Im neuen Bund ist es jedoch anders. Es gibt sieben verschiedene Leuchter und jeder ist vom anderen vollständig getrennt. Der Grund dafür war, wie wir vorhin gesehen haben, dass jede Gemeinde unter der obersten Leitung Christi unabhängig war, obwohl sie mit den anderen Gemeinden durch das Haupt Gemeinschaft hatte.
Dass die Gemeinde ein Leuchter genannt wird, weist darauf hin, dass ihre hauptsächliche Funktion in Gottes Augen darin besteht, Licht zu spenden. Die Tatsache, dass die Leuchter golden waren, deutet auf den göttlichen Ursprung einer wahren Gemeinde hin. Sie wird vom Herrn und nicht von Menschen gebaut.
Ein Leuchter dient nicht nur als bloße Dekoration – dasselbe gilt auch für eine Gemeinde! Das Licht, das jede Gemeinde verbreiten sollte, ist Gottes Wort, welches allein auf unserem Weg in dieser finsteren Welt ein Licht ist (Psalm 119,105). Wenn so genannte Gemeinden anfangen, die Hauptbetonung auf den Betrieb von Schulen und Krankenhäusern oder auf Sozialarbeit statt auf die Verbreitung dieses Lichtes zu legen, dann können wir sicher sein, dass sie von Gottes Hauptzweck abgewichen sind.
Als Johannes sich umwandte, um zu sehen, wer mit ihm redete, sah er Jesus (Verse 12-13). Aber er sah ihn inmitten der Gemeinden. Der Herr möchte sich durch die örtliche Gemeinde offenbaren und zu anderen sprechen.
Die erste in der Bibel erwähnte Wohnstätte Gottes ist der brennende Busch, den Mose in der Wüste sah (5. Mose 33,16). So wie Johannes auf Patmos drehte sich auch Mose damals zur Seite, um diesen wunderbaren Anblick zu sehen. Das war der Zeitpunkt, als Gott zu ihm sprach (2. Mose 3,3).
Heute ist die Gemeinde Gottes Wohnstätte. Gott wünscht sich, dass jede Gemeinde vom Heiligen Geist entflammt ist, so wie es dieser brennende Busch war. Wenn Menschen eine örtliche Gemeinde betrachten, sollten sie in der Lage sein, das Leben Christi, das sich durch die Mitglieder dieser Gemeinde offenbart, zu sehen. Dann kann Gott durch diese Gemeinde zu den Menschen sprechen.
Johannes fährt mit der Beschreibung Jesu, wie er ihn sah, fort. Obwohl der Herr auferstanden ist, wird er immer noch der „Menschensohn“ genannt, wodurch die Tatsache seiner dauerhaften Identifikation mit der Menschheit betont wird.
Sein langes Gewand (zweifellos in weißer Farbe), das bis zu den Füßen reichte, verweist auf seinen hohepriesterlichen Dienst der Fürbitte für uns – denn so war der jüdische Hohepriester bekleidet, wenn er jedes Jahr am Versöhnungstag in das Allerheiligste des Tempels ging (Vers 13).
Der Herr trug einen goldenen Gürtel um seine Brust (Vers 13). Gold symbolisiert das Göttliche. Der Gürtel symbolisiert Gerechtigkeit und Treue (Jesaja 11,5). Dies betont die vollkommene Gerechtigkeit Gottes, die in Jesu irdischem Leben sichtbar wurde und die vollkommene Treue, mit der er seine Verheißungen an uns hält.
Sein Haupt und sein Haar waren weiß wie Wolle (Vers 14). Daniel 7,9 verwendet dieselbe Symbolik, um auf Gottes Ewigkeit (sein unendliches Alter) hinzuweisen. Das weiße Haar verweist auch auf seine Weisheit. Dies betont die Tatsache, dass Jesus, obwohl er der Menschensohn ist, trotzdem auch der ewige Gott, vollkommenen an Weisheit, ist.
Seine Augen waren wie eine Feuerflamme (Vers 14). Das bedeutet, dass vor ihm „alles bloß und aufgedeckt“ ist (Hebräer 4,13). Seine Augen dringen durch jede religiöse Fassade hindurch und können durch die blumige und fromme Sprache und die „Form der Frömmigkeit“ des religiösen Heuchlers hindurchschauen. Sie sehen auch über die gebrochenen, stotternden Worte der gottesfürchtigen Seele hinweg in die Aufrichtigkeit ihres Herzens. In der Folge sind seine Bewertungen völlig anders als die der Menschen.
