Elin Bedelis - Pyria

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»Nur war Machairi kein normaler Umstand. Machairi war wie Regen, der in den Himmel fiel oder Feuer unter Wasser: denkbar, aber eigentlich ausgeschlossen.«
Nur knapp haben sie die Flucht aus der brennenden Stadt überlebt und schon nimmt Machairi seine Gefährten mit auf die nächste schicksalhafte Reise. Die tückische Idylle der entlegenen Insel Skîl trennt die ungleiche Gruppe und bald kommen Erinnerungen ans Licht, die keiner von ihnen je preisgeben wollte. Pyria stehen dunkle Zeiten bevor und das wahre Ziel des Messerdämons ist noch wahnsinniger, noch gefährlicher und noch schwerwiegender als jedes zuvor. Machairis Motive sind nicht was sie zu sein schienen und bald ist nicht einmal mehr Leén sicher, ob der Schatten ein Mensch oder ein Monster ist. Am Rande ihrer Kräfte ist seinen Gefährten bald nur noch eines klar: Ihr aller Schicksal liegt allein in einem weißen Handschuh.
~
Der zweite Teil der Pyria Trilogie
mit einigen Antworten, mehr Fragen,
mehr Charakterentwicklung
mehr Protagonisten
mehr Blick in die Vergangenheit
mehr Dunkelheit
mehr Göttern
mehr Schauplätzen: von tropischen Wäldern über düstere Ödnis zu verschneiten Bergen
mehr Pyria!

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»Sie haben das schnellere Schiff.« Noch immer blickte er auf das Schiff und klang fast amüsiert, als fände nur er eine ganz besondere Komik in dieser Situation.

»Und was machen wir, sobald sie uns eingeholt haben?«, wagte sie zu fragen und schielte nun doch wieder in seine Richtung. Es war so unfair, dass er neben seiner Unnahbarkeit und scheinbaren Unfehlbarkeit auch noch gut aussehen musste. Auch wenn Leén inzwischen ahnte, dass er lediglich sehr gut darin war, seine Schwächen zu verbergen, machte seine seltsame Perfektion ihn noch etwas unheimlicher. Die annähernde Freundschaft zwischen ihnen schien mit dem Rauch über Om’falo wieder verpufft … der Rauch, der von zerstörten Häusern und zahllosen verbrannten Körpern aufgestiegen war, die Gwyns Feuer gefressen hatte. Auch das war beängstigend. Wann war die Welt nichts als beängstigend geworden?

Obwohl sie ihn noch immer nur sehr vorsichtig ansah, konnte sie das Schmunzeln beobachten, dass kurz über seine Mundwinkel zuckte. Ein gefährliches Zeichen. »Hareths Prinzen Hilfe anbieten«, antwortete er und Leén legte die Stirn in Falten. Das war eine seltsame Antwort. Lügen kamen selten von Machairis Lippen. Verbogene Formulierungen, die die falschen Schlüsse nahelegten, waren dagegen scheinbar vertretener, als sie gedacht hätte.

Die Prinzessin, die sich zuletzt im Hintergrund gehalten hatte, machte nun einen Schritt vor und sah zwischen Leén und Machairi durch auf ihre Verfolger. »Warum glaubst du, dass der Prinz persönlich auf dem Schiff ist? Er war doch nicht einmal in Om’falo.« Eine Spur von Abfälligkeit und vielleicht sogar Enttäuschung schwang in ihrer Stimme mit, obwohl sie sich eindeutig um einen neutralen Tonfall bemühte. Leén fiel außerdem auf, dass auch die Prinzessin sich nicht mehr um Höflichkeiten bemühte.

»Er wird seine Braut nicht tatenlos einer Handvoll Dieben überlassen.« Er sagte das mit solch einer Sicherheit, dass Leén vermutete, dass er schon wieder mehr wusste als alle anderen. Wieder konnte sie den Gedanken nachvollziehen und zur Abwechslung wäre er ihr vielleicht sogar selbst gekommen. Die zukünftige Braut zurückzubringen war mit Sicherheit eine Aufgabe von zu großer Wichtigkeit, um sie ganz in die Hände einiger Bediensteter zu übergeben.

Phela antwortete nicht weiter. Sie würde wirklich einen neuen Spitznamen für das Mädchen brauchen. Phela war in der Tat nicht viel besser als Koryphelia. Vielleicht Kory? Falsche Überlegungen, Leén. Die Prinzessin sah mit einem Mal etwas verloren aus, als Machairi endlich den Blick vom Schiff des Prinzen nahm und wortlos das Achterdeck verließ. Vielleicht würde er mit dem Kapitän reden, um ihn auf royale Besucher einzustellen, während die Prinzessin dem Mann entgegensah, dem sie schon entkommen zu sein geglaubt hatte.

Beinahe reglos standen die beiden Mädchen am Heck und sahen zu, wie die dreieckigen roten Segel hinter ihnen immer größer wurden. Leén kannte Geschichten über Hareths Prinzen, aber keine davon war eine wirklich zuverlässige Quelle. Obwohl man munkelte, dass er geradezu unziemlich viel Zeit mit dem einfachen Volk verbrachte, erschienen die meisten Erzählungen unrealistisch und aus der Luft gegriffen. Der Sultan selbst zeigte sich schon selten genug in der Öffentlichkeit, aber den Prinzen, der die Stellung im militärischen Zentrum Hareths hielt, bekam man eigentlich fast niemals auf Feierlichkeiten oder bei sonstigem Vergnügen zu Gesicht. Stattdessen kümmerte er sich ehrlich um die Belange der Bürger und widmete sich tatsächlich seiner Position an der Spitze des Militärs, die er durchaus als reinen Ehrentitel hätte handhaben können, wie es viele seiner Vorgänger getan hatten. Das einfache Volk hatte eine hohe Meinung vom zukünftigen Sultan und viele würden nicht nachvollziehen können, weshalb die Prinzessin von Cecilia lieber die Flucht mit einer Horde Dieben ergriffen hatte, als ihn zu heiraten. Leén dagegen konnte gut nachvollziehen, dass eine Heirat aus rein politischen Gründen nicht erstrebenswert klang, ganz besonders in eine fremde Kultur. Die Verwirrungen kultureller Unterschiede waren ihr selbst nur zu gut bekannt.

Leise schlug das Meer gegen den Rumpf ihres Schiffes und der Wind umspielte das Boot in leichten Brisen. Friedlich schien die Sonne auf sie hinab und nichts schien von der Bedrohung zeugen zu wollen, die inzwischen so nah war, dass man erste Menschen an Bord erkennen konnte. Es war so beängstigend ruhig; verräterisch und tückisch schien die Stille zu sein. Ein dunkles Donnergrollen wäre fast angenehmer gewesen. Hätten sie nicht Machairi an Bord gehabt, hätte sie geglaubt, dass sie nun endgültig verloren waren, dass man sie kielholen würde, bevor sie auch nur einen weiteren Sonnenuntergang erlebten. Leider galt es auch im Hinterkopf zu behalten, dass Machairis Vorstellung von einem wünschenswerten Ergebnis nicht unbedingt mit einem guten Ergebnis gleichzusetzen war. Sie erschauderte und trat ein paar Schritte zurück. War es nicht besser unter Deck zu gehen und die ganze Angelegenheit dort auszustehen? Wenn sie versenkt wurden, würde sie von dort nicht rechtzeitig entkommen, aber dann war ihr Leben vermutlich sowieso vorbei. Unschlüssig trat sie auf die Treppe zum Achterdeck zu, wurde aber von einem rothaarigen Mädchen rabiat zur Seite gestoßen, das stürmisch hinaufgestampft kam.

»Hör auf dich zu beschweren und freu dich mal! Endlich passiert hier mal was Interessantes!«, fauchte die Faust über die Schulter und sprang auf die Reling, um das Verfolgerschiff zu betrachten. Ihre Locken wehten leicht im Wind und gaben den Blick auf ein freudiges Grinsen frei. Sie hatte wohl zu Mico gesprochen und schien sich überhaupt keine Sorgen zu machen, über Bord zu fallen.

Der große Cecilian hatte die Arme vor der Brust verschränkt und stand auf dem Hauptdeck, altbekannte Abfälligkeit im Gesicht, die doch in den letzten Tagen immer wieder in den Hintergrund gerückt war. Langsamer stapfte er die Treppe hinauf. »Du kannst nicht einfach in meine Kajüte rennen!« Ärgerlich kam er auf dem Deck zum Stehen und sah grimmig dem Schiff entgegen.

»Es ist auch meine Kajüte, du Ochse.« Nun mehr amüsiert als patzig sprang die Faust zurück aufs Achterdeck. Der zweite Schatten Kefas an Bord des Schiffes hatte mit Mico den einzigen verfügbaren Kajütenpartner zugewiesen bekommen. Nachdem Gwyn in der Besenkammer schlief, die Prinzessin eine Kajüte für sich bekommen hatte, Leén sich eine Kajüte mit Vica teilte und Machairi wieder mal einen Raum ohne Bett – den Kartenraum – bezogen hatte, war ihnen auch nichts anderes übriggeblieben. Für mehr Kajüten hatte das Schiff keinen Platz. Die Crew war schon in die Lagerräume ausgewichen und es war kein Geheimnis, dass die Seeleute mehr als skeptisch waren, eine so dubiose Truppe an Bord zu haben.

»Deshalb kannst du trotzdem anklopfen!« Der Anblick des fremden Schiffes schien nicht dazu zu führen, dass sie aufhören wollten zu streiten.

»Du könntest abschließen.« Vollkommen unbeeindruckt baute sich Gina vor Mico auf und sah ihm gerade ins Gesicht, auch wenn sie dafür hochschauen musste. Sie war dafür bekannt, dass sie streitsüchtig war, und auch dafür, dass sie es liebend gern – und üblicherweise sehr erfolgreich – mit ausgewachsenen Männern aufnahm.

»Es war abgeschlossen.«

»Du bist ein magischer Schlossknacker, ich bin mir sicher, dass du das besser kannst.« Sie hob bei dem Wort magisch beide Hände direkt vor Micos Gesicht und bewegte die Finger einzeln auf und ab.

»Bei allen Göttern. Ich wollte mich umziehen, nicht den Eingang zu einer Schatzkammer verschließen.« Der Magier schlug die Hände der Faust zur Seite und kassierte dafür beinahe einen heftigen Schlag. Das Mädchen hielt nur gerade noch inne, als Machairi neben ihnen auftauchte und sie so eisig strafend ansah, dass selbst die Faust klein beigab.

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