Uwe Heit - In deutschen Zeiten

Здесь есть возможность читать онлайн «Uwe Heit - In deutschen Zeiten» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

In deutschen Zeiten: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «In deutschen Zeiten»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

"In der schlechten Luft des Krankenhauses, unter Schmerzen, vollgepumpt mit Medikamenten wurde mir plötzlich klar, dass ich Schriftsteller werden würde. Der größte aller Zeiten."
Irgendwann in den späten 70er-Jahren irgendwo in der DDR beschließt Frank Grunwald zu schreiben. Über die Plattenbauten und die Lehrlingsbrigade in der Provinz, über den Hafen und das Arbeiterwohnheim in Rostock. Über den Braunkohletagebau und Leipzig, die verfallende Stadt. Über die Revolution von 1989 und die mühsamen Versuche eines Neuanfangs.
Uwe Heits Roman ist ein Parforceritt durch den Untergang eines Staats und eine ebenso tragische wie absurd-komische Geschichte vom Scheitern eines Menschen an der Geschichte und an sich selbst.

In deutschen Zeiten — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «In deutschen Zeiten», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Abendschule

Ich hatte mich entschlossen, neben der Arbeit im Wald das Abitur zu machen. An der Abendschule. Einer meiner Mitschüler war Kurt, ein junger, sehr korrekter Mann mit altmodischer Brille. Er wollte nach dem Abitur Koch in der Nationalen Volksarmee werden. Keiner in unserer Klasse verstand seinen Wunsch: Wir waren der Meinung, dass eine Karriere als Koch in der NVA keine Karriere war. Kurt arbeitete als Koch in einer heruntergekommenen Gaststätte der Altstadt, deren Hilfskoch auch während der Arbeit trank. Ihn im Sinne des sozialistischen Kollektivs zu erziehen, war keine einfache Aufgabe für Kurt. Vielleicht wollte er deshalb einen Arbeitsplatz mit klaren Strukturen und eindeutiger Befehlsgewalt. Unser Mitschüler Olaf war ein schlaksiger, gutmütiger junger Mann. Er war Tischler und Mitglied einer kleinen kirchlichen Gemeinde. Olaf erzählte uns gern, wie Mitglieder seiner Gemeinde zum christlichen Glauben gefunden hätten. Mit leuchtenden Augen berichtete er von einer jungen Frau, die täglich achtzig Zigaretten geraucht und hemmungslosen Sex gehabt hätte, bis sie durch ihn zum christlichen Glauben und zur Enthaltsamkeit bekehrt worden sei. Olaf war seit Jahren auf der Suche nach einer Frau für die Ehe. Natürlich sollte sie Mitglied seiner Glaubensgemeinschaft sein, was seine Wahl erheblich einschränkte. In unserer Stadt kamen für ihn nur zwei Mädchen infrage. Er charakterisierte beide in einer Weise, die es klar an christlicher Nächstenliebe fehlen ließ, und blieb auch nach den Protesten der Mädchen unserer Abendklasse dabei. Notgedrungen suchte er ein heiratswilliges Mädchen in anderen Gemeinden der DDR. Er fuhr mit seinem Motorrad in den Süden, in den Norden, nach Osten und Westen, ans Meer und in die Berge. Überall wurde er enttäuscht. Olaf schimpfte wochenlang über das Treffen mit einer verdorbenen, sündigen Glaubensgenossin, bei deren Anblick er nach einer Fahrt von dreihundert Kilometern sofort das Motorrad gewendet und wieder nach Hause gefahren sei. Das Mädchen habe sich die Lippen geschminkt! Seine künftige Ehefrau sollte unbedingt noch eine weitere Leidenschaft mit ihm teilen: die Liebe zum Seeadler in Mecklenburg. Durch die Schädlingsbekämpfungsmittel der Landwirtschaft, deren Gift durch Beutetiere auch in den Körper des Adlers gelangte, war der Vogel fast ausgestorben. Olaf widmete sich in seiner freien Zeit den letzten mecklenburgischen Adlern. Tagelang beobachtete er mit einem Fernrohr den letzten bewohnten Adlerhorst in unserem Landkreis. Nie, nie, niemals würde er dessen Platz verraten, versicherte er uns. Uta war eine muntere Rothaarige. Sie stellte sich der Klasse mit dem Satz vor: »Ich bin die Müllerin!« Sofort sah ich Uta vor mir, wie sie mehlüberstäupt und keuchend riesige Mehlsäcke durch eine Mühle schleppte. Tatsächlich arbeitete sie als Buchhalterin in einer Getreidemühle. Uta fragte mich am ersten Tag, ob wir nicht zusammen Schularbeiten machen wollten. Wir standen auf dem Flur der Abendschule und sie presste ihre Hüfte gegen meine. Uta verließ die Klasse nach einem Streit mit Herrn Schulz, dem Direktor der Abendschule, der auch unser Russischlehrer war. Wir Schüler waren bestürzt von der Nachricht, dass wir auch das Fach Russisch haben würden. Alle waren der Meinung, dass wir schon genug sinnlosen Russischunterricht gehabt hätten. Sogar Kurt äußerte diese Meinung, wenn auch nur leise. Immerhin wollte er fünfundzwanzig Jahre in der Armee dienen. Herr Schulz war ein sehr großer, sehr schlanker Mann mit spiegelblanker Glatze; ein Mann mit sehr aufrechter Haltung: Herr Schulz behauptete, Russisch sei die künftige Weltsprache auf allen Kontinenten. Wir hielten dagegen, dass wir Russisch in unserem Alltag nicht anwenden konnten, dass wir als Ausländer den größten Teil der Sowjetunion nicht bereisen durften und die Sprache in den anderen sozialistischen Ländern sehr unbeliebt war. Der Direktor sagte sehr vorwurfsvoll, Russisch sei die Sprache von Puschkin und Tolstoi. Es war schon erstaunlich, dass wir es überhaupt wagten, mit ihm über den Sinn dieses Unterrichtsfachs zu diskutieren. Wir unterlagen dem Irrtum, dass berufstätige Erwachsene eine eigene Meinung vertreten durften. Der Direktor befreite uns davon, indem er knapp erklärte, dass wir die Sprache der Sowjetunion beherrschen müssten, wenn wir das Abitur absolvieren wollten. Kurt, der zukünftige Offizier, hatte zu diesem Zeitpunkt längst nichts mehr gesagt. Olaf, als Mitglied einer geduldeten kirchlichen Gemeinde in der DDR, hatte gar nicht erst mit dem Direktor diskutiert. Uta war die einzige Schülerin, die den Sieg der russischen Sprache in der Welt nicht akzeptierte. Sie diskutierte gern und wusste nicht, wann man aufhören musste. Herr Schulz interpretierte das Schweigen der anderen als Zustimmung und sagte etwas zu ihr, was die meisten von uns so oder ähnlich längst von ihm erwartet hatten. »Es drängt sich mir die Frage auf, ob Sie an diesem Ort richtig aufgehoben sind.«

