K.P. Hand - Herzbrecher

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Noch immer hat der Ermittler Norman Koch mit den Folgen seines letzten großen Jobs zu kämpfen, als ausgerechnet er über die Leiche eines Jungen stolpert. Obwohl sein Verstand am seidenen Faden hängt, beschäftigt er sich mit dem Fall. Es stellt sich heraus, dass der ermordete Junge irgendwie in Verbindung mit einem großen Verbrecherring steht, hinter dem Norman schon seit Jahren her ist. Um den oder die Täter zu finden, braucht er den Rat eines alten Bekannten, dem er vor Jahren das Herz gebrochen hat. Ganz zum Leidwesen seines Freundes kann Norman nicht verstecken, dass sein Herz noch immer für seine alte Flamme schlägt. Aber Eifersucht kann sich keiner der drei Männer im Moment erlauben, denn sie geraten ins Fadenkreuz skrupelloser Mörder, die nur darauf warten, sie in eine Falle zu locken …

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Wie würde er wohl blond aussehen?

Die Vorstellung brachte ihn zum Schmunzeln.

Plötzlich änderte sich die Stimmung im Hintergrund. Die Reporterin bekam von alle dem nichts mit. Norman, der in seinem Designer Mantel im Regen stand, wollte zur Leiche stürzen, sein Kollege umschlang ihn sofort von hinten. Dann zog er Norman von der Leiche fort zu einem Streifenwagen.

Alessandro konnte wegen des Lärms in der Küche nicht hören, was die Reporterin sagte, die sich nun umdrehte und das Geschehen verwirrt versuchte wiederzugeben.

Während Norman und sein Kollege – dem die blonden Haare wirklich nicht schmeichelten – in den Fokus der Kamera gerieten, beobachtete Alessandro deutlich Normans in die Leere gerichteten Blick. Sein Kollege Jan wirkte sauer.

Dann holte Norman sein Handy hervor und wandte sich von Jan ab. Das war der Moment, in dem er mit Alessandro telefonierte.

Den Augenblick mit anzusehen und Normans hoffnungsvoll leuchtende Augen zu erblicken, das war ein unbeschreibliches Gefühl. Ein warmes Gefühl. Als wäre Alessandro dort gewesen, bei Norman. Es war wie ein Sog in die Vergangenheit, Alessandro erinnerte sich noch genau an den Moment, in dem er entschloss, Norman anzurufen um ihm den Zettel zu zeigen und um Hilfe zu bitten. Er hatte Furcht davor gehabt, hatte geglaubt, dass Norman längst nicht mehr an ihn dachte.

Aber nun sah er deutlich, dass dem nicht so war. Norman hatte auf einen Anruf gehofft, die ganze Zeit über. Kurz tat es Alessandro leid, dass er Norman nicht netter empfangen hatte.

Doch es geschah Norman recht, er hatte Ablehnung verdient.

Allerdings hatte Alessandro den Zettel mit der Botschaft dann doch nicht seinem Exfreund gezeigt, weil Norman einfach viel zu müde und auch krank ausgesehen hatte. Er konnte es einfach nicht mehr gebrauchen, sich Alessandros Probleme aufzuhalsen. Also hatte Alessandro eine schwere Entscheidung getroffen: Er würde die Stadt verlassen.

Deshalb der Kuss, er hatte sich verabschiedet. Für immer.

»Das ist für dich.«

Alessandro riss den Kopf herum, als der junge Kellner neben ihn trat und ihm einen weißen Umschlag entgegenheilt.

Als Alessandro ihn nicht annahm, wedelte der Teenager mit dem pickligen Gesicht und den rötlichen Haaren auffordernd damit. »Da steht dein Name drauf. Ist von einem Gast.«

Der Kellner wirkte eifersüchtig, vermutlich glaubte er, der besagte Gast habe dem Koch Trinkgeld dagelassen, statt ihm.

Alessandro löste seine verschränkten Arme und nahm den Umschlag entgegen.

Er wartete, bis der Teenager an ihm vorbeiging und die schmutzigen Teller abstellte.

Eilig öffnete Alessandro den Umschlag und zog den gefalteten Zettel hervor.

Geh nicht wieder in den Club! Gleiche Handschrift wie der Zettel in seiner Post.

Alessandro riss den Kopf hoch, sein Herz raste so schnell, das es fast zersprang.

Er ging auf den Teenagerkellner zu, packte ihn etwas zu grob am Arm und riss ihn zu sich herum. »Wer hat dir das gegeben?« Um zu verdeutlichen, was er meinte, hielt er den Zettel mit der freien Hand hoch, ohne dass der junge Kellner sehen konnte, was draufstand.

»Keine Ahnung«, wurde Alessandro geantwortet. »Ein Gast. Es lag bei der bezahlten Rechnung, als ich an den leeren Tisch ging.«

Alessandro raste fast vor Wut und Ungeduld. Er hasste Teenager, er hatte einfach keinen Nerv für ihre gelangweilte und stets desinteressierte Art. » Wer saß an dem Tisch?«

Der Kellner zuckte mit den Schultern. »Weiß nicht.«

»Du hast ihn doch bedient!«

»Ich kenn doch nicht jeden Gast mit Namen!«

Oh. Mein. Gott ... Alessandro musste tief durchatmen um dem Hohlkopf keine zu verpassen.

