Es ist mir hier nicht möglich, auf die Kost und ihre Wirkung des Näheren einzugehen; Gesunden mögen diese Angaben genügen, Kranken gebe ich auf ihr Verlangen je nach ihrer Krankheit und ihrem jeweiligen Befinden besondere Vorschriften. Es möge noch erwähnt sein, dass Nichtfaster und Leichtkranke wenigstens das Morgenfasten einschalten können und sollen. Möchte doch überhaupt niemand vor Mittag oder wenigstens nicht vor 10 Uhr essen und da nur Früchte! Der Lohn dieser kleinen Kasteiung bleibt gewiss nicht aus, wenn sie konsequent durchgeführt wird.
3. Nun noch ein Wörtchen an diejenigen, die die gewöhnliche schleimhaltige Nahrung (Fleisch usw.) nicht aufgeben zu können glauben. Auch für diese gibt es ein Gesundessen: „Fletscherisieren“, d. i. Speisen jeglicher Art nach der Methode des Amerikaners Fletscher gründlich, bis zu flüssigem Brei zu kauen. Gegenwärtig droht diese Essmethode im Reformlager auszuarten und man muss in vielen Fällen vor Übertreibungen warnen, weil sonst der an Ballast gewöhnte Darm nicht mehr reagiert. Diese Methode eignet sich nur für solche Kranke als Übergang zum Fasten, denen mit Abstinenz und Fleischentziehung nicht beizukommen ist oder sonst in ganz bestimmten Krankheitsfällen. In Amerika macht man ganz geschickte Kuren mit wenig Fleisch und warmem Wasser.
Ist der Mensch durch Fasten und durch strenge Diät (Obstdiät) einmal in meinem Sinne gesund, d. h. schleim-, leim- und keimfrei geworden, und bleibt er bei dieser Diät, so braucht er selbstverständlich nicht mehr zu fasten, und dann wird ihm das Essen erst zu einem Genuss, von dem er vorher keine Ahnung hatte. Nur hier liegt für den Menschen der Weg zum Glück, zur Harmonie und zur Lösung aller Fragen, besonders der sozialen, weil er erst dadurch bedürfnislos wird und der „Gottheit am nächsten kommt.“ ( Sokrates ).
Kann der Mensch dauernd von Obst leben? Selbstverständlich, das braucht man doch nicht zu beweisen, da wäre das ganze Weltall ein Unsinn; es hätte einen „biologischen Fehler“, wenn für jeden Wurm der Tisch gedeckt ist, nur für den Menschen nicht. Außerdem ist wissenschaftlich erwiesen, dass im Apfel, in der Banane, in der Kokosnuss allein schon alles enthalten ist, was ein Mensch braucht. Eine Kuh lebt ihr Leben lang nur von Gras, gibt täglich 10 Liter Milch, zieht den Pflug und wird zum Schluss noch verspeist. Dauernd wird Fett, Eiweiß (Milch), Muskelansatz, Kraft, Wärme nur aus Gras (Heu) herausverdaut. Das höchststehende Tier, der Mensch, einzig und allein soll so ungeschickt gebaut sein, dass das organische Leben bei ihm aus der reichlichen Sonnenküche nicht erhalten werden könnte?
Die Ernährungs-Physiologie ist heute noch in dem Irrtum befangen, dass nur aus Fett – Fett, aus tierischem Eiweiß im menschlichen Organismus – Eiweiß entsteht usw. Man hat die naive, chemisch-physiologisch durchaus unwissenschaftliche Vorstellung, aus Gleichem wachse Gleiches heraus. Ein Eiweißmolekül eines toten Ochsenmuskels, im Zersetzungsprozesse begriffen und Leichengifte entwickelnd, also völlig „getötet“, im Magen erst recht zerlegt und soll dann in einer neuen Atomzusammensetzung als neues Muskelmolekül im Menschen Auferstehung feiern, „ansetzen“ wie man sagt!? Auch bei den sogenannten Mastkuren registriert man die pfundweise Gewichtszunahme als Gesundheitszunahme. Man hat die Vorstellung, dass mit diesem überflüssigen Stopfen in kürzester Zeit ein erhöhter Muskelzuwachs erzielt werde, und die Kranken teilen diese Naivität. In Wirklichkeit ist die Gewichtszunahme durch Gewalt, ein Stagnieren der zugeführten Mastkost, eine Belastung des ganzen Körpers, die nicht mehr ausgeschieden werden kann. Solche Kranke ersticken allmählich in ihren eigenen, unausgeschiedenen Nahrungsresten (Gemästete Lungenkranke).
Wir leben nicht von dem, was wir essen, sondern von dem, was wir verdauen, was wir assimilieren. Diese Erkenntnis ist sehr fortschrittlich, aber ich muss sie noch wesentlich ergänzen. Unsere Lebensfunktionen sind so lange intakt, gesund, als wir den Überfluss an Nahrung glatt auszustoßen vermögen; und so kann man sagen: wir leben eigentlich nur eine Zeitlang gesund, nicht weil wir gut verdauen, sondern weil wir Überflüssiges gut ausscheiden.
Das Reformlager hat diese Grundirrtümer auch noch nicht abgestreift; die vegetabilischen Eiweiß-Präparate haben nur die anorganischen der Medizin abgelöst.
Ich füge hier noch ein Wort bei zum Aus- und Inwendiglernen.
Die Hauptklippe, der wunde Punkt beim Fasten und bei der Heildiät ist die Tatsache, dass es Leute gibt, die durch Nichtessen oder durch Obstdiät kränker, schwächer werden, sogar daran sterben können, während bei vielen, besonders bei relativ Gesunden das Gegenteil der Fall ist. Bis jetzt sagte man im ersten Falle, schon kurzes Fasten oder Obst schwächt, genügt nicht, Obst wird schwerer als Kulturnahrung verdaut. Diese Tatsache ist nicht zu leugnen, aber ihre Erklärung ist falsch und irreführend. Die Schwäche tritt nicht durch das Obst ein, sondern durch die vorhandenen Schleimgifte der Kranken, die durch die Obstsäfte oder durch Fasten zu rasch gelöst, ins Blut mitgerissen werden und als Rückvergiftung die Schwäche erzeugen.
Es muss der Reinigungsprozess verlangsamt werden durch schleimarme Übergangskost, eventuell auch durch kleinere Kulturleckerbissen.
Aber man soll daraus nicht wieder den Schluss ziehen, Kulturnahrung sei für solche Individuen nahrhafter, leichter verdaulich als Produkte der Küche und Köchinnen.
Ist ein Individuum durch lebenslängliche „Eiweißfütterung“, durch Abstammung von einem Trinker oder aus einem sonstigen Grund erblich so verseucht, dass die Wissenschaft von Krebs, Tuberkulose usw. spricht, so geht er am Hebungsprozess seines eitrigen Schleimes auch bei diesem natürlichsten Heilen zu Grunde, niemals aber an Fasten oder Obstdiät.
Hier muss es dem individuellen Geschmack und der Selbstverantwortung des Einzelnen überlassen werden, entweder durch Weiterstopfen langsam zu ersticken oder mit einem letzten Versuch auf gut Glück das Ungewisse zu wagen. Auch für den medizierenden Arzt gibt es Unheilbare. Sonst läge Krankheit überhaupt nicht im Spielraum des Göttlichen. Ein vollkommen regenerierter Organismus stößt jede zeitweilig als Ausnahme zugeführte Kulturnahrung (Luxus- oder Gelegenheitsgelüste, niemals aber Nährbedürfnis) als völlig unverwertbar wieder aus, was die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit der Naturdiät erst recht beweist.
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