Es war der erste DEFA-Märchenfilm, in dem Figuren aus dem Adel die Hauptrollen spielten (später, siehe Gritta von Rattenzuhausbeiuns, war das nicht mehr so ein Problem), vorher konzentrierte man sich auf Arbeiter_innen und Figuren aus dem „einfachen“ Volk wie in Das kalte Herzoder Das tapfere Schneiderlein. Das singende, klingende Bäumchenlandete so, gelegentlich als „Monarchenromantik“ abgetan, mitten in der Diskussion um das Wechselspiel zwischen Politik und Ästhetik, die den Kinderfilm in der DDR immer betraf.
Die „schöne Prinzessin“, verwöhnt und gelangweilt, verlangt von dem ebenso namenlosen, blasierten und schönen Bewerber um ihre Hand, er möge ihr das titelgebende Bäumchen schenken. Weil sie damit nicht zufrieden ist, wird er – er hat sich auf einen Handel mit einem Magier eingelassen – in einen Bären verwandelt. Eins kommt zum anderen, die Prinzessin muss schließlich mit ihm zusammenleben und verflucht sich auch noch selbst dazu, äußerlich auszusehen, wie sie innerlich ist: Gesicht und Haare grün, die Nase lang und nach oben gebogen.
Das singende, klingende Bäumchenist dann natürlich die Geschichte beider Läuterung, der Bär wird von seiner Eitelkeit geheilt, die Prinzessin von ihrer Arroganz und Selbstbezogenheit – nur so wird Liebe möglich, und ganz nebenbei lernt vor allem die Prinzessin den Wert eigener Arbeit schätzen. Sehr traditionell ist der Film allerdings dadurch (und das war Ende der 1950er kein großes Thema der Debatten), dass die Läuterung auch damit einhergeht, dass die Protagonist_innen ihre äußerliche Schönheit wiedererlangen. Der kleinwüchsige Magier hingegen ist der Bösewicht, der am Ende in die Erde einfährt, während Flammen aus dem Boden schlagen: Aber eigentlich ist er von allen die interessanteste und ehrlichste Figur.
Das singende, klingende Bäumchen.DDR 1957. Regie: Francesco Stefani, 73 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 6 Jahren. Bei amazon Prime und MagentaTV in der Flatrate, auf zahlreichen Plattformen als VoD verfügbar.
Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten
Die drei Checker – Can, Tobi und Julian – gehören mittlerweile zum festen Kinderprogramm im Ersten und im Kika. Perfektes erzählendes Bildungsfernsehen für Grundschulkinder, dessen einzige echte Schwäche die unübersehbare Geschlechter-Schlagseite ist: Männer erklären die Welt. Nunja.
Für den Kinofilm Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planetenhat der Checker dafür dann Spezialistinnen und Wissenschaftlerinnen im Gespräch – dass er den etwas ahnungslosen Fragenden mit den großen Augen spielt, passt dann schon ganz gut. Es geht auf eine Reise um die Welt auf der Suche nach der Grundlage allen Lebens, das ist insgesamt nicht nur schön gemacht, sondern auch wirklich lehrreich; an manchen Enden hätte man sich noch etwas mehr Tiefe gewünscht, aber die Nerd-Kinder mit Wissensdurst werden dann hoffentlich ihre Eltern für weitere Informationen ausquetschen.
Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten.Deutschland 2019. Regie: Martin Tischner, 84 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 7 Jahren. Auf amazon Prime in der Flatrate, auf zahlreichen Plattformen als VoD verfügbar.
Raus aus der großen Stadt, hinein ins fremde Dorf – für die sechsjährige Frida ist der Wechsel radikal, die Veränderung kaum auszuhalten. Denn sie zieht zu ihrem Onkel und ihrer Tante, weil nach dem Vater nun auch ihre Mutter gestorben ist; jetzt ist sie erst einmal fremd und unwillig, neugierig und vorsichtig. Sie macht es der neuen Familie nicht leicht, und diese ihr womöglich auch nicht, aber wie soll das auch einfach sein in so einer Ausnahmesituation? In einer Situation, die vor allem Frida nun ja auf keinen Fall will?
Fridas Sommer, 2017 als Debütfilm von Carla Simón Pipó auf der Berlinale (und nicht nur dort) gefeiert, folgt seiner Protagonistin ohne große Worte und ohne Dramatisierung, ein ernsthaftes, trauriges Kind auf einem schweren Weg – und zeigt, beleuchtet in letztlich wilden Farben Fridas Weg durch die Trauer hindurch in ihre neue Welt. Ganz nebenbei bildet der Film ein wichtiges Stück Zeitgeschichte ab, die AIDS-Hysterie der frühen 1980er Jahre – wie selbst ein Kind noch unter den Vorurteilen und Vorverurteilungen zu leiden hat.
So berührend und bedrückend die Ausgangssituation aber auch ist: Der Film schaut auf die Mühen eines Neuanfangs, eines Aufbruchs, und rückt in den Blick, wie sehr Kinder wachsen und über sich hinauswachsen können.
Estiu 1993.Spanien 2013. Regie: Carla Simón, 97 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 7 Jahren. Auf filmingo und Grandfilm on Demand als VoD verfügbar.
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