Wir sind also quitt.
Hand in Hand schlendern wir durch das Village zum Angelikas. Eile kennen wir keine.
„Du trägst wieder Hotpants?“ frage ich endlich.
„Klar, heute ist unser Jahrestag, ich dachte da willst du es nostalgisch“, smilt Suzie Q. so unverschämt verführerisch, dass ich sie einfach wieder in die Arme nehmen und küssen muss, dieses Mal knete ich ihr kräftig den gut eingepackten Po durch, worauf sie ganz besonders steht.
Im letzten Moment kommen wir ins Angelikas und bekommen sogar noch Karten für ‚Manhattan’, der nach dem ersten Septemberregen so gut wie ausverkauft ist.
Standesgemäß nehmen wir in der ersten Reihe Platz, der Film ist in Schwarzweiß und Cinemascope, und die Größe des Bildes in der ersten Reihe entspricht der Höhe der Skyline von Manhattan, was als perfekter Einstand in das zweite Studienjahr an einer filmwissenschaftlichen Fakultät zu werten ist.
Suzie Q. ist zufrieden. Ich bin sehr zufrieden. Mit Suzie Q. ins Kino zu gehen macht einfach Spaß!
Weil heute unser Jahrestag ist gehen wir nach dem Kino in Joe’s Pizza, statt ins Stuzzicadenti, dort erfahre ich von der gewöhnlich gut informierten Lady, dass Stella und Marcus noch immer in Neapel abhängen und höchstwahrscheinlich ein Studienjahr in Europa anhängen werden.
Wow. Das sind ja Neuigkeiten.
„Wir sollte übrigens auch so schnell wie möglich mal nach Europa fliegen und die beiden besuchen, das gehört sich einfach“, meint Suzie Q. und futtert wie die Irre ihre Pizza, so als hätte sie in Texas nur Gras zwischen die Kiemen bekommen.
„Ich wusste nicht, dass man so einfach in Europa studieren kann“, sage ich.
„Wieso nicht? Europa ist doch ein zivilisiertes Land, oder etwa nicht?“ fragt Suzie Q. zurück und futtert weiter wie ein Drescher.
„Ja, schon, aber braucht man dafür nicht ein Stipendium?“
„Keine Ahnung. Die beiden sind alt genug um zu wissen was zu tun ist und wenn nicht, dann ist das ihr Problem. Jedenfalls sind sie total verknallt und das ist bekanntlich irrational, das ist nicht diskutierbar. Gibst du mir noch was von deiner Pizza?“
Äh?
„Gewöhn dir endlich dein dämliches ‚Äh’ ab. Das habe ich dir schon einmal gesagt. Also was ist? Gibst du mir noch was von deiner Pizza Fungi ab?“
Ich beuge mich der Gewalt, thematisiere aber die heikle Angelegenheit.
Suzie Q. ist von entwaffnender Ehrlichkeit.
„Ich muss unbedingt etwas zu legen. Drei Monate Sex im Sommer geht echt an die Substanz und noch dazu war ich in den Händen von Cowboys, die alle kerngesund und den ganzen Tag in der frischen Luft sind. Du hast ja gar keine Ahnung was die Südstaatenguys für eine Potenz ansammeln. Da können die Yankeeboys einfach nicht mithalten. Die sind zwar auch total süß mit ihren Neurosen, aber gegen einen echten Cowboy haben sie absolut nichts zu bieten.“
Suzie Q. stoppt ihre lose Zunge. Sie wird leicht rot, etwas nervös nagt sie an ihren Lippen.
Aha, sie hat geschnallt, dass sie für einen Jahrestag ganz schön viel auf den Putz haut.
„Tut mir schrecklich leid, das war wirklich nicht so gemeint“, sagt sie kleinlaut und rollt ganz eifrig mit den Augen.
Typisch It-Girl, wenn es brenzlig wird, versucht sie einen um den Finger zu wickeln, besonders bei Softies wie mir gelingt die Masche immer.
„Alles klar. So viel Selbstbewusstsein tankt man nur in der Prärie, das verstehe ich.“
Suzie Q. smilt. „Du bist wirklich süß. Essen wir noch ein Tiramisu zu zweit und je einen Espresso?“
Der Jahrestag wird langsam ganz schön kostspielig, aber natürlich kann ich nicht nein sagen.
Suzie Q. putzt zwei Drittel vom Tiramisu locker weg, immerhin gelingt es mir meinen Espresso selbst zu trinken, aber nur weil ich ihn sofort nach dem er serviert wurde ex hinunterkippe.
