Fast alle Fastenversuche scheitern an der Unkenntnis der Tatsache, dass mit Aufnahme der schleimlosen Diät erst recht alter Schleim so lange ausgeschieden wird, bis der Mensch vollkommen rein und gesund ist. Dadurch wird der vermeintlich gesündeste Mensch in den Zustand der Krankheit (Reinigung), in ein Durchgangsstadium zu einer höheren Gesundheit versetzt. Hier ist die große Klippe, um die bis jetzt so wenige Vegetarier herumgekommen sind, weshalb sie die höchste Wahrheit ebenso sehr verwerfen, wie es die Masse tut. Ich habe mich hierin in der „Vegetarischen Warte“ als kompetent aufgrund von Experimenten und Tatsachen nachgewiesen und mit dem 49-tägigen Fastenexperiment bei vorheriger Obstdiät den größten Einwand, den der Unterernährung, durch die Tat widerlegt. Mein Befinden wurde durch diese radikalste Schleimausscheidung, abgesehen von einigen unhygienischen Umständen während des Versuches, nur gebessert. Zahlreiche Anerkennungen gingen mir zu, namentlich aus gebildeten Ständen. Der Massenanhang des Vegetarismus „schleimt“ weiter. Der Vegetarismus hat Vertreter beiderlei Geschlechts aufzuweisen, die sich von Münchener Bierbäuchen durch nichts unterscheiden; eine Folge des täglichen Vollstopfens mit „Schleimnahrung“ verschiedenster Art. Dagegen sind die von dieser Seite angeklagten Gifte: Fleisch, Alkohol, Kaffee und Tabak auf die Dauer verhältnismäßig harmlos, so lange dieselben mäßig gebraucht werden. Leben nicht Tausende von Menschen im hohen Alter, gewohnheitsmäßige Raucher und sogar oft Liebhaber des Alkohols? Alles Wenigesser – das ist die Lösung! Selbst diese Gewohnheitsgifte sind unschuldiger als das sogenannte gute und viele Essen. Ein Säufer kann alt werden, ein Fresser nie, sagt Professor Sylvester Graham . Um Missverständnissen von seiten der Abstinenzbewegung und des Vegetarismus vorzubeugen, muss ich hier noch einige Klarstellungen einfügen. Fleisch ist gar kein Nahrungs- sondern nur Reizmittel, das im Magen verfault, verwest; der Verwesungsprozess beginnt aber nicht erst im Magen, sondern sofort nach dem Schlachten. Das hat Graham schon am lebenden Menschen nachgewiesen und ich ergänze die Tatsache dahin, dass das Fleisch eben dann durch die Gifte der Fäulnis als Reiz- und Anregungsmittel wirkt und dadurch als kräftigendes Nahrungsmittel empfunden wird. Oder kann mir jemand chemisch-physiologisch nachweisen, dass das in Zersetzung begriffene Eiweißmolekül im Magen neu umgeformt und etwa in einem Muskel des Menschen seine Auferstehung feiert? Genau so, wie der Alkohol, täuscht das Fleisch im Anfang Kraft und Energie vor, bis der ganze Organismus damit verseucht und der Zusammenbruch da ist. Ähnlich ist es mit den anderen Reizmitteln.
Das Grundübel aller nicht vegetarischen Diätformen ist und bleibt das viele Fleischessen, weil es alle andern Übel, namentlich das Verlangen nach Alkohol nach sich zieht. Isst man fast ausschließlich Obst, so fällt die Gier nach Becher und Bierglas von selbst weg, während der Fleischesser immer Lust danach hat, sich also dagegen kasteien muss, schon weil das Fleisch den Dämon Durst erzeugt. Alkohol ist erwiesenermaßen ein gewisses Gegengift für Fleisch und der Großstadtgourmand, der fast nur Fleisch ist, braucht erfahrungsgemäß Weine, Mokka und Habana, um die schwere Fleischvergiftung wenigstens etwas auszugleichen. Es ist eine Erfahrungstatsache, dass man nach einem opulenten Diner am andern Tag geistig und körperlich entschieden frischer ist, wenn man von den an und für sich giftigen Reizmitteln mäßigen Gebrauch macht, als wenn man sich bis zur Ermüdung mit dem guten Essen allein vollstopft.
Ich erkläre dem Fleisch und dem Alkohol absolut den Krieg; durch Obstnahrung und überhaupt schon durch Wenigessen wird dem Fleisch- und Alkoholgenuss energisch entgegengearbeitet. Wer aber Fleisch und Alkohol durchaus nicht lassen kann, ist, falls er sehr wenig davon genießt, entschieden besser dran, als der vegetarische Vielesser.
