1 ...6 7 8 10 11 12 ...15 Christine El Mahdy, Tutanchamun, Karl Blessing Verlag, München 2000 (4)
Abd-ru-shin, Im Lichte der Wahrheit - Gralsbotschaft, Verlag der Stiftung Gralsbotschaft, Stuttgart 2004 (5)
3 Moses, Ramses und die Verkündigung der Zehn Gebote
Vor mehr als 3.000 Jahren ereignete sich in Ägypten nach Aussagen der Bibel viel Ungewöhnliches von einzigartiger Bedeutung: Apokalyptische Plagen im Lande, der Auszug der geknechteten Israeliten unter ihrem Anführer Moses, die Vernichtung des Pharaos und seiner Soldaten im Roten Meer sowie die Übergabe der Zehn Gebote Gottes an Moses im Sinai. Aber was ist fromme Legende, und was ist Wahrheit? Denn die Schriften des Alten Testaments sind erst lange nach dieser Zeit entstanden.
Ramses II., ein Meister der Selbstvergöttlichung
Man hält es heute für wahrscheinlich, dass es im 13. Jahrhundert v. Chr. – zur Regierungszeit von Ramses II. – einen Auszug von Israeliten aus Ägypten gegeben hat. In der Bibel wird erwähnt, dass die Israeliten beim Bau der Städte „Phitom und Raemses“ Frondienste zu leisten hatten, und das deckt sich gut mit dem Bau der im Nildelta gelegenen, neuen Hauptstadt Piramesse unter Ramses II. und seinem Vorgänger Sethos I. Überreste der Hauptstadt Piramesse, die von beachtlicher Größe gewesen sein muss, sind im 20. Jahrhundert entdeckt worden. Viele Historiker sind heute der Meinung, dass der Auszug der Israeliten in der Überlieferung im religiösen Eifer zu einer wundersamen Begebenheit hochstilisiert wurde – wozu die apokalyptischen Plagen und die Vernichtung des Pharaos im Roten Meer gehören. Wäre demnach der Bericht in der Bibel über den Exodus weitgehend nur eine wundergläubige Legende?
Ramses II. war ein Meister der Selbstvergöttlichung! Kein Pharao vor oder nach ihm hat sich mit derartiger Besessenheit als gottgleicher König abbilden lassen. Die berühmtesten seiner Bauten sind die im Süden Ägyptens am Nil gelegenen Felsentempel von Abu Simbel, die 1817 von dem Italiener Giovanni Belzoni aus dem Wüstensand befreit wurden, und die 1964 bis 1968 wegen des Assuan-Staudammes in einer beispiellosen internationalen Rettungsaktion umgesetzt wurden. Ramses II. hatte mit dem Bau dieser Tempel gleich nach Amtsantritt begonnen. Auch sein Bericht über die Schlacht bei Kadesch gegen die Hethiter im Jahr 5 seiner Herrschaft, die mehrfach auf Tempelwänden dargestellt ist, vermittelt den Eindruck, dass der Pharao Ramses II. – verlassen von der eigenen Armee – göttergleich ganz allein, nur mit dem Beistand der Gottheit Amun, das feindliche Heer der Hethiter zermalmt hat. Heute weiß man freilich, dass die Schlacht bei Kadesch unentschieden ausging und dass Ramses II. die nördliche Grenzprovinz in Syrien den Hethitern überlassen musste.
Ramses II. soll nach Angaben der Ägyptologen 67 Jahre lang regiert haben und über 90 Jahre alt geworden sein. Kann er tatsächlich jener Pharao gewesen sein, der entgegen seinem Versprechen, dem Volk Israel freien Abzug aus Ägypten zu gewähren, die Israeliten mit seinen Soldaten verfolgte und dann vom Roten Meer verschlungen wurde, wie die Bibel berichtet? Die altägyptischen Annalen berichten nichts von einem Exodus zu seiner Zeit, und der Name „Israel“ wird erstmals auf einer Stele Merenptahs, dem Nachfolger von Ramses II., erwähnt. Auf viele offene Fragen in Verbindung mit dem Exodus und dem in dieser Zeit herrschenden Pharao konnte die Geschichtsforschung noch keine eindeutigen Antworten finden.
Dass es offenbar keinerlei ägyptische Aufzeichnungen über den Auszug der Israeliten aus Ägypten gibt, spricht nicht gegen den in der Bibel geschilderten Exodus unter der Führung des Moses. Geschichtliche Ereignisse sind im alten Ägypten vor allem auf Tempelwänden in Bild und Schrift festgehalten worden. Die Bilder und Schriften dienten in erster Linie der Verherrlichung des Pharaos, der nach seinem Tod als Gottheit betrachtet wurde und dem dann Opfergaben dargebracht wurden, wie es bei den Göttern Ägyptens üblich war. Die Niederlage eines „göttergleichen“ Pharaos – oder gar seine Vernichtung durch Fluten des Roten Meers – war theoretisch unmöglich. Der Pharao durfte nur siegreich dargestellt werden.
