Sie hätte gerne das Gesicht der Leiche gesehen, brachte es aber nicht über sich, das Haar auf die Seite zu streichen. Auch an diesem, es schien als wäre es total verschwitzt, klebte Blut. Nein, das Gesicht würde sie noch früh genug sehen. Das was sie im Moment sah, reichte.
Trotzdem, es half nichts. Sie musste näher ran. Obwohl sie sich auf den ersten Blick nicht vorstellen könnte, dadurch etwas noch genauer erkennen zu können, als sie es ohnehin schon tat.
Nicht zuletzt deswegen, weil kaum ein Zentimeter an diesem Körper, heil zu sein schien. Selbst an den Beinen konnte sie nur wenige Stellen entdecken, die nicht von tiefen Narben bedeckt waren. Die Striemen, Schnitten nicht unähnlich, hatten mittlerweile eine dunkle, fast schwarze Färbung angenommen. Sie schienen so tief zu sein, dass man eine Fingerspitze darin stecken konnte. Die Haut um diese Narben herum, hatte jene Bleiche angenommen, die typisch für einen Leichnam war.
Sie mochte sich nicht vorstellen wie er Rücken oder das Gesicht aussah
Markus musste sie zweimal ansprechen, bevor sie reagierte.
„Maria“, sagt er. „Maria“. Erst dann reagierte sie auf ihn. Entgeistert sah sie ihn an, fragend und verwundert.
Markus fasste sie sachte am Arm.
„Ich hab auch eine Zeit lang gebraucht um mit dem Anblick klarzukommen“, gestand er ihr. Er wandte für einen Augenblick den Kopf, sah auf den Leichnam.
„Willst du dich setzen“, fragte er sie.
Sie nickte nur.
Markus sah sich um, suchte nach einer Sitzgelegenheit für sie.
„Komm“, meinte er. „Setz dich hier auf die Stufe.“ Sie tat, was er ihr vorgeschlagen hatte.
Maria legte sich ihre Hände auf beide Wangen, hielt dabei das Taschentuch vor ihre Nase gepresst.
Manchmal blinzelte sie. Der stechend scharfe Geruch, ließ ihre Augen tränen.
Markus setzte sich neben sie auf die Stufe und legte einen Arm um sie.
„Was…!“ Mehr war sie nicht imstande zu sagen.
Markus, der ihr mit einer beruhigenden Bewegung über den Rücken strich, sagte: „Tja, es sieht so aus, als hätten wir es hier mit einer BDSM-Anhängerin zu tun.“ „BDSM“, wandte sich Maria verwundert an ihn.
„Ja“, meinte Markus bestätigend. „Du weißt schon,
Peitschen, Fesseln, Handschellen und so weiter.“
Maria wies auf den Leichnam und sagte: „Das waren doch keine Peitschen.“
Markus ging nicht weiter darauf ein. „Sophie Brandtner,
Alter 32“, sagte er.
„Hat sich das Häuschen hier vor rund drei Jahren gekauft. Arbeitet als Sekretärin für ein Notariat in der Innenstadt. Und sie ist BDSM Anhängerin!“
„Verzeihung, war“, fügte er hinzu.
„Woher weißt du das“, wollte Maria von ihm wissen. Nur weil sie da oben hängt, bedeutet das nicht, dass sie…!“
Markus unterbrach sie.
„Und warum denkst du, hat sie in ihrem eigenen Keller ein Andreaskreuz stehen“, wollte er von ihr wissen.
„Außerdem haben wir in einem Wandschrank im oberen Stock mehrere Tools gefunden die eindeutig darauf hindeuten. Peitschen, Fesseln, Nadeln, Masken aus Latex, Videos und so weiter…“, sagte er.
„Glaub´ mir, dass sind keine reinen Sammlerobjekte!“
Maria starre weiter auf den Körper.
„Das hat doch mit BDSM nichts mehr zu tun“, sagte sie protestierend.
„Die Frau ist einfach nur gefoltert worden. Sieh dir mal den Körper an“, forderte sie ihn auf, wobei sie mit einer Hand auf die Leiche wies.
„Was haben die Klugscheißer von der Spurensuche bis jetzt herausgefunden“, wollte sie von ihm wissen.
Langsam gewann sie wieder ihre Fassung.
„Hmm“, begann Markus. „Die sind ja noch dabei, wie du sehen kannst. Tatsache ist, dass sie massiv Blut verloren hat. Sie rätseln aber noch herum ob sie aufgrund der…, Behandlung gestorben ist oder aufgrund eines Herzinfarktes“, ließ er sie wissen.
„Kein Mensch kann so was überleben“, sagte Markus.
„Manche der Wunden sind derart tief…“; setzte Maria erneut an.
„Das bringt man doch nicht mit einer Peitsche zustande!“
„Das glauben die Meds auch nicht“, bestätigte Markus ihr.
„Sie meinen, dass man derartige Wunden nur mit etwas Scharfem, Metallischen, verursachen kann.
„Manche an der Seite sind so tief, dass man die Rippen sehen kann. Genaueres werden wir aber erst erfahren, wenn sie auf dem Tisch war.“
"Mein Gott“, sagte Maria.
„Wer tut denn so was“ fragte sie ihn bestürzt.
„Ich hab keine Ahnung“, sagte Markus. „Aber der, der das getan hat, hat seiner Wut freien Lauf gelassen!“
Markus sah, wie sie ihn entsetzt ansah.
Es vergingen ein paar Minuten, bevor Maria sich von dem
Anblick abwenden konnte.
„Ich muss hier raus“, sagte sie zu ihrem Kollegen. „Ich bring dich hoch“, erwiderte Markus.
„Bis die Spurensicherung fertig ist, dauert es eh noch eine Weile.“
An der frischen Luft angekommen, beugte sich Maria nach vorne, stemmte dabei ihre Hände auf die Oberschenkel. Sie versuchte Luft zu bekommen, merkte, dass sie jeden Moment ihr Frühstück wieder hergeben würde. Zum Glück hatte sie an diesem Morgen außer einer Tasse Kaffee und einem alten Croissant, das noch von gestern übriggeblieben war, nichts gefrühstückt.
Wieder griff sie sich das Taschentuch, um sich den kalten Schweiß von ihrer Stirn abzuwischen und war dann endlich wieder in der Lage, sich aufzurichten.
Markus sah sie besorgt an.
„Warum fährst du nicht zurück ins Büro und ich halt dich auf dem Laufenden“, fragte er sie.
„Die Spurensicherung wird hier noch ein paar Stunden zugange sein. Wenn wir dann alles beisammenhaben, komm ich auch rein und lass dich wissen, was wir haben.“
Marias Blick war starr nach vorne gerichtet.
Noch immer hatte sie den Zustand des Leichnams vor Augen.
„Ja“, begann sie. „Das mach ich auch. Wir sehen uns dann im Büro.“
Mit langsamen Schritten begann sie die Stufen nach oben zu nehmen, um zu ihrem Wagen zu gehen.
Kaum hatte sie sich in ihren Dienstwagen gesetzt, ergriff sie mit beiden Händen das Lenkrad.
Wieder sah sie starr nach vorne. Als es ihr endlich gelang, ihre Fassung zurückzugewinnen, startete sie den
Wagen und fuhr los.
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