Lotte ja kuukivi saladus.Lettland, Estland 2011. Regie: Heiki Ernits und Janno Põldma, 75 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 5 Jahren. Bei Joyn und maxdome in der Flatrate; auf zahlreichen Plattformen als VoD verfügbar.
Molly Monster – Der Kinofilm
Bald ist es vorbei mit der Zeit als Einzelkind, aber Molly Monster ist darüber gar nicht unglücklich. Sie hat für ihr neues Geschwisterkind schon eine Mütze zur Begrüßung gestrackt, und ihr bester Freund, das Aufziehspielzeug Edison, ist jetzt schon eifersüchtig. Anders als sie es erwartet hat, darf Molly dann aber bei der Geburt nicht dabei sein – das Ei wird, wie es Tradition ist, von Papa Popo und Mama Etna, nämlich zur Eierinsel gebracht, und Molly soll daheim warten. Das lässt sich das Monsterkind aber nicht sagen, denn weil ihre Eltern auch noch Mollys Geschenk liegengelassen haben, entfleucht die junge Monsterdame ihrem Babysitter so bald als möglich und macht sich auf den Weg zur Insel.
Was sich als einfacher Zeichentrickfilm präsentiert, ist dann hinterrücks ein Feuerwerk an witzigen Ideen, flotter Musik und schräger Momente. Ganz nebenbei nimmt der Film, der auf kleinen Trickfilmminiaturen basiert, die es zum Beispiel im „Sandmännchen“ zu sehen gab, auch Geschlechterverhältnisse und überhaupt die Weltordnung aufs Korn – das wird auch für Erwachsene nicht langweilig.
Molly Monster – Der Kinofilm.Schweiz, Deutschland, Schweden 2016. Regie: Matthias Bruhn und Michael Ekbladh, 70 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 5 Jahren. Bei amazon Prime in der Flatrate; auf zahlreichen Plattformen als VoD verfügbar.
Quatsch und die Nasenbärbande
Ein Film für Kindergartenkinder, der sich mit der kapitalistischen Neigung zum Durchschnittsmenschen auseinandersetzt – das klingt so einerseits unmöglich wie andererseits fad nach erhobenem Zeigefinger. Aber Quatsch und die Nasenbärbande, da ist der Titel ganz Programm, ist zuallererst großer Quatsch und dann aber halt so im positiven Sinne durchgedreht, dass es eine Freude ist.
Das kleine Städtchen Bollersdorf wurde ist von einem Marktforschungsunternehmen als in jeder Hinsicht durchschnittlich ausgewählt. Aber das neue Zeugs, dass die Bewohner_innen testen sollen (unter anderem die grünen Frühstücksflocken „Gesock’s Korn Flakes“) munden nur den Erwachsenen, so dass sich die anarchistisch begabten Kindergartenkids und ihre Großeltern zusammentun müssen, um die Verhältnisse mal ein wenig zum Tanzen zu bringen.
Vielleicht ist der Film ein wenig zu sehr antiautoritärer Wunschtraum, aber dafür gibt es surreale und wirklich irre Momente in großer Zahl, und für Quatsch ist schon allein wegen des gleichnamigen Nasenbärs wirklich gesorgt.
Quatsch und die Nasenbärbande.Deutschland 2014. Regie: Veit Helmer, 82 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 5 Jahren. Bei Netzkino Plus und Flimmit in der Flatrate; auf zahlreichen Plattformen als VoD verfügbar.
Alfie, der kleine Werwolf
Bei Findelkindern weiß man ja nie so ganz genau, was man bekommt – Alfie lag eines Tages einfach so bei seinen Eltern vor der Tür, und jetzt, nach sieben Jahren, geschieht zum Vollmond doch auf einmal Seltsames: Es wachsen ihm ein Fell und spitze Ohren, sein Geruchssinn verändert sich ebenso wie sein Appetit… So sehr sich sein Bruder über die Verwandlung freut, endlich passiert mal was Aufregendes, so groß sind doch die Fragen: Was werden die Eltern sagen? Was die Nachbarschaft? Aber ist das alles nicht gleichzeitig wahnsinnig praktisch, wenn an der Schule gerade eine Aufführung von „Peter und der Wolf“ geprobt wird?