Er schloss kurz die Augen, ehe er fragte: »Wie sah der Gast denn aus?«

Der Junge überlegte kurz. Aber er zuckte schließlich wieder nur mit den Schultern.

»Groß? Klein? Blond? Brünett? Frau? Mann?«, hakte Alessandro nach. »Irgendetwas musst du doch noch wissen! So zugekifft kann doch keiner sein!«

Die Augen des Teenagers weiteten sich kurz ertappt. Dabei war der Drogenkonsum dieses Exemplars nun wirklich kein Geheimnis. Alessandro konnte es riechen und er konnte es an seinen müden, roten Augen erkennen. Und wenn es etwas gab, das Alessandro noch mehr hasste als Teenager, dann waren es eindeutig bekiffte Teenager.

»Ich ... äh ...«, stammelte der junge Kellner.

Alessandro hätte ihm am liebsten das rötliche Haar ausgerissen und ihn damit gefüttert.

»Da ... ähm ... da saßen heute viele Gäste«, erwiderte er schließlich. »Eine Frau, das weiß ich noch, aber das ist länger her. Sie hatte große Brüste und einen weiten Ausschnitt, deshalb erinnere ich mich an sie. Aber sie hat die Rechnung bei mir bezahlt, das weiß ich, weil ich auf ihre Titten starren konnte, während sie das Geld aus der Tasche heraussuchte.«

Alessandro war einfach nur fassungslos. Er ließ ihn los. »Ach, vergiss es.«

In großer Eile ließ er einfach alles stehen und liegen, er riss sich lediglich die Schürze vom Leib und stürmte mit seiner schwarzen Regenjacke aus der Küche.

»Hey. Wo willst du denn hin?«

Alessandro achtete nicht auf den jungen Kellner, er warf schnell einen Blick in das Innere des Restaurants, aber im Moment erkannte er nur einen vollbesetzten Familientisch mit einer großen Familie, die so viel Lärm verursachte wie eine rennende Elefantenherde, und einen einzelnen Mann, der an einem Tisch an der Glasfront saß und an einem Wasser nippte.

Keiner kam ihm bekannt vor.

Alessandro eilte durch den Raum und trat hinaus auf den Bürgersteig, dort sah er sich nach links und rechts um. Es war dunkel und in dieser Gegend war nach Sonnenuntergang nie viel los, selbst die Straße schien wie leergefegt. Straßenlaternen erleuchteten den Gehweg mit orangegelben Lichtstrahlen. Rechts lief ein einzelner Mann eiligen Schrittes die Straße hinunter, er war klein und drahtig, trug ein T-Shirt mit Kapuze, unter dem er sein Haar versteckt hatte.

»He!«, rief Alessandro und ging ihm nach.

Vielleicht war der Mann der Zettelschreiber, vielleicht auch nicht. Es war besser es herauszufinden und sich eventuelle zu blamieren, statt eine Bedrohung zu ignorieren.

Alessandro schlüpfte in seine Jacke, obwohl es nicht mehr regnete. Aber er wollte die Hände frei haben, falls er rennen musste.

Der Mann schien schneller zu laufen, je näher Alessandro ihm kam.

»He!«, rief Alessandro wieder. »Bleib stehen!«

In diesem Moment rannte der Mann in eine Nebenstraße.

Alessandro folgte.

Doch als er nur wenige Sekunden später in die Gasse einbog, war der Mann verschwunden.

Stockend blieb Alessandro stehen und sah sich um. Er befand sich in einem schmalen Durchgang zwischen zwei Backsteingebäuden. An den Wänden gab es nur Feuerleitern und Müllcontainer, die mit Tüten aus dem Chinarestaurant vollgestopft waren, die einen würzigen Duft abgaben. Das einzige Licht kam von den Lichtstrahlen der Laternen, die neben den Eingängen der Gasse standen.

Alessandro lauschte: Rascheln aus den Mülltüten; vermutlich Ratten. Und das Plätschern von Wassertropfen. Keine Schritte, kein schwerer Atem, kein Schleifen über den Boden von jemand, der sich versteckte. Aber der Mann musste noch in der Gasse sein! So schnell konnte er unmöglich zum anderen Ende gelangt und um die Kurve gekommen sein oder die Feuerleitern nach oben erklommen haben.

Es war dunkel und es gab unzählige Versteckmöglichkeiten.

Verfluchter Mist!

Langsam ging Alessandro tiefer in die Gasse hinein. Trotz, dass er seine Schritte mit Bedacht wählte und leise die Füße absetzte, hallten seine Schritte durch die Gasse. Seine Augen wanderten unruhig umher, sie gewöhnten sich langsam an das wenige Licht. Sein Herz klopfte noch immer wie wild in seiner Brust, es hatte sich seit dem zweiten Zettel nicht wieder beruhigt.

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