Sehr gut abgefüllt verlassen wir gemeinsam Joe’s Pizza in Richtung Hudson River Park. Selbstverständlich ist Suzie Q. total kuschelig und pflegeleicht, nach ein paar Schritten schlingt sie schon die Arme und lässt sich hochheben. Ich trage sie wie gewünscht die schwache Meile bis zu unserer Lieblingsbank am Flussufer.
Suzie Q. abzuschleppen macht Spaß und sie steht sehr darauf, ganz eifrig schwingt die Ledermaus ihre langen Beine.
Uff, geschafft. Zum Glück hat es das kleine Luder in Texas ordentlich getrieben und so ein paar Pfunde abgenommen, die trotz ihrer Schlemmerei nicht so schnell wieder auf die Rippen kommen.
Wir schmusen ein gutes Stündchen auf unserer Parkbank herum, sie hat es sich auf meinem Schoß bequem gemacht und lässt sich richtig durchkneten und weil heute Jahrestag ist und wir in den USA sind endet so ein denkwürdiges Date natürlich bei ihr im Bett.
Mamma mia.
Suzie Q. ist total in Form und lässt mir einfach keine Ruhe, bis wir ein Dutzend steiler Nummern hinter uns gebracht habe.
Schwerer Seufzer.
So viel Sex gleich am ersten Tag in der Stadt ist schon eine hohe Latte für das zweite Studienjahr an der Uni, in dem bekanntlich die Sexrakete hochgeht und mit so einer wie Suzie Q. an der Seite ist das Chaos vorprogrammiert, da mache ich mir erst einmal gar keine Illusionen.
Es ist schon hell, als wir endlich beide fix und fertig in die Falle kippen.
Gute Nacht, wir gehen jetzt schlafen.
„So, so, du bist wieder in der Stadt. Schöne Ferien gehabt?“
„Ja, klar. Ich war in LA.“
Nach dem Sexabenteuer mit Suzie Q. besuche ich Galvin ohne Anhang in seinem Atelier in Brooklyn.
„Und nach dem du es dir drei Monate es drüben an der West hast Wohlsein lassen hast du dir gedacht, du schneist beim alten Galvin in dem versifften Brooklyn rein, um zu schauen, ob der auch noch den Pinsel schwingt“, feixt Galvin echt beleidigt, weil ich so lange nichts von mir habe hören lassen.
„Stimmt.“
„Pisser! Du gibst es auch noch zu.“
„Was hast du den Sommer über gemacht?“
„Dies und das. Ich war in Europa.“
„Europa. Wow. Cool, diesen Sommer waren scheinbar alle in Europa.“
„Wer noch?“ fragt Galvin.
„Stalla und Marcus sind in Italien.“
„Ausgezeichnet. Ich unterstelle einmal, dass bei mir mehr abgegangen ist als in Lalaland.“
„Ich hatte jede Menge Sex.“
„Genau den Spruch wollte ich hören. Bist du bei Kasse?“
„Weiß nicht. Kommt drauf an?“
„Du spendierst eine Pizza und zwei Bier, okay?“
„Ja, klar geht sich aus. Wieso?“
„Vollidioten, die große Sprüche über ihre nimmermüde Potenz reißen, gehören bestraft, das ist überall so“, feixt Galvin und ordert schon online beim Pizzaservice.
„Wehe du behauptest, dass du drüben in Europa wie ein Mönch gelebt hast“, sage ich.
„Keineswegs, aber ich bin dort solide geworden.“
„Was?“
„Halbsolide, zumindest.“
„Klingt interessant. Wie ist das zu interpretieren?“
„Ich habe in Madrid ein Mädchen kennengelernt.“
„Wow, super, eine Spanierin?“
„Indirekt. Sie heißt Michelle und wohnt seit gestern hier in NYC.“
„Cool. Wie das?“
Galvin wedelt mit der rechten Hand vor meinem Gesicht herum. Mir gefriert der Atem. Ein goldener Ring ziert seinen Ringfinger.
„Da staunst du, was? Galvin, der Ehemann, wer hätte das gedacht.“
O my God, diese Überraschung ist echt gelungen.
Die Pizza wird zugestellt und ich muss blechen, aber diese sensationelle Nachricht lasse ich mir was kosten, leider ist Michelle gerade in einem Englischkurs, sie will hier an die Uni, was sonst, bis sie soweit ist, ist sie Galvins bevorzugtes Aktmodel.
Gelvin malt seit neuestem naturalistisch und über die scharfen Kurven seiner Ehefrau kann ich nur staunen, gegen die mir noch unbekannt spanischen Schönheit ist Suzie Q. flach wie ein Brett, da kann man gar nichts machen. Ich muss sie unbedingt vorwarnen, denn wenn sie unangemeldet einfach bei Gelvin hineinschneit und diese Akte sieht, läuft sie sicher Amok und steht am nächsten Tag in der Zeitung und das will wirklich keiner.
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