K.P. Hand - Willenbrecher

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Um dem Kopf einer organisierten Sklavenhändlertruppe auf die Spur zu kommen, schleust sich der Ermittler Norman Koch als Drogendealer in eine Verbrecherorganisation ein. Während er, abgeschnitten von seinen Kollegen und Vorgesetzten, sein Leben in Gefahr bringt um die vielen Entführten zu retten, verschwindet erneut ein junges Mädchen, das gar nicht weit von Normans Reichweite entfernt festgehalten und gefoltert wird.
Um sie zu retten benötigt Norman die Hilfe eines alten Bekannten: dem Auftragskiller Alessandro.
Überraschend möchte sich Alessandro mit Norman verbünden um ihm bei dem Fall zu helfen.
Norman lässt sich darauf ein, doch merkt er schnell, das dieser Verbrecher gar nicht so skrupellos war, wie er sich einen Auftragsmörder vorstellte. Zu der Angst, bei diesem Fall zu versagen, drängten sich Norman nun auch noch Gefühle auf, die er gegenüber diesem Mann keinesfalls zulassen will…
*Warnung: Dieser Roman will keinesfalls Gewalt verherrlichen, jedoch tauchen Szenen und Darstellungen von physischer und psychischer Grausamkeit auf, die auf manche Menschen verstörend wirken können. Außerdem enthält diese Geschichte explizit geschilderte homoerotische Szenen, an denen sich einige Menschen stören könnten. Altersempfehlung: ab 18 Jahre

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Fatima runzelte die Stirn und überlegte laut: »Wenn sie es wirklich bis zum Fitnessstudio geschafft hat, wird irgendwer dort sie gesehen haben müssen.«

Tom nickte eifrig und beschloss: »Da wir sonst keine Spuren haben, sollten wir damit weiter machen, ihre engsten Bekannten zu befragen.«

Fatima nickte und wollte gerade ihren Computer herunter fahren, um sich mit Tom auf den Weg zu Mona Lorenz’ Freund zu machen, als ein Kollege an den Türrahmen klopfte.

»Fatima, da ist eine junge Frau, die dich gerne sprechen würde«, verkündete er.

Fatima bestätigte mit einem Kopfnicken, das er die Frau herein lassen sollte.

»Frau Längler!« Fatima sprang von ihrem Stuhl auf, als sie die Sekretärin herein kommen sah, die sie gestern befragt hatten.

Auch Tom erhob sich von seinem Stuhl.

»Kommissarin Ünal, richtig?«, fragte die blonde Frau verunsichert.

»Ja, richtig.«

»Entschuldigen Sie, ich wollte Sie nicht aufhalten, aber Sie sagten, ich sollte mich melden, falls mir noch etwas einfällt oder falls ich etwas Ungewöhnliches beobachte.«

Fatima nickte und deutete auf einen Stuhl vor ihrem Schreibtisch. »Bitte, setzten Sie sich.«

Frau Längler nahm Platz, ihre Stimme war gesenkt als sie sich zu Fatima beugte und sagte: »Es ist vermutlich nichts, aber ich wollte es Ihnen trotzdem erzählen.«

»Ist Ihnen noch etwas eingefallen?«

Die blonde Frau schüttelte den Kopf, dann erklärte sie: »Der Kollege aus der Personalabteilung ...«

Fatima kramte in ihren Unterlagen und fand den Namen: »Florian Maßbach?«

»Genau«, bestätigte die Sekretärin. »Er blieb gestern wieder länger im Büro. Ich bin eigentlich die letzte, die das Gebäude verlässt, mal abgesehen von den Putzfrauen, die etwa eine Stunde nach mir auftauchen. Diese kommen aber nur montags, dienstags und freitags. Flo bleibt manchmal länger, wissen Sie, er war ein widerlicher Kerl, ich glaube, er blieb länger um sich in aller Ruhe Pornos ansehen zu können.«

Fatima nickte, wollte aber wissen: »Hat er etwas verdächtiges gemacht, Frau Längler?«

Sie hatte wenig Lust hier in einen Streit zwischen Kollegen zu geraten. Es kam oft vor, das jemand bei der Polizei auftauchte und behauptete der Nachbar oder der verhasste Kollege wäre ein Verbrecher, nur um ihn loszuwerden.

»Er ist verschwunden.«

Fatima warf Tom einen Blick zu, der diesen ebenso überrascht erwiderte.

»Verschwunden?«, hakte Fatima nach. »Wie meinen Sie das?«

»Er war der letzte Kollege im Büro und sollte die Türen abschließen, weil ja auch keine Putzfrauen mehr auftauchen würden«, erklärte die Frau aufgeregt. »Aber als ich heute Morgen im Büro ankam, waren alle Türen noch geöffnet. Flos Computer lief noch. Erst dachte ich, er wäre schon früh am Morgen gekommen, weil auch sein Wagen auf dem Parkplatz stand. Als er aber nicht aufzufinden war und auch im laufe des Tages nicht auftauchte, kam mir das seltsam. Ich ging auf den Parkplatz vor dem Gebäude und sah mir seinen Wagen an. Da fiel mir auf, dass er noch genauso da stand wie am Abend zuvor, als ich gegangen bin.«

Fatima kam das ebenfalls kurios vor, doch bevor sie Fragen stellen konnte, sprach die blonde Frau bereits weiter: »Ich habe versucht, ihn zu erreichen, aber unter seiner angegeben Nummer hieß es nur: Kein Anschluss unter dieser Nummer. Also ... nun, ich habe mir die Überwachungsbänder ansehen wollen, weil ich natürlich neugierig war ...«

»Und?«, fragte Fatima ungeduldig.