Vor allem in seiner komödiantischen Ausprägung wie in Teen Wolf, dem Alfie, der kleine Werwolfnatürlich mehr verdankt als nur eine vage Ähnlichkeit, steht der Werwolf als Figur natürlich nicht nur für eine Coming-of-Age-Geschichte (meist im Kontext der Pubertät, aber dafür ist Alfie noch zu jung), sondern auch als Repräsentant des Anderen, Fremdartigen, potentiell Gefährlichen. Gefährlich ist Alfie freilich nicht, außer für die Hühner des Nachbarn: Wir haben es hier ja mit einem Kinderfilm für Grundschüler_innen zu tun. Und dass er bei seinen Eltern mit dem Anderssein willkommen sein wird, ahnt man schnell, denn hier ist wenig so, wie es die heteronorme Mehrheitsgesellschaft sonst pflegt: Die Mutter arbeitet, der Vater näht und kocht daheim, gelegentlich auch mal im Kleid oder im Badeanzug seiner Frau.
Dolfje Weerwolfje.Niederlande 2011. Regie: Joram Lürsen, 89 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 6 Jahren. Bei amazon Prime in der Flatrate, auf zahlreichen Plattformen als VoD verfügbar.
Bernard & Bianca – Die Mäusepolizei
Es wirkt wie ein Filmbeginn aus besseren, ruhigeren Zeiten. Ganz am Anfang sieht man, wie ein einsames kleines Mädchen eine Flaschenpost ins Wasser wirft, irgendwo in den Sümpfen der amerikanischen Südstaaten. Über die Titelsequenz wandert die Flasche in Standbildern durchs Wasser hin nach New York, und dann, zu aufbauender, Sicherheit suggerierender Musik steht da das Gebäude der Vereinten Nationen. Mit den Delegierten aus der ganzen Menschenwelt reisen auch kleinere Begleiter von überall her an: Es trifft sich die „Rettungshilfsvereinigung“ der Mäuse, als Antwort auf den Hilferuf in der Flasche muss jemand aufbrechen, die kleine Penny zu retten!
Der Rest ist Filmgeschichte, Wolfgang Reithermans letzter Film nach, unter anderem, Die Hexe und der Zauberer, Aristocatsund natürlich Das Dschungelbuch. Bernard & Bianca – Die Mäusepolizeiist ästhetisch womöglich nicht so anspruchsvoll und einfallsreich wie frühere Disney-Filme, aber die Sümpfe sind düster, die Bösewichte reichlich grotesk. Selten vor allem lassen sich Filme aus dem Hause Disney so viel Zeit, die Angst und Not eines einsamen Kindes wirklich darzustellen und auszuloten. Die beiden Protagonist_innen – der zaudernde Hausmeister Bernard, immer abergläubisch und dann doch sehr mutig, und die forsche, abenteuerlustige Agentin Bianca – sind aus heutiger Sicht fast etwas altmodisch, aber doch bezaubernd: Keine mausischen Superheld_innen, sondern einfach ein paar Mäuse, die tun, was getan werden muss. Und nach einer Flugreise mit Albatros Orville kann einen ja sowieso nichts mehr schrecken.
The Rescuers.USA 1977. Regie: Wolfgang Reitherman, 78 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 6 Jahren. Bei Disney+ in der Flatrate, auf zahlreichen Plattformen als VoD verfügbar.
Ein Film fast aus einer anderen Zeit. Das Leben als langer, breiter, nicht immer besonders ruhiger Fluss… Johanna, Robert, Alex und Harald sind in den Ferien bei ihrem Großvater zu Besuch, die Eltern anderweitig unterwegs. Die Kinder klauen das kleine Boot des Opas und fahren los, immer die Weser hinab, mit dem Ziel: das Meer. Das Huhn soll den Klabautermann abschrecken.
Weil der Großvater seinen Kindern nicht beichten mag, dass ihm die Enkel abgehauen sind, fährt er hinterher. Es bildet sich ein geruhsames Katz-und-Maus-Spiel, noch ganz ohne digitale Technologie, wir schreiben schließlich die frühen 1980er Jahre. Arend Agthe hat hier das Gefühl eines Kindersommers in völliger Freiheit festgehalten als Abenteuerfilm mit Militär und ein bisschen Gefahr; mit gelben Telefonzellen und grün-weißen Polizeiautos ist es zugleich unwissentlich ein Abgesang auf die beschaulich-behäbige Bonner Republik.
Flussfahrt mit Huhn.Bundesrepublik Deutschland 1984. Regie: Arend Agthe, 103 Minuten. FSK 0, empfohlen ab 6 Jahren. Kostenlos bei filmfriend , in der Flatrate von kividoo und alleskino , auf zahlreichen Plattformen als VoD verfügbar.
Читать дальше