Die schiefe Turm von Pisa.
Anschließend fuhren wir durch Norditalien zum Hotel Monte Pizzo, indem wir unsere erste Nacht verbringen würden. Geduscht und in frischen Klamotten trafen wir Siggi an der Rezeption, der uns die beste Pizzeria des Ortes anpries. Wir folgten seine Empfehlung. Weinflaschen umrahmten uns in zahlreichen Regalen. Bei Pizza und Rotwein erzählte uns Siggi weitere Geschichten. Nach dem Essen konnte ich mein Verlangen Denis Stimme zu hören nicht mehr kontrollieren und verzog mich in eine ruhige Gegend, wo ich ungestört mit ihm reden konnte. Zunächst sprang der Anrufbeantworter ein, doch dann schaltete sich Denis dazwischen. Wir vermissten uns unendlich. Diese Zeit müssten wir jedoch überstehen, da es kein Zurück mehr gab.
Kai und René waren inzwischen dabei, sich für die Disco fertig zu machen. Durch meine Sehnsucht nach Denis war mir nicht danach, deshalb saßen wir noch eine Weile am Empfang, bis die beiden aufbrachen.
In den frühen Morgenstunden fuhren wir nach Florenz weiter. Ich war heute innerlich leicht gereizt, was meine beiden Kameraden betraf. Wenn ich filmte, reagierten sie angemessen und ansonsten interessierten sie sich nur für Titten und Ärsche.
Jede Tussi wurde begafft. Entweder hatten die beiden noch nicht die nötige Reife oder sie verstanden es nicht, sich in gewissen Situationen zu beherrschen. Das störte mich. So wanderten wir - leicht verstimmt - durch Florenz. Am Platz der Santa-Maria-Kathedrale fielen mir viele schwule Pärchen auf, die entlang der Mauern spazieren gingen. Ich träumte davon, wie schön es wäre mit Denis hier zu sein.
Kai und ich pilgerten durch angesagte Modegeschäfte, um neue Impressionen für unsere Looks zu holen. René begleitete uns ziemlich bereitwillig. Zu einer neuen Sonnenbrille ließ ich mich überreden. Aber die brauchte ich auch, da die andere langsam out war und brüchig wurde. Abends fuhren wir in ein weiteres Hotel, welches wir die nächsten drei Nächte beziehen würden. Die Zimmer waren ungemütlich und kühl. Kai und René standen stundenlang auf dem Balkon, um die Mädels im gegenüberliegenden Nachbarhotel zu begaffen.
Getrieben von Hunger und Durst suchten wir ein gemütliches Restaurante auf. Das Lokal war restlos überfüllt. Meine beiden Mitstreiter hatten keine Geduld auf einen freien Platz zu warten. Ich schickte sie weiter und setzte mich an einen Tisch, an dem zwei Indonesien aus unserer Reisegruppe saßen. Wir unterhielten uns angeregt über unsere unterschiedlichen Kulturen. Nachdem ich gespeist hatte, beglich ich die Rechnung und zog mich zurück. Meine beiden Freunde hatten in der Zwischenzeit ein schlechtes Gewissen bekommen und kehrten auch recht bald ins Hotel zurück.
Pünktlich begann unsere Tour nach Rom. Es war nach London und Paris eine weitere europäische Hauptstadt, die ich unbedingt sehen wollte. Gut gelaunt pilgerten wir zur Spanischen Treppe. Da ich mein Mikrofon vergessen hatte, musste ich die Vor Ort-Sendung für Familienportraet kappen, die ich dort produzieren wollte.
Die Luft war trocken und die Sonne brannte, als wir den Petersplatz erreichten. Papst Johannes Paul II.{15} sollte hier in ein paar Minuten seine Osterpredigt abhalten. Ein alter Mann trat ans Fenster des Vatikanpalastes und begeisterte mit seinem Erscheinen die Massen zu seinen Füßen.
Nach der Andacht zogen wir durch die City, bis wir das Colloseum erreichten. So gewaltig wie ich es aus Lexikas, Reiseführern oder Geschichtsbüchern kannte, erschien es mir gar nicht. Der Platz und der im Zentrum stehende Konstantinbogen wirkten dafür umso gigantischer. Gut konnte man sich mit diesen Bildern die römische Vergangenheit vorstellen.
