Matto fiel glatt die Kinnlade herunter. „Benny hat recht, du bist und bleibst, `ne kleine Metze!“
Amanoue sah ihn empört an und schubste ihn hart. „Und du, bist und bleibst, eine böde Arsch!“, keifte er und stapfte wütend mit Maid im Schlepptau, davon.
Gleich nachdem er das Pferd versorgt hatte, verabschiedete er sich noch von Brac und schlenderte zum königlichen Zelt. Auf dem Weg dorthin begegnete er Falco, der das gleiche Ziel zu haben schien. Amanoue grüßte ihn freundlich, doch Falcos Gruß fiel wesentlich kühler aus. „Scheint ja wieder alles zum Besten zu stehen, zwischen dir und seiner Majestät“, meinte er bissig.
„In der Tat, er war sehr standhaft, gestern“, gab Amanoue zynisch zurück und Falco schüttelte angewidert seinen Kopf.
„Jetzt ist mir auch klar, warum er so müde war, den ganzen Tag über“, spottete er zurück. „Er machte einen echt ausgelaugten Eindruck, heute! Hast ihm mal wieder alles abverlangt, um auf deine Kosten zu kommen, was?“
„Oh, isch bin auf meine Kosten gekommen, macht Eusch keine Sorgen darüber“, konterte Amanoue überheblich, „und das werde isch `eute Nacht bestimmt, auch! Er ist so eine gute Lieb`aber und kennt keine Tabus, um misch glücklisch su machen, im Gegensads su Eusch“, sagte er hämisch.
Falco packte ihn am Arm und hielt ihn hart fest. „Du elendes Miststück!“
Amanoue sah gelassen auf seinen Arm. „Lass misch sofort los, oder isch serkradse dir deine Gesicht“, drohte er ihm wütend.
Falco riss ihn grob an sich und stieß ihn heftig wieder von sich, so dass Amanoue rücklings hinfiel. „Du bist ein widerliches Dreckstück, mehr nicht! Und dabei hatte ich noch fast Mitleid mit dir, als er dich neulich so erniedrigt hat!“, sagte Falco kopfschüttelnd. Einige Soldaten waren bereits auf sie aufmerksam geworden und starrten neugierig zu ihnen hinüber, darunter auch Mati. „Ist es das wenigstens wert? All die Demütigungen, denen er dich aussetzt? Für deine schönen Gewänder, die er dir schenkt und dich des Nächtens befriedigt? Du tust mir einfach nur leid“, zischte Falco kopfschüttelnd.
Amanoue rappelte sich auf und sah spöttisch zu ihm hoch. „Er befriedigt misch wenigstens und es macht ihm auch noch Spaß, genau wie mir! Du, warst ja dasu nischd fähig, oder `at die `err `auptmann es vielleischd auch mal wieder nötig? So eine Pech, aber auch, dass Ihr nischd die Gelegen`eit dasu `abt, Eusch `eimlisch an mir su vergreifen, so, wie Ihr es sonst immer getan `abt“, giftete er zurück und traf damit voll ins Schwarze. Falco taumelte regelrecht für einen Moment, doch dann machte er einen drohenden Schritt auf Amanoue zu. Er streckte bereits die Hand nach ihm aus, aber da war Mati schon zur Stelle und stellte sich zwischen sie.
Er hielt Falcos Arm fest und stemmte sich gegen ihn. „Nicht, Falco“, raunte er eindringlich, „sie schauen schon alle herüber! Der ist es doch gar nicht wert!“
Falco senkte kurz seinen Blick, schnaufte tief durch und nickte. „Du hast recht! Er ist es nicht wert“, erwiderte er, wandte sich ab und marschierte weiter, auf das königliche Zelt zu.
„Auf was, wartest du noch? Mach, dass du ins Zelt deines Herrn kommst!“, blaffte Mati Amanoue grob an, „und lass Falco endlich in Ruhe! Hast du nicht schon genug angerichtet? Wegen dir, ist er nicht mehr, er selbst! Er ist mein bester Freund, doch ich kenne ihn kaum wieder! Er leidet wegen dir, Höllenqualen, Tag und Nacht! Und jetzt verschwinde, du Miststück, bevor ich mich vergesse und dir den Hals umdrehe!“, sagte er beinahe hasserfüllt, spuckte aus und stampfte zurück zu seiner Truppe.
Amanoue war den Tränen nahe, vor Wut und auch, vor Trauer. Er erhob sich, strich sich die schöne Tunika glatt und marschierte in Richtung Zelt. Kurz davor machte er jedoch wieder kehrt und stapfte wütend zurück zu Bracs Lagerplatz. „Was war `n wieder los, da eben, zwischen dir und dem Hauptmann?“, fragte Finn neugierig. Außer ihm, waren nur noch Brac und Benny anwesend.