Der Amerikaner Fletcher beweist dies augenfällig durch seine ungeheuren Erfolge und sein Geheimnis ist durch meine Experimente erklärt, die eben dartun, dass der Mensch am leistungsfähigsten wird und sich gesundheitlich am vollkommensten entwickelt, wenn er möglichst wenig isst. Sind nicht die ältesten Menschen in der Regel die ärmsten, also an Wenigessen schon aus naheliegenden Gründen gewöhnt? Sind nicht die größten Entdecker und Erfinder aus ärmlichen Verhältnissen hervorgegangen, also Wenigesser? Waren nicht die Größten der Menschheit, die Propheten, Religionsstifter usw. Asketen? Ist das denn Kultur, dass man in Berlin wohnt und 3mal täglich diniert, und ist das sozialer Fortschritt, dass jeder Arbeiter täglich 5mal isst und sich abends mit Bier vollpumpt? Das bis jetzt für harmlos, anständig, sittlich und ästhetisch gehaltene „Fest- und Gutessen“ ist nicht nur unsittlich, sondern krankheitserzeugender als alles andere, selbst bei Abstinenten und Vegetariern. Wenn sich der kranke Organismus durch Garnichtsessen regenerieren kann, so folgt doch logisch, dass es für den Gesunden wenig Nahrung bedarf, um gesund, kräftig und ausdauernd zu bleiben.
Alle sogenannten Wunder der Heiligen an den Gnadenorten sind nur auf Askese zurückzuführen und heute deshalb nicht mehr möglich, weil zwar viel gebetet, aber nicht mehr gefastet wird. Das ist die einzige Lösung dieses Streites. Wir haben keine Wunder mehr, weil wir keine Heiligen d. h. durch Fasten und Askese (enthaltsame Lebensweise) Geheiligten und Geheilten mehr haben. Die Heiligen waren selbstleuchtend, modern ausgedrückt medial oder radioaktiv, aber nur, weil sie durch die Askese physiologisch „göttlich“ gesund waren und nicht aus „besonderer Gnade“. Ich will hier nur verraten, dass ich es selbst schon zu sichtbaren, elektrischen Ausströmungen gebracht habe, aber nur durch äußerliche und innerliche Zufuhr von Sonnenenergien (Sonnenbäder und Nahrung aus der „Sonnenküche“, Obst). Die ganze Welt streitet sich jetzt um diese Fragen und Wunder herum. Hier liegt die Lösung aufgrund des Experiments das jeder nachmachen kann, wenn er den Mut dazu hat. Aber Bücher schreiben, reden und beten ist leichter und ebenso die Ausrede, ich sei eine Ausnahme. Das ist richtig, aber nur was Mut und Erkenntnis anbelangt. Physiologisch sind alle Menschen gleich und wer sich nicht mäßigen kann, der möge es von mir lernen, wenn er ein wirklicher Forscher sein will. Wenn der Mensch wenig isst und gesund ist, kann er eine geraume Zeit das absurdeste Zeug, Fleisch- und Stärkemehl (Schleim) verdauen, d. h. wieder hinausschaffen; noch vollkommener und reiner wird und bleibt er natürlich, wenn er nur wenig Obst isst und er braucht von diesem am wenigsten, weil es die vollkommenste Nahrung ist. Diese ewige naturgesetzliche Wahrheit will und kann der heutige Mensch nicht einsehen und hat eine berechtigte Angst davor, weil er aus totgekochter Nahrung aufgebaut ist und seine Zellen dem Tode verfallen und ausgeschieden werden, sobald er sonnenbadet, fastet oder lebendige Zellen des Obstes isst. Diese Kur muss aber mit großer Vorsicht gemacht werden.Die Medizin hat den Menschen, solange dies möglich, vor dem Zellenzusammenbruch zu schützen, ihn über Wasser zu halten, um ihn aber dann an der Krankheit prompt und umso schneller sterben zu lassen, was man sich ja heute sehnlichst wünscht. Der Vegetarismus kann nicht leugnen, dass die Fleisch- und Alkoholkonsumenten auch viel Gesundheit und große Leistungen aufzuweisen haben und hohe Altersziffern, aber sich individuell und völkisch nur so lange, als wenig gegessen und nicht „überernährt“ wird. Das Zuviel rächt sich weniger bei Fleischkost, weil sie verhältnismäßig weniger „Schleim“ enthält, als bei der fast ausschließlichen stärkemehlhaltigen, d. i. „schleimigen“ Vegetarierkost und den vielgerühmten vegetarischen Diners mit täglich so und so vielen Gängen. Ich selbst kümmere mich seit vielen Jahren um keine Mahlzeit; ich esse auch nur, wenn ich Appetit habe und so wenig, dass es keinen schädlichen Einfluss auf mich ausübt, wenn ich eventuell auch gezwungen bin, etwas zu mir zu nehmen, was an und für sich nicht einwandfrei ist. Die Kunst des Gesundbleibens in der heutigen Gesellschaft besteht weniger im Was als im Wie viel des Essens und Trinkens, in der Beherrschung, in der selbstdiktierten Einschränkung. Aber sich auf Vegetarismus und Abstinenz einschwören, als Pionier einer aussichtlosen Weltbekehrung, und am Ende doch heimlich in unheimlichen Maße zu sündigen, halte ich persönlich für wenig vorbildlich. Damit möchte ich von fanatischen Bestrebungen gründlich abrücken.
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