J.D. David - Sonnenfeuer

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Der junge Soldat Daron kehrt seiner Heimat den Rücken, die nach dem Tod des letzten Königs in Chaos versinkt. Als er viele Jahre später nach Valorien reist, sieht er das Land zerrissen zwischen seinen Herzogen und Adeligen. Doch die wahren Feinde stehen außerhalb der Grenzen des Landes. Ihr Verlangen nach Macht geht weit über die Herrschaft eines einzelnen Königreiches hinaus. Die Legende einer Nachfahrin des Königs ist die einzige Hoffnung, die dem Volk bleibt. Diese, und eine große Kraft alter Tage, der sich auch Daron bemächtigt hat.

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„Es ist mir eine Freude.“, antwortete Daron mit einem freundlichen Lächeln. „Mein Name ist Daron. Ich stamme aus dem Ylonischen Bund, aus Vadenfall, und habe es mir zur Aufgabe gemacht, möglichst viele fremde Länder zu bereisen.“

„Dann ist deine Wahl des Orts und Zeitpunktes aber sehr ungelegen.“, antwortete Vincent. „Obwohl der Krieg in der Tat über die letzten Jahre etwas ruhiger geworden ist.“

„Ja, ich habe davon gehört.“ Daron überlegte kurz, ob er den Angriff auf Eschfurt erwähnen sollte. Immerhin war dort der Krieg alles andere als ruhig gewesen. Andererseits schien es eine gezielte Bestrafungsaktion von Vincents Bruder gewesen zu sein.

„Es tut mir leid, was Lumos diesem Dorf angetan hat.“, sagte aber nun Vincent von sich aus. „Er hat es sich selbst zur Aufgabe gemacht, alle Priester und Gläubige dieser falschen Religion zu vernichten. Doch manchmal geht er dabei etwas zu rabiat vor.“

„Was hat Euer Bruder gegen die Trias?“

Vincent zuckte die Schultern. „Nun, es ist klar, dass die Trias verboten ist. Seitdem die Menschen im Norden Fendrons im Namen dieser Religion gegen meinen Vater aufgestanden sind, wurde das Verbot in ganz Tandor mit Gewalt durchgesetzt. Aber die Bedrohung ist weitestgehend vernichtet. Nur noch vereinzelte Menschen klammern sich an diesen Glauben.“

„Ich dachte, Fendron wäre ein anderes Herzogtum in Valorien?“, fragte Daron neugierig. Vincent schnaubte leicht.

„Das ist wohl richtig. Anscheinend hast du dich schon vorher über unser Königreich schlau gemacht.“

„Man liest viel in Büchern.“

Vincent nickte, ging aber auf die Antwort nicht weiter ein, sondern erzählte weiter. „In der Tat waren einst Fendron, Rethas und Tandor die drei Herzogtümer Valoriens, die direkt der Krone unterstanden. Der König regierte über die Kronlande. Nach dem Tod des letzten Königs aufgrund des Verrats seiner engsten Vertrauten, hat mein Vater, als Nachfolger von Leodegar von Tandor, die Krone beansprucht.“

„Und wieso ist er dann nicht der König?“

Vincent zögerte kurz, bevor er antwortete. „Die Ritter und Herzöge des Reiches stimmten mit seinem Anspruch nicht überein. Wie wir heute stehen, herrscht mein Vater über die nördlichen Kronlande. Dies schließt Goldheim ein, die Heimat eines der Verräter. Außerdem hat er die nord-westlichen Teile Fendrons im Besitz, bis zur Hafenstadt Lyth Valor. Mit dem Herzog von Fendron und dem Verweser der Kronlande besteht ein brüchiger Waffenstillstand, Herzog Helmbrecht von Rethas erkennt den Anspruch meines Vaters an. Dafür stellt ihm Tandor Truppen zur Seite, um sich gegen Rebellen und Verbrecher zu wehren, die sein Herzogtum bedrohen.“

„Interessant.“, gab Daron zurück. Denn in der Tat waren die genauen Begebenheiten, die Vincent preisgab, von höchstem Interesse für ihn. „Und was ist Eure Aufgabe?“, fragte er neugierig.

„Mein Vater hat mich mit meinen Männern aus Taarl fortgeschickt, um sein Reich zu erkunden. Er gab mir den Auftrag zu verstehen, wie die Situation in den einzelnen Städten und Burgen ist. Meist reise ich verdeckt, deshalb auch nur die kleine Eskorte. Aber nun bist du an der Reihe, von deinen Ländern zu erzählen. Sag, wie war Kargat? Ich kenne das Königreich nur als Feind, doch habe es nie sehen können.“

Daron lächelte ob des Interesses des jungen Adeligen. „Das werde ich gerne lang und breit erzählen. Allerdings bin ich im Moment recht erschöpft, aufgrund der Geschehnisse.“, gab er zu Bedenken.