„Ach nischds!“, gab Amanoue unwirsch zurück und setzte sich neben ihn. „`abt ihr Birr?“
„Leider nicht“, antwortete Brac, „aber Wein, wenn du welchen möchtest?“
„Besser, als nischds“, erwiderte Amanoue, „kann isch eine Bescher `aben?“
Brac nickte nur und holte den Weinschlauch. Er schenkte zwei Becher voll und reichte einen davon Amanoue, der wütend vor sich hinstarrte. „So eine blöde Arschloch“, murmelte er und trank hastig, „was mischt der sich eigentlisch ein?“
„Wer?“, fragte Brac.
„Diese blöde Mati!“, zischte Amanoue zu ihm hoch.
„Naja“, meinte Finn, „sei doch froh, dass er sich eingemischt hat. Es sah fast so aus, als wollte dir der Hauptmann an den Kragen gehen! Mein lieber Freund, wenn der dich erwischt hätte! Von hier aus, sah es so aus, als wäre er verdammt wütend gewesen, auf dich!“
„Na und? Isch war auch wütend und mit dem wäre isch schon fertig geworden, wäre ja nischd die erste Mal gewesen, pah!“, prahlte Amanoue schnippisch und trank erneut einen Schluck. „Ist gar nischd so schlescht“, sagte er, den Becher anerkennend hochhebend. „Der schmeckt anders, als sonst!“
„Das ist auch ein anderer Wein“, bestätigte Brac und grinste ihn versöhnlich an. „Der ist aus dieser Gegend hier! Hier bauen sie guten Wein an, schon seit der Römerzeit! Das macht das milde Klima hier aus, am Rhenus, weißt du?“
Amanoue nickte kurz zu ihm hoch und blickte dann gleich wieder, nicht gerade begeistert wirkend, vor sich hin. „Isch, soll ihn, in Ru`e lassen, ph! Soll der misch doch, in Ru`e lassen“, maulte er eingeschnappt.
„Falco? Geh ihm doch einfach, aus dem Weg“, meinte Brac, legte seine große Pranke auf Amanoues Schulter und tätschelte ihn sanft tröstend.
„Ach! Und wie?“, fuhr Amanoue ihn an und der gutmütige Mann trat überrascht zurück.
„He! Ich meinte es nur gut“, sagte er leicht beleidigt.
„Ist ja rescht, entschuldige bitte“, erwiderte Amanoue wesentlich sanfter. „Aber isch war so wütend, auf sie beide! Falco be`andelt misch wie eine Aussädsige und beleidigt misch ständig! Isch `abe es so satt, mir von eusch immer eure Beleidigungen ansu`ören! Manschmal denke isch, dass isch in eure Augen immer noch nischds weiter bin, als `enrys `urensklave!“, brummte er, sie reihum ansehend.
„Das bist du doch auch“, gab Benny spöttisch zurück. „Oder meinst du tatsächlich, du könntest jemals, zu uns gehören? Du darfst doch nur mit uns mitreiten, weil seine Majestät es befohlen hat! Und außerdem sollen wir alle recht nett und freundlich, mit dir umgehen“, sagte er genüsslich, allerdings steckte er sich gleich danach einen Finger in den Hals und würgte gespielt.
Amanoue schluckte schockiert und stand sofort auf. „Was soll denn das?“, rief Brac dazwischen und hob beide Hände. „Setz dich wieder und du, Benny, hältst dein Maul!“
„Lass nur, Brac“, erwiderte Amanoue schnippisch. „Isch `abe schon verstanden!“
„So ein Blödsinn“, warf Finn genervt ein und zog ihn am Ärmel. „Niemand, von uns, denkt so über dich und das weißt du auch! Jedenfalls, die meisten“, brummte er vorwurfsvoll zu Benny hin. „Ich finde es echt zum Kotzen, wenn ihr dauernd streitet, ehrlich Mann!“
„Isch will es ja gar nischd“, sagte Amanoue gereizt, „aber er, fängt doch dauernd an! Ständisch, `ackt er auf mir `erum! Das, finde isch, ehrlisch, scheiße Mann!“
„Setz dich wieder und jetzt ist Schluss“, raunte Brac und drückte ihn zurück auf den Hocker. Er schenkte ihm nach und stieß versöhnlich mit ihm an.
„Immer, seid ihr auf seiner Seite“, heulte Benny da plötzlich los. „Egal, was ist oder was er tut oder sagt! Jedes Mal, bin ich dann schuld und der Böse! Das habe ich auch satt! Wenn er nicht da ist, ist alles in bester Ordnung, doch sobald er auftaucht, seid ihr alle komplett verändert! Alles, dreht sich dann nur noch, um ihn! Du verdammtes Miststück!“, schrie er Amanoue keifend an und rannte weinend davon.
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