Er überlegte Schneider anzurufen, um ihm eine Geschichte zu einem Bestätigungstest für ein serologisches Ergebnis aufzutischen. Aber am Telefon konnte Schneider vielleicht Fragen stellen, auf die er nicht vorbereitet war. Besser, er würde Schneider eine E-Mail mit dieser Anfrage schicken. Sollte Jörg davon Wind bekommen, konnte Harald sich immer noch herausreden, dass er Schneiders Adresse zufällig gefunden und den Patientenstamm sicherheitshalber noch einmal von dritter Seite serologisch bestätigen lassen wollte. Das klang unverfänglich.
Harald schraubte die Büchse mit den sterilen Impfösen auf und beimpfte zwei Versandröhrchen mit den EHEC-Stämmen. Wenn Schneider einverstanden war, würde Harald das Päckchen eigenhändig zur Poststelle des Instituts bringen, damit Jörg nicht von seinen Außenkontakten Wind bekam.
Als Leo Schneider nach einer schlecht verbrachten Nacht gegen acht Uhr seinen Arbeitsplatzcomputer hochfuhr, fiel sein Blick auf die lange Liste neuer E-Mails, die sich seit gestern Abend angesammelt hatten. Dreißig davon hingen mit dem Ausbruch zusammen, aber keine war von Seiboldt. Schneider begann, die Nachrichten eine nach der anderen zu lesen.
Die ersten Anfragen besorgter Bürger trafen ein, wie immer, wenn in der Presse über Infektionen berichtet wurde. Die Menschen waren verunsichert und wollten Informationen, wie sie sich verhalten sollten. Irgendwann würden einige auch seine Telefonnummer ermitteln und ihn beschimpfen, wenn er ihre Ängste nicht zerstreuen konnte.
Eine E-Mail stammte aus dem RPI mit den aktuellen Zahlen zu dem Ausbruch. Die Anzahl der Neuerkrankungen war bereits auf siebenundsechzig gestiegen, auch Fälle von Nierenversagen nahmen zu. Neben Brunsbüttel waren jetzt auch andere Orte in Schleswig-Holstein betroffen. Eine so rapide Ausbreitung einer EHEC-Infektion hatte Schneider bisher noch nie erlebt.
Dann gab es eine Rundmail von Frau Gack, die nur aus einer kryptischen Betreffzeile bestand: Treffen mit LWA betr. Telko, 9.5., 10:00, S25. Gemeint war ein Treffen mit dem Leiter der Wissenschaftsadministration, Professor Vogel am 9.5. um zehn Uhr im Raum S25, wo über die Ergebnisse der Telefonkonferenz berichtet werden sollte. Erstaunlich wie Leute, die alle Zeit der Welt hatten, sich in einer Kürzelsprache ausdrückten, um einen Eindruck ihrer Arbeitsüberlastung zu vermitteln. Was die Telefonkonferenz betraf, konnte Schneider sicher sein, diese beiden Köche würden ihm ein Fertiggericht vorsetzen, in dem die ursprünglichen Informationsbestandteile kaum mehr erkennbar waren. Er hätte gerne darauf verzichtet.
Eine Mail mit dem Vermerk „ Bitte um Bestätigungstest EHEC-Serologie“ erweckte seine Aufmerksamkeit. Sie war erst spät abends abgeschickt worden. Den Absender, Harald Pütz, kannte Schneider nicht. Es ging um die Überprüfung eines serologischen Ergebnisses bei zwei EHEC-Stämmen zu Forschungszwecken. Als Schneider die Adresszeile las, war er überrascht. Pütz arbeitete am Exzellenzinstitut in Kiel in der Arbeitsgruppe Puster. Mit Puster war der Kontakt seit dem Zerwürfnis seinerzeit abgebrochen. Vielleicht war Pütz neu bei Puster und wusste nichts von alledem. Schneiders Neugier war geweckt. Er würde Pütz morgen schreiben, aber vorher musste er sehen, wie es um die momentane Auslastung seines Labors stand.
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