»Ich spreche einige Worte der Eskimos. Verstehen Sie mich?«
Se wußte nicht, was er meinte. La aber hatte schon seit einiger Zeit ihre Studien auf die Sprache der einzigen Menschen gerichtet, die den Martiern bisher begegnet waren. Sie verstand ihn und antwortete:
»Ich verstehe ein wenig.«
»Wo sind meine Freunde?« fragte Grunthe.
»Es ist nur einer da. Er ist in einem andern Zimmer.«
»Kann ich zu ihm?«
»Er schläft, aber man wird Sie dann zusammenbringen.«
»Wie kommen Sie vom Nu auf die Erde?«
La wußte die Antwort nicht auszudrücken. Sie fragte dagegen:
»Was wollt ihr hier?«
Grunthe wußte nun seinerseits nicht, wie er den Begriff ›Nordpol‹ im Grönländischen wiedergeben sollte. Er wollte sich in dem Büchlein Rats erholen und sagte:
»Geben Sie mir das Buch.«
»Was?« fragte La.
Grunthe richtete sich auf, um das Buch, das sie in der Hand hielt, zu erfassen. Aber er hatte im Augenblick nicht an die veränderten Schwereverhältnisse gedacht, und so kam es, daß sein ganzer Oberkörper bis zu Las Platz hinüberschnellte. Er wäre aus dem Bett gestürzt, wenn nicht La ihn rasch am Arm gefaßt und gehalten hätte. Diese Berührung war nun für Grunthe höchst peinlich, er wollte sich ihr entziehen, aber da er noch gar nicht verstand, seine Glieder unter den veränderten Umständen zu gebrauchen, und außerdem durch seinen Fuß behindert war, geschah es, daß er nach der andern Seite zu fallen drohte und ihn La ganz mit ihren Armen umfassen mußte. Sie legte ihn sanft auf das Lager zurück, während er ihr teerosenfarbiges Haar dicht vor seinen Augen flimmern sah. Ein Schwindel drohte ihn zu erfassen.
Se kam mit dem Speisegerät herangeschwebt.
»Was macht ihr denn?« rief sie lachend. »Ich höre, daß ihr euch so eifrig unterhaltet, ohne daß ich verstehen kann, was ihr redet, und auf einmal –«
»Ja«, lachte La ebenfalls, »es war zu komisch, was der arme Bat für Sprünge machte!«
»Ach«, sagte Se, »das scheint mir eine gefährliche Geschichte! Erst wagt er dich nicht anzusehen, und wie ich den Rücken wende, macht er dir auf grönländisch eine Liebeserklärung.«
»Daran bist du schuld, du hast die Schwere abgestellt. Wenn ihm der Schreck nur nicht schlecht bekommt – was wird Hil sagen!«
Grunthe lag wieder regungslos. Sein allerdings ganz unverschuldetes Ungeschick ärgerte ihn schwer, die Berührung mit der schönen La war ihm entsetzlich, zudem bewirkte die Abnahme der Schwere jetzt ein körperliches Übelbefinden.
Aber La bat ihn so freundlich in der Eskimosprache, doch zu essen, und Se bot ihm die einen verlockenden Duft entwickelnden Speisen mit einem so gebietenden Blick, daß er seinen Hunger zu stillen wagte.
Mit größter Vorsicht richtete er sich auf und genoß einiges von den Speisen, von denen er keine Ahnung hatte, was sie vorstellten. Sobald er sich dankend zurücklehnte, schob Se das Speisetischchen zur Seite, und La sagte:
»Leben Sie wohl, Grunthe, schlafen Sie.«
Sie schwebte zum Zimmer hinaus, und Se zog den Wandschirm vor, so daß Grunthe wieder sich selbst überlassen blieb. Der Kopf schwirrte ihm von allem, was um ihn herum vorgegangen war, neue Fragen drängten sich auf, und er wollte sich eben noch einmal aufrichten; da ergriff ihn plötzlich ein Gefühl, als würde er mit Gewalt gegen sein Lager gedrückt. Se hatte die Erdschwere wieder hergestellt. Jetzt schoben sich dichte Vorhänge vor die Fenster, und Grunthe lag im Dunkeln. Eine leise Musik wie aus weiter Ferne ließ sich hören und mischte sich melodisch mit dem Rauschen des Meeres.
Grunthe versuchte vergebens, seine Gedanken zu konzentrieren. Sie bewegten sich um die Frage, wie es lebenden Wesen möglich sein könne, den luftleeren Weltraum zu durchfliegen. Wie hatten Martier auf die Erde kommen können? Aber nur in unbestimmten Vermutungen irrten seine Vorstellungen umher, und ehe er zu irgendeiner Klarheit in dieser Frage gelangte, lösten sich seine Gedanken in undeutliche Traumbilder auf. Grunthe entschlummerte.
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