Hannelore Rose - Russisches Konfekt

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"Es ist eine unglaubliche Detonation, so laut, so extrem. Es riecht nach Verbranntem, sehr, sehr süßlich. Später erfuhr ich: Die sowjetischen Soldaten bauten einen Zaun…"
Die autobiografische Erzählung beginnt mit der Kindheit in Jüterbog/ Altes Lager in unmittelbarer Nähe des Standortes eines sowjetischen Jagdfliegerregimentes.
Die Erzählung ist eine Retrospektive in traumatische Erlebnisse und in die Besonderheiten des Lebens in der sowjetisch besetzten DDR. Die persönliche Lebens- und Familiengeschichte ist auch die Geschichte einer ganzen Generation. Die Bilder der Gesellschaft sind ausdrucksstark, facettenreich und eine Anregung zum Mitfühlen und Nachdenken.

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Mein Vater war der Protokollant.

Mein Vater, in Riga geboren, war der deutschen wie der russischen und polnischen Sprache mächtig. Im Krieg arbeitete er oft als Dolmetscher. Meine Oma, meine Tante und mein Vater mussten zu Beginn des Krieges als Flüchtlinge Riga verlassen. Die drei großen Wohnhäuser stehen heute noch dort, der Besitz meiner Großeltern. Weil mein Vater nur eine Hand hatte, wurde er nicht zum aktiven Wehrdienst eingezogen. Er gehörte quasi zu den Leuten, die zu den „rückwärtigen Diensten kamen“. Gleich nach dem Krieg arbeitete er nur noch in der Kommandantur und übersetzte Schriftstücke, Gespräche und Diskussionen mit deutschen Behörden.

Später, als Buchhalter in einem Landtechnischen Instandsetzungswerk, organisierte er im Rahmen der deutsch-sowjetischen Freundschaft Hilfsdienste für das Werk. Wenn die Produktion, in diesem Falle waren es Reparaturarbeiten an den landtechnischen Maschinen, einmal wieder nicht geschafft wurde, halfen sowjetische Soldaten im Werk. Sie bekamen Limonade und ein warmes Essen. Meist einen Eintopf mit Bockwurst. In jedem Falle musste irgendetwas mit Fleisch oder Wurst dabei sein. Die Soldaten waren dankbar und arbeiteten fleißig. Für sie war es quasi wie eine Auszeichnung. Raus aus der Kaserne, weg von dieser Tristesse. Es war eine willkommene Abwechslung. Mein Vater sorgte dafür, dass das Mittagsgericht irgendwie Fleisch enthielt. Er sorgte auch dafür, dass es Limonade gab, die mochten die Soldaten sehr. Sie waren dankbar, dass ein Deutscher ihre Sprache verstand und fließend antworten konnte.

Wenn sowjetische Offiziere feierten, ging es heftig und laut zu. Getrunken wurde Wodka, die berüchtigten Sto-Gramm-Gläser. Dazu gab es getrockneten Fisch aber auch Brot. Dieses jedoch auch trocken. Russen kennen keine Margarine, kaum Butter.

Gebraten wurde mit Öl. Ich erinnere mich an einen Bericht im Fernsehen, Hilfsgüter wurden in die Nähe von Tschernobyl gebracht. Es waren viele medizinische Anlagen für Operationssäle, Traubenzucker, Brotbackteig und Margarine. Die Russen wussten mit der Margarine nichts anzufangen und waren sehr erstaunt über diese Spende.

Die Trinkgelage kannte jeder Deutsche in unserem Ort. Sie grölten und lärmten, wenn sie sich von ihrer Einheit oder der Gaststätte in Richtung eigene Wohnung bemühten. Eines Morgens, als ich auf dem Weg zur Schule war, musste kurz vorher ein sowjetischer Offizier aus der Gaststätte gekommen sein. Er hatte Kleingeld verloren, das ich fleißig aufhob. So etwas passierte selten, Geld finden. Unglaublich. Er hatte aber auch noch Konfekt verloren. Russisches Konfekt. Es gab wenige Sorten. Das teuerste Konfekt war doppelt, manchmal sogar dreifach verpackt. Es waren einzelne Stückchen, eingewickelt wie ein sehr großer Bonbon. Die leckerste Sorte hatte sogar noch eine Keksschicht unter der Schokolade. Das äußere Papier war blau bedruckt mit Motiven von großen braunen Bären, mit „Mischkas“. Es lagen sehr viele Konfektstücke auf der Straße. Ich war ganz irritiert. Nur zwei, drei Stück konnte ich nehmen, der Rest war leider geöffnet und stark verschmutzt. Sehr, sehr schade. Dieses Konfekt hatte viel Geld gekostet. Natürlich war ich als Grundschülerin traurig. Meine Eltern hatten wenig Geld. Alles war knapp bemessen. Ich verstand damals kaum, warum die Offiziere, und es waren nicht selten Generäle dabei, sich so maßlos nach einer Feier benahmen. Das war der Gegensatz zum strengen Gehorsam der Soldatenzeit und der großen Freude im Ausland, in der DDR arbeiten zu dürfen. Sie waren die Herrscher schlechthin gegenüber den vielen Soldaten und den unterwürfigen Einheimischen. Niemand wagte ihnen zu widersprechen.

