Reisen nach dem Tod
Nach der Köpfung 44 wurde Jakobs Leichnam schnell, schnell ans Meer gebracht, sieben Tage geschifft, einem Meerungeheuer der Garaus gemacht, und schon war der Tote an den Gestaden Nordspaniens. Sieben Tage vom Mittelpunkt der Welt in Jerusalem bis zum Ende derselben. Was der Meister konnte, das schafften der Lehrling und seine Lehrlingslehrlinge doch allemal!
Jakobs Körper wurde auf einen Stein gebettet. Und der sank in denselbigen ein. Ein Wunder! Die Nachricht wiederum eine ganz glasklare. Hier, im schönen Spanien, möchte ich begraben sein! Und ein paar sture Ochsen später ist auch schon die letzte Ruhestätte gefunden. Und dann hörte man vom Jakob für gute 800 Jahre nichts mehr. Aber nach so viel Aufregung braucht man auch ein bisschen Ruhe.
Wie kommt der Jakob zu seiner Muschel?
Schon bei seiner Ankunft machte der Jakob die Pferde scheu. Eines davon galoppierte voller Panik ins Wasser und versank in den Fluten. Was ja an sich noch kein allzu großes Problem wäre. Wäre da nicht noch der Reiter auf dem Pferd. Doch, Wunder über Wunder, beide tauchten unversehrt wieder auf und waren über und über mit Muscheln bedeckt. Und wie wir alle aus Monty Pythons „Leben des Brian” wissen, brauchen wir alle Zeichen, die gegeben werden müssen. Und so eine Muschel war doch ein Zeichen, ein schönes sogar, oder? Und daher schmücken sich noch heute die Jakobs-Pilger mit einer Muschel.
Ein Heiliger muss her!
Die Länder Galizien und Asturien waren um 800 kaum oder gerade christianisiert und die bösen Muselmanen auf dem Vormarsch gen Norden. Da konnte ein wenig Unterstützung von ganz oben nicht schaden. So scheint man wohl gedacht zu haben. Und solange nur ein paar Bauern aus Galizien zum Jakob pilgern, war es ziemlich egal, ob Jakobs Reliquien wirklich ganz echt waren. Erst als ab 1000 nach Jesus auch „Zuagroaste” neugierig wurden, musste ein bisschen Fett auf die knochige Geschichte. Jakob wurde stark gemacht für die Christenwelt.
Hallo, Pelayo, hier bin ich!
Wie wir glauben und wissen, sind Heilige immer selbst für das Wiederauftauchen ihrer irdischen Überreste verantwortlich. Aber dazu braucht es Mittler und Helfer. Unschuldige Kinder oder dürre Asketen tun da gute Dienste. Warum hatten eigentlich noch nie Manager oder Politiker Erscheinungen? Diskriminierend. In Galizien war der Asket Pelayo gefragt und gefordert. Friedlich und einsam wohnte er sein Eremitendasein. Und Jakob wollte seine Gebeine gefunden haben. Ein Traum, ein paar über den Himmel gejagte Lichtzeichen, ein paar Gesänge, drei Tage Fasten und schon ward Jakob in einem Sarkophag gefunden und damit wieder in aller Munde.
Die Inszenierung des langen Marsches ans Ende der Welt konnte beginnen, und die Erklärung Jakobs zum Schutzpatron Spaniens war da nur mehr eine reine Formsache. Sogar der Papst ließ sich nicht lumpen und bestätigte aus dem fernen Rom die Echtheit der Knochen.
Wunder über Wunder
So richtig „in” war ein mittelalterlicher Wallfahrtsort aber erst, wenn er ganz nonchalant ein oder ein paar Wunder vorweisen konnte. Und der Jakob zeigte sich für sein Comeback ins religiöse Rampenlicht recht spendabel. 22 waren es auf die Schnelle. Heute dürften es noch viel mehr sein. Und dass seit dem Neuen Testament die Wunder dem Chef und seinem Sohn vorbehalten sind, also solche kirchliche Spitzfindigkeiten konnten ja nicht wirklich Allgemeingut der einfachen Gläubigen werden.
Die kultigen Kelten
Wie war es da praktisch, dass die Kelten schon solide Vorarbeit geleistet und den Weg bereits vor langer Zeit markiert hatten. Zumindest die Stellen mit viel Energie. Schnell weg damit und eine Kirche oder ein Kloster darüber gebaut. Und ab!
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.