder in seinem Inneren den Geist eines Kleinkindes spürt, dass man sich an Spielzeug erfreut, dass man einen Schnuller haben will oder an den Fingern nuckelt. Wenn man dann aber auf rein energetischer Ebene mit den Erês zusammentrifft, dann besitzen sie zum Glück keine Eigenschaften, die man mit Kindern gleichsetzen kann, denn es sind Energien die ein materielles Leben, ein aufwachsen, ein kindliches Dasein, aus dem Blickwinkel des Menschen, überhaupt nicht kennen. Ja, es sind unvoreingenommene Wesen, es sind neugierige Wesen, die aber auch misstrauisch sein können, so wie sie auch ein gewisses Fluchtverhalten an den Tag legen, da hier eine energetische Unsicherheit klar und deutlich ausgesendet wird. Daher sind die Erês nicht als spirituelle Führer zu empfehlen, da sie nicht das Konzept einer Führung kennen bzw. verstehen. Sie können zwar das Konzept einer Vermittlung, einer Übersetzung, einer Überreichung akzeptieren und umsetzen, doch wenn man sich hier mit den Erês verbindet, sollte man einen starken Charakter, ein gesundes Selbstvertrauen und auch die Selbsterkenntnis besitzen, da man ansonsten ein chaotisches Energiesystem erhalten kann.
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