Die russischen Soldaten gingen in den Sommernächten in die Gärten der deutschen Anwohner. Sie stahlen Obst und Gemüse und zertrampelten die Beete. Keiner wagte darüber etwas laut zu sagen. Unserer Familie ist es regelmäßig passiert, jedes Jahr, dass reifes Obst und Gemüse aus unserem Garten gestohlen wurde. Sehr, sehr ärgerlich. Wenn mein Vater daheim war und dies bemerkte, schimpfte er laut aus dem Fenster auf Russisch, da waren die Soldaten ganz schnell verschwunden. Ich verstand nur soviel, dass er dies der Kommandantur melden werde, was natürlich nie passierte.

In Altes Lager gab es eine große Bäckerei. Der Vater meiner Freundin war dort Leiter. Ihre Wohnung lag über den Backräumen, war immer warm zudem noch mit einer Zentralheizung. Luxus pur. Ich war gerne bei meiner Freundin Gabi. Das Familienleben war anders, es herrschte eine freundliche Atmosphäre. Sehr gemütlich.

Die hungernden Soldaten brachen oft in die Bäckerei ein. Sie stahlen Brot. jeder wusste das im Ort. Natürlich durfte man nicht darüber reden. Irgendwie hatte ich von Gabi gehört, dass teilweise permanent ein, zwei Fenster nach dem x-ten Einbruch in der Bäckerei offen gelassen wurden. Die Bäckerei befand sich im Souterrain. Es war kaum möglich, ständig neues Fensterglas zu besorgen. Die Bäcker legten dann einfach Brote in der Nähe der Fenster parat, damit die Einbrecher nicht ständig Schäden anrichteten. Wenn die Soldaten am Tage bettelten, reichten die Bäcker ihnen Brot zum Fenster hinaus. Ich habe es mehrere Male gesehen, aber nie darüber geredet.

Mit Gabi war ich wie gesagt oft auf dem militärischen Gelände unterwegs. Wir schauten und erspähten. Es war immer spannend. Ab und an war ich auch allein unterwegs. So trug es sich zu, dass ich im ‚Haus der Offiziere‘ mit anschaute, wie ein Offizier mehrere Soldaten anwies, ein sehr großes Bild der Oktoberrevolution, Lenin vor einer roten Fahne und mit großer Geste, von der Wand zu nehmen. Es war in einem großen Saal auf einer riesigen Wandfläche irgendwann nach Kriegsende dort aufgehängt und danach nie wieder abgenommen worden. Vor und im Krieg wurde dieses Haus von den Offizieren der Wehrmacht genutzt.

Über vierzig Soldaten standen auf einem Gerüst und gaben sich Mühe, dieses enorm große Gemälde abzunehmen. Es war handgemalt, zirka zehn Meter hoch und achtzehn Meter breit. Nach mehreren Anläufen gelang es, den Schinken herunterzuheben. Nur, welches Bild bot sich nun dem Betrachter? Kein weißer, einfarbiger Hintergrund oder vielleicht eine verstaubte bzw. verschmutzte Rückwand. Nein. Hinter diesem Bild verbarg sich ein überdimensionales Mosaik, tausende feinste winzige Steinchen. Zu sehen war ein riesengroßes Hakenkreuz in den schönsten Mosaikfarben. Eine tolle Handarbeit. Im zweiten Moment waren alle so erschrocken vor dem grusligen Hakenkreuz, dass der Offizier sofort den Befehl gab, das Lenin-Bild wieder aufzuhängen. Seitlich ließ er noch testen, ob man das Mosaik übermalen könnte. Es gelang aber mit der vorhandenen Farbe nicht; die hätte wenigstens einen hohen Anteil an Leim haben müssen. Also blieb alles so wie es war. Den Anblick des Hakenkreuzes habe ich jedenfalls nicht vergessen. Er war faszinierend. Ein schrecklich schöner Anblick, das furchteinflößende Kreuz als eine so liebevolle Handarbeit.

Im ‚Haus der Offiziere‘ gab es noch eine Menge mehr zu bestaunen. Im gesamten Kellerbereich waren nicht nur großzügige Sanitäreinrichtungen untergebracht, es waren auch viele Billardtische aufgebaut worden. Es hieß, dass Hitler persönlich mehrmals in Altes Lager war. Zu den Besprechungen kam er mit einer Militärmaschine aus Berlin. Die Attraktion war ja die irre große unterirdische Rollbahn. Wer mit dem Personenzug von Altes Lager nach Jüterbog fuhr, es war die Strecke von Potsdam nach Jüterbog, musste oftmals auf Höhe des Flughafengeländes warten. Das Signal stellten dann die russischen Einsatzkräfte auf Rot. Nach einiger Zeit kamen die Kampfjets vom Übungsflug, meist zehn bis zwanzig Flugzeuge, zurück und landeten auf dieser unterirdischen Rollbahn. Es war ein faszinierender Anblick. Sie flogen beängstigend tief über den Personenzug hinweg. An den ohrenbetäubenden Lärm hatte ich mich als Kind schon gewöhnt.

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