Liv-Malin Winter - Pechschwarzer Sand

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Pechschwarzer Sand: краткое содержание, описание и аннотация

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Die E-Mail eines alten Schulfreundes reißt den Umweltberater Eric Bergmann aus seiner täglichen Routine. Chris und seine Frau Rena sind ins Visier des einflussreichen Ölkonzerns ENTAL geraten und gezwungen aus Kanada zu fliehen. Entschlossen, etwas gegen ENTAL zu unternehmen, reist Eric nach Fort McMurray, dem Herz der Ölsandförderung. Er trifft sich mit Umweltaktivisten und traut seinen Augen nicht. Zu ihnen gehört Isabella Filanders, die Frau, in die er sich vor Jahren verliebt hat und die auf einmal spurlos verschwand. Isabella lebt im Verborgenen, denn in einer Zeit, in der Öl kostbar wie Gold ist, kommt die Kritik an einem Ölkonzern einem Verbrechen gleich. Gemeinsam versuchen sie, die Produktion zu stören und den guten Ruf der Firma in Zweifel zu ziehen. So einfach lässt sich ENTAL allerdings nicht in die Knie zwingen. Sie kommen Isabella auf die Spur und ihnen ist jedes Mittel recht, um die notwendigen Antworten von ihr zu erhalten.
"Pechschwarzer Sand" ist nach «Eiskalte Energie» der zweite Roman von Liv-Malin Winter.

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Ein lautes Klirren riss sie aus ihrer Versunkenheit. Irgendwo war ein Glas zu Bruch gegangen. Sie registrierte, dass sie immer noch seine Hand in ihrer hielt und ließ sie los.

Sie erinnerte sich, dass Tom anwesend war. Sie wandte ihren Blick von Eric ab, damit sie sich konzentrieren konnte.

Tom schien nichts von dem mitbekommen zu haben, was sich gerade zwischen Isabella und Eric abspielte. Er begann Eric über seine Motive und Absichten zu befragen. Sie führten das Gespräch auf Englisch. Eric hatte in der Vergangenheit häufig internationale Kunden betreut und die Sprache bereitete ihm keine Mühe. Nach ein paar Minuten hatte sich Isabella so weit gefangen, dass sie ihren Teil beisteuern konnte. Isabella spürte Erics Blick auf sich ruhen. Doch sie vermied es ihn zu erwidern, um nicht aus dem Konzept zu geraten. Ihr war klar, dass Eric die Situation nicht verstand, doch er spielte mit. Schließlich nickte sie zufrieden. Sie hoffte, dass es für Tom so aussah, als ob auch sie Eric gründlich ausgehorcht hatte.

»Ich denke, es ist am besten, wenn Eric mit zu uns kommt«, wandte sie sich an Tom.

Dieser sah sie erstaunt an. Sie hatten noch nie einem Außenstehenden ihr Haus gezeigt. Bisher war es immer Isabella gewesen, die vehement dagegen war, Fremde in ihren Schlupfwinkel zu lassen.

»Warum?«, fragte Tom.

Isabella wusste genau, was er dachte.

»Wir werden viel mit Eric besprechen müssen. Wenn wir das jedes Mal in der Öffentlichkeit tun, könnten die falschen Leute auf uns aufmerksam werden«, antwortete sie.

»Bist du dir sicher?« Tom sah sie eindringlich an. Isabella erwiderte seinen Blick.

»Ja.«

»Also gut.« Tom stand auf.

Sie verließen das Restaurant und nahmen einen Bus, der Fort McMurray durchquerte. In einem der westlichen Außenbezirke stiegen sie aus.

»Ich gehe Sunny abholen«, sagte Isabella und ging zu einem Haus in der Nähe. Es war ein Waisenhaus.

Sie unterhielt sich kurz mit einer Frau und kam dann mit einem Mädchen an der Hand zu Tom und Eric zurück. Eric schätzte, dass das Mädchen fünf oder sechs Jahre alt war. Es hatte braune lockige Haare.

»Das ist Sunny«, stellte Isabella ihm das Mädchen vor. »Sunny, das ist Eric. Er wird ein paar Tage bei uns wohnen.«

Eric lächelte das Mädchen an, während Sunny ihn skeptisch musterte.

»Lasst uns gehen. Wir haben noch eine halbe Stunde Fußmarsch vor uns und ich habe Hunger«, forderte Tom die anderen auf.

Sie erreichten ein Holzhaus, das einsam im Wald stand.

»Hier wohnen wir«, bemerkte Isabella, während sie die Tür öffnete und eintrat. »Das ist unser Büro«, sie deutete auf einen Raum, der gleich rechts vom Flur abging.

Eric folgte ihr und sah sich in dem kleinen Raum um. Es passten nur zwei Schreibtische und ein paar Regale hinein.

Isabellas Blick fiel auf die Tasche, die Eric in seiner Hand trug.

»Ich zeige dir, wo du deine Sachen abstellen kannst«, sagte sie und verließ das Büro.

Sie durchquerten den Flur und Isabella öffnete eine Tür.

»Hier ist dein Zimmer. Ich hoffe, es ist in Ordnung für dich.« Isabella sprach immer noch Englisch.

»Sicher«, antwortete Eric und ging hinein.