Zwischendurch schrieb ich zahlreiche Karten an Verwandte und Freunde. Den Abend verbrachten wir in Fiuggi, unserem Übernachtungsort, und diesmal gemeinsam. Während die anderen noch einen Abendspaziergang machten, verzog ich mich in unser Hotelzimmer um in Gedanken an Denis zu schwelgen.
Wir entschieden uns kurzfristig, an diesem Tag die Tour nach Neapel mitzumachen. Unsere Reise würde uns zum aktiven Vulkan Vesuv und der von Lava verschütteten Stadt Pompeij führen.
Es war beeindruckend, welche Spuren der Vulkan in seinen schlimmsten Zeiten hinterlassen hatte. Der alte Krater umringte den neuen, kleineren im Inneren. Heiße Dämpfe stiegen aus der Tiefe herauf. Mystische Atmosphäre kam auf. Da wir uns in mitten einer Wolke befanden, war die Sicht über Neapel gedämpft. Die antike Stadt Pompeij war unser nächstes Ziel.
Wir bestaunten die Überreste der alten Zeit und regten uns über den Reiseführer auf, der jeden seiner Sätze mit „Schauen sie dort...“ begann. Der Tag war nicht so aufregend wie die vergangenen und so gingen wir zeitig zu Bett.
Kai, Tilo & René am Krater des Vulkans Vesuv.
In aller Frühe verließen wir Fiuggi, um zu unseren letzten Zielen der Italienreise nach Venedig und zur Mittelmeerküste aufzubrechen. Venedig erstrahlte mit viel Sonne und der Charme
der Stadt war noch schöner als bei meinem letzten Besuch vor zwei Jahren, als ich mit Ronda und Janosch hier vor Ort war. Nun eroberte ich mit meinen Bundeswehrfreunden die Lagunenstadt. Wir durchzogen abermals die engen Gassen und wanderten zur Rialtobrücke, welches neben dem Markusplatz unser einziges Ziel war. Durch die Hitze waren wir lieber auf Eis und ein wenig Ruhe aus. Deshalb setzten wir uns ans Ufer des Canale Grande und aßen das bisher teuerste Eis unseres Lebens.
Am Abend erreichten wir Jesselo, einen Badeort direkt am Mittelmeer, wo wir unsere letzte Nacht in Italien verbringen würden. Mit frischen Klamotten gingen wir ins Nachbarhotel, um Siggi zum Abendessen abzuholen. Er führte uns zum letzten Mal in eine gute Pizzeria, die über alle italienischen Delikatessen verfügte. Siggi scherzte heute Abend. Wir mussten ständig lachen, während wir uns die Bäuche vollschlugen, sodass wir kaum noch Luft zum Atmen bekamen.
Die Rückkehr nahte. Endlich würde ich meinen Denis wiedersehen und wir könnten unsere erste gemeinsame Nacht miteinander verbringen.
Das Klingeln meines Handys riss mich aus den Gedanken. Wir waren bereits in Deutschland und hatten wieder Empfang zum nationalen Funknetz. Bereits auf dem Display konnte ich erkennen, dass es Markus war. Mir schoss gleich
mein letztes mysteriöses Telefonat mit Marén in Kopf, die mir erklären wollte, dass sie bei ihrem Liebhaber wäre. Ich merkte schon an Markus‘ Stimmung, dass irgendetwas nicht stimmte. Ich fragte, ob Reni wieder aus Hamburg zurückgekehrt sei. Sie sei zurück, aber das sei auch das einzige Gute, erklärte er. Als ich ihn fragte, was denn passiert sei, sollte ich raten, was geschehen ist. Ich tippte auf Beziehungsstress, da ich zunächst nicht vom Schlimmsten ausgehen wollte. Doch es war Schluss und diesmal sei alles endgültig. Ich war schockiert. Nun endete also die Beziehung, die vor genau fünf Jahren so dramatisch begonnen hatte, wie sie nun endete. Wir hatten in all den Jahren so viel miteinander erlebt und nun sollten sich unsere Wege trennen?
Zu Hause lag ein Fax von Denis: „Herzlich willkommen Weltenbummler! Ich habe Dich wahnsinnig vermisst und freue mich schon sehr auf unser Treffen. Bis morgen, sei liebt gedrückt von Deinem Denis.“
Erste gemeinsame Nacht mit Denis.
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