Wo lag die Hauptstadt von Ramses II., das in der Bibel erwähnte Piramesse bzw. Raemses? Bis zum 20. Jahrhundert war unbekannt, wo die von alten zeitgenössischen Quellen als grandios beschriebene Hauptstadt gestanden hatte, in der Ramses II. lebte. Heute weiß man, dass sie in der Nähe von Qantir im Nildelta an einem östlichen Arm des Nils gelegen hat, der aber später offenbar versandete, so dass die Hauptstadt ins 25 Kilometer entfernte Tanis von späteren Pharaonen verlegt werden musste. Große Teile der unter Ramses II. entstandenen Monumentalbauten und –figuren gelangten dorthin, so dass man zuerst vermutete, dass dort in Tanis auch die Hauptstadt Piramesse gelegen hatte. Die ursprüngliche, prächtige Hauptstadt von Ramses II., die in derjenigen Region entstand, wo sich die Israeliten niedergelassen hatten, die man dann als Arbeitssklaven für ihren Aufbau nutzte, wurde auch im Laufe der Zeit bis auf die Grundmauern abgetragen, weil man das Baumaterial wiederverwenden wollte.
Die Errettung des Knaben Moses
Einstmals waren Vorfahren der Israeliten zur Zeit des Joseph gastfreundlich in Ägypten aufgenommen worden. Doch als das Volk sich im Laufe der Zeit erheblich vergrößerte, erregte das immer mehr den Unwillen der Pharaonen. So kam es dann unter Sethos I., dem Vater von Ramses II., zur Unterdrückung des Volkes Israel und zu dessen Leiden unter schlimmsten Frondiensten, wie aus einem überzeugend wirkenden Seherbericht (1) zu erfahren ist, der diesen Ausführungen zugrunde liegt. Als Sethos in ständige Kämpfe mit den Grenzprovinzen in Palästina verwickelt wurde, befürchtete er zudem, dass auch die einst dort beheimateten Israeliten sich in Ägypten als Feinde entpuppen könnten. Er ließ deshalb die neugeborenen männlichen Kinder der Israeliten töten, um das Volk klein zu halten.
Moses war gerade zu dieser Zeit geboren! Nur dank einer wunderbaren Fügung entging der Knabe dem Kindermord: Um ihn davor zu retten, hatte ihn seine Familie in einem abgedichteten Korb im Schilf des Nilufers ausgesetzt, und es geschah, dass ausgerechnet die junge Pharaonentochter Korb und Kind entdeckte und Moses zu sich in den Palast nahm. Sethos duldete, dass seine junge Tochter das Kind aufzog, und so wuchs Moses am Hof des Pharaos heran. Niemand konnte voraussehen, dass der am Hof bald allseits beliebte junge Moses einmal der größte Widersacher des Pharaos und der Retter der Israeliten sein sollte.
Ist es nicht äußerst unwahrscheinlich, dass die Pharaonentochter den Knaben Moses am Nilufer auffand und „adoptierte“? Doch muss man berücksichtigen, dass Moses schon vor der Geburt „auserwählt“ war, wie der Seherbericht mitteilt, und dass daher sein Schicksal vom Jenseits aus durch besondere Hilfen geistiger Art sowie auch durch Hilfe der im allgemeinen unsichtbaren Naturwesen günstig beeinflusst wurde. So war es kein Zufall, dass die Pharaonentochter (sie hieß Juri-cheo) den Knaben Moses im Nilschilf fand, und dass sie, wie es der Seherbericht beschreibt, Moses bei seiner Mission später, soweit es ihr möglich war, unterstützt hat und in Kauf nahm, dass sie bei ihrem Vater Sethos schließlich selbst in Ungnade fiel.
Als Moses heranwuchs, konnte es nicht ausbleiben, dass er die ungerechte Regentschaft des Pharaos wahrnahm, ebenso die furchtbare Unterdrückung des israelitischen Volkes. Dies war für ihn um so schmerzhafter, nachdem er eines Tages durch seine „Ziehmutter“, die Prinzessin Juricheo, die Geschichte seiner Abstammung erfuhr. Gern hätte er seinem Volk geholfen, doch was konnte er als Jüngling gegen die Macht des Pharaos schon ausrichten? Auch war ihm durch seine Erziehung das Volk der Israeliten fremd, ebenso ihr Glaube an den alleinigen Gott Jahwe, von dem sie Errettung erflehten.
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