J.D. David - Mondschein

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Als die junge Waise Lora in den Straßen ihrer Heimatstadt einen Jungen rettet, ahnt sie noch nicht, dass dies ihr Schicksal für immer verändern soll. Denn der Gerettete stellt sich als der junge König des Reiches Valorien heraus, und Lora wird in eine Welt von Macht, Krieg, und Intrigen hineingezogen. Während das Königreich noch immer unter den Folgen des letzten Krieges leidet, ist es innerlich zerrissen. Ehrgeizige Adelige ringen um Macht, wilde Horden gefährden den Frieden, und der junge König kann sich nur auf wenige loyale Ritter verlassen.

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Doch der Angriff wurde nicht gestoppt. Nur einzelne Reiter wurden von den Pfeilen aus dem Sattel gehoben. Trotzdem traf fast die gesamte Wucht der urbischen Kavallerie die rechte Flanke der tandorischen Truppen. Die leichten Soldaten, die zum größten Teil das erste Mal in einer Schlacht standen, hatten den erfahrenen Steppenkriegern nichts entgegen zu setzten. Reihenweise wurden die Soldaten von den Reitern abgeschlachtet. Doch langsam kam der Sturm zum Stehen und es entwickelten sich mehr und mehr Zweikämpfe. Arthur ließ den Beschuss durch die schwarzen Pfeile fortsetzten, aber langsam schwand seine Hoffnung, da er auch sah, wie der Hauptangriff nach und nach das Zentrum schwächte. Wann kam endlich der Angriff des Herzogs? Oder ließ er sie hier alleine mit den Urben? Kurz zweifelte Arthur, als er endlich die Trompeten hörte, die den Angriff der tandorischen Reiterei einleiteten. Und Arthur sah die herannahenden Pferde im Osten des Tals.

Celan ritt neben Forgat zu seinen Reitern herunter. Der Herzog hatte mit Freuden den Beginn der Schlacht beobachtet und gesehen, wie der erste Angriff der Urben durch die rethanischen Langbogenschützen zurück geschlagen worden war. Nun begab er sich an die Spitze seiner Reiterei, die er selber anführen würde. Neben Ulf und Forgat umgab ihn noch seine persönliche Leibwache, eine Auswahl der besten Reiter seines Herzogtums. Sein Banner wehte neben Celan im Wind. Er schaute zu ihm hoch und sah, wie der Wolf sich langsam im Wind bewegte. Dieser Wolf würde nun auf die Urben niederfahren und den letzten von ihnen zerschmettern. Dann ritt der Herzog von Tandor los und sein Heer aus fünfhundert Reitern folgte ihm.

Im noch nicht allzu schnellen Trott erreichte die Kavallerie den Übergang vom Hügel in das Tal. Celan schaute nach unten und erkannte, dass sich die Urben von ihrem ersten Schock erholt hatten. Statt weiter zurückzuweichen waren sie selbst zu einem Angriff übergegangen. Celan erkannte besonders die rechte Flanke in Gefahr.

„Ulf, du wirst unsere rechte Flanke entlasten, Forgat bleibt an meiner Seite.“, befahl er seinen Untergebenen, während sich die Reiter um sie herum formierten.

„Auf Männer!“, rief der Herzog von Tandor, während er sein Schwert in die Luft reckte. „Für Tandor und Valorien, lasst uns diesen Wilden zeigen, dass niemand ungestraft unser Land beschmutzt.“ Und dann ließ er die Trompeter das Signal zum Angriff schmettern, das durch die gesamte Schlucht hallte und selbst den Lärm der angreifenden Horden der Urben übertönte.

Das Heer setzte sich in Bewegung. Ebenso wie die Urben vor einigen Minuten preschten die Pferde herunter in das Tal, dem Geschehen der Schlacht entgegen. Noch immer schallte der Klang der Trompeten, dazu kamen der Lärm der Pferdehufe und das Brüllen der Reiter. Celan lachte grimmig. Er fühlte sich gut, hier in erster Reihe vor seinen Männern. Sein Plan war bis dahin genauso verlaufen, wie er es sich gedacht hatte, und er war sich sicher, dass dieser Angriff den Schlussstrich setzten würde. Er war sich seines Sieges sicher, und der Triumph, der mit ihm kam. Jeder andere Herzog hätte den König um Hilfe gebeten, hätte gefordert, dass Valorien gemeinsam gegen die Aggressoren antreten sollte. Doch Celan hatte es geschafft, fast nur mit der Kraft Tandors die Urben zu besiegen. Tandor war stark. Stärker als Rethas und Fendron, stärker gar als die Krone, und das bewies der Herzog an diesem Tag. Dann erreichte der Angriff die hintersten Reiter der Urben.