Unser Deutschlehrer war Herr Backhaus, ein kleiner, gütiger Mann mit rundem, rotwangigem Gesicht, ein Pädagoge, wie geschaffen für den Beruf. Er war Direktor an meiner Grundschule gewesen, bevor er viele Jahre als Hilfsarbeiter in einer Fabrik zur Herstellung von Briketts gearbeitet hatte. Ein ehemaliger Mitschüler von mir, Detlef Pieckowna, war nicht unschuldig daran gewesen, dass Herr Backhaus Hilfsarbeiter geworden war. Detlef war zunächst so unauffällig gewesen, dass andere Kinder in der Klasse nicht einmal über sein Aussehen spotteten. Lehrer wurden erst auf ihn aufmerksam, wenn wieder einmal feststand, dass Detlef der beste Schüler der Klasse war. Dann wurde er dreizehn Jahre alt und Hormone veränderten seinen Körper. Detlef entdeckte die Liebe. Viele verlieben sich mit dreizehn, die meisten in andere junge Menschen. Detlef verliebte sich in Waffen. Soldaten hatten viele Waffen in den Wäldern, den Seen, in den Flüssen und Teichen unserer Gegend zurückgelassen, besonders am Ende des letzten Weltkriegs. Detlefs Vater, ein Lehrer, verbot seinem Sohn das Spielen mit Waffen, aber was kann ein Vater machen gegen die erste große Liebe eines Dreizehnjährigen? Detlef sammelte Waffen, kaufte sie sogar, von Sowjetsoldaten, die Bilder von nackten Frauen haben wollten. Eines Tages fragte ich ihn, ob er den alten Revolver kaufen wolle, den ich beim Ausschachten einer Sickergrube gefunden hatte. Er antwortete mir: »Ich kaufe nur noch Waffen der Wehrmacht.«

Detlef hatte sich in kurzer Zeit sehr verändert. Die Liebe hatte ihn verändert. Seine Leistungen in der Schule hatten sich verschlechtert. Und Detlef hatte endlich Freunde gefunden. Schüler, die ihn früher verprügelt hatten. Seine Haare waren kurz, raspelkurz. Schließlich kam er an einem warmen Tag in einer Tarnjacke der SS mit einem Hakenkreuz in weißer Farbe auf dem Rücken in die Schule. Detlef wurde in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Seine Freunde behaupteten, Detlef sei der Führer gewesen. Ihr Verführer. Er habe sie verführt zu Schießübungen im Wald und Heil-Hitler-Geschrei im Kinderzimmer. Unser Klassenlehrer wurde deswegen entlassen. Auch der Staatsbürgerkundelehrer der Schule. Herr Backhaus als Direktor. Detlefs Vater, der Lehrer, ebenso. Einige Lehrer der Schule, die beweisen konnten, dass sie Detlef nie beachtet hatten, durften an Schulen in fernen Dörfern weiter lehren. Nach einigen Jahren wurde Detlef aus der Klinik entlassen. Jetzt ging er mit schnellen Schritten, unnahbarem Gesicht und zackigen Kommandos für seinen Deutschen Schäferhund durch die Stadt. Manchmal erlaubte sich jemand, der ihn von früher gut kannte, einen Spaß und fragte ihn, wie viel Sprengstoff man benötige, um dieses oder jenes Gebäude der Stadt zu sprengen. Detlef rechnete dann sofort die Menge im Kopf aus. Nach der Vereinigung beider deutscher Staaten würde er als ein Opfer der SED-Diktatur eine kleine Rente erhalten.

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «In deutschen Zeiten»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «In deutschen Zeiten» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «In deutschen Zeiten»

Обсуждение, отзывы о книге «In deutschen Zeiten» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x