Seine Füße waren wie Golderz [Bronze] (Vers 15). Bronze war das Material, aus dem der Brandopferaltar (im Vorhof der Stiftshütte) gemacht wurde, wo das Sündopfer geschlachtet wurde. Bronze symbolisiert daher Gottes Gericht über die Sünde des Menschen auf Golgatha. Während der Kopf der Schlange zertreten wurde, mussten die Füße Jesu am Kreuz von Nägeln durchbohrt werden (1. Mose 3,15).
Seine Stimme war wie großes Wasserrauschen (Vers 15). Die Ströme lebendigen Wassers symbolisieren den Heiligen Geist (Johannes 7,37-39). Die Rede Jesu war immer voller Sanftmut und voller Weisheit des Heiligen Geistes.
In seiner rechten Hand hatte er sieben Sterne (Vers 16). Die sieben Sterne sind die sieben Boten der Gemeinden (Vers 20). Gott hat bestimmt, dass die neutestamentliche Gemeinde von einer Mehrzahl von Ältesten geleitet wird (Apostelgeschichte 14,23; 20,17; Titus 1,5). Aber Gott rüstet gewöhnlich einen unter den Ältesten als seinen Boten mit der Gabe aus, das Wort Gottes in der Gemeinde zu verkündigen. Dieser Älteste wird hier als „ der Bote [Engel] der Gemeinde“ bezeichnet. (Das Wort, das mit „Engel“ übersetzt wurde, ist ein griechisches Wort, das eigentlich „jemand, der Nachrichten bringt“ oder „ein Bote“ bedeutet).
Diese Boten wurden von Christus in seiner Hand gehalten. Das ist der Grund, warum wir den Ältesten, „die im Wort und in der Lehre arbeiten“, doppelte Ehre zollen sollten (1. Timotheus 5,17; Schlachter 2000/SLT).
Man muss jedoch erwähnen, dass heute viele Gemeindeälteste und viele, die Gottes Wort predigen, NICHT von Christus in seiner Hand gehalten werden, denn sie sind selbsternannt und nicht von ihm eingesetzt.
Ein Bote, der vom Herrn eingesetzt ist, wird ein Mann Gottes sein, der dir Vertrauen einflößt und durch dessen Leben und Dienst du ernährt, geführt und gesegnet werden wirst. Ein solcher Mann sollte respektiert werden – denn er wird vom Herrn in seiner Hand gehalten. Es gibt wenige solcher Männer in der heutigen Welt – aber Gott sei Dank gibt es einige wenige.
Gottes Diener sind spezielle Angriffsziele Satans. Daher werden sie vom Herrn besonders in seiner Hand gehalten. Solange sie in Demut dort bleiben, kann Satan sie nicht antasten. Aber wenn sie aufgebläht sind oder wenn sie sündigen und nicht Buße tun, dann lässt Gott zu, dass Satan ihnen auf verschiedene Weise Schaden zufügt, damit sie zur Buße gelangen. Es ist ein gewaltiges Privileg, vom Herrn als sein Bote in seiner Hand gehalten zu werden. Aber es bringt auch Ehrfurcht gebietende Verantwortungen mit sich.
Aus Jesu Mund ging ein scharfes zweischneidiges Schwert (Vers 16). Das bezieht sich auf das Wort Gottes, das er ausspricht (Hebräer 4,12). Wir bemerkten in Vers 15, dass seine Stimme wie großes Wasserrauschen war. Wenn man diese beiden Verse zusammenfügt, so weisen sie darauf hin, dass Jesus stets Gottes Wort in der Kraft des Heiligen Geistes spricht. Er spricht mit großer Sanftmut, aber er tadelt auch kräftig, wenn dies notwendig ist.
Sein Angesicht leuchtete wie die Sonne in ihrer Macht (Vers 16). So sahen ihn Petrus, Jakobus und Johannes auch am Berg der Verklärung (Matthäus 17,2). Das symbolisiert das „unzugängliche Licht“, in dem Gott wohnt (1. Timotheus 6,16). Die Heiligkeit Gottes wird hier mit der Mittagssonne verglichen, in die wir nicht direkt schauen können. Die Sonne ist ein Feuerball, in dem keine Keime oder Bakterien wohnen können. Auch keine Sünde kann in der Gegenwart Gottes wohnen (Jesaja 33,14).
Zu den Füßen des Herrn
Derselbe Johannes, der sich beim letzten Abendmahl an die Brust Jesu gelehnt hatte, fällt jetzt wie ein toter Mann zu seinen Füßen (Vers 17). Johannes war 65 Jahre lang mit dem Herrn gewandelt. Er war zu der Zeit zweifellos der heiligste Mensch auf Erden. Doch er konnte in der Gegenwart des Herrn nicht aufrecht stehen. Diejenigen, die den Herrn am besten kennen, zollen ihm die größte Verehrung. Jene, die ihn am wenigsten kennen, tun so, als ob sie eine billige Vertrautheit mit ihm hätten.
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