Doch Vincent winkte ab. „Dann eben später. Was hältst du davon: Du willst doch sowieso die Länder erkunden. Begleite mich auf meinen Reisen durch Tandor. Ich finde dich interessant, Daron. Und dann wird mir auf keinen Fall langweilig, während du unter meinem Schutz stehst. Wie hört sich das an?“

Daron verneigte sich dankbar. „Vielen Dank, Euer Gnaden. Das hört sich sehr gut an, und ich würde den Vorschlag dankend annehmen.“

„Sehr gut.“, antwortete der Sohn Tandors. „Ach, und Vincent ist ausreichend.“

Kapitel 5

Helmbrecht schaute auf seine zitternden Hände hinunter, als er die Seiten umschlug. Er blätterte vorsichtig nach hinten. Für ihn schien es wie eine kleine Reise in die Vergangenheit. Gerne hätte er sagen wollen, eine Reise in die Jugend. Aber so weit blätterte er nicht zurück. Nur einige Jahre, bis zu jenem Jahr, das als Jahr des Blutes in die Geschichte eingegangen war.

Er seufzte und studierte die Worte, die doch die Grausamkeit der Realität kaum fassen konnten. König Priovan, der letzte Erbe St. Gilberts, wurde vom Verräter Heinrich von Goldheim getötet. Dieser wurde von Herzog Celan von Tandor niedergestreckt, doch das Leben des Königs konnte nicht mehr gerettet werden. Es war die offizielle Version der Geschehnisse in Elorath, die er in das Buch des Herzogtums geschrieben hatte. Noch immer zweifelte er an der Version des Herzogs, aber es spielte auch keine Rolle. Wahrheit war relativ, das hatte er Celan schon vor vielen Jahren geraten. Mit dem Alter wurde diese Erkenntnis immer deutlicher. Nun hatte er so viele Jahre hinter sich, wie kein Mensch, den er je gekannt hatte. Doch das Schicksal wollte noch immer nicht seinen Tod. Stattdessen hatte es das Leben aller anderer seiner Verwandten und Nachkommen beendet.

Er erinnerte sich an jenes Jahr zurück. Nachdem er die Nachricht vom Tod des Königs erhalten hatte, hatte er sich persönlich auf die anstrengende Reise nach Elorath aufgemacht. Trotz seines Alters. Es war das letzte Mal gewesen, dass er Grünburg verlassen hatte. Doch es war seine Pflicht gewesen, als Herzog und Ritter. Denn das Reich wollte regiert werden, gerade in schweren Zeiten. Und dies konnte nur aus Elorath geschehen, aus dem Rittersaal. Damals schien ihm die Zukunft noch so gewiss. Celan würde König werden, als Nachfolger von Leodegar. Forgat würde sich diesem sowieso beugen, er wollte am liebsten Rethas in Sicherheit wissen, und die überlebenden Ritter würden sich fügen oder sterben. Schon bald, wenn seine Zeit abgelaufen war, würde sein junger Enkel Helmbrecht, Sohn seines zweitältesten Sohn, das Herzogtum führen. Es schien so einfach. Doch es sollte alles anders kommen.

Er erinnerte sich noch wie gestern, als er bereits im Rittersaal saß. Die Banner der Verräter waren entfernt, die Schwerter von Eleonora, Ulf und Heinrich bereits an ihren Platz gebracht. Während er und Celan sprachen, waren Alois und Forgat in den Saal getreten. Was folgte, waren wüste Beschimpfungen, und nur seine beruhigenden Worte hatten verhindert, dass die Ritter direkt die Klingen kreuzten. Doch die Situation hatte sich schlagartig geändert.

Forgat berichtete vom Wunder von Liamtal, von der Rückkehr des Boten der Trias, wie er Fürst Elian bezeichnete. Und von dem Erben St. Gilberts, der lebte und eines Tages unter dem Segen der Trias nach Valorien zurückkehren würde. Ein Tag, für den Forgat nun beten würde.

Alois war in dieser Hinsicht strategischer. Er warf Celan den Verrat vor, dessen Heinrich bezichtigt war und erzählte von den Befehlen Ulfs, die junge Ritterin Eleonora zu töten. Doch viel wichtiger war: Er hatte mit seiner Streitmacht wichtige Posten der Kronlande besetzt und die Stadtwache Eloraths auf seine Seite gezogen, die alle Soldaten Tandors innerhalb der Stadt verhaftet hatten.

Was folgte, war nicht mehr zu verhindern. Celan schaffte es noch, aus der Stadt zu fliehen, die er gerade noch als seine geglaubt hatte. Helmbrecht selbst hatte Alois und Forgat offen seine Unterstützung für Celan mitgeteilt. Weniger aus dem eigenen Wunsch, diesen auf dem Thron zu sehen, als vielmehr in der Angst um Rethas, in dem sich wohl mehr Tandorer und Urben als rethanische Soldaten aufhielten. Denn diese unterstanden zu der Zeit Alois. Doch er rief Rethas als neutral aus und zog sich zurück. Wenn er auf die Wirren dieses Jahres zurückschaute, war das wohl die beste Entscheidung gewesen. Denn so hatte sich der Krieg nicht nach Rethas ausgebreitet und er hatte nur gegen die Partisanen von Arthur kämpfen müssen.

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