Das Zimmer war sehr klein. Die Möblierung bestand aus einem Doppelstockbett, an das sich ein schmales Regal anschloss. Ein paar Haken an der Wand vervollständigten die Einrichtung. Eric ließ seine Tasche auf den Boden fallen. Dann sah er Isabella an. Sie war es wirklich. Er konnte es kaum glauben.

»Wie hast du mich gefunden?«, fragte sie leise. Nun wechselte sie ins Deutsche.

Die verschiedensten Gefühle waren in ihrem Gesicht zu lesen. Verwirrung, Freude und Angst. Angst? Er verstand nicht, warum sie Angst vor ihm haben sollte.

»Ich habe dich nicht gefunden«, beantwortete er ihre Frage. »Ich bin zufällig hier. Ich wusste nicht, dass du dich in Alberta aufhältst.«

Mit einem Schritt war er bei ihr. Er umschlang sie und zog sie an sich. Die andere Hand legte er an ihre Wange. Er lehnte seine Stirn an ihre und sah in die Tiefen ihrer grünen Augen.

»Oh Isa, ich bin so froh, dass es dir gut geht. Ich habe dich so lange gesucht, aber es gab keine Spur von dir. Es tut mir so leid«, murmelte er. Er senkte seinen Mund zu ihren Lippen. Isabella befreite sich hastig aus seiner Umarmung. Eric hörte Schritte und einen Moment später erschien Tom.

»Alles in Ordnung hier?«, erkundigte er sich.

»Ja, alles in Ordnung«, antwortete Isabella.

»Eric, hast du Hunger?«, fragte Tom.

»Ja«, antwortete Eric mit einem zwanglosen Lächeln.

»Dann werde ich mal was vorbereiten. Amy, hilfst du mir?«

»Ja, natürlich.«

Eric sah Isabella nach und fragte sich, in welcher Beziehung die drei Menschen, die hier lebten, zueinander standen.

Eine Stunde später saßen sie gemeinsam am Tisch und ließen sich einen kräftigen Eintopf schmecken.

»Warum wohnt ihr alleine im Wald?«, erkundigte sich Eric.

»ENTAL macht uns das Leben sehr schwer. Wir sind vielen Anfeindungen ausgesetzt und müssen uns vor Übergriffen schützen. Deshalb leben wir sehr zurückgezogen«, beantwortete Isabella seine Frage.

»Ich habe schon gehört, dass es hier gefährlich werden kann«, bemerkte er und widmete sich wieder seiner Suppe.

Tom sah ihn misstrauisch an. »Von wem hast du das gehört?«

»Freunde von mir haben bis vor kurzem in Alberta gelebt. Sie mussten das Land verlassen, weil der Druck, den ENTAL auf sie ausgeübt hat, zu groß geworden ist.«

»Wie heißen deine Freunde?«, kam es sofort von Tom.

Eric musterte Tom einen Moment und überlegte, ob er die Namen preisgeben sollte. Er warf Isabella einen kurzen Blick zu. Auch sie schien sehr interessiert an seiner Antwort zu sein. »Es sind Chris und Rena Siebach.«

Toms Gesicht hellte sich bei dieser Antwort auf. »So klein ist die Welt«, stellte er lachend fest.

»Chris und Rena haben während ihrer Flucht bei uns Station gemacht«, erklärte Isabella. »Wie geht es ihnen?«

»Gut. Sie wohnen bei mir in Berlin.«

Bei dieser Antwort überkam Isabella plötzlich heftiges Heimweh. Sie spürte Erics warmen Blick auf sich und ihr war schmerzlich bewusst, wie viel sie durch ihr Engagement gegen den Abbau von Methanhydrat verloren hatte.

Eric riss seinen Blick von Isabella los. »Ich muss Renas Vater besuchen. Wie ihr sicher wisst, wohnt er in Fort Chipewyan. Ich will ihm mitteilen, dass Chris und Rena wohlbehalten in Berlin angekommen sind. Außerdem habe ich ein Foto von seiner Enkeltochter.«

»Es wird nicht einfach sein, dort hinzukommen«, bemerkte Tom. »Fort Chipewyan ist 280 km von hier entfernt und im Sommer gibt es keine befestigte Straße. Im Winter, wenn hier alles gefroren ist, kommt man leichter dorthin.«

»Und was machen die Leute, die im Sommer nach Fort Chipewyan wollen? Es muss doch auch zu dieser Jahreszeit Möglichkeiten geben?«, hakte Eric nach.

»Klar gibt es die«, antwortete Tom. »Man kann sich ein kleines Flugzeug chartern, aber das kostet natürlich. Außerdem kontrolliert ENTAL, wer über die Abbaugebiete fliegt. Sie wollen nicht, dass Fotos von dieser verpesteten Mondlandschaft gemacht und veröffentlicht werden«, bemerkte er verächtlich. »Ich werde mich nach einer anderen Mitfahrgelegenheit für dich umhören.«

»Vielen Dank.«

»Eric, hat Amy dir schon von unserem Treffen morgen erzählt?«

Eric schüttelte den Kopf.

»Morgen wollen sich alle Umweltschützer aus der Gegend treffen. Wir wollen versuchen unser Vorgehen besser zu koordinieren. Du bist also genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen.«

Tom berichtete Eric von den Aktionen, die in der Gegend liefen. Isabella beteiligte sich kaum an dem Gespräch und Sunny begnügte sich damit, Eric hin und wieder misstrauische Blicke zuzuwerfen.

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