»Keine da!«, rief die Frau leise aus. »Alle weg. Und die Kameras waren alle nicht mehr funktionsfähig.«

Profis, dachte Fatima und seufzte innerlich. Da waren wirklich Profis am Werk.

»Aber wirklich merkwürdig wurde es erst noch«, fügte die geschwätzige Sekretärin hinzu und kramte etwas auf ihrer Aktentasche hervor, »ich fand einen Stapel davon in Flos Schreibtisch.«

Fatima nahm das Blatt entgegen und begutachtete es. Ein Frageboden, wie man ihm von einem Arztbesuch kannte, nur die Fragen waren etwas anders ...

»Das hat nichts mir unserer Firma zutun«, erklärte die blonde Frau. »Ich fragte meinen Chef, was es damit auf sich hat, aber auch dieser hatte keine Ahnung, und er arbeitet direkt unter Rechtsanwalt Schönmayer, dem Leiter der Firma.«

»Das ist in der Tat merkwürdig ...«, murmelte Fatima, die noch immer das Formular anstarrte.

»Ich weiß nicht, ob das alles etwas mit der vermissten Frau zutun hat, aber ich dachte, Sie sollten davon erfahren, vielleicht führt Sie das ja auf die richtige Spur.«

Fatima nickte und sah der Frau ins Gesicht. »Danke, Sie haben uns wirklich sehr geholfen.«

Frau Längler lächelte und erhob sich. »Das ist das Mindeste, oder?«, sagte sie und lachte unsicher auf. »Wissen Sie, seit den ersten Vermisstenfällen, habe ich fürchterliche Angst das Haus zu verlassen. Ich hoffe nur, dass Sie die junge Frau finden und die Täter unschädlich machen.«

Fatima, die nah am Wasser gebaut war, hatte das Bedürfnis, die junge Frau zu drücken und ihr zu versichern, dass sie genau das tun würde.

Aber nichts war wirklich sicher.

»Auf Wiedersehen«, verabschiedete sich Frau Längler und wandte sich ab.

Fatima nickte und murmelte noch: »Passen Sie auf sich auf.«

Während die Sekretärin das Büro verließ, trat Tom neben Fatimas Stuhl. Als sie zu ihrem Kollegen aufblickte, war sein Gesichtsausdruck grübelnd.

»Was?«, fragte sie verwundert.

»Dieser Florian Maßbach existiert nicht.«

»Was?« Fassungslos starrte sie zu Tom auf. »Woher weißt du das?«

»Ja«, bestätigte er. »Während du mit ihr gesprochen hast, habe ich das mal ganz genau überprüft. Es ist alles da, bis auf eine Geburtsurkunde. Der Kerl tauchte einfach irgendwann mitten in dieser Stadt auf, als wäre er vom Himmel gefallen.«

»Na sieh mal einer an!«

»Ja.« Tom nickte einmal mit dem Kopf. »Ich glaube, dieser Florian Maßbach könnte der Schlüssel zur Entführung der jungen Frau sein.«

»Na toll!« Fatima atmete wütend aus. »Und ausgerechnet der ist verschwunden!«

»Frag dich mal wieso«, gab Tom zurück und sah ihr bedeutsam in die Augen.

Sie nickte und meinte: »Ich nehme mal an, wer immer für das Verschwinden des Mädchens verantwortlich ist, musste auch Florian Maßbach, oder wer auch immer er war, verschwinden lassen.«

»Oder er war es«, grübelte Tom. »Er hat das Mädchen entführt, sie verschleppt. Vermutlich um sie zu missbrauchen. Als wir dann nach ihr gefragt haben, hat er Angst bekommen und ist verschwunden. Vermutlich wollte er es so aussehen lassen, als wäre auch er beseitigt worden.«

Fatima schüttelte den Kopf und warf ein: »Wir haben die Überwachungsbänder vom Tag des Verschwindens gesehen, Tom. Keiner hat unmittelbar nach Mona Lorenz das Gebäude verlassen.«

»Vielleicht hat er einen Komplizen.«

Fatima stöhnte frustriert und fuhr sich durch ihre langen, dunklen Haare.

»Denk doch mal nach!« Tom ging um sie herum und überflog das Formular. »Hier, siehst du! Das ist sein Auswahlverfahren! Vielleicht ist er ein Vergewaltiger, der so seine Opfer heraussucht. Er will wissen, ob sie ansteckende Krankheiten haben, ob sie Familie haben. Er gibt das den Bewerberinnen der Firma, die, die er will, schickt er Heim, ruft seinen Komplizen an, vielleicht sind es auch mehrere Komplizen, die dem Mädchen folgen und es verschleppen. Sie wird missbraucht, bis sie stirb, dann fischen wir sie aus dem Fluss.«

»Aber nicht alle Vermissten tauchten wieder auf, nicht alle Vermissten haben sich bei dieser Firma beworben und es waren auch nicht alle Vermissten weiblich. Alleine kann er das auf keinen Fall gemacht haben.«

»Dann ist es vielleicht die Taktik einer organisierten Bande«, vermutete Tom. »Sie schleusen Mitarbeiter in die Personalabteilungen größerer Firmen. Bewerber müssen dieses Formular ausfüllen und sollten sie ins Beuteschema passen, werden sie verschleppt.«

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