Der Anführer der Urben fühlte sich deutlich in Bedrängnis. Das Selbstbewusstsein, das er am Anfang der Schlacht gehabt hatte und das durch den Angriff auf die rechte Flanke des Feindes noch bestärkt worden war, wich endgültig, als er die Macht der tandorischen Kavallerie in das Tal stürmen sah. Es waren viele, und sie waren gut ausgerüstet. Herzog Celan führte eine Streitmacht an, die Ikran Khan weit unterschätzt hatte, und das machte ihm jetzt Angst. Er musste überlegen, was jetzt zu tun war. Viele seiner Reiter beschossen noch die feindliche Infanterie mit ihren Pfeilen, nur an einzelnen Stellen waren die Linien gestürmt worden und mehrere Nahkämpfe kristallisierten sich heraus. Ikran Khan hatte einen dieser Stürme selbst angeführt, was ihn auch kurz aus seinen Gedanken riss, als er einen herannahenden Speer abwehren musste. Er ließ das Holz des Schaftes an seiner Klinge abprallen und packte dann den Speer mit seiner anderen Hand. Mit einem kräftigen Ruck riss er an der Waffe und tötete dessen Träger mit einem kräftigen Hieb seines Säbels. Dann nahm er den Speer und versenkte ihn in den Rücken eines Tandorers, der gerade mit einem anderen Urben kämpfte.

Erneut schaute sich Ikran Khan um. Hier im Kampf gegen die Infanterie stand es gar nicht schlecht, besser als er es sich eigentlich erhofft hatte. Er zog sich einige Schritt aus dem Kampfgeschehen zurück und musste erkennen, dass seine Nachhut vom Feind zerlegt wurde, auch wenn der Ansturm des Feindes durch die eigenen Reiter gestoppt worden war. Dennoch befanden sich die Streitkräfte von Ikran Khan in einer Zange aus feindlicher Infanterie und Kavallerie, der sie nicht lange standhalten würden. Letztere war gerade auch sehr erfolgreich dabei, ihren Angriff auf die rechte Flanke zum Erliegen zu bringen. Es war klar, dass sie sich jetzt befreien mussten, sonst wäre diese Schlacht verloren. Jetzt musste ein energischer Angriff folgen, um eine der beiden tandorischen Reihen zu durchbrechen.

Ikran Khan schaute zur feindlichen Kavallerie. Die meisten der Soldaten sahen erfahren aus, dazu waren sie noch gut ausgerüstet, dennoch zahlenmäßig leicht unterlegen. Die zahlenmäßig überlegene Infanterie des Feindes konnte nur im Zentrum wirklich starke Soldaten aufweisen, ansonsten waren es eher bewaffnete Bauern. Auch die Bogenschützen aus Rethas waren einfache Opfer, wenn die Urben die Reihen erstmal durchbrochen hatten. Ikran Khan hatte sich entschieden.

„Zum Angriff, durchbrecht die feindliche Infanterie. Zerschmettert sie!“, brüllte er in der rauen Sprache der Urben und griff dann mit einem lauten Kriegsschrei selbst an, gefolgt von einem großen Teil der urbischen Reiter.

Arthur sah wie der Angriff auf ihre rechte Flanke langsam zurückgedrängt wurde und sich dann ganz verflüchtigte, als die feindlichen Reiter zusätzlich durch die angreifende tandorische Kavallerie abgelenkt wurden. Herzog Celan war wirklich in letzter Minute gekommen. Noch einige Momente später und ihre Reihen wären verloren gewesen. Ein Zusammenbruch der gesamten rechten Flanke wäre nicht zu verkraften gewesen. Jetzt wurde die Flanke aber nach und nach von der herannahenden tandorischen Kavallerie wieder aufgestockt, sodass sich Arthur mit seinen schwarzen Pfeilen wieder auf das Zentrum konzentrieren konnte. In strammem Laufschritt bewegte er sich wieder zu der Mitte der Schlacht, um die tandorische Infanterie dort mit ihren Bögen zu unterstützten. Die Schlacht schien sich endgültig zu ihren Gunsten zu drehen, als Arthur erkannte, wie die feindliche Nachhut von Herzog Celan aufgerieben wurde. Nun mussten sie den Feind nur noch in einer Zangenbewegung endgültig vernichten. Arthur wollte gerade den tandorischen General aufsuchen, um ihm zu befehlen mit der gesamten Infanterie vorzurücken, als ihm ein besonderer Reiter auffiel.

Der Krieger hatte mehrere, offensichtlich sehr kriegserfahrene Reiter um sich geschart und auch seine Kleidung und Waffen zeigten, dass er kein normaler Urbe zu sein schien. Als er dann etwas brüllte erkannte Arthur den Anführer in ihm. Dies war also der berüchtigte Ikran Khan, der für so lange Zeit den Osten Valoriens unsicher gemacht hatte. Wäre Celan von Tandor nicht so stolz und hochnäsig gewesen, dann hätten sie diese Bedrohung mit der vereinten Kraft Valoriens wohl schon längst abgewehrt. Aber der Herzog war ein ehrgeiziger Mann, der nach ebensolchem Ruhm und Ehre strebte, wie sie sein Vater inne gehabt hatte. Dann sah Arthur den Angriff der Urben kommen. Die gesamte Macht des feindlichen Heeres stieß in das Zentrum der tandorischen